Leserartikel-Blog

100 Jahre Abstrakte KUNST (Kandinsky) & Prä-Abstraktion sowie Post-Abstrakte (1.Teil)

Wenn man „abstract art kandinsky“ (engl.) als Suchbegriff googelt, erfährt man, dass vor 100 Jahren angeblich Wassily KANDINSKY zuerst ABSTRAKT (= ungegenständlich, gegenstandslos) gemalt haben soll; vgl. Bild in a&s-Bildergalerie. Als Begründer der „abstrakten Kunst“ wird er genannt. Obwohl Zweifel angebracht sind. TEIL I des Doppel-Artikels wird ein zweiter Teil folgen. Zum 1.Teil siehe a&s-Bildergalerie in der GZ:http://www.giessener-zeit...

Wassily Kandinsky - "Erstes abstraktes Aquarell"

In einer Sendung wird das berühmte „ERSTE ABSTRAKTE AQUARELL“ des Malers W. Kandinskys (1866-1944) vorgestellt. Ob das „Phantasiestück“ (Werner Hofmann 2010) 1910 , ’11 oder 1913 gemalt wurde, ist strittig. Ein Schulfilm geht der Frage nach, was Kandinsky eigentlich auf die Idee brachte, abstrakt zu malen. In seinen Erinnerungen berichtet der Maler über Schlüsselerlebnisse, die ihn auf den Weg der ABSTRAKTION führten. Spielszenen machen dies deutlich. In: http://www.br-online.de/b... - hier wird in dem Video gefragt: War Kandinsky wirklich der Begründer der abstrakten Malerei? Und: Wie abstrakt sind Kandinskys Abstraktionen? Hilfestellung gibt u.a. eine Kunstexpertin des Centre National d'Art et de Culture Georges Pompidou in Paris. Sie zeigt eine Skizze zu Kandinskys „Impression V“. Beim Blick auf das Bild findet der Betrachter tatsächlich Wirklichkeitsspuren: Einzelheiten aus der Skizze lassen sich aus der Impression herauslesen.

Im Pariser Centre Pompidou sind im vierten Stock zahlreiche Gemälde Wassily Kandinskys ausgestellt. Das „erste abstrakte Aquarell“, das Kandinsky 1910 oder 1911 gemalt hat, bleibt allerdings normalerweise unter Verschluss, weil es zu lichtempfindlich ist. Kandinsky über sich selbst: „Ich habe als erster mit der Tradition gebrochen, zu malen, was wirklich existiert. Der Begründer der abstrakten Malerei. – das bin ich.“ DIES STIMMT NICHT: siehe weiter unten und a&s-Bildergalerie mit Belegen.

„Abstrakte Evolutionäre Neo-Romantik“: aktuell heutzutage
In einem vorhergehenden Essay habe ich über „Evolutionäre Abstraktion“ gesprochen – siehe dazu ein sog. „Erstes Bild einer AENR = Abstrakten Evolutionären Neuen Romantik (?) (6/1/2010). 100 Jahre nach KANDINSKY“ (a&s-Bildergalerie). In einem Internet-Beitrag (in (1) z.B.) erörterte ich am 9.11.2011 in DIE ZEIT (Blog online) die

FRAGE: Benötigen wir heute eine „Abstrakte Evolutionäre Neue Romantik“?

Ich diskutierte im Essay, dass ABSTRAKTE KUNST eine Kunstrichtung sei, die mit dem Anfang des 20. Jahrhunderts vor rund 100 Jahren begann: Wassily KANDINSKY hat sein erstes abstraktes Bild eigenen Angaben zufolge im Jahr 1911 gemalt. Heute gehe man aber davon aus, dass Kandinsky dieses Bild vordatiert habe, so wikipedia in einem Artikel, der der Überarbeitung bedarf: http://de.wikipedia.org/w... .

2009 titelte ich „Die TRANSMUTATIONEN des Wassily KANDINSKY: abstrakt - absolut – konkret – biomorph/figurativ“ (am 28.2.09 im Darwinjahr). Der Russe W.K. sei zweifellos einer der großen wichtigen Erneuerer der Kunst des 20. Jahrhunderts und gilt als „Begründer“ der abstrakten Malerei, obwohl eine SCHIRN-Ausstellung zeigen konnte, dass W.K. nicht das Patentrecht „Begründer der abstrakten Malerei“ für sich beanspruchen kann. Siehe Die TRANSMUTATIONEN des Wassily KANDINSKY: abstrakt - absolut – konkret – biomorph/figurativ dazu (2): http://www.myheimat.de/gl... ODER DIE ZEIT: http://community.zeit.de/... .

