Leserartikel-Blog

TV-Polit-Talk: Selbstdarstellung bei Illner, Maischberger, Plasberg & Co. - KEIN Guttenberg-ENDE?

Mit Alt-Playboy Rolf EDEN (Berlin) wollte Sandra Maischberger eigentlich über Triebe und Sex reden. Da Baron zu GUTTENBERG ade sagte, debattierten schnell herbeigeholte „Experten“ nun über dessen Abgang: „Es hätte bei Sandra Maischberger so lustvoll werden können“, meint DER SPIEGEL:

Geplant hatte die SM-Redaktion für Dienstagabend (1/3/11) eine Sendung mit den selbsternannten Verführungs-Gurus Rainer Langhans und Rolf Eden ("Trieb statt Hirn - warum hat Sexualität solche Macht?"). Doch dann hieß es: umschwenken zur Politik, zum Baron also im ersten Late-Night-Talk nach dem Abtritt des Lichtgestalt-Ministers. Zu den sechs Guttenberg-Analysten zählte auch der „gefallene“ Publizist Michel FRIEDMANN, seines Zeichens Rücktritts-Experte und Selbstdarsteller, zu dem die Redaktion freundlicherweise einblendete: „wegen Kokainaffäre zurückgetreten".

M.F. betonte, dass Guttenberg seine "Peergroup" verloren habe und sich zum "Celebrity" machen ließ; klare "Glamoursituation" - "wie in einer Soap" stiere die Bevölkerung auf das, was im Hause zu Guttenberg passiere. "Bild"-Hauptstadt-Chef Nikolaus BLOME, der mit Friedman schon bei Maybrit ILLNER über die Plagiats-Affäre stritt, gab bei SM wieder den Verteidiger Guttenbergs und kritisierte, dass dieser sich "Betrüger nennen lassen muss." "Bild" versuchte im Fall GUTTENBERG den Absturz des Barons zu verhindern.

Heute - am Donnerstag 3.3.11 - wird Maybrit ILLNER die Frage "Gutt-Bye - Held gestürzt, Kanzlerin gerettet?" stellen. Wir lesen dazu: Angela Merkel habe nach dem Rücktritt des gestrauchelten Helden zu Guttenberg schnell gehandelt: Nun soll der hoch angesehene bisherige Innenminister Thomas de Maizière Verteidigungsminister werden - sein Vater zählte als Generalinspekteur der Bundeswehr in den 60er Jahren zu den Militär-Reformern, die das Prinzip der "Inneren Führung" und das Leitbild des "Staatsbürgers in Uniform" prägten. Thomas de Maizière sei ein „gelungener Befreiungsschlag, kein Zweifel - aber ist die Kanzlerin damit aus dem Schneider?“ – MEHR: zdf.de – 23.00 Uhr im ZDF.

Und zwischendurch, am Mittwochabend, rätselte Frank PLASBERG in "Hart aber Fair": "Geht da ein Lügner oder ein Märtyrer?"

In der Runde saßen diesmal weder der "Bild"-Journalist Nikolaus Blome noch der Gestikulier-Historiker Arnulf Barning (bei SM schon zu Gast), von denen man zuletzt annehmen musste, die ARD habe ihnen eine Festanstellung im Talk-TV gegeben (so DER SPIEGEL). Die Plasberg-Show wurde besetzt mit den folgenden Herren: SPRENG, der hervorhob, dass Guttenberg mit seiner Fake-Dissertation "die Werte verletzt hat, die er bannerartig vor sich hergetragen hat" (Michael Spreng, Ex-"BamS"-Chef), SCHARNAGL, der glaubt, dass Baron zu G. einen "großen Fehler ehrlich eingestanden" habe (Wilfried Scharnagl, "Bayernkurier"). Und dass das "politische System Schaden genommen" habe konstatierte Klaus WOWEREIT (SPD, OB Berlin), dass das "Krisenmanagement schlecht" war, aber der "Verlust eines politischen Talents" zu bedauern sei stellte Johannes B. KERNER fest. "Hervorragende Arbeit" habe zu G. geleistet als Verteidigungsminister, behauptete Wolfgang BOSBACH (CDU):

All das sei „zum Teil wortgleich und nicht bloß in der ARD in den vergangenen Tagen und Wochen immer und immer wieder ventiliert worden“, kritisiert der SPIEGEL (Online) die SENDUNG der Plasberg-SHOW mit deren Aufmacher:
„Alle Durchhalteparolen waren vergeblich. Mit dem Rücktritt von Superstar zu Guttenberg fragen sich viele Bürger: Musste er gehen, weil er sich zu sehr in Lügen verstrickte, oder weil ihn Neider und Medien zur Strecke gebracht haben? Und regiert jetzt in Berlin nur noch das Mittelmaß, geführt von einer angeschlagenen Kanzlerin?“

