Leserartikel-Blog

SYMMETRIE & Polarität, Perspektive und LICHT-Erkenntnis: Heike Scheel & P.O.RUNGE

Zu einem Abschnitt „Johann Wolfgang von Goethe & das LICHT bei P.O.R.“ in einem DIE-ZEIT-Artikel (Besprechung zu Werner Hofmanns „Phantasiestücke“ - (1)) erörterte ich ein Gedicht GOETHEs: „Die PHANTASIE“: Auch „Morgen und Abend“ immer „wechselnd wie Mondesblicke“ begleitend – schrieb der Dichter mutmaßlich in Bezug auf das (sterbliche) Naturgeschehen, wobei er an RUNGES in den „Vier Zeiten“ dargestellte „rosenbegränzte Lilienstengel“ gedacht haben könnte. Vgl. die Radierung und Kupferstich „Der Tag“ von 1807 - Vorlage für den Stich „Der Abend“ von 1803 (Feder; Katalog “Kosmos Runge (…). HHKH 2010, S. 146 & 149 und 153). „Vor dem Hintergrund der Farbtheorie ist das Motiv der aus den Lilien fallenden Rosen von großer Tragweite“ – Farben-Erschaffung als Offenbarung des himmlischen LICHTs, der Liebe (…); a.a.O., S 144.

Ich schrieb dazu weiter:

Siehe zum LICHT: Heike SCHEEL in ihrer Promotions-Arbeit "Die erlösende Kraft des Lichts" von 1993: Der "Zeiten"-Zyklus von Philipp Otto Runge mit den vier Blättern "Morgen", "Mittag", "Abend" und "Nacht" wird von Scheel als großer Entwurf des Malers für ein neues Weltbild gedeutet. Runges Briefe machen deutlich, welchen künstlerischen und religiösen Überzeugungen er in seinem Werk Ausdruck verleiht. Kernpunkt der Bildinterpretation ist Runges Erlösungs-Auffassung: die "Ahnung von Gott" als "Empfindung des Zusammenhanges des Ganzen Universums mit uns".
Siehe auch a&s-bebildert: http://www.giessener-zeit....

Philipp Otto RUNGEs „Botschaft in den vier Blättern der «Zeiten»“ nach SCHEEL (Schriften-Reihe: Europäische Hochschulschriften - Band 165, 1993, 388 S.) empfiehlt amazon.de in der „Kurzbeschreibung“:

Aus dem Inhalt: U.a. Runges «Zeiten»-Zyklus als Zeugnis einer religiösen Erfahrung und Sehnsucht nach Gott - Die Welt als transzendierte Immanenz - Die vertikale Mitte als Achse des erlösenden Lichts.

Damals kannte ich das Buch noch nicht, das ich nun HIER bespreche. Mein Dankeschön geht an den Ururur-Enkel Dr. Paul Runge und Ulrike Runge (HH) für die Hinweise auf die Arbeit von Frau Dr. Scheel, deren Arbeit offensichtlich mein Symmetriebuch (2) mit RUNGE-Bezügen 1993 leider nicht kannte; 4 Jahre zuvor war das SB dank Langewiesche Königstein (Herrn KÖSTER) weit verbreitet worden; auch die vielen guten Rezensionen zum SB hätten Frau Scheel auf das Buch aufmerksam machen können, das aus mehreren Gründen für die Promotions-Arbeit wichtig war; Dissertation in Kunstgeschichte … (2)

Zentral geht es in Heike SCHEELs wertvoller Untersuchung um SYMMETRIE-Bedeutungen

Den „Gesetzen der EVOLUTION“, so die Autorin HS zu „Runges Aktualität“, sei „alles Seiende unterworfen (S. 16), wobei „Geist von Materie nicht getrennt“ existieren würden. Zu Geist-&-Materie siehe mehr in (2); Seiten 59, 97, 199, 239, 244, 276, 281, 283.

Ein „holistisches“ (ganzheitliches Weltbild) mache sich stark – so H.S. -, das auch RUNGEs Anschauungsweise entspreche. HS: „So bietet sich eine über das christliche Weltbild hinausgehende religiöse Sinnerfahrung an.“ Und: „Nehmen wir Evolutionsschritte oder –sprünge an und sehen diese mit Capra als ‚Paradigmenwechsel’“ so sehe RUNGE eine „geschichtliche Entwicklung“ vor allem in polaren Spannungen (S. 18). Die Autorin wolle Runges ‚Modernität’ aber nicht „beweisen“.

SYMMETRIE und POLARITÄT

In Kapitel 2. Der „Tag“ hat in 2.4. (S.132) lesen wir bei UR diese Überschrift: „SYMMETRIE und POLARITÄT“: Der Zusammenhang der vier „Zeiten“ werde durch das Kompositionsprinzip der 4 Blätter unterstützt. Innerhalb der Blätter habe die SYMMETRIE eine „ikonographische Funktion. „Wie vereinbart sich das Prinzip der POLARITÄT (Brief-Zitate POR) mit dem „Prinzip der symmetrischen Darstellung“? – so die Frage von HS. Das „Urprinzip des Lebens“ werde als männlich-weibliche Polarität in der Symmetrie der „Zeiten“ dargestellt. Nicht als „Kampfmotiv“ wie bei BÖHMEs Schau, sondern „gleichstarke Kräfte führen bei Runge zur SYMMETRIE“ (S. 134). Mit einer Symmetrie-Mittelachse und sich seitlich entsprechenden Motiven (kleinen Variationen). Gleichwertigkeit und Zusammengehörigkeit zeige sich in der bilateralen frontalen Symmetrie-Gestaltung. Zu Böhme - Mystiker, Philosoph und christlicher Theosoph - siehe meine RUNGE-Artikel im Netz http://de.wikipedia.org/w... .

