Leserartikel-Blog

Gerhard RICHTERs Kunst-„MACKE“: kaum innovativ/originell. Der NICHT-Picasso in Hamburg (HKH & Bucerius KF)

Vorbemerkung: Populär und MARKT-höchstdotiert – aber überbewertet - ist der Künstler-Star Gerhard RICHTER: Er entwickelte seine eigene Maltechnik, in der banale Bilder in sw und grau entstanden, nach Medien-Fotos (stern, Quick etc. -60erJahre) & Amateur-Fotos als Vorlagen gemalt. Anfangs gestisch übermalte Bilder in mystischer Unschärfe - banale Motive; später – ebenso STIL-los - abstrakte Groß-Gemälde. HH präsentiert in Bucerius KF & HKH den BRD-„Super- und Sammlerstar“ – parallel zum innovativen Früh-Romantiker P.O. RUNGE (Galerie HKH). Positiv vermerkt H.R.: „Nichts aber war Richter verhasster als Ideologie.“ Sympathisch, dass G.R. sagt, er entwickelte seine eigene »neue Macke«: Ohne Sinn & Bedeutung – „egal, ob Klorolle oder Mordopfer – alles kann Motiv sein; „All-is-pretty-all-is-art“-Ideologie (Warhol). GR ist KEIN „ Meister der lakonischen Verrätselung“. Alles ohne Hintersinn. Typisch GR: »Das Machen von Dingen, die ohne Sinn u. ohne Moral, ohne Lehre sind, die nichts mehr wollen«. JA: Trotz Katalog: „Richter erhellt und klärt nichts (…)“. RAF-Bilder: „eine Art Terroristenkult“? - „RAF-Zyklus ein hochideologisiertes Terrain“!? RAUTERBERG zutreffend: in RICHTERs „Ästhetik der Enthaltsamkeit“ droht „alles gleich zu werden, ob Klorolle oder Ulrike Meinhof“! Richter ist bloß „KUNSTMALER“ - um l’art pour l’art geht es dem Weltranglisten“Chamäleon“ („Kunstkompass“) - oft den Platz 1 belegenden Markt-Künstler; z.B. „Düsenjäger“ (1963) 2007 bei Christie´s für 11,2 Mio Dollar versteigert.

(Quelle - DIE ZEIT - Artikel Nr. 06 (5.2.11) Hanno Rauterbach:
http://www.zeit.de/2011/0....)

Gerhard RICHTER: KEIN guter „PICASSO des 21. Jahrhunderts“ – ohne STIL (Goethe). Werk-Vergleich mit P.O. RUNGE - 25 a&s-BILDER hierzu: http://www.giessener-zeit...

Gerhard RICHTER ist ein Mann der Superlative: auf der Weltrangliste („Kunstkompass“) der lebenden Markt-Künstler belegt er wiederholt den ersten Platz, seine Bilder „Düsenjäger“ - 1963 entstanden und 2007 bei Christie´s in New York für 11,2 Mio Dollar versteigert - sowie „Kerze“ – 1983 entstanden und 2008 bei Sotheby’s in London für 10,5 Mio Euro versteigert - machen Richter zum teuersten noch lebenden deutschen Maler.Eine Ausstellung im MoMA 2002 war mit 188 Exponaten die größte jemals einem lebenden Künstler gewidmete Ausstellung.

PICASSO des 21. Jahrhunderts?

„PICASSO des 21. Jahrhunderts“ würde er gerne genannt, berichtet aktuell 3sat-Kulturzeit. 3sat war bei der Vernissage der Gerhard-RICHTER-Ausstellung 2011 im Bucerius-Kunstforum in Hamburg: Bescheiden trat Gerhard Richter auf. Dass G.R. „gerne als Picasso der Moderne bezeichnet“ werde: „seine mittlerweile 50-jährige Karriere gibt dem Recht“ (3sat). "Es ist ein Geschenk für mich", sagt Richter. "Ich habe nichts dafür tun müssen. Und das ist toll." Ist es ein gutes Geschenk? "Ja", findet Richter. "Und es ist das erste Mal, dass ich in Hamburg ausstelle, das ist ja auch etwas." (Ausstellung "Gerhard Richter. Bilder einer Epoche" Bucerius-Kunstforum, Hamburg bis 15.05.2011 - http://www.3sat.de/mediat....) Pablo PICASSOs Zerlegungen und Deformationen brachten nicht das NEUE – sie „setzen das stereometrische Weltgebäude voraus, das seit der Entdeckung der Zentralperspektive als Ordnungsmacht die Maler herausforderte“, stellte Werner Hofmann klar – in Phantasiestücke (S. 270 f.); PICASSO als „Vollender der alten Welt“ (BERDIAJEW) habe die „Konstrukte der neuzeitlichen Kunst zertrümmert“: Max ERNST & Paul KLEE arbeiteten als prämorph kreierende Metamorphosen-Künstler „hingegen gleichsam, ‚ab ovo’, plasmatisch-embryonal. Also mit Zeichen, die morphologisch dieser Welt des Kubischen vorausgehen. (…).“. Ernst & Klee kreierten NEUES (in (1) mehr http://www.giessener-zeit... .)

