Leserartikel-Blog

Werner HOFMANN – ein „Künstler“ (?): Über das Kunststück PHANTASIESTÜCKE zu (be)schreiben…

Eine echte kunsthistorische Glanzleistung – eine sehr anregende Tour de Force durch die europäische Kunstgeschichte der letzten achthundert Jahre - unternimmt der renommierte Kunsthistoriker Werner HOFMANN in seinem empfehlenswerten kiloschweren Prachtband-Kunststück (im Schuber) - Untertitel »Über das Phantastische in der Kunst«, Haupttitel "PHANTASIESTÜCKE": Die KUNSTstücke-Reise in (1) geht also nicht zurück bis in die Phantasie-Kunst der Steinzeit. Den Band „ab ovo – Phantasiestücke seit der Eiszeit“ - könnte W.H. ja noch schreiben (…). Die lebhafte heutige „Debatte um UN-kritische "Kunst"-KRITIKer: Hanno RAUTERBERGs Plädoyer für eine Kunst-Kritiker-Akademie“ braucht den „Kunstkritiker“ HOFMANN nicht zu erörtern:

Vergleiche „kunstkritik unkritisch“ (mal googeln …): z. B. http://community.zeit.de/... oder auch meine Kommentare in „art“ (Kunstmagazin) zu „Versifft“: Kunstkritiker-Hofberichterstattung ist (…) - kunst kulturbetrieb kultur: MULTIPLE Kritiker sind ... - Einseitige LINKE "Kunst"-KRITIK? - KRITIK der Kritik der UNkritischen KRITIK(er)? - AKADEMIE der KUNSTKRITIK? - Zur unkritischen Kunstkritik – Debatte (…) (QUELLE: für kritische Geister in: http://www.art-magazin.de....)

Den Begriff „trasmutazione di forme“ prägte LEONARDO, den P.O.Runge weiterentwickelt hat; heute ars evolutoria.Eine neue Kunst des "Infinito", die von der „trasmutazione di forme" lebt. In HOFMANNs "Phantasiestücke" ist TRASMUTAZIONE ein zentraler Begriff der Diskussion. Siehe 37er a&s-Bildergalerie zur vorliegenden Besprechung von HOFMANNs Kunst-&-Phantasiestücken: http://www.giessener-zeit....

PHANTASIE

Fantasie (griech.: phantasía – „Erscheinung“, „Vorstellung“, „Traumgesicht“, „Gespenst“) bezeichnet eine kreative Fähigkeit des Menschen mit „Einbildungskraft“. Oft ist der Begriff mit dem Bereich des BILDhaften verknüpft. Der Begriff „Phantasie“ umfasst in der Regel sowohl die Fähigkeit wie auch das Resultat des „Phantasierens“. Der Begriff kann auch abwertend gebraucht werden - im Sinne einer Fiktion bzw. eines Hirngespinstes – was im nachfolgenden Artikel nicht gemeint ist. Betrachtet man die kulturelle EVOLUTION des Phantastischen, wird man die frühen BILDhaften Phantasien der Menschen der Steinzeit/Eiszeit nicht außer Acht lassen; dazu mehr in meinem bebilderten Essay in der „Giessener Zeitung“: v. 14.1.2010 – 1400mal gelesen - http://www.giessener-zeit... (Evolutionisierung: Kunst der EISZEIT & STEINZEIT evolutionär.) Am Anfang war die KUNST als PHANTASIE-Produkt; z. B. in Gestalt von „Venus“-Darstellungen ab „Hohle-Fels-Eva“ (vor ca. 40.000 Jahren; Bild a.a.O.).

Das „PHANTASTISCHE“ betrachtet Werner HOFMANN als Gegenentwurf zur NORM: zum Gekannten und Bewussten. Das Außer-Acht-Lassen des Phantastischen „ab ovo“ (seit der Stein/Eis-Zeit-KUNST) diskutiert HOFMANN im „Einstieg“ (1.Teil in (1)) leider nicht.