Am 16.1.2011 schrieb ich an Dr. P.R / U.R.:
Bitte teilen Sie doch HS mit, was ich in der GZ mit Bildern verfasst habe. Das Bildermaterial wurde von mir ergänzt, so dass es jetzt so aussieht - in zeitlicher Abfolge zu P.O.R:

14.12. mit 34 Bildern:
http://www.giessener-zeit...

4.1. mit 39 Bildern:
http://www.giessener-zeit...

6.1. mit 32 Bildern:
http://www.giessener-zeit...

Heike SCHEEL zur SYMMETRIE-„Mittelachse“. Verbindungs- & Versöhnungs-Motiv

Heike SCHEEL sieht einen „ewigen Prozess von Werden und Vergehen nicht nur am Anfang und Ende eines Zyklus“. In der SYMMETRIE-Achse löse sich die POLARITÄT auf: in zyklischem Denken, nicht als DUALISMUS („Kampfprinzip“), sagt HS. Eine Verbindung verknüpfe die „im zyklischen Pozess von Trennung und Vereinigung sich bekämpfenden Kräfte noch (…)“. Es ziele „jedes Ding, jedes Wesen und jeder Vorgang auf seine Vollendung und Erlösung“, wird behauptet. (S. 135).

In der „Nacht“ (vgl. a&s-Bildergalerie zum Artikel) stehe die „SPIEGEL-SYMMETRIE“ der Urpflanze für „die Aufhebung bzw., im Kreislaufgedanken, für die Noch-Nicht-Existenz des Polaritätsprinzips“. Die „Mittelachse“ trage immer das „Moment der Verbindung … das Versöhnungsmotiv“ in sich. Eine „Sehnsucht nach heilbringender Einheit und Harmonie“ zeige sich hierin. EINHEIT werde immer „auch zum Auflösungs-, d.h. Todes und Wandlungsmotiv“ (S. 136). Die POLARITÄT löse sich in der Symmetrie-Mittelachse auf: „die als ‚Mitte des Kosmos’ wie auch als ‚Mitte’ in uns’ zu denken“ sei. Die SYMMETRIE diene auch als „Spiegelmotiv“. Und der Spiegel der Symmetrie führe zur „Erkenntnis der Schöpfung und zur inneren Dimension des Lichts“. RUNGE an TIECK 1803:

„Wer da suchet Sein Licht und Seine Zahl im Spiegel der äußeren Welt durch die Liebe, der wird den Zusammenhang finden und die Zeit verstehen (…).“

Bei RUNGE „werden Symmetrie und Polarität (…) durch die Mittelachse – zum Moment der Verbindung … das Versöhnungsmotiv““, resümiert SCHEEL S. 138.
RUNGE und die METAMORPHOSEN-Lehre GOETHEs
IN: „a&s-Texte zur Kunst: Neues ROMANTIK-Wollen heute - Paul KLEE ... Programm Evolutionäre Neo-Romantik (Tripel III)“ – DIE ZEIT 9.1.11 – hielt ich fest:

Ein Entwicklungs-Denken lässt sich mit Goethe/Lamarck/Darwin & RUNGE skizzieren: GOETHE (1749-1832) – Lamarcks Zeitgenosse - war DER Vorläufer der Pioniere der Evolutionsforschung DARWIN & LAMARCK: GOETHEs präevolluzerischer Metamorphose-Versuch von 1790 (Urpflanze-Hypothese) gilt als grundlegendes Werk der Botanik; das Blatt wurde als Grundform pflanzlicher Organe beschrieben.

Leitmotiv des gesamten DÜRERschen sowie GOETHE-&-RUNGE-Schaffens: natura naturata & natura naturans sollten sichtbar werden. GOETHE wollte Lebewesen konsequent „ins Unendliche“ erfinden, die eine „innerliche Wahrheit und Notwendigkeit“ haben (Prototyp Urpflanze). RUNGE hat über Symmetrie sein kosmisches System mit Leben erfüllt: "SYMMETRISCHE Eintheilungen" als Regel (P.O.R.). Auf die Metamorphose (Evolution) bezogen (evolutionär) gestaltete Runge den der „Urpflanze“ analogen Scherenschnitt von „Silenähnliche Blüten“ (HKH-Kat. 2010 S. 363). Die RUNGEsche „Erste Figur“ verglich ich 1989 & 1998 (engl.) mit meinem Urform-Modell & -Theorie (ars evolutoria, Symmetriebuch). Zum Vorfahren einer „Evolutionären NEUen Romantik“ erklärte ich P.O.R.! Synonym möchte ich heute von „Evolutionary New Romanticism in Contemporary Art” und “Evolutiver Romantik“ bzw. „Evolutions-Romantik“ der Zukunft reden. Der Terminus „Neo-Romantik“ & „Neue Romantik“ ist mit anderen Inhalten befrachtet. (Zitat-Ende. http://community.zeit.de/... .)