Das „Prinzip der Verwischung“ ist für 3sat-Kultur „bestechend und immer faszinierend.“ Schön sei in HH: „Erstmals in der Schau zu sehen sind seine Original-Fotovorlagen aus Zeitungen und Magazinen. So hat er ungewollt ein Historienbild der Moderne geschaffen. Bestes Beispiel ist sein Zyklus mit den Bildern der gerade ums Leben gekommenen RAF-Terroristen. "Wenn man in den letzten Jahren ins Atelier von Gerhard Richter gekommen ist, war man jedes Mal wieder überrascht, was für neue Seiten er der Malerei abgewonnen hat", sagt der Kurator der Ausstellung, Uwe SCHNEEDE (der EX Kunsthalle Hamburg Chef); "was auch bedeutetet, dass diese Bilder einem im ersten Moment ganz fremd waren. Aber das ist genau das Überraschende, Konsequente und auch Radikale einer solchen Kunst.“

Die Zeitdokumente aus den 1960er und 80er Jahren sind nur ein kleiner, aber entscheidender Ausschnitt aus 50 Jahren Richter-Malerei. Und wenn ein GOETHE-Institut empfiehlt, Gerhard RICHTERs Show 2011 in Hamburg zu besuchen – wo der Kunstmarkt-Star noch nie ausgestellt hat – sollte man Interesse zeigen, Informationen aus zuverlässiger Quelle sammeln und auswerten bzw. bewerten: Ein Jahr vor Gerhard Richters 80. Geburtstag präsentiert das Bucerius Kunst Forum in Hamburg 50 Werke des Künstlers aus deutschen und internationalen Sammlungen. Ein großer Teil der Ausstellung ist Richters frühen Arbeiten aus den 1960er-Jahren gewidmet. Der in Dresden geborene Künstler war 1961 in den Westen übergesiedelt. Für die großformatigen, verwischten Gemälde nach Fotos isolierte Richter Motive aus den Bildstrecken von Magazinen.

Richter verwendete gerne Fotos und Abbildungen aus Illustrierten, „weil es das Unkünstlichste war, das ich greifen konnte. Ich wollte Bilder malen, die überhaupt nichts mit Kunst zu tun hatten, dafür nahm ich Fotografien.“ (http://www.goethe.de/kue/... ) Siehe auch (2).

Hat denn nun Gerhard-RICHTER-Kunst mit KUNST & PICASSO überhaupt etwas zu tun?

Gerhard RICHTER (78), der KUNSTMARKT-teuerste deutsche Maler (was nichts bezüglich der Qualität der gehandelten Werke aussagt) , schuf Kunst, die von abstrakten Farbfeldbildern bis zu fotorealistischen Arbeiten wie dem berühmt gewordenen Werk „Ema – Akt auf einer Treppe“ (1966), reicht; in HH zu sehen. Eines eint die meisten seiner Bilder: die Unschärfe. Das Material für GR-Werke stammt oft aus Bildreportagen über Hochstapler, Giftmörder oder Verkehrsunglücke.

Warum wählt Gerhard Richter dieses Stilmittel, was ist so besonders an unscharfen Bildern?

In den Verwischungen formt der Künstler Fotografien oder Vorlagen aus Zeitschriften in Malerei um. Er stellt also Malens der Fotografie gegenüber. Die Verschleierung fordert uns zur genaueren Betrachtung heraus. Dabei muss allerdings das Alltägliche, oft harmlos wirkende Motive, nicht als etwas Geheimnisvolles (so bild de) interpretiert werden; der „Betrachter ahnt, dass sich dahinter mehr verbirgt“ will bild.de seinen Usern erklären.

Zu Gerhard RICHTERs Schaffen zählt laut der bild-Zeitung auch das „Schlüsselwerk der neueren deutschen (Kunst-)Geschichte: Der fünfzehnteilige Zyklus „18. Oktober 1977“, entstanden 1988. Auf diesen Bildern sind die Leichen der RAF-Terroristen zu sehen, die sich am 18. Oktober in Stammheim das Leben nahmen, außerdem Motive aus Polizeiakten und Gegenüberstellungen.“

Der 1995 vom Museum MoMa in New York angekaufte, in Deutschland umstrittene Bilderzyklus ist nun im Rahmen der Ausstellung in Hamburg zu Gast. Die Ausstellung zeigt den Zyklus „18. Oktober 1977“ aus dem Museum of Modern Art, New York. Der Katalog enthält nicht nur den neuesten Forschungsstand zu diesem Zyklus, sondern veröffentlicht auch erstmals frühere Briefe von Gerhard Richter.
BILD-Zeitung: „Richter nahm auch hier Fotografien aus Magazinen als Vorlage, wandelte die Aufnahmen in verwischte, unscharfe Schwarz-Weiß-Malerei um. Dadurch wirken die Szenen noch gespenstischer. Für die Bilder wurde der Künstler heftig kritisiert, der Vorwurf: Er setze den Verbrechern ein Denkmal.“

Wer das liest, denkt an den aktuellen „Fall Anselm KIEFER/Osama bin LADEN“: Dazu mehr in DIE ZEIT in http://community.zeit.de/... (Böse, MENSCHENverachtend, KUNSTKRITERIENlos: Wird (muss) Staatskünstler Anselm KIEFER den Friedenspreis zurückgeben? …)