Vorreiter der ABSTRAKTION

Die ersten Maler entfernten sich immer weiter von der Wiedergabe oder Interpretation der realen Natur in ihrer Kunst: Unter die Bezeichnung ABSTRAKT fallen sowohl „abstrakt-abstrahierende“ – Bilderserie-Beispiel Alexander COZENS, A New Method, London 1785 (ein blot) - wie völlig „abstrakt-gegenstandslose“ Werke. Erstere abstrahieren vom Gegenstand, letztere bedienen sich autonom der malerischen Mittel ohne jeden Gegenstands-Bezug. Verkürzt stellte Annegret HOBERG einige Hauptmerkmale von KANDINSKYs Abstraktion - VOR 1914 - zusammengefasst so dar:

Verschlüsseln und Verbergen von Gegenstandsresten – zunehmende Unkenntlichkeit – Denken in Gegensätzen und das Gegenläufige der formalen Anordnungen. Alles nicht NEU; siehe die COZENSsche „Neue Methode“!

Und: Unter „ABSOLUT“ verstand W.K. die „rein abstrakte Form ohne gegenständliche Überbrückung“ (1914, Vortrag „Mein Werdegang“). Also „reine“ Malerei ist eine „absolute“ Malerei, wenn - von jeglichem Gegenstand unabhängig - mit abstrakten Formen gearbeitet wird, mit Bildelementen, die der Maler frei erfindet. (myheimat (1) a.a.O.). Zur abstrakten Kunst des französischen Künstlers SOULAGES - Retrospektive im Berliner Gropiusbau – schrieb Niklas MAAK in der FAZ (5/1/2011) über den „Mann ohne Schatten: Ich kommentierte (veröffentlicht am 7/1/11) ebenda:

SOULAGE und der universalistische Erkenntnisanspruch von RUNGE & KLEE

Wer an der ersten (!) Documenta 1955 in Kassel teilnahm (SOULAGE), war noch zu loben. Es gibt unzählige Maler mit „Phantasiestücken“ (Werner Hofmann 2010), die immer auch auf eine transzendierende Wirkung ihrer Malerei hofften: Soulages Kunst das Gegenteil. Es gebe kein „Jenseits“ in seinen Bildern, höchstens „eine vage haptische Assoziation“, schreibt Maak. Es wäre „eine Erinnerung an sehr alte Formen“ (…); Farbe/n repräsentierten „nichts“! Skepsis gegen Metaphysisches hatte Philipp Otto RUNGE NICHT: In der HKH wird derzeit der „KOSMOS Runge (…)“ gezeigt, der P.O.R. als Vorreiter einer EVOLUTIONären NEUEN Romantik (EVOLUTIONs-Romantik) offenbart. P.O.R. brach mit dem Antike-Hype (Klassizismus, GOETHE etc.). In den „Vier Zeiten“ transmutiert seine Kunst auf der Basis einer „Ersten Figur der Schöpfung“, die „sich selbst macht“ sowie seiner neuen Farben-Harmonielehre. GOETHE war begeistert von der Farbenkugel. P.O.R. gilt als ein „Wegbereiter der Moderne“ (SCHNEEDE 2010). KLEE gelangte – wie er sagte – „über den pathetisch-drangvollen Stil hinaus zu jener Romantik, die im All aufgeht“. Von der Korrektur manches Missstands in Kunstmarkt und Kunst träumt in seiner Kolumne zum Jahresanfang Eduard Beaucamp: Lesenswert in der FAZ v. 7/1/2011. ( (3) KUNSTSTÜCKE von Eduard Beaucamp: Kuratoren, Künstler und Mäzene, vereinigt Euch! – S. 33.)