Die Autorin Heike SCHEEL bemerkt in Anmerkung 100 (S. 304f.), dass GOETHEs URPFLANZE „im Unterschied zu Runges kosmischen Urbild der Pflanzenwelt – ohne Polarität nicht zu denken ist. POLARITÄT & STEIGERUNG als Gesetz zeitlich gerichteter Gestalts-VERWANDLUNG (GOETHE; vgl. mein Symmetriebuch (2) S. 54, 244, 272, 275, 305 in der DEUTSCH-Ausgabe von 1998) scheinen bei SCHEEL „für Runges ‚Zeiten’-Zyklus auch im Hinblick auf die Pflanzengestalt der ‚Nacht’ im Zyklus der ’Zeiten’ ANWENDBAR zu sein, gehen doch alle Pflanzenteile von der (gleichen) Mittelachse aus, der auch die Lichtlilie und die gesamte dargestellte Vegetation in den anderen Blättern (durch die (polare) SYMMETRIE) zugeordnet sind.“ (Hervorh. W.Hahn (3) – Bezug von H.S. zu Christa LICHTENSTERNs Buch.)

Zur These einer angeblichen PERSPEKTIVE-Losigkeit bei RUNGE: „im Dienst einer universellen Bildidee“ (HS a.a.O. 249 ff.)

Während H.S. Interpretationen von meiner EST-Sicht zutreffen, habe ich Vorbehalte in Folgendem:

In Kapitel 3 – „Die Überwindung der Perspektive als Mittel der Wertfreiheit im universalen Geschehen“ – IRRT die Autorin: Die vertikale Komposition der 4-Zeiten-Bilder zeigt lINKS-RECHTS-Gerichtetheit, wie sie grundlegend für Leben in Fauna und Flora ist. PERSPEKTIVE-Losigkeit kann man dem (innersten und äußeren) Wirken in der Natur (natura naturata & natura naturans) NICHT vorwerfen und nachweisen – vgl. EST & ETOE. In der KUNST indessen ist die PERSPEKTIVE-Losigkeit & ZERSTÖRUNG ein belebtes Thema.

Hier dazu ein HP-Zitat von mir:

Statt Malevitschs „vollkommenem“ Viereck basiert ars evolutoria (Evolutionäre Natur-und-Kunst-Ästhetik; vgl. Hahn/Weibel a.a.O. S. 279; vgl. PDF EST) auf nicht-gegenstandslosen Grund-Formen bzw. -Schwingungen/Farben/Lichtern vollkommenster (schönster) Art, die anschaulich „Ikone“ um den „Nullpunkt der Welt(en)“ darstellen sollen. Sie sind weitestgehend hypothetisch-realistisch (Modelle; siehe Vernissage-Rede, Springer / im WEB unter timms, ebenda auch Hahns Vorlesung UNI Tübinegn), denen als „schönstes“ Dreieck (Plato; vgl. Abb. 654 in Hahns SB) ein wahres (nicht gleichseitiges!) „Elementardreieck“ zugrunde liegt. Raumordnung ist hier nicht alogisch und huldigt der in der alten Moderne zerstörten Perspekive-Darstellung. ars evolutoria geht zum „Nullpunkt“ ohne sich (wie Malevitsch) gegen das Tatsächliche, Objektive zu wenden; ohne „Sklave der Naturformen“ zu werden! (http://www.art-and-scienc...)

Das Thema Perspektive Zerstörung/Verletzung/Negierung kann an dieser Stelle nicht diskutiert werden; siehe aber mehr in http://www.giessener-zeit... : Hier betonte ich. „ Ein blinder Fleck im Verständnis der Realität der Zentralperspektive, konnte durch meine DS-Experimente jetzt auf überraschende Weise - experimentell überprüfbar (!) - ausgefüllt werden. Geheimnisse der Natur des Sehens wurden via ars evolutoria experimentell erforscht. Manch Geheimnisvolles einer „Ikonologie des Blicks” (Belting) ist seitdem kein Geheimnis mehr! Kunsthistoriker müssen es nur noch wahrnehmen.“

Dieser Satz ist falsch – gilt nicht für die ars-evolutoria-Entdeckungen:

Zum „Bildraum als kosmisches Ordnungsprinzip“ behauptet HS: (…) „In den ‚Zeiten’ ist mit dieser Ordnung das Universum, der Kosmos, gemeint“; das stimmt mit PORs Weltsicht. Fehlerhaft unzutreffend ist der nachfolgende Satz: „Jede Darstellung einer harmonischen Ordnung ist der gedankliche Versuch, aus subjektivem Empfinden eine objektive Weltinterpretation zu konstruieren“ ((…), S. 258.).

SCHEEL hat – der „Symmetrie des menschlichen Köpers entsprechend“ – die „kosmische Mitte als ‚Mitte in uns“ darzustellen versucht: Die vertikale SYMMETRIE-Mittellinie (für PORs „symmetrische Eintheilungen“) als „Linie eines vertikalen Denkens und eines transzendenten, d.h. grenzüberschreitenden Bewusstseins definiert“ (S.263/264). Im Gegensatz zu PICASSOs „Lügen-Kunst“ zitiert dazu HS den P.O.R.-Denker:

„(…) denn was mit allem in und ausser uns in den reinsten Zusammenhang gebracht werden kann, ist keine LÜGE.“ (18.12.1802 an seine Mutter.