Gerhard Richter.- teuerster lebender Staatskünstler . gilt in der BRD als politisch und kulturell sehr einflussreich: G.R. der den eigenen Vater durch Selbstmord verlor, verarbeite nach „bild“ mit künstlerischen Mitteln ein Trauma, „das die Gesellschaft noch bis heute verarbeiten muss“. Der Künstler bei der Ausstellungseröffnung 2011 in HH: „Ich male meine Zeit. Vieles davon ist inzwischen Geschichte. Somit male ich Geschichts-Bilder, Bilder einer Epoche.“ Nach „bild.de“ führt GR in seinem RAF-Zyklus „die unfassbare Verblendung der Mörder vor Augen, verdichtet eindringlich die schlimmste Epoche der deutschen Nachkriegszeit mit all ihrem Schrecken, ihrer Hilflosigkeit und hoffnungslosen Verstrickung – er hält die Erinnerung mahnend wach.“ Mehr könne Kunst nicht erreichen, wird behauptet – in http://www.bild.de/BILD/u....

In einem zweiten Teil der HH-Ausstellung wird der Zyklus 18. Oktober 1977 zum Tod der RAF-Mitglieder präsentiert, mit dem Richter 1988 seine Werkgruppe der gemalten Fotos abschloss. Der Titel bezieht sich auf den Tag, an dem die RAF-Terroristen Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe tot im Gefängnis Stuttgart-Stammheim gefunden wurden. Richter beschäftigten auch politische Ereignisse, wie die Ermordung des amerikanischen Präsidenten Kennedy oder die Aufrüstung der NATO. Siehe auch Anm. (2).

Abenteuerlich und bedenklich liest man in „dradio“: „In der Quantenphysik sind zwei komplementäre Eigenschaften eines Teilchens, also etwa sein Ort und sein Impuls, nie gleichzeitig genau messbar.“ Dies besage die berühmte "Heisenbergsche Unschärferelation". Und sie erkläre, „dass diese Unschärfe nicht Folge unzulänglicher Messvorgänge, sondern prinzipieller Natur ist. Dies sich angesichts der unscharfen Bilder, die Gerhard Richter in den 60er Jahren malte, vor Augen zu halten, kann helfen.“ (http://www.dradio.de/dlf/...)

Um „die Thematisierung der Malerei“ ging es G.R.; NICHT um Ideen der „Quantenphysik“ und „komplementäre Eigenschaften eines Teilchens“ in unscharfer Foto-Vermalung darzustellen! Vgl. hierzu ETOE der ars evolutoria. In „Debatte um UN-kritische "Kunst"-KRITIKer: Hanno RAUTERBERGs Plädoyer für eine Kunst-Kritiker-Akademie“ mehr zu feuilletonistischem Unfug: 19-8-2010 http://community.zeit.de/...

In (2) erörterte ich, dass RICHTER das Gestalt-Hineinsehen-Wollen (Englisch „imagination“; visual imagining“) im (halb)ABSTRAKTen Tun begeisterte: „Richter entwickelt über Jahre hinweg den Drang/Hang, seine experimental-abstrakten Erscheinungen zu lesen/deuten, das Abstrakte mit bereits Gelesenem in Beziehung zu bringen“, schrieb ich S. 71: Belege ebenda mit Werk-Titeln: vgl. (3)/(4).

STIL mag RICHTER nicht: „Denn Stil ist Gewalttat, und ich bin nicht gewalttätig" (…)

Der STIL ablehnende Gerhard Richter nutzt Strategie des „Hineinsehens“, d. h. in obsessionellen Auseinandersetzungen mit der Bearbeitung von Farben-Materie wird mit Hilfe diverser Gerätschaften technisch-bewusst Neues kreiert: hierbei tauchen Bedeutungen frei assoziativ auf (siehe die diversen anthropomorphen Titel a.a.O.). Die sichtbare Farbformenwelt erscheint dem Maler G.R. wie eine Abfolge von Bildern, wobei sich seinem Geist neue Farbe-Gestalten präsentieren, die transmutativ Auslöser-Funktion haben: ineinander verwobene Farbe-Form-Suggestionen werden zu lesbaren „Kompositionen“ – allerdings zumeist geringfügig (herzlich wenig) lesbar. Siehe hingegen ars evolutoria - (3).

Dazu formulierte ich: „RICHTER hat hier Sinn im Sinn, mutmaßlich ohne Gedanken an Ordnungsfaktoren in der Naturwirklichkeit (z. B. Symmetrie). Der Künstler will Verbindliches-Lesen, Nichtwissenwollen um den Sinn wird mutiert zum Wissen-Wollen des Sinns (Kreation von Kausalität, Vorführen von Nichtrealem als Realem).“ Gemälde Richters sollen so interpretiert werden:

Werner SPIES führte aus: Sowenig wie Picasso oder Picabia gehe Richter um einen definitiven Stil. In Richters Chamäleon-„Prinzip“ als Thema seiner Kunst - der Pendelschlag zwischen Gegenständlichem und Ungegenständlichem - mit „Ablehnung eines durchgehenden Stils“, könne sich der Maler sich auf die "Wechselwirtschaft" berufen, von der Kierkegaard sprach. Hinter ihr verstecke sich der „Versuch, die moderne Langeweile zu überlisten“. (A.a.O., S. 72.)