„Ein bisschen Kritik und ein lautes Hallelujah“ – das Resümee des „SPIEGEL“

Erkenntnisfortschritte in der Causa Guttenberg waren bei Plasberg denn auch „kaum zu verzeichnen“: Stattdessen schlug der CDU-Innenpolitiker BOSBACH auf seine Parteigenossen SCHAVAN und LAMMERT (1) ein: Er hätte die , mit denen die Bildungsministerin und der Bundestagspräsident am Montag aus der Pro-Guttenberg-Phalanx ausgeschert waren, "nicht vermisst, wenn sie nicht gekommen wären". Dem angeschlagenen Verteidigungsminister zu G. im Bundestag frenetisch zu applaudieren, um hernach den Medien Distanzierungserklärungen zuzuraunen - "das mag ich nicht", so der CDU-Mann.

Demütiger gab sich CSU-Mann SCHARNAGEL: "Wir alle wissen, wenn wir Christen sind, um unsere Fehlerhaftigkeit, unsere Sündhaftigkeit, um unser Versagen." Guttenberg sei eine "Ausnahmegestalt", so Scharnagl, weil er eben "irgendwie mit dem Volk eine Allianz gebildet hat gegen die üblichen politischen Schichten."

„Deutschlands Konsens-Talker KERNER“

„Etwas vornehmer drückte es Johannes B. Kerner aus“, so der SPIEGEL: Der "Graben" zwischen Politikern und Bürgern werde "größer, wenn solche beliebten Politiker zurücktreten". Herausragende Persönlichkeiten seien "so etwas wie ein politisches Lagerfeuer". Auch für Deutschlands Konsens-Talker Kerner sei der Verteidigungsminister "zu Recht zurückgetreten" - doch das Bedauern darüber, dass KERNER in Zukunft auf das mediale Lagerfeuer mit Guttenberg verzichten muss, „stand ihm ins Gesicht geschrieben“ (siehe a&s Bilderstrecke). SPIEGEL: Nein, der Feldlager-Talk in Afghanistan sei kein "Theater für einen Strahleminister" gewesen, so Kerner, "sondern wir haben uns mit dem Leben von deutschen Staatsbürgern auseinandergesetzt, die da ja nicht freiwillig hinfahren." Und Scharnagl adjutierte: "Kein deutscher Verteidigungsminister hat sich so um die Soldaten gekümmert."

Kerner wusste zu berichten, dass die Truppe "nachgerade begeistert" über den schmucken Verteidigungsminister in Camel-Boots war. Und man habe es "sehr gemocht, dass er seine Frau mitgebracht hat." Ex-"Bild"-Mann Sprenger wandte ein, die "Bild" habe doch gerade "nicht über die traumatisierten Soldaten berichtet, sondern nur über Guttenberg und seine Frau."

Merkel-Podcast des Jahres 2008

Bei PLASBERG (http://www.wdr.de/tv/hart... gab’s am Ende der Sendung noch einen hübschen Einspieler aus einem MERKEL-Podcast des Jahres 2008, in dem die Kanzlerin deutliche Worte gefunden hatte: "Raubkopien sind kein Kavaliersdelikt!" Und schließlich erörterte man noch ausführlich die Frage, ob und unter welchen Umständen Guttenberg ein COMEBACK wagen könne. Zudem wurden dimap-Umfrage-Ergebnisse eingeblendet – siehe Bilderstrecke in der GZ: Maischberger/ Illner/Plasberg-TV-Shows: Fall GUTTENBERG und kein Ende? - http://www.giessener-zeit...

Plasberg zitierte eine Umfrage von Infratest-dimap, wonach 72 Prozent finden, er solle nach einer Pause zurückkommen. Und eine weitere Erhebung, in der festgestellt wurde, dass 60 Prozent den Rücktritt richtig finden. Der Mann vom „Bayernkurier“ machte aus seinem Herzen keine Mördergrube: "Er wird wiederkommen - und nicht als Hinterbänkler!"

Ausblick

Doktor-Promotions-System WURM-stichig?