PICASSO überzeugt heute NICHT mehr „von der Wahrhaftigkeit seiner Lügen“ (vgl. SB (2) S. 201 / in 11.8.2.. P.P. sagte: „Die Kunst ist eine LÜGE, die uns der Wahrheit näher bringt.“ Picasso hatte „Urformen“ im Sinn, ich präsentiere ein URFORM-MODELL mit Urformtheorie & Urformlehre (12.6. / 12.7.) Dazu passend mehr auch Ernst Peter FISCHER:
Raum und Zeit sind evolutionär untrennbar ineinander verschränkt: Und es sei angeblich „nur Zufall, dass Einstein und Picasso den Weg in die Abstraktion zur selben Zeit beschritten“ hätten. Ernst Peter Fischer nützt ein fiktives Gipfeltreffen mit Einstein und Picasso zu Raum, Zeit, Kunst und Wissenschaft, um zu erklären, wie Kunst und Wissenschaft in der Raum-Zeit-Welt zusammenkommen und was das bedeutet. Und erklärt dabei nicht, wie eine evolutionäre Sicht in der Moderne entstanden ist; EST – vgl. 4 ETOE-Essays von mir. (FISCHER (2006): Einstein trifft Picasso und geht mit ihm ins Kino: oder die Erfindung der Moderne.) In/bei poesia evolutoria (EST) geht es nicht um einen Drahtseilakt, mit Kraft unbedingt Kunst und Wissenschaft in einen Topf zu zerren …

Ausblick: PARADIGMENWECHSEL aus OBJEKTIVem Empfinden …

OBJEKTIVe Weltinterpretation zu konstruieren, darum wird es NACHfahren einer „Evolutionären NEUen Romantik“ gehen müssen: Wer sich dem neuen Romantik-PARADIGMA anschließt, möchte „Evolutionary New Romanticism in Contemporary Art” - “Evolutive Romantik“ bzw. „Evolutions-Romantik“ in der Zukunft weiter evolutionisieren. Veraltet (unmodern, kulturell überholt) ist der Terminus „Neo-Romantik“ & „Neue Romantik“, der mit anderen Inhalten befrachtet ist, wie ich objektiv (!) beweisen konnte.

GOETHE zielt/e wie ich auf ERKENNTNIS, RUNGEs Anschauung („nicht weniger um Genauigkeit der Beobachtung bemüht“) suchte die ERLÖSUNG. Das ist Christa LICHTENSTERNs Fazit in (3): „So strebt RUNGE MIT GOETHE über Goethe hinaus.“ POR sei ein „denkender Künstler“ gewesen: mit theoretischem Fundament, Farbenlehre, botanischen Interessen und philosophischen … (Anm. 49 ebd.).

TIPP zu HH – HKH – P.O. RUNGE:

Donnerstag 17. Februar, 19 Uhr, vor dem Kupferstichkabinett HKH: Philipp Otto Runge und die Metaphysik der Farben. Vortrag von Prof.Dr. Frank Büttner, München. Im Anschluss Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Hubertus Gaßner, Prof. Dr. Frank Büttner und Prof. Dr. Uwe M. Schneede.

Sonntag, 27. Februar, 11 Uhr, Anita-Rée-Raum: Vortrag. Philipp Otto Runges spirituelle Botschaft im Zyklus der Zeiten. Kann Kunst die »Ahnung von Gott in uns« vermitteln?, Dr. Heike Scheel, Zürich.

Donnerstag, 3. März, 19 Uhr, Lichthof: Aus der Forschung. Der neue Blick auf Runge: der Künstler und die kunsthistorische Forschung. Dr. des Markus Bertsch, Kurator der Ausstellung.

PS: Schade, dass Werner HOFMANN – Ex-HKH-Chef - im Flyer als Name nicht vorkommt:

Siehe aktuell auch
http://www.hamburger-kuns...

LITERATUR & Anmerkungen

(1) HOFMANN, Werner (2010): PHANTASIESTÜCKE Über das Phantastische in der Kunst. München. Besprechung DIE ZEIT Online: http://community.zeit.de/... (9/1/2011)

(2) HAHN, Werner (1989): Symmetrie als Entwicklungsprinzip in Natur und Kunst. Königstein. Gladenbach: Art & Science, 1995.
(HAHN, Werner (1998): Symmetry as a developmental principle in nature and art. Singapore. (Übersetzung des Originalwerkes von 1989, ergänzt durch ein 13. Kapitel – mit erweitertem Sach- und Personenregister sowie Literatur- und Abbildungsverzeichnis.))

HAHN, Werner / WEIBEL, Peter (Hrsg.) (1996): Evolutionäre Symmetrietheorie: Selbstorganisation und dynamische Systeme. Stuttgart. (Anthologie mit Beiträgen von 19 Autoren.) (Kurz: EST.) Darin: HAHN, Werner: Evolutionäre Symmetrietheorie und Universale Evolutionstheorie. Evolution durch Symmetrie und Asymmetrie. (S. 255 bis 284 mit 11 mehrteiligen Abbildungen.) – Siehe als LINK – PDF-EST – meiner HP: http://www.art-and-scienc... ....

In dem EST-Aufsatz (PDF EST) betone ich unter der Überschrift „Soziale Symmetrie und universale Ethik“, dass ein „ethischer Universalismus“ auf der Basis eines „evolutionären Humanismus“ durch kulturelle Evolutionisierung möglich sei: „Erkenntnis durch doppelte Spiegelung der Natur von Wirklichkeit“ helfe weiter: Vom Denkmechanismus als „Prozess der Widerspiegelung (Reflexion, Abbildung, Symmetrisation)“ sprach ich S. 233f. im Symmetriebuch und Aufsatz S. 281 ebenda; Spiegelmetapher-Erneuerung ganz im Sinne Heike SCHEELs Paradigmenwechsel-Vorstellung bei der Interpretation des RUNGEschen Weltbildes, RUNGEscher Welterfahrung (H.S. a.a.O. zu „Runges Aktualität“, S. 15).