In „art“ ONLINE (zu http://www.art-magazin.de... ) ist von mir zur ABSTRAKTION 2008 zu lesen:

Vom 11 / 11 / 08:
Der Lebensprozess der Form bei Kandinsky – EVOLUTION?
Heutzutage - vor dem Darwinjahr 2009 (vgl. SCHIRN: „DARWIN, Kunst und die Suche nach den Ursprüngen“, 02. - 05. 09) die Retrospektive „KANDINSKY - Absolut. Abstrakt" zu zeigen, ist schon interessant. Zu loben ist Kandinskys Markteroberungsleistung und sein Bemühen, das Ungegenständlich-„Absolute“ bei „Hofe“ (Kunst-„Wissenschaft“) einzuführen. Wenn auch gleichzeitig G. RICHTERs „Abstrakte Bilder" im Museum Ludwig Köln und in ART präsentiert werden, darf nicht übersehen werden, dass der Ruf der Moderne- & Postmoderne-Abstraktion als einer „Kunst nur für die Kunst“ nicht der Beste ist: Werner Spies’ „Hinrichtung“ der ungegenständlichen Kunst in der Kiefer-Laudatio hat die Abstraktion generell heruntergestuft und verteufelt. Der Beliebigkeit & Bedeutungslosigkeit („Leere“) zeitgenössischer Kunst-Markt-Kunst heute kunsttheoretisch und künstlerisch-praktisch Paroli zu bieten, ist über den Terminus „EVOLUTION“ möglich. Innovativen Widerstand gegenüber dem Mythos Abstraktion zeigte K. im Spätwerk in den amöbenhaft-organischen biomorphen Elementen des Bildes „Parties diverses" von 1940. Werner HOFMANN hat schon 1953 in einem Beitrag zur „Morphologischen Kunsttheorie“ K. als Erforscher des Wachstumsrhythmus’ des Lebendigen (innerer „Notwendigkeit“) vorgestellt. Die theosophischen „Irrwege“ Kandinskys bei der Suche nach einem neuen „modernen“ eigengesetzlichen Natur- und Formbegriff sind historisch nachvollziehbar. Der Künstler-Theoretiker glaubte, dass Malerei „sich als wirklich reine Kunst in den Dienst des Göttlichen stellt". Das Copyright für Abstraktion als Kulturleistung lag aber bei Künstlern des 19. JHs: „Turner, Hugo und Moreau“ (Schirn (4)). Das Copyright für die Erfindung evolutionärer Formwelten, in denen klassische Kategorien wie „Natur“ und „Kultur“ („Kunst“) überbrückt werden (z. B. in ars evolutoria als Erkenntniskunst, die Perspektiv- und Harmoniegesetze reanimiert) wird im Darwinjahr 2009 zu feiern sein.

13 / 11 / 08:

Kandinsky – Malewitsch – Richter: Abstraktion & Evolution 2008/09

Das Verhältnis der „Kunst“-Menschen zu Religion & EVOLUTION hat sich verändert. „Reine Kunst“ kann sich heute in den Dienst der EVOLUTION stellen. Parallel werden in der BRD momentan die große ehrgeizige Retrospektive „KANDINSKY - Absolut. Abstrakt" in München (Lenbachhaus, Außenstelle Kunstbau) gezeigt, MALEWITSCHs Werk wird in der „Großen Landesausstellung“ in Baden-Baden als Highlight im Jubiläumsjahr 2008/09 der Staatlichen Kunsthalle ausgestellt und Gerhard RICHTERs „Abstrakte Bilder“ sind im Museum Ludwig in Köln zu sehen. Ein Vergleich der gegenstandslosen Malerei der drei Kunst-Helden im Lichte der EVOLUTION bietet sich an. Zu lesen in „Kandinsky – Malewitsch – Richter: Abstraktion & Evolution 2008/2009“ in ZEIT Online (Community; Werner Hahn); einfach GOOGELN! Ebenda auch eine Kritik der Kunst-Kritik: Unter dem Titel „Deutsche Bildstörung“ versucht der Kunstkritiker Thomas WAGNER in „art“ (Das Kunstmagazin) sich der „Message“ von „Deutschlands wichtigstem Maler“ (so in art Nr. 11/2008 - S. 21 ff.) zu nähern. Das Kunstmagazin titelte: „Das Prinzip Gerhard Richter – Die Schau in Köln feiert den größten deutschen Maler der Gegenwart“. Dass nun Gerhard RICHTER mit seiner Markteroberungsleistung als Kunstmarkt-Künstler der „Größte“ ist, zeigt der Markt heute; in seiner künstlerischen Leistung ist er wohl kunsthistorisch gesehen NICHT der „wichtigste“ und „größte“, was a. a. O. in DIE ZEIT erörtert wird.