Was STIL-Fragen in Bezug auf die figürlich-gegenständlich gemalten Bilder Richters anbelangt, muss man dies nicht diskutieren:

RICHTER äußerte sich verbal zu seinen Gemälden mit verschiedenen Versionen (verschwommen, in verwischten Grautönen) von "Klorolle" (1965) und erklärte, dass „zuvor in der Kunst eben noch keine Klorollen gemalt worden seien“ (taz - a.a.O. 2002). So einfach ist Malerei zu erklären. Oder? (3)
Um ästhetische Objektivität, bemüht, schrieb Goethe 1789 den Aufsatz über „Einfache Nachahmung der Natur, Manier, Stil“: In diesen Ausdruckskategorien, einer Rangordnung, spiegele sich das künstlerische Streben „heute wie ehedem“ betonte der Kunstwissenschaftler Werner HOFMANN 1955; W.H. förderte den ars evolutoria STIL!

„Gelangt die Kunst durch Nachahmung der Natur, durch Bemühung sich eine allgemeine Sprache zu machen, durch genaues und tiefes Studium der Gegenstände selbst, endlich dahin, dass sie die Eigenschaften der Dinge und die Art wie sie bestehen genau und immer genauer kennen lernt, dass sie die Reihe der Gestalten übersieht und die verschiedenen charakteristischen Formen neben einander zu stellen und nachzuahmen weiß: dann wird der STIL der höchste Grad wohin sie gelangen kann; der Grad, wo sie sich den höchsten menschlichen Bemühungen gleichstellen darf.

Wie die einfache Nachahmung auf dem ruhigen Dasein und einer liebevollen Gegenwart beruhet, die Manier eine Erscheinung mit einem leichten fähigen Gemüt ergreift, so ruht der STIL auf den tiefsten Grundfesten der Erkenntnis, auf dem Wesen der Dinge, in so fern uns erlaubt ist es in sichtbaren und greiflichen Gestalten zu erkennen. (…) Es ist uns bloß angelegen das Wort STIL in den höchsten Ehren zu halten, damit uns ein Ausdruck übrig bleibe um den höchsten Grad zu bezeichnen, welchen die Kunst je erreicht hat und je erreichen kann. Diesen Grad auch nur zu erkennen, ist schon eine große Glückseligkeit, und davon sich mit Verständigen unterhalten ein edles Vergnügen, das wir uns in der Folge zu verschaffen manche Gelegenheit finden werden.“

Dass die „Autortät von STIL, das Vertrauen in STIL und den Rang und Wert des STIL-Prinzips als solchen erneut thematisiert und reflektiert wird“, hat meine ars evolutoria zum Ziel (Symmetriebuch S. 284). Kunstpublizistik, Kunstkommerz und Kunstvermittlung suggerieren auch heute noch, dass es „nicht darum geht, Stile durchzusetzen, Stile zu verteidigen, auf Stile zu schwören“, dass „Stil für uns heute nicht mehr der Weisheit letzter Schluss sein kann“ (so Werner Schmalenbach 1984; a.a.o. S. 284 – (3)).

Gibt es in Richters Werk Anhaltspunkte, dass Richter etwa eventuell doch versuchte, mit seinen „Abstrakten Bildern“ STIL-bildend zu wirken, das „Wesen der Dinge“ bildnerisch zu begreifen, einen verbindlichen Kanon - einen „Generalbass“ (Goethe) gar - zu konzipieren, dem sich der subjektive, willkürliche Ausdruck einzufügen hat? Wenn auch oft gesagt wird, Richter sei ein „Chamäleon, das sich nicht auf einen Stil festlegen lässt“, er sei „ein Maler, der Programmlosigkeit zu seinem Programm gemacht“ habe (Armin Zweite). Hat Richter wirklich generell „den ewigen Stilbruch zum Stil erhoben“? (taz 18.02.2002; Tomas Girst, Artikel „Und alle Fragen offen“)
“Ich verfolge keine Absichten, kein System, keine Richtung. Ich habe kein Programm, keinen Stil, kein Anliegen“ formulierte Richter 1966. Auch beschrieb er einmal seine Kunst so: "Ich mag alles, was keinen Stil hat: Wörterbücher, Fotos, die Natur, mich und meine Bilder. Denn Stil ist Gewalttat, und ich bin nicht gewalttätig". (Nach Frieder Burda Baden-Baden).

Kunst-KRITERIEN-Katalog;
VERSUCH einer Beurteilung vom Werk Gerhard RICHTERs (GR) & Philipp Otto RUNGEs (POR; (5)) (Punkte-Skala 0 Punkte (negativ) bis 10 Punkte (sehr positiv): Maximal 40 Punkte erreichbar.

Mein "Modell für eine objektivere Kunstbeurteilung", das Anklang fand, hier in einer Kurzfassung/Auszüge (vgl. db1 (6) / S. 81 f.):

WerkFORMALES, -INHALTLICHES und -GEHALTLICHES bestimmen den Gesamtwert eines künstlerischen Gebildes. Ein Kunstwerk konkretisiert sich in ästhetisch-werthaften und außerkünstlerischen werthaften Qualitäten. Wir unterscheiden wertpositive, -neutrale und negative Qualitäten.

Fragen Sie bei der Sachbegegnung, Sachanalyse das Kunstwerk mit den 7 essentiellen W: WAS, WANN, WO, WIE, WOMIT, WARUM, WOZU ???