HH-Hinweis:

Erst durch die beiden RUNGE-Verwandten – Dr.P.R. & H.R. (HH) - stieß ich auf SCHEELs Buch, das so vorgestellt wird im
Umschlagtext:

Der «Zeiten»-Zyklus von Philipp Otto Runge mit den vier Blättern «Morgen», «Mittag», «Abend» und «Nacht» wird von Heike Scheel als grosser Entwurf des Malers für ein neues Weltbild gedeutet. Runges Briefe machen deutlich, welchen künstlerischen und religiösen Überzeugungen er in seinem Werk Ausdruck verleiht. Kernpunkt der Bildinterpretation ist Runges Erlösungsauffassung: die «Ahnung von Gott» als «Empfindung des Zusammenhanges des Ganzen Universums mit uns». Darüberhinaus bezieht die Autorin das 'neue Denken' heutiger spiritueller Strömungen in ihre Untersuchung ein. Dies macht Scheels Werk hochaktuell.

Für Ulrike RUNGE recherchierte ich zu meinem SYMMETRIE-Buch.

ISBN: 3-7845-9350-X
Schlagwörter: *Symmetrie / Naturwissenschaften
*Symmetrie / Kunst
*Symmetrie ; Naturwissenschaften ; ; Symmetrie ; Kunst ;

Sachgebiete: 20.08 ; Kunstpsychologie

Link: Inhaltsverzeichnis

Standort: Staats- und Universitätsbibliothek - Speicherbibliothek

Signatur: B 1989/1385
Schlagwörter: Symmetrie

Sachgebiete: 80:S27
802.95
166.1

Ausleihstatus: Ausleihbestand
verfuegbar

MERKwürdig:

An Frau U.R. schrieb ich am 4/1/11: Ich habe in HH für Sie einmal recherchiert: Ihre Bemerkungen bewogen mich, nach meinem SB in HH zu suchen. Die HKH könnte es vielleicht besitzen -dachte ich, da Werner HOFMANN sich für das Buch stark gemacht hatte: vgl. www.art-and-sciece.de mehr zu HOFMANN. In http://museums.wikia.com/... fand ich KEINE Suchmöglichkeit. Gesurft zu https://kataloge.uni-hamb... kam ich auf SYMMETRIE-Symposiumsbände Darmstadt und einen Joachim-SCHUMMER-Beitrag – den ich nicht kenne. Mittlerweile habe ich ihn entdeckt: Finde beim Googeln anschließend http://www.joachimschumme... - Meine Vermutung wird bestätigt: Siehe Literaturliste über 2000 hinausgehend; OHNE meine SB/EST-Bücher!

(3) LICHTENSTERN, Christa (1990): Die Wirkunsgeschichte der Metamorphosenlehre Goethes. Von Philipp Otto RUNGE bis Joseph Beuys (Metamorphose in der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, Bd.1), Weinheim.

Über meine EST und Metamorphose in der Kunst sprach ich mit Prof. Dr. Christa LICHTENSTERN bei einem Besuch in MR - im Kunstgeschichtliches Institut Marburg; http://www.uni-marburg.de... 1987: Berufung auf die C3-Professur, Kunstgeschichtliches Institut, Phillips Universität Marburg. 1995: Berufung in den Beirat der Hessischen Kulturstiftung (bis heute zweimal verlängert). Von meinem Symmetriebuch (1989) sehr angetan, schenkte mir Ch.L. ihr Buch von 1989 (Bd. 1). Im Vorwort ebenda plädiert die Autorin fortschrittlich für eine „interdisziplinär orientierte Kunstwissenschaft“. Dass die Metamorphose-Thematik auch mit der EVOLUTIONs-Thematik (ars evoltoria) zu tun habe, besprachen wir. S. 45 bis 52 bespricht Ch. M. P.O.R.

Es scheine „nahe liegend, dass Goethes Pflanzenmetamorphose für Runge von Interesse war. Schon seine früh ausgeprägte Neigung zur Botanik und sein späteres Bedürfnis, Pflanzen auf ihre geometrische Idealgestalt zurückzuführen, sprechen dafür“. (Anm. 18 – Runge wollte, dass „sich die Natur in die Idee fügen muss“. (POR 1802 an Perthes.) POR denke in den Begriffen der Naturphilosophie von SCHELLING: Bestreben, die Realität der Idee einzuordnen. ARS EVOUTORIA: EST-Idee aus der Natur-und-Kunst-Realität entwickelt! Zuletzt meine 4 ETOE-Essays (Internet, googeln).

Es sei nicht auszuschließen, dass RUNGE in die Aussage seiner Lichtlilie „auch noch die Goethesche Metamorphose-Idee einschloss“, mutmaßt CH.L. S. 48. Dazu POR-Bild „Krönung der Liebe“, 1803, Vignette 7x7,5 cm – a&s-Bildergalerie, a&s-coloriert in polar-symmetrischen Farben. Abb. S. 49 Ch.L. und in Heike SCHEELs Buch Abb. 21/22 (neben – wie HS schreibt - „Mystische Kreisfiguration, 1803. Zeichnung, verschollen“ (nach Traeger). Gemeint ist: „Erste Figur der Schöpfung“ - die „sich selbst macht“. Echte vollständige METAMORPHOSE sei ohne das Prinzip der POLARITÄT nicht zu denken: mit der STEIGERUNG zusammen ergebe sich „BEWEGLICHE ORDNUNG“ (siehe/vgl. ars evolutoria dazu). Siehe PORs „Kind mit Rosenblüte“ -1803, Vignette (Ch.L. Abb. 12).

GOETHE zielte auf ERKENNTNIS, RUNGEs Anschauung („nicht weniger um Genauigkeit der Beobachtung bemüht“) suche die ERLÖSUNG, ist Ch.L.s Fazit: „So strebt RUNGE MIT GOETHE über Goethe hinaus.“ POR sei ein „denkender Künstler“ gewesen: mit theoretischem Fundament, Farbenlehre, botanischen Interessen und philosophischen … (Anm.49 ebd.).