16 / 11 / 08:

Zu Gerhard Richters STIL-Ablehnung:„Stil ist Gewalttat …“

Für den KUNST-Interessierten User ist im Artikel „Rückkehr zur Renaissance: Kandinsky und Malwitschs Kunst-Evolution (Mutationen). STIL-Fragen“ zum Thema mehr zu erfahren: in ZEIT Online (Community; Werner Hahn); einfach GOOGELN! Dass Schönheitsnormen und Stil-Gesetze in den Techniken der alten Moderne und Post-Moderne (Gerhard RICHTER & Co.) abgedankt haben, so dass Kunst-Prozesse „Zeichen der Auflösung“ von Kunst gezeigt haben („Kunst der Kunstlosigkeit“, so Werner HOFMANN) wird diskutiert. Für innovative Erkundungen und Experimente in der bildenden Kunst und Kunsttheorie sind die Möglichkeiten des (monofokalen) Staffeleibildes NICHT erschöpft; Kunstsparten wie Graphik, Malerei und Plastik sind angesichts der Errungenschaften von ars evolutoria nicht veraltet (obsolet) – zu entthronen waren Bildkategorien der „alten Moderne“. Das Spätwerk der beiden Künstler-Theoretiker & Praktiker Wassily KANDINSKY und Kasimir MALEWITSCH offenbart, dass die Pioniere der Abstraktion, die nach PICASSOs Kubismus die Zentralperspektive von der Bildfläche zu verbannen suchten, am Ende zur Zentralperspektive zurückgekehrt sind. Wie ist das zu verstehen? (Mehr dazu a.a.O..) „ZUR STIL-FRAGE“ (Goethes Sicht) siehe ebenda auch „Der postmoderne Gerhard Richter und die Pioniere der Klassischen Moderne“.

17 / 11 / 08:

Zum Thema Kandinsky und Evolution vor dem DARWIN-Jahr 2009
Folgende Web-Ergebnisse lassen sich zum Thema Kandinsky & Evolution finden: Essays mit dem Titel: „Kandinsky – Malewitsch – Richter: Abstraktion & Evolution 2008/2009“ sowie „Rückkehr zur Renaissance: Kandinsky und Malwitschs Kunst-Evolution (Mutationen). STIL-Fragen“. Die leicht zu googelnden ZEIT Online Artikel könnten dazu führen, dass zum Darwinjahr 2009 (vgl. SCHIRN: „DARWIN, Kunst und die Suche nach den Ursprüngen“, 02. - 05. 09) neue innovative Anregungen diskutiert werden. In diesem Zusammenhang könnten kunstinteressierte User auch Interesse haben an den Essays „Kultur der Evolution: Anmerkungen zur Jahrestagung 2008 des ZfL Berlin“ sowie „Mathematik, Mandelbrot-Menge, Chaologie, Weltformel und EVOLUTION“ a.a.O., da es hier auch um KUNST-Fragen geht.

Das „Copyright für Abstraktion als Kulturleistung“ lag aber bei Künstlern des 19. JHs: „Turner, Hugo und Moreau“ (Schirn – vgl. (4)), schrieb ich schon im November 2008 in „art“. Für ein Buchprojekt 2011 formulierte ich:

Wege zur Abstraktion: Abkehr vom Abbildungsgebot

Wassily KANDINSKY (1866-1944) malte 1911 nach eigenem Bekunden sein erstes abstraktes Bild, mit dem der Anspruch einer radikalen Erneuerung der Kunst vertreten worden ist. Das Aquarell gilt in der internationalen Kunstszene kunsthistorisch als erstes abstraktes oder gegenstandsloses Bild; neuartig und progressiv. Kandinsky schrieb 1919 über sich, dass er „der erste Maler“ gewesen sei, „der die Malerei auf den Boden der rein-malerischen Ausdrucksmittel stellte und das Gegenständliche im Bilde strich“ (Lexikon-Notiz; Katalog „Turner …“, S. 314, (4)). Es ging dem Maler-Pionier und Kunsttheoretiker darum, „Bilder zu schaffen, die als rein malerische Wesen“ existieren.

Wilhelm WORRINGER hatte bereits 1907 (!) mit „Abstraktion und Einfühlung“ dem Abbildungsgebot einen kräftigen theoretischen Hieb versetzt. Es wundert daher nicht, dass bis heute die Abstraktion in Malerei und Skulptur als Errungenschaft der Kunst des 20. Jahrhunderts gilt. Erneuerungs-Bekenntnisse veröffentlichten Künstler(-Theoretiker) gerne in Form von Manifesten; so auch (wie der Autor Werner Hahn selbst) KANDINSKY in Schriften („Über das Geistige in der Kunst“ von 1911/12. Und der Autor der ars evolutoria im Feld der Bildkünste (seit 1971; Manifest „zur Kunst der Zukunft“; 5.3.1. Symmetrie-Buch von 1989deutsch/1998englisch (kurz SB).