1. VERGLEICHEN SIE DAS KUNSTWERK MIT BISHER BEKANNTEN WERKEN (Rangfolge a-e):
a) Plagiat
b) Epigonentum
c) Als Variation von ... neuartig und in der Erfindung meisterhaft – GR 5 Punkte
d) Neuartig - original - nicht dagewesen, jedoch nach der bisherigen kunstgeschichtlichen Entwicklung durchaus vollziehbar, vorhersehbar und vorstellbar
e) Geniale Leistung, als schöpferischer Akt in der Einzigartigkeit der Erfindung unfassbar, bisher nicht möglich erscheinend; Resultat eines besonderen unnachahmlichen Könnens (Nachweis der Neuheit der Erfindung - Rolle der Priorität!) – POR: 10 Punkte

2. STUDIEREN SIE IM WERK DIE VERWENDUNG BILDNERISCHER MITTEL IN BEZUG AUF DIE LÖSUNG DES BILDNERISCHEN PROBLEMS (Zusammenwirken von Intuition und Intellekt des Künstlers)!
Linear-figurative Qualitäten, Farbqualitäten, kinetische Qualitäten, Aktivierungsqualitäten (Einbeziehen der Aktivität des Betrachters), akustische Qualitäten.Beitrag der Qualitäten am Wertvollsein des Ganzen; Korrelation von Bildstruktur und Inhalt/Gehalt; Problemrelationen, -verbindungen, -überlagerungen?
GR: 5 Punkte / POR: 10 Punkte.

3. INWIEWEIT DIENEN WIRKSAMKEIT, ÜBERZEUGUNGSKRAFT, EINDRINGLICHKEIT, MITTEILUNGSKRAFT DER REINEN BILDNERISCHEN MITTEL DEM KUNST-WERKINHALTLICHEN BZW. -GEHALTLICHEN (Überzeitlichkeit, Zukunftsträchtigkeit, Geist der Zeit etc.)?
GR: 3 Punkte / POR: 10 Punkte.

4. WERDEN IN IHNEN GEFÜHLSBETONTE ASSOZIATIONEN NEGATIVER ODER POSITIVER ART IN BEWEGUNG GESETZT (Reflexstärke, evokatorische Kraft)?"
GR: 5 Punkte / POR: 10 Punkte.

Hier ist anzumerken, dass ich in meinem Buch "Symmetrie als Entwicklungsprinzip in Natur und Kunst" (1989/1998/2011/eBOOK) das vielfältige Problem der Kunstbeurteilung mehrfach angesprochen habe und einen "evolutorischen Kunstbegriff", einen "Stammbaum" der Kultur und Malerei anvisiert habe (S. 234 f.).

Dass Qualität durchaus definierbar ist und der I n n o v a t i o n s w e r t eines Kunstobjekts als das oberste Kriterium angesehen werden kann (Originalität, visuelle Erfindungskraft, geschichtliche Relevanz, stilbegründende Kraft, Kreativität ...), belegt auch eine Untersuchung von PLAGEMANN mit Antworten von Künstlern, Händlern, Ausstellern, Kritikern, Sammlern. (Kunst als Ware? In: DAS KUNSTWERK, Nr.2/1971, S. 3-81; Zusammenfassung S. 79.)

VERGLEICH GR/POR:
Summe der Punkte: GR: 18 Punkte / POR: 40 Punkte.

FAZIT - 17/3/09 in der SZ:

wernerhahn schreibt L’art pour l’art: Kann RICHTERs Kunst-Qualität Jahrhunderte überdauern? - http://www.sueddeutsche.d...

„Wir sehen den Schein der Wirklichkeit und erzeugen ihn dann künstlich, in Bildern“, sagt RICHTER im SZ-Interview. An Theodor Adornos "Ästhetische Theorie" erinnernd, glaubt der Maler-Star, dass es „keine Kriterien für gute oder schlechte Kunst“ gibt: „Also, ich denke, dass das grundsätzlich unmöglich ist, und dass es gut ist, dass wir es nicht erklären können.“ Zur „Gretchenfrage“ nach gut und schlecht erklärt RICHTER dennoch, dass er sich beim Heranwachsen „Vorbilder“ angeeignet habe: „Qualität (…) die Jahrhunderte überdauert (…), die Übereinstimmung schafft, die also einen sozialen und gesellschaftlichen Wert darstellt“.

RICHTER unterstreicht, dass „nicht einmal ein Drittel“ seiner Bilder „gegenständlich“ sei. Bei seinen „abstrakten“ Bildern forme sich „allmählich das Bild einer Landschaft“, die er nicht kenne. Die Mittel seien die „gleichen, also die Farben, Formen, Proportionen, Strukturen sind die gleichen wie beim Entstehen einer real existierenden Szene“. Deshalb „sollten abstrakte Bilder auch genauso betrachtet werden wie die fotorealistischsten Motive“.

RICHTER geht es um l’art pour l’art: Ihn interessiert die Auseinandersetzung mit den Bedingungen der Malerei, mit ihren Prinzipien, Grenzen und Möglichkeiten, was als Arbeitsweise der alten Moderne und Postmoderne aber keine Innovation (Originalität) darstellt. (Vgl. hingegen P.O. RUNGEs Werk (5).)