ANHANG/ERGÄNZUNG - Korrektur:

Wer im Internet das Googeln nutzt, muss VORSICHTig sein:

Googelt man „phantasie goethe“ kommt man zum Ergebnis: in http://www.garten-literat... zu einem (angeblichen) GEDICHT von GOETHE:
(Zu Johann Wolfgang von GOETHE, geboren 28.08.1749 Frankfurt am Main, Deutschland / gestorben 22.03.1832 Weimar, Deutschland: Wirken als weltbekannter Dichter. Und: Goethe forschte und publizierte außerdem auf verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebieten. In den Jahren nach seiner Italienreise beschäftigte Goethe sich zunächst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veröffentlichte er seinen Versuch die METAMORPHOSE der Pflanzen zu erklären, außerdem begann er mit seinen Untersuchungen zur FARBENLEHRE, die ihn bis ans Lebensende beschäftigen sollte. Goethes literarische Produktion umfasst Gedichte, Dramen, erzählende Werke in Vers und Prosa, autobiografische, ästhetische, kunsttheoretische und literaturtheoretische sowie naturwissenschaftliche Schriften.)

Goethe, Johann Wolfgang von (1749-1832)

Die Phantasie

Sie mag rosenbekränzt
Mit dem Lilienstengel
Blütentäler betreten,
Sommervögeln gebieten,
und leichtnährenden Tau
Mit Bienenlippen
von Blüten saugen,
Oder sie mag
Mit fliegendem Haar
Und düstrem Blick
Im Winde sausen
Um Felsenwand -
Und tausendfärbig
Wie Morgen und Abend,
Immer wechselnd,
Wie Mondesblicke
Dem Sterblichen scheinen:
Laßt uns alle
Den Vater preisen,
Den alten, hohen,
Der solch' eine schöne,
Unverwelkliche Gattin
Den sterblichen Menschen
Gesellen mögen!

Ich zitierte das Gedicht für/in meinen RUNGE-Artikeln:

Zu einem Abschnitt „Johann Wolfgang von Goethe & das LICHT bei P.O.R.“ in einem DIE-ZEIT-Artikel (Besprechung zu Werner Hofmanns „Phantasiestücke“ - (1)) erörterte ich ein Gedicht GOETHEs: „Die PHANTASIE“: Auch „Morgen und Abend“ immer „wechselnd wie Mondesblicke“ begleitend – schrieb der Dichter mutmaßlich in Bezug auf das (sterbliche) Naturgeschehen, wobei er an RUNGES in den „Vier Zeiten“ dargestellte „rosenbegränzte Lilienstengel“ gedacht haben könnte. Vgl. die Radierung und Kupferstich „Der Tag“ von 1807 - Vorlage für den Stich „Der Abend“ von 1803 (Feder; Katalog “Kosmos Runge (…). HHKH 2010, S. 146 & 149 und 153). „Vor dem Hintergrund der Farbtheorie ist das Motiv der aus den Lilien fallenden Rosen von großer Tragweite“ – Farben-Erschaffung als Offenbarung des himmlischen LICHTs, der Liebe (…); a.a.O., S 144.

Ein IRRTUM:

Weitere Recherchen zum (angeblichen) von mir erörterten Gedicht (im WEB entdeckt) des J.W.v. GOETHE „Die PHANTASIE“ ergaben, dass es gar kein Gedicht unter diesem Titel von GOETHE gibt: ABER es existiert ein längeres Gedicht von 1781, das zunächst „ODE“, später so genannt und publiziert worden ist. MEINE GÖTTIN heißt das Gedicht über PHANTASIE, daraus hat man verkürzt-unzulässig einfach das Gedicht „Die Phatasie“ gezimmert und ins Internet gestellt. Damit ist klar, dass GOETHE das Gedicht NICHT auf RUNGES WERK bezogen kreiert hat, denn RUNGE lebte von 1777-1810! 4 Jahre alt war P.O.R. als der Dichter sein Gedicht über Phantasie publiziert hat. Möglich könnte sein, dass RUNGE Goethes Gedicht über „Die Göttin“ gekannt hat … ???

EXKURS – FARBEN-Lehre(n)

RUNGEs Farbenlehre ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung, die P.O.R. parallel zu Goethe (mit dem er auch ansonsten ständig rang) entwickelte: „Sicher nicht nur deswegen, sondern auch wegen seines das ganze Leben ergreifenden künstlerischen Anspruches hätte ihn Paul Klee gern am Bauhaus gesehen“, schreibt Florian ILLIES. Denn, darauf weise der Kunsthallen-Direktor Hubertus GASSNER hin, „seine Modernität erweise sich vor allem in seinem extremen Problembewusstsein für die neue Rolle und die Erschaffung einer neuen, lebbaren Mythologie für die Kunst“; dazu viele Kommentare von mir – siehe: http://www.zeit.de/2010/4... – 10 „kleine Manifeste“ poesia evolutoria.