Lange bevor die Abstraktion im 20. Jahrhundert zur Kunstform erklärt wird, entstanden indessen in Maler-Ateliers Bilder, die keine Abbilder sind. Damit schien eine schon im 15. und 16. Jahrhundert einsetzende Entwicklung zu ihrem Ende gelangt zu sein, in der das Bild als Abbild der sinnlich wahrnehmbaren Wirklichkeit gedient hatte – eine Aufgabe, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts schrittweise der Fotografie zufiel.

Ausstellung und Katalog von „Turner - Hugo - Moreau. Entdeckung der Abstraktion“ (Schirn Frankfurt (4)) machen deutlich, dass Bilder, die sich dem Paradigma der Natur-Nachahmung entziehen und nichts Gegenständliches darstellen, schon lange vor 1900 verbreitet waren.

Darstellungsunabhängige, rein formale Bildwerte von Farbe und Form eines Gemäldes, wurden seit der Mitte des 19. Jahrhunderts „häufig als ‚abstrakt’ bezeichnet und in antirealistischen Kreisen höher bewertet als das Sujet“ (Katalog (4), S. 311).

Kandinsky MESSIANISCH?!

KANDINSKY hat in Texten den Durchbruch von der gegenständlichen zur Abstrakten Kunst als ein „messianisches Ereignis“ dargestellt; als „Leistung in der Geschichte der Kunst“ und „Beitrag zur Entwicklung der Menschheit“ (Ebenda S. 313 f.) In Kandinskys Augen überwand er als Maler das Materielle, um zum Geistigen zu gelangen; in eine übersinnliche „mystische Sphäre“ mit teils „religiösem Pathos“ rückte der Maler die Erfahrung (den „Genuss“) der ästhetischen Wirkung von Farben und Formen, stellte SCHIRN-Katalog-Herausgeber Rosenberg fest (ebenda S. 315); passend zur antimaterialistischen Stimmung am Anfang des 20. Jahrhunderts, in theosophischen Kreisen mit Interesse wahrgenommen.

Im „Epilog“ des Ausstellungskataloges - „KANDINSKY und die ‚Erfindung’ der Abstakten Kunst“ – wird betont, dass schon für Ruskin, Guichard und Denis das Abstrakte in ihren Augen wichtiger war als das Mimetische. Maurice DENIS’ Ausspruch von 1890 ist berühmt; auch ich hatte ihn im SB (Kapitel 11.8.) zitiert:

„Man bedenke, dass ein Gemälde, bevor es ein Schlachtross, eine nackte Frau oder irgendeine Anekdote wird, grundsätzlich erst einmal eine ebene, in einer bestimmten Anordnung mit Farben bedeckte Fläche ist.“ Seine Palette mit den zufälligen Farbenmischungen – durch das „Spiel von Kräften“ hervorgebracht – hat Kandinsky selbst als ein schönes „Werk“ gepriesen: „Sie haben mich mehr als irgendein Lehrer oder Meister gelehrt“. (Katalog S. 317.)

Zu einer Abb. der BILDERGALERIE: Wassily Kandinsky hat sich als fortschrittlicher Maler und Theoretiker der alten Moderne in seinen Bildern vom realen Vorbild der Sehdinge konsequent gelöst. Der Klassiker der Moderne zeichnete 1911 die abstrakte PINSEL-Zeichnung links und 1939 die hieroglyphischen biomorphen Gebilde in der Mitte, an Mikroorganismen erinnernde Gestalten. (Aus SB Fig. 617.)
Siehe auch in der Bilderstreccke zum Artikel: eine „blot“-Zeichnung von Alexander COZENS, „A New Method“, London 1785. Cozens schuf in seiner „neuen Methode“ (Traktaten) vor Kandinsky abstrakte „zufällige“ Flecken für den Entwurf von Landschaftsbildern: in Anlehnung an Leonardos Rat - zu neuen „Erfindungen“ zu kommen - sollen die Pinsel-Tusche-„blots“ die Phantasie des Malers anregen, um vollendete Formen zu schaffen. Zur Steigerung des Zufalls in Cozens Tintenkleckse-Verfahren siehe Katalog „Turner - Hugo - Moreau. Entdeckung der Abstraktion“ a.a.O. S. 73 f.; Abb. ebenda S. 81.