Von zentraler Bedeutung für RICHTERs „Abstraktionen“ ist die Eigenwirkung von Farbe & Form sowie das Einbeziehen des Zufalls in den malerischen Prozess. Als eine „sehr geplante Spontaneität" beschrieb der Maler seinen Schaffensprozess, in dem mit Pinseln, Rakeln und Spachteln Schicht für Schicht Farbelemente und -strukturen aufgetragen werden und bereits vorhandene durch neue überlagert, ausgelöscht oder durch Kratzen wieder freigelegt werden. Dabei fügen sich Farbspuren auch zu Strukturen, die Räumlichkeit evozieren können (LEONARDO-Prinzip des Hineinsehens in Strukturen) sich aber zu keinem erkennbaren Gegenstand verfestigen können und sollen. (7)

Kunstgeschichte & RICHTERs Werk

Für die Entwicklung der Kunstgeschichte ist RICHTERs Werk, das keine Gegen-Kunst, sondern l’art-pour-l’art darstellt, eher bedeutungslos: Auch als Gegenbewegung der schöpferischen Phantasie gegen das Ideal-Schöne schafft G.R.-Kunst keine 'perfetta deformità' - vollendete Missgestalt wie noch PICASSOs Deformationen. Gerhard RICHTER beansprucht für sich die Freiheit, die Welt mit verwischt STIL-losem -Beliebig-Belanglosem (Alltäglichem) - abzubilden. Der trotzdem so erfolgreiche Kunstmarkt-Künstler G.R. verwendete die Fotos und Illustrierten-Abbildungen, "weil es das Unkünstlichste war, das ich greifen konnte." Denn, so Richter 1978: "Ich wollte Bilder malen, die überhaupt nichts mit Kunst zu tun hatten, dafür nahm ich Fotografien." In Richters Bildern begegnen sich das Banale und das Böse, schnelle Autos und ein falscher Kronleuchter, persönliche Erinnerungen, die RAF Vergangenheit, aktuelle Politik und Urlaubsszenen. "Sein Werk erscheint heute als Wiedergeburt der Malerei aus dem Geist von Pop Art und Fluxus", fasst Museumssprecherin Evelyn EDTMAIER zusammen.

Richter nimmt gewöhnliche Fotos, malt sie ab und verkündet: „Ich hab nichts zu sagen und das sage ich". Aufklärend schreibt Hanno RAUTERBERG über das „Chamäleon“ mit „Prinzipienlosigkeit“ (mit Malerei ohne Philosophie), es sei aber „keineswegs so schillernd-bunt, wie oft behauptet wird“. Seit den 80iger Jahre habe der „Intellektuelle“ sich „kaum noch entwickelt“; ihm fehle „Virtuosität“. Zu Recht fragt Rauterberg in „Immer schön in der Schwebe“ (DIE ZEIT v. 27.01.2008): “Was aber bedeuten die Bilder heute, was morgen? Sind sie mehr als nur ein Eintrag auf der Evolutionstafel der Kunst?“ Heute erscheine „ohnehin alles leer“ und der Relativismus obsiege. (1)

Richter, der keinen STIL verfolgen kann („will“), zeigt in seiner L’art-pour-l’art-Kunst eine bunte chamäleonhafte Mischung. Sein Oeuvre, zu dem in neuer Fassung im Kölner Dom ein „Dom-Fenster“ zu bestaunen ist (das zum Teil auch heftig kritisiert worden ist), passt zu GRs. STIL-Losigkeit. Richter mokiert sich gerne über die Unbedarftheit seiner Zeitgenossen. „Er selber pinselt weiter, nach striktem Ritus. Er könnte nicht anders (…)“ (taz) Ob Richters verschiedene Versionen von "Klorolle" (1965 – siehe a&s-Serie) sich durch zunehmende Verschwommenheit vom Objektiven ins Atmosphärische wandeln, wollte Robert STORR, der Kurator der Ausstellung im MOMA (New Yorker Museum of Modern Art) wissen: Es grenzt ans Komische, 2002 zu lesen, wenn Richter lediglich feststellt, dass zuvor in der Kunst eben noch keine Klorollen gemalt worden seien.

„Gerhard Richter. Bilder einer Epoche“: 05.02.2011 bis 15.05.2011 Bucerius Kunst Forum Rathausmarkt 2 20095 Hamburg / 8,00 Euro, Öffnungszeiten: täglich 11.00-19.00 Uhr, donnerstags bis 21.00 Uhr. Ein Katalog zur Ausstellung dazu im Hirmer Verlag, München.

• MEHR: http://de.wikipedia.org/w...
• BILDER: http://www.google.de/imag...

LITERATUR & Anmerkungen

(1) HAHN, Werner: Über PHANTASIE & „Phantasiestücke“ der bildenden KUNST (Werner Hofmann) – RUNGEs Phantastik (…). In Giessener Zeitung v. 5/1/2011 - http://www.giessener-zeit... .