Man muss den "Fall zu G." ethisch & strafrechtlich betrachten: Staatsanwaltliche Ermittlungen gegen Herrn zu G. drohen: Möglicherweise der Nachweis des absichtlichen BETRUGs-Versuchs. Selbst der 76-jährige Doktorvater Prof. Dr. P. Häberle – er googelte wohl damals (noch) nicht! - spricht heute von "unvorstellbaren Mängeln". Der mediengeile G. macht Medien nun für seinen Rücktritt mitverantwortlich und spricht scheinheilig von der zerstörerischen "Wucht der medialen Betrachtung". G.s skandalös-freche Behauptung in der Plagiats-Affäre: Die öffentliche Auseinandersetzung um sein Fehlverhalten sei gar auf dem Rücken der Soldaten ausgetragen worden. Besonders CDU-CSU-Anhänger bedauern die angebliche "Treibjagd" auf G. Zum Ethos beim wissenschaftlichen Arbeiten: Ein selbst durch DOKTOR-Promotion geehrter doctor-Titel-Träger meinte: Es sei ungerecht jetzt zum G.-Fehltritt Rückschlüsse auf alle andern Doktortitel zu ziehen: das diskreditiere die Arbeit der Wissenschaft in Deutschland, so der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Dr. Christean WAGNER. Nach einem Bericht im Handelsblatt ist von Agenturen mit Hunderten von Mitarbeitern die Rede, bei denen man heutzutage Doktor-Arbeiten kaufen kann. Vor diesem Hintergrund muss über die Bewertung von Dissertationen in Deutschland neu nachgedacht werden, denn das ganze Doktor-Promotions-System stimmt nicht (mehr); siehe Fall Uni Bayreuth und "summa cum laude"- Doktortitel-Vergabe & MERKELs schizophrene Sicht (2-Körper-Theorie, FAZ):

Merkel teilte den CSU-Politiker G. auf in den wissenschaftlichen Praktikanten (Ex-Doktor zu G.) einerseits und den Verteidigungs-Minister zu G. andererseits. Das ist zu kritisieren. Spielen Glaubwürdigkeit, Anstand, Seriosität, Ehrenhaftigkeit etc. keine Rolle mehr, wenn es um Macht/POLITIK-Interessen geht?

"Die Bundeskanzlerin macht einen großen Fehler, wenn sie glaubt, dass Guttenbergs Betrug und sein geistiger Diebstahl nicht das öffentliche Amt des Verteidigungsministers berühren", sagte der SPD-Politiker THIERSE dem "Hamburger Abendblatt". Die CDU-Chefin teile Guttenberg in die Privatperson einerseits und den Minister andererseits. "Diese Art von Schizophrenie ist absolut unzulässig."

Thierse bezieht sich mit seiner Kritik auf eine Äußerung Merkels von Ende Februar, mit der sie Guttenberg in Schutz zu nehmen versuchte. Wortwörtlich sagte die Kanzlerin damals: "Ich habe keinen wissenschaftlichen Assistenten oder einen Promovierenden oder einen Inhaber einer Doktorarbeit berufen, sondern hier geht es um die Arbeit als Bundesverteidigungsminister."

Ex-MP- Kurt Biedenkopf (CDU) teilt die Einschätzung des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert, dass die Plagiatsaffäre weitreichende Folgen habe: "Das ist ein Sargnagel an der Glaubwürdigkeit der politischen Klasse." Er glaube zu Guttenberg nicht, dass der bei der Erstellung seiner Dissertation lediglich Fehler gemacht habe: "Ich kann nicht eine Dissertation schreiben mit Zweidrittel plagiierten Stellen, ohne das zu wissen."

Literatur / Anmerkungen

(1) Typisch für die lebensfremde und faktenresistente CSU. Nicht die eigenen Fehler sind verantwortlich sondern die Kritiker, die sich herausnehmen, diese Fakten zu benennen bzw. ihre Meinung ohne Rücksicht auf Parteiräson äußern. Mit der „Bild“-Zeitung hat SEEHOFER für sein Nachtreten auch gleich das richtige Medium gefunden:

Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundesbildungsministerin Annette Schavan scharf kritisiert.
Er warf den beiden CDU-Politikern in der «Bild»-Zeitung (Donnerstag-Ausgabe 3/3/11) vor, dem zurückgetretenen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in den Rücken gefallen zu sein. «Die Äußerungen von Frau Schavan und Herrn Lammert waren nicht in Ordnung.»
Der bayerische Ministerpräsident bezog sich auf ein nicht dementiertes Zitat LAMMERTs, der die Plagiatsaffäre als «SARGNAGEL» für das Vertrauen in die Demokratie bezeichnet haben soll.

SCHAVAN hatte in einem Interview gesagt, sie schäme sich als Wissenschaftlerin «nicht nur heimlich». Seehofer sagte: «Das war nicht solidarisch. Zum Selbstverständnis der Union sollte gehören, dass man den eigenen Leuten beisteht, ihnen nicht öffentlich in den Rücken fällt.» Darüber werde noch zu reden sein - «ich habe mir das auf Wiedervorlage gelegt».

Internet:
http://www.wdr.de/podcast...