Zum Thema abstrakter „Klecksografien“ siehe auch Bilder des Klechsografen Justinus KERNER – Doppelbild-Entstehung durch Kleckse-Verstreichen in gefaltetem Papier -, in denen nicht vorhersehbare Gestalten entwickelt werden. Diese Klapp-Methode (a.a.O. S. 86 ff.), die mehr oder weniger zufällig unbekannte Wesen entstehen lässt, wurde weltbekannt später in der von Hermann RORSCHACH Publikation „Psychodiagnostik“ (1921); mit Form-Deutversuchen von Klecksografien über die Psychologie (Deutenlassen von Zufallsformen). Hierzu vgl. a.a.O. S. 108 f. und mein Hinweis auf Rorschach in 11.8.6. SB mit Abb. 581. Zum Rorschach-Test habe ich die Entwicklung eines „Ars Evolutoria Tests“ mit ars evolutoria-Schlüsselbildern vorgeschlagen, um durch Assoziationen (Assimilationen) in ARS EVOLUTORA-„Form/Farbe-Deut-Versuchen“ Erlebnistypen, Intelligenztypen u.a.m. zu „diagnostizieren“. Zum Thema Identifikationen, Projektionen Hinweise auf GOMBRICHs Klecks-Deutungen ebenda; zur Deutung von Klecks-Bildern bei Kindern und ars evolutoria Innenporträt-Entwickung/Deutung vgl. 11.8.7. SB.

KUBISMUS - EXPRESSIONISMUS

Durch Bewegungen wie den Kubismus und Expressionismus insbesondere wurde die Entstehung der abstrakten Kunst vorbereitet, in deren Bildern sich Formen und Farben von ihrem realen „Vorbild“ lösten und ein Eigenleben entwickelt haben.

In der Malerei mit Wasserfarben fand die Tendenz zur Verselbständigung von Form und Farbe ein ideales Experimentierfeld. Rückblickend zeigt sich dies schon im 19. Jahrhundert. Vor allem bei den an die Grenze zur Abstraktion heranreichenden Aquarellen von TURNER und CÉZANNE. Der Stil des KUBISMUS ist indessen ein gegensätzlicher Malstil - weit von dem durch Farbflächen hervorgerufenen malerischen Eindruck von reinen Aquarellen entfernt, die mit dem Pinsel und/oder Zerstäuber entwickelt werden. Den kubistischen Bildern von Pablo PICASSO und Georges BRAQUE - den Bewunderern von CÉZANNEs Bildwelt, der hinter der Oberfläche der Dinge nach Dauerhaftem suchte, den Bildraum aus einfachen Körpern aufbauen wollte -, wie ich herausgestellt habe (SB Kap. 11.8.1. /11.8.2.) liegen Liniengerüste zugrunde, in denen die Fragmente (organische) Naturformen zerlegen oder synthetisieren.

Juan GRIS’ Bildprogramm des synthetischen Kubismus versuchte, „das Abstrakte konkret zu machen“; mit Parallelen zur ars evolutoria-Bildentwicklung, wie ich 1989/1998 in meinem international weit verbreiteten Symmetriebuch (SB) herausgestellt habe: Im Kapitel 11.8.2. „Vom Irrtum der Kunstphilosophie des Cécannismus-Kubismus mit ihrer zunehmenden Destruktion von Symmetrie und Perspektive. Neo-Kubismus der ars evolutoria“.

SYMMETRIEn-Destruktion - Linearperspektive als ein „miserables“ Mittel

Im speziellen Liniengerüst mit Linie und Form des Kubismus sind die Farben eingefügt; die den Emotionen verbundene Farbe blieb dabei weitgehend eliminiert. Gegenständliche Formen wurden kubistisch analysiert, zerlegt und Zergliedertes wurde zu neuartigen facettierten Gebilden wieder zusammengefügt. In mehr oder weniger fast unkenntlichen Formen wurden die Farben auf Schwarz, Weiß, Braun und Grau reduziert. Schattierungen verstärken den Eindruck unterschiedlicher Blickwinkel. Räumlich-perspektivische Verhältnisse erscheinen im kubistischen Bild verzerrt, anstatt der Natur den Spiegel vorzuhalten. Der Dichter Guillaume APOLLINAIRE – der Freund Picassos und Verteidiger der Kubisten - lehnte die Linearperspektive ab; für ihn war sie ein „miserables“ Mittel, „alles schrumpfen zu lassen“. Er plädierte für eine bewegliche Perspektive, die den Raum in unterschiedliche geometrische Ebenen zerteilt und die Gegenstände gleichzeitig aus verschieden Blickwinkeln darstellt. 1912 formulierte Apollinaire in einem kurzen Artikel (in Anlehnung an Kandinskys Schrift) die Ankunft einer Abstrakten Malerei: „Wir bewegen uns insofern auf eine vollständig neue Kunst zu (…) eine reine Malerei (…). Sie steht gerade erst am Beginn und ist noch nicht so abstrakt, wie sie sein möchte.“ (Katalog a.a.O., S.313.)