(2) HAHN, Werner: Documenta-Demokratisierung: Wege zu einer Hessischen documenta Akademie mit d12-Kritik. Gladenbach : Art & Science, 2007.
Darin Kapitel 8. Über Gerhard RICHTER, seine drei „Betty“-Gemälde und die „Abstrakten Bilder“, GOETHEs STIL-Begriff sowie die BUERGELiade im hysterischen Welt-Kunst-Jahr 2007
Nach einer Einführung in den Fragenkomplex mit Fragen an Richter - Vorbemerkungen - kommt der Autor im ESSAY auf Gerhard Richters Einladung zur d12 zu sprechen. Das Ausstellen eines von drei gemalten Porträts der Künstler-Tochter „Betty“ von 1977 und Buergels Kommentare hierzu werden kritisch diskutiert. Als „heikel“ auch im Zusammenhang mit der momentanen RAFler-Debatte in der BRD werden sie interpretiert. Der sich nach „Boheme“ sehnende d12-Boss – die documenta 12 als eine Mischung aus Mythos, Legende und Skandal mit zahlreichen Nicht-Kunst-Zumutungen aufbauend (BUERGELiade) – spielte im hysterischen Weltkunstjahr 2007 mit vielen parallelen Groß-Kunst-Events, die mit Hilfe der Kunst ebenfalls reüssieren wollten, den „König der Kunstwelt“. R.M.B. reihte sich ein in die Schar der „Big Players“ eines florierenden Kunst-Markt-Roulette; wenn er sich auch gerne als Anwalt der weltweit Unterdrückten begreift.

Wie R.M.B. auf die Idee mit der „kaputten Kamera“ gekommen ist, Blüten verwackelt auf Großplaketen abzubilden, sowie dessen Schönheits-Wollen-als-Kampfbegriff, wird erörtert. Er dachte wohl an Gerhard RICHTERs Bilder. Der Zusammenhang mit Richters Werk ist nachzuweisen, denn Richters Werk nutzte moderne Unsharpen-Kamera-Effekte. Wie und warum der weltweit so gefragte Richter janusköpfig als „Chamäleon“ arbeitet, wird von mir im Artikel untersucht, wobei Richters STIL ablehnende Malerei mit Goethes STIL-Begriff konfrontiert wird. Zahlreiche Werke der „Atlas“-Tafeln Richters und des Werk-Verzeichnisses werden erörtert. Neu ist Richters „Hineinsehen“ und „Hineindenken“ beim abstrakten Malakt, dessen kunstgeschichtliche Bedeutung diskutiert wird. Richters aktueller Drang zur Geometrie in der Natur wird besprochen.

Als seriöser Realist (der wenig mit Naturalismus zu tun haben will) – so schreibe ich im 4ten documenta-Buch a.a.O. - bildet RICHTER die Wirklichkeit in seinem viel-gesichtigen und viel-schichtigen Werk voller „Mutationen“ nicht unreflektiert ab, sondern versucht sie (subjektiv) zu analysieren. Die Aussage Richters: „Das was wir so als Wirklichkeit bezeichnen, ist nicht da und nicht wirklich, solange es nicht als Kunst Wirklichkeit geworden ist“, ist aus naturwissenschaftlicher Sicht natürlich (als überheblich) zu kritisieren.

Um was geht es in Richters Bildwelt mit den Betty-Bildern wirklich?

Die Bilder aus dem Gemäldezyklus über den "18. Oktober 1977" (1988) rund um die Baader-Meinhof-Gruppe mit Leichen wirken gegenüber der unleserlichen Betty-Verhüllungs-Variante teilweise viel weniger unscharf (WVZ 667-1 bis 674-2), trotz Verwacklungseffekten der Realität: siehe Titel wie Festnahme, Gegenüberstellung, Erhängte, Zelle, Erschossener, Tote, Beerdigung (vgl. das Werkverzeichnis und Bilder in www.gerhard-richter.com ). In diesem Zusammenhang ist zu diskutieren, dass 1988 (parallel zum RAFler Zyklus) auch das (viel bekanntere) 3. Betty-Bild entstanden ist - 102 cm x 72 cm: Museum Collection Saint Louis Art Museum, Hyperrealismus-artig, quasi Photo-Malerei: ein figürliches Portät mit seitlicher linke-Oberkörper-Ansicht und abgewandtem Gesicht (Kopf vom Betrachter weg – nach rechts aus dem Bild sehend - gedreht). In Internet-Recherchen stößt man unter „Betty“ (1988! WVZ 663-5) zumeist auf diese Variante aus dem RAFler-Zyklus mit den kollektiven Selbstmorden. Zu allen Betty-Entstehungszeiten (1977 und 1988 entstanden parallel stets Bilder unter dem Titel „Abstraktes Bild“ (Stilbruch als Prinzip!). Die Gegensätzlichkeit der Werke Richters (formal und thematisch: abstrakt versus figürlich/gegenständlich, Betty-Porträts fotorealistisch mit Überschärfe versus Kamera-Weichzeichner-Effekt) ist nicht leicht zu verstehen.

Es scheint so zu sein, dass Richter – er liebt die Kamera-Technik (1986 ein Spiegel-Bild: Richter mit Kamera in der Hand in den Spiegel fotografiert; WVZ 619) – bewusst auch mit manipulierter Kamera, mit starken Kamera-Weichzeichnungs-Filtern gearbeitet hat um den Motiven Störungen hinzufügen zu können; Soft-focus-filter mit weichen Konturen und Kontrasten („Unsharpen“-Effekt), Unschärfen auch für Bewegungsabläufe. (Gegensatz: Bildbearbeitung mit Scharfzeichnungsfiltern; „Sharpen“-Effekt). Nachweislich machte Richter Porträts sharpend und unsharpened: Atlas Tafel 26, 1966, Volker Bradke, 2 Fotos. Auch Doppelbelichtungen (Tafel 61, 1970).