1810 legt der Maler Runge nach einer achtjährigen Beschäftigung mit den Farben seine Konstruktion einer Kugel vor. Die FARBENKUGEL – die mit RUNGEs „Erster Figur der Schöpfung“, die „sich selber macht“ zu tun (was oft vergessen wird), trägt die reinen Farben entlang des Äquators. Ausgangspunkt sind dabei die drei subtraktiven Primärfarben Rot, Gelb und Blau, die in gleichen Abständen voneinander postiert werden, in denen jeweils drei Mischfarben erscheinen. Die Pole der Kugel sind Weiß und Schwarz. Runge wollte nicht das Verhältnis von Mischungen, sondern vor allem die HARMONIEN von Farben (wie ich in meiner Farbenlehre) anschaulich fassen. Er – iwe ich später - wollte Ordnung in die Gesamtheit der möglichen Farben bringen und suchte nach dem idealen Farbkörper. (Siehe auch meine 3 Artikel zu Runge in der „Giessener Zeitung“ (Online) und http://www.colorsystem.co... .)
In demselben Jahr 1810, in dem Goethes Schrift mit ihrem FARBENKREIS veröffentlicht wird (siehe mehr im Symmetriebuch von mir 1989/1998(engl.) – Kap. 11.6.8.) legt der Maler Philipp Otto Runge (1777-1810) sein Werk über die „Farbenkugel“ vor, in der es ihm laut Untertitel um die „Construction des Verhältnisses aller Mischungen der Farben zueinander und ihrer vollständigen Affinität“.

Die FK ercheint im Todesjahr des Malers, der schon im jungen Alter von 33 Jahren stirbt. P.O.R..s Farben-Ordnung stellt die Summe seiner Bemühungen um die Farbe dar, die man in einem Lexikon einmal als „ein Gemisch von naturwissenschaftlich-mathematischen Erkenntnissen, mystisch-magischen Kombinationen und symbolischen Deutungen“ bezeichnet hat. Runges Farbenglobus steht am vorläufigen Ende einer Entwicklung, die von den Farbenreihen über die zweidimensionalen Farbenkreise zur räumlichen Anordnung der Farben in Form einer Pyramide und URFORM-Theorie (Modell, Lehre - ars evolutoria) geführt hat.
Runge sah in den drei (bei ihm als Maler subtraktiven) Grundfarben, Blau, Rot und Gelb, das „simple Symbol Symbol der Dreyeinigkeit Gottes“ (vgl. dazu a&s-Urformtheorie), wie er in einem Brief 1803 schrieb. Schwarz und Weiß sind für ihn keine Farben, denn „das Licht ist das Gute, und die Finsternis ist das Böse“.

Der Weg zur Kugel beginnt mit einem FARBENKREIS, den er in einem Brief an Goethe im Jahre 1806 entwirft (er wurde in Auszügen im didaktischen Teil von Goethes Farbenlehre wiedergegeben): „Drey Farben, Gelb, Roth und Blau, giebt es bekanntlich nur. Wenn wir diese in ihrer ganzen Kraft annehmen, und stellen sie uns als einen Cirkel begränzt vor, so bilden sich aus diesen drey Übergänge, Orange, Violett und Grün (ich heiße alles Orange, was zwischen Gelb und Roth fällt, oder was von Gelb aus sich nach dem Rothen, oder umgekehrt, hinneigt) und diese sind in ihrer mittleren Stellung am brillantesten und die reinen Mischungen der Farben.“(Siehe 12-teiliger FK der ars evolutoria; Artikel im WEB zu ETOE & P.O.R. & EST.)

In der Einleitung zu seiner Farbenlehre beklagt Runge sich darüber, dass die Künstler von den Wissenschaftlern im Stich gelassen worden sind, da sie diejenigen Wirkungen der Farbe, „die aus der bloßen Brechung des Lichtstrahls nicht zu erklären waren“, außer acht gelassen hätten.

RUNGEs ZIEL besteht darin, „die Verhältnisse der gegebenen Farben zueinander (...) zu erforschen, (...) um die Eindrücke, welche ihre Zusammenstellungen auf uns machten, und die veränderten Erscheinungen, welche aus ihren Mischungen entstehen, bestimmt herausfinden und jedesmal mit unserem Material wiedergeben zu können.“. Er betrachtet Farben als „eine gegebene, ja selbständige Erscheinung“, weshalb seine Untersuchungen „als ganz abgesondert von der Wissenschaft, wie durch das Licht die Farben entstehen“, angesehen werden können. NICHT abgesondert von der Wissenschaft: vgl. die Farbentheorie der ars evolutoria!
Runge wählt die perfekte Symmetrie der Kugel (und ich das perfekt symmetrische URFORM-Modell …), weil seiner Ansicht nach nur so im Zentrum ein „völlig gleichgültiges Grau““ entsteht. Die auf der Kugeloberfläche diametral entgegengesetzten (symmetrischen) Farbpaare lösen sich nur so im Mittelpunkt auf.

RUNGE wollte seine Farbenkugel nicht als „Kunstproduct“ verstanden wissen, sondern als „eine mathematische Figur von einigen philosophischen Reflexionen“ vorlegen. Analog dazu meine geometrisch-evolutionäre URFORM-Figur (mit Schwingungen…Oszillationsfigiur… SB Kap. 12.6/12.7. (!))

Runge entschied sich für eine runde Kugel-Konstruktion für Farben, um sie viel eher mit der göttlichen Ordnung des Kosmos in Verbindung bringen zu können. Ihm war klar, dass seine Darstellungen nur die imperfekte Illustration einer „idealen Kugel“ sein konnten – siehe dazu das Schöpfungsfigur-Modell PORs.. Vor allem ging es RUNGE – wie auch mir und GOETHE – um die HARMONIEN von Farben (ars evolutoria Symmetrien-„Klänge“ – vgl. Brief an Werner Hofmann, SB Kap. 5.4. Abb. 188). Wie ich wollte RUNGE Ordnung in die Gesamtheit der möglichen Farben bringen.