Zum Irrtum der Kunstphilosophie des Kubismus mit der Abkehr (dem Abschied) von Symmetrie und Perspektive, einer Lehre, die eine „Kenntnis a priori“ von „Urlinien und „Urformen“ postuliert hat, siehe meine Beweisführung in Abschnitten 11.8.2. und 11.8.4. SB; vgl. Abb. 558 ebenda mit Legende – zu Formexperimenten des ersten Kubismus im 16. Jahrhundert: Albrecht Dürer, Ehart Schön, Giovanni Battista Bracelli (Abb. 557 a, 558).

Dass Kunst sich nicht darauf beschränken muss, Gegenstände AbzuBILDEN, war eine wichtige Errungenschaft der bildenden Kunst. Was aber die Kunst zu „BILDEN“ im Stande ist, belegen die vielfältigen Experimente (Kompositionstechniken) der Moderne (Bewegungen nach der „ersten“ Abstraktion) mit der zunehmenden Vertiefung und Erweiterung ihrer Wahrnehmungen und Vorstellungen.

(Fortsetzung folgt in Teil II des Doppelartikels.)

LITERATUR & Anmerkungen

(1) a&s-Texte zur Kunst: Neues ROMANTIK-Wollen heute - Paul KLEE ... Programm Evolutionäre Neo-Romantik (Tripel III) - http://community.zeit.de/... .

Auch „Paul KLEE, Romantic Conceptualism und EVOLUTIONÄRE Neue ROMANTIK: Neo-ROMANTIK-Wollen heute“ – IN http://www.myheimat.de/gl... (mit 13 Bildern). UND mit 32er a&s-BILDERGALERIE „Neues ROMANTIK-Wollen heute: Paul KLEE, Romantic Conceptualism und EVOLUTIONÄRE neue ROMANTIK (ENR). Art-and-science-Texte zur KUNST“ (http://www.giessener-zeit...

(2) HAHN, Werner (2008): Kandinsky – Malewitsch – Richter: Abstraktion & Evolution 2008/2009. In: ZEIT Online v. 13.11.2008. SOWIE HAHN, Werner (2008): Rückkehr zur Renaissance: Kandinsky und Malwitschs Kunst-Evolution (Mutationen). STIL-Fragen. In: ZEIT Online v. 15.11.2008. Oft gelesen: Die TRANSMUTATIONEN des Wassily KANDINSKY: abstrakt - absolut – konkret – biomorph/figurativ: http://www.myheimat.de/gl...

(3) FAZ v. 7.1.11: KUNSTSTÜCKE von Eduard Beaucamp: „Kuratoren, Künstler und Mäzene, vereinigt Euch!“ – S. 33. Den ehemalige FAZ-Kunstkritiker Eduard BEAUCAMP zitierte ich auch an anderer Stelle: Am 11 / 01 / 11 in „art“:

Was Kollege Eduard BEAUCAMP (FAZ) zur "Kunstkritik" kritisiert

Heutzutage sei „die eigentliche Kunstkritik, die rückhaltlose und methodische Auseinandersetzung mit Kunstwerken, das Hantieren mit Urteilen und Kriterien, das Bewerten, Einordnen und Verreißen aus dem Blick geraten.“ (http://www.deutscheakadem....) Und: „Die stürmischen Zeiten, als die Kritiker eingeschworene und unerschrockene Verbündete, ja womöglich sogar Präzeptoren der Avantgarden waren, sind in die Historie und in die Legende entrückt.“ Es war einmal: „da war die engagierte Kritik der verlässlichste Partner der jeweils fortschrittlichen Gegenwartskunst und teilte ihre Abenteuer und Expeditionen. Sie begleitete sie, zumal in den Turbulenzen des zwanzigsten Jahrhunderts, streitbar, werbend und kommentierend, und gab ihr Impulse, Stichworte und Ideen.“ Die Moderne verdanke – so E.B. – „das sei nicht vergessen, ihre Durchsetzung zu einem guten Teil einer kämpferischen Kunstkritik.“ Freilich sein die Bahnbrecher „eher Apologeten als Kritiker“ gewesen. Heute sei das Bündnis der Künstler und Kritiker zerfallen: „Die Artisten suchen nach lebenstüchtigeren und erfolgversprechenden Partnern – als da sind Händler, Öffentlichkeitsagenten, Sammler, Sponsoren, Kuratoren und Leute der Museumsbranche. Die Zweckbündnisse machen einige wenige Glückspilze verblüffend schnell zu Szenen-Stars und Kunstmarkt-Champions, die mit oft halbgaren Produkten absurde Preise erzielen.“ Unser kapitalistischer Marktzirkus, angetrieben von unvorstellbar großen und frei vagabundierenden Geldmassen, die nach diskreter Anlage suchen, mache „mit seinen Zaubertricks aus Adepten im Handumdrehen Künstler von Weltgeltung, die auf Auktionen sogar berühmte Alte Meister zu Zwergen degradieren.“ Auf dem Markt sei der Kunstverstand verlorengegangen. (…).
Am 11 / 01 / 11 weiter in / zu http://www.art-magazin.de... (neben mehreren weiteren Kommentaren von mir & art-and-science:
Eduard BEAUCAMP (FAZ) zur "Kunstkritik" HEUTE - MISERE...(II)
In einer Dankes-Rede zur Verleihung des Johann-Heinrich-Merck-Preises 2006 an Eduard Beaucamp - http://www.deutscheakadem... - kritisiert E.B.: (...) „Ein Stück Barbarei breitet sich aus.

Viele Künstler gefallen sich dabei in der Rolle von Bütteln der Spekulation, profitieren von dieser Dressur, und das ahnungslose Publikum will es gar nicht merken, dass hier Kunst nur noch Vorwand ist für ein Roulette-Spiel.“ (…) Zur Misere der KUNSTKRITIK E.B. auch: In „KUNSTSTÜCKE“ (FAZ 05.06.09) beschrieb E.B., warum die westliche KUNSTFREIHEIT weniger „frei und chancengleich“ sei und „dringend der Überprüfung“ bedürfe: Totaler Markt – Netzwerker – Galerien/Sammler/Künstler-Clans (…). „Entwürdigende Kunstfreiheit“ herrscht auch in den USA! Das „Dilemma der Avantgarden“ erörterte Eduard Beaucamp in „Von der Romantik zur ästhetischen Religion“ (Von Leander Kaiser, Michael Ley, S. 15-25; lesbar als Google-Buch im Netz). Dr. Eduard Beaucamp – selbst Kunstsammler - fordert einen SYMMETRIEBRUCH, d. h. eine „KUNST-ERNEUERUNG“ in FAZ-„Kunststücke“ v. 8/1/2010. (Vgl. MUSEEN-Schließung: Drohen weitere KUNST-Entgrenzung, TOD der MALEREI – ein KUNST-Untergang? - http://www.myheimat.de/gl... .) SIEHE AKTUELL: FAZ v. 7.1.11: KUNSTSTÜCKE von Eduard Beaucamp: „Kuratoren, Künstler und Mäzene, vereinigt Euch!“ – S. 33. WÜNSCHE zu Neujahr 2011eines Außenseiters der ZUNFT der KUNSTKRITIKER?!

(4) KATALOG Schirn (2007): „Turner - Hugo - Moreau. Entdeckung der Abstraktion“. (Schirn Frankfurt, Ausstellung v. 6.10.07 – 6.1.08.) Hrsg. Rosenberg & Hollein, 360 Seiten.
(5) HAHN, Werner (2011): Werner HOFMANN – ein „Künstler“ (?): Über das Kunststück PHANTASIESTÜCKE zu (be)schreiben… - http://community.zeit.de/... UND bebildert: http://www.giessener-zeit...

(6) HAHN, Werner (2010): Evolutionisierung: Kunst der EISZEIT & STEINZEIT evolutionär. Gießener Zeitung v. 14.1.10 – 1416 mal gelesen - http://www.giessener-zeit... mit 26er a&s-Bilderstrecke.