(3) Im Sachregister meines SYMMETRIE-Werkes (Deutsch 1989, Englisch 1998; eBOOK 2011) taucht im Sachregister 4 Mal das Wort „Hineinsehen“ auf (Deutsch S. 84, 213, 215, 218; Englisch „imagination“; visual imagining“): In Kapitel 5.3. beschrieb ich mit vielen Abbildungen den „Vorgang eines gleitenden Schauens“ bei der ars-evolutoria-Gestalt-Entwicklung, indem „Kunstorganismen“ kraft dynamischer Symmetrie-Prozesse durch ein Hineinsehen-Hineindenken in Gestaltkomplex evolutionär entwickelt werden; aus „Urformen“ („Basalformen“) entstehen als Formumbildungen/Ableitungen intuitiv „Gesichter“ („Innenporträts“), „Kopf-Körperformen“ , die durchaus „extra-terrestrisch“ aussehen können („Exoform“-Bildzeichen mit Evokator-Wirkung, „Schlüssel-Bilder“/„Auslöser“). Nachgewiesen wurde im ars-evolutoria-Grundlagenwerk mit unzähligen (Bild-)Belegen, dass sich das Evolutionsgeschehen in der Natur analog abspielt.
„Formhandlung“ werde „ab ovo“ (wo „Form“ noch der „Bindung an Sachinhalte entbehrt“) praktiziert (Werner Hofmann; siehe weiter oben meiin Hinweis zu KLEE & ERNST), was schon ALBERTII und LEONARDO prinzipiell diskutiert haben, indem aus Zufallsbildungen der Natur (z.B. Mauerflecken, Wolken, Schlamm) mit Hilfe seiner „neu erfundenen Art des Schauen“ (Leonardo) verschiedene Dinge, Figuren, Gesichtsminen und Situationen zu entdecken sind, die Leonardo „in vollkommene und gute Form“ gebracht haben möchte. Den „Geist zu neuen Erfindungen“ Wachwerden zu lassen hat später auch Goethe 1860 in einem Gedicht über Phantasie anregende Wolkenbildungen empfohlen (Howard zu Ehre, vgl. 8.1.1., S. 84). Leonardo verband seine Forderung, imaginierte Dinge „gut zu machen“, wollte Phantasie-Tiere von natürlichem Aussehen schaffen: für Gestaltwandel (Metamorphose) prägte LEONARDO den Begriff „trasmutazione di forme“.

(4) RICHTERs Gestalt-Hineinsehen-Wollen: Davon zeugen nachfolgende Titel:

1983: Arnold (520-5), Haus (521-1), Pyramide (522-2), Ben (534), Zaun (540), Gebäude (543-1). 1984 entstanden Vase (553-1), Mauer (552-5), Besen (553-2), Ziege (554-4), Trompeten (557-2), Möhre (558-2) Holländische Seeschlacht (562-1), Ypsilon (565-1), Spanische Seeschlacht (570-1). 1985 gibt es halb-„abstrakte“ Titel wie Stuhl (575-3), 1987 Baumgruppe (628-2), 1988 Geäst (657), Rain (676-2), 1989 Split (685-2), Grat 1-5 (685-1bis5), Fels (694) und diverse Monate-Bilder, Bilder zu Eis und Frost sowie 1994 Mauer (808), 1995 River (822-824), Raps (830-2/3).

(5) Zu P. O. RUNGE siehe Werner HAHNs bebilderte ESSAYS:
Zu SYMMETRIE & Polarität, Perspektive und LICHT-Erkenntnis-Wollen in RUNGEs Werk (Heike Scheel & P.O.R)
(http://www.giessener-zeit... )

Neues ROMANTIK-Wollen heute: Paul KLEE, Romantic Conceptualism und EVOLUTIONÄRE neue ROMANTIK (ENR). Art-and-science-Texte zur KUNST
(http://www.giessener-zeit... )

Manifeste zu Runge: Evolutions-Romantik (...)
(http://www.giessener-zeit... )

Philipp Otto RUNGEs universal-visionärer SYMMETRIENbestimmter Kunstentwurf mit prä-evoluzzerischer „Erster Figur der Schöpfung“. Zum 200. Todesjahr
(http://www.giessener-zeit... )

(6) HAHN, Werner: Documenta IX - Willkür statt Kunstfreiheit!? : Eine Streitschrift zur Demokratisierung staatlicher Kunstförderung. Art & Science, 1995 - vorher im Verlag Maas und Burbach Bad Honnef, 1992.

(7) RICHTER & ABSTRAKTION:

HAHN, Werner (2008): Kandinsky – Malewitsch – Richter: Abstraktion & Evolution 2008/2009. In: ZEIT Online v. 13.11.2008

HAHN, Werner (2008): Nicht-STIL-Wollen: Gerhard Richters Ideologie, KEINE „Gesetze und Richtlinien“ zu haben. In: ZEIT Online v. 21.11..2008. http://community.zeit.de/...

HAHN, Werner (2009): Wassily KANDINSKY: Transformationen abstrakt - absolut – konkret – biomorph/figurativ. In: ZEIT Online v. 28.02.2009.