Zurück zur GÖTTIN PHANTASIE (J.W.v. GOETHE):

Meine Göttin

Welcher Unsterblichen
Soll der höchste Preis sein?
Mit niemand streit' ich.
Aber ich geb' ihn
Der ewig beweglichen,
Immer neuen,
Seltsamen Tochter Jovis,
Seinem Schoßkinde,
Der Phantasie.

Denn ihr hat er
Alle Launen,
Die er sonst nur allein
Sich vorbehält,
Zugestanden
Und hat seine Freude
An der Törin.

Sie mag rosenbekränzt
Mit dem Lilienstengel
Blumentäler betreten,
Sommervögeln gebieten
Und leichtnährenden Tau
Mit Bienenlippen
Von Blüten saugen:

Oder sie mag
Mit fliegendem Haar
Mit düsterm Blicke
Im Winde sausen
Um Felsenwände
Und tausendfarbig,
Wie Morgen und Abend,
Immer wechselnd,
Wie Mondesblicke,
Den Sterblichen scheinen.

Laßt uns alle
Den Vater preisen!
Den alten, hohen,
Der solch eine schöne
Unverwelkliche Gattin
Dem sterblichen Menschen
Gesellen mögen!

Denn uns allein
Hat er sie verbunden
Mit Himmelsband
Und ihr geboten,
In Freud' und Elend
Als treue Gattin
Nicht zu entweichen.

Alle die andern
Armen Geschlechter
Der kinderreichen
Lebendigen Erde
Wandeln und weiden
In dunkelm Genuß
Und trüben Schmerzen
Des augenblicklichen,
Beschränkten Lebens,
Gebeugt vom Joche
Der Notdurft.

Uns aber hat er
Seine gewandteste,
Verzärtelte Tochter,
Freut euch! gegönnt.
Begegnet ihr lieblich,
Wie einer Geliebten!
Laßt ihr die Würde
Der Frauen im Haus!

Und daß die alte
Schwiegermutter Weisheit
Das zarte Seelchen
Ja nicht beleid'ge!

Doch kenn' ich ihre Schwester,
Die ältere, gesetztere,
Meine stille Freundin:
O daß die erst
Mit dem Lichte des Lebens
Sich von mir wende,
Die edle Treiberin,
Trösterin, Hoffnung!

Erstveröffentlichung des Gedichtes im „Tierfurter Journal“ (5. Stück) im Herbst 1781 unter dem Titel „ODE“:

GOETHE vergibt in seiner ODE einen höchsten PREIS: an die PHANTASIE (die Tochter JOVIS/Jupiters. Zu Jupiter: Jupiter Optimus Maximus, war die oberste Römer-Gottheit. Der „Himmelsvater“ – als „Vater der Götter und Menschen“ (vgl. http://de.wikipedia.org/w... )

GOETHEs Göttin Phantasie hat von Jupiter als „Törin“ „alle Launen“ zugestanden bekommen: Die romantische Ader/Seite (rosengegkränzt – mit Lilienstengel – Blumentäler betrtend – Sommervögel …; vielleicht hat dies P.O.R. später motiviert zu 4 „Zeiten“?) einerseits UND die wüste-wilde-wagemutige-unberechenbare-abenteuerliche … andererseits. J.W.v.G. lobt den Himmelsvater JOVIS, der die schöne „unverwelkliche“ Phantasie als treue Gattin gegeben hat. Aber nicht alle besitzen PHANTASIE – „arme Geschlechter“ der nicht oberen gesellschaftlichen Schichten.

GOETHE („uns“) aber hat Jovis seine Tochter „gegönnt“, der wir „wie einer Geliebten“ – „lieblich“ - begegnen sollen. Die „unverwelkliche GATTIN“ = „PHANTASIE also als gottgesandt Irdisches, damit Verbindung zum Göttlichen“ (S. 1034 (2)). HOFFNUNG (letzte Zeile des Gedichtes) bedeutet, dass der PHANTASIE - die den Menschen von Jupiter als Gattin gegeben worden ist – die stille Freundin GOETHEs, die Hoffnung (Treiberin, Trösterin), die Phantasie bis zum Tod begleitet. „Die Phantasie ist freilich ambivalent, erscheint sowohl ‚rosenbekränzt’ als auch mit ‚düsterem Blick’ (als ‚Sorge’). Doch hat die Phantasie auch eine Schwester (…), die Hoffnung, der das ‚Düstere’ mangelt und die deshalb als ‚edle Treiberin’ und ‚Trösterin’ fungieren kann“ (2). Die „alte Schwiegermutter“ – die WEISHEIT (Natur-Wissenschaften z.B.) - sollte das „zarte Seelchen“ der Phantasie nicht beleidigen!

P.S Dank an Herrn Bibliotheksleiter Dr. Joachim SENG und Frau SCHWARZ, die mich im Frankfurter GOETHE MUSEUM (Goethehaus) am 19/1/2011 beim Auffinden von „MEINE GÖTTIN“ sehr freundlich unterstützt haben. In GOETHE: Sämtliche Werke Bd 1. Gedichte 1756-1799 – 1987er Buch (2) wurde das Gedicht „entdeckt“. Im WEB ist Unmögliches möglich – siehe oben „Die Phantasie“ – in Kurzform (…)

LITERATUR & Anmerkungen

(1) HOFMANN, Werner (2010): PHANTASIESTÜCKE Über das Phantastische in der Kunst. München. Besprechung DIE ZEIT Online: http://community.zeit.de/... (9/1/2011).

(2) Zitat: Siehe Kommentar zu MEINE GÖTTIN, S. 1033-1035 in/aus GOETHE: Sämtliche Werke Bd 1. Gedichte 1756-1799. Deutscher Klassiker Verlag 1987.