Wesen des Phantastischen

Zu Wesen des Phantastischen gehört auch die Abweichung, der Tabubruch. Und Ausschweifungen und Regelverstöße zeigten schon Eiszeit-Figuren wie z.B. der LÖWEN--MENSCH. Aufrecht, mit lang gestrecktem Leib, stand das rätselhafte Mischwesen "Löwenmensch" in Ausstellungen: „sicherlich kein ‚l'art pour l'art-KUNSTwerk!“, betonte ich (ebenda). Tier-Mensch-Mischwesen fanden später in der Wandkunst Westeuropas Parallelen und wurden „als Ausdruck ausgeprägter mythologischer Vorstellungen“ gewertet.

In Werner HOFMANNS Werk sind analoge Werke als „Kunststücke“ zu sehen: subjektive Weltentwürfe mit Vogel-Menschen z.B. – siehe Garten der Lüste (Hieronymus BOSCH, 1503 – Abb. S.47 in (1)) - etc.. Siehe ebenda auch Luca SIGNORELLIs bildwürdige Metamorphosen, grotesk-skurrile „Zwitter“-Geschöpfe: Abb. 32 in (1).

Auch Odilon REDONs „Lächelnde Spinne“ (1887) wäre zu nennen (Abb. 128 in (1)). Vgl. mit REDONs „Les Origines“ (1883 – Titelblatt – in Katalog KORT/HOLLEIN, „Darwin - Kunst und die Suche …“, Frankfurt/Schirn 2009, S. 164 – ebd. Essay Pamela KORT S. 154- 171). Siehe auch die „monstra“ nach LICETUS (1617, Mensch mit Elefantenkopf, Abb. 197, und „Animal Finto“-Monster LEONARDOs (1505, Abb. 216) in (2). Siehe a&s-Bilderserie zum Artikel.

Erscheinungsweisen der Phantastik (…)

In dieser Widersprüchlichkeit (Regel / Verstoß) sei das Unvereinbare miteinander verschmolzen, aber es brauche die Wirklichkeit, um verstanden zu werden, will Werner HOFMANNs Untersuchung deutlich machen. Sein neues Buch ist die Grundlegung zu einer Phänomenologie des Fantastischen in den Künsten. „Nicht als Bestätigung einer vorgefertigten Definition begreift der Autor die von ihm angeführten Werke, sondern durch ihre Analyse erst erschließt er dem Leser die Erscheinungsweisen der Phantastik“, heißt es im Klappentext richtig.

Werner Hofmanns zentrale Kategorie der "Abweichung" vom Normalen und Alltäglichen für das Fantastische in der Kunst ist nicht unproblematisch:

GOETHEs Gedicht „Die Phantasie“, bei dem der Künstler-Naturforscher J.W.v.Goethe vielleicht an P.O. RUNGE gedacht hat – kann als Hymnus des Phantasie-Menschen (Künstlers) auf die PHANTASIE gedeutet werden:

Die Phantasie

Sie mag rosenbekränzt
Mit dem Lilienstengel
Blütentäler betreten,
Sommervögeln gebieten,
und leichtnährenden Tau
Mit Bienenlippen
von Blüten saugen,
Oder sie mag
Mit fliegendem Haar
Und düstrem Blick
Im Winde sausen
Um Felsenwand -
Und tausendfärbig
Wie Morgen und Abend,
Immer wechselnd,
Wie Mondesblicke
Dem Sterblichen scheinen:
Laßt uns alle
Den Vater preisen,
Den alten, hohen,
Der solch' eine schöne,
Unverwelkliche Gattin
Den sterblichen Menschen
Gesellen mögen!

Johann Wolfgang von Goethe & das LICHT bei P.O.R.

Die PHANTASIE – auch „Morgen und Abend“ immer „wechselnd wie Mondesblicke“ begleitend – beschreibt der Dichter mutmaßlich in Bezug auf das (sterbliche) Naturgeschehen, wobei er an RUNGES in den „Vier Zeiten“ dargestellte „rosenbegränzte Lilienstengel“ gedacht haben könnte (vgl. Radierung und Kupferstich „Der Tag“ von 1807 und Vorlage für den Stich „Der Abend“ von 1803 (Feder; Katalog “Kosmos Runge (…). HHKH 2010, S. 146 & 149 und 153): „Vor dem Hintergrund der Farbtheorie ist das Motiv der aus den Lilien fallenden Rosen von großer Tragweite“ – Farben-Erschaffung als Offenbarung des himmlischen LICHTs, der Liebe (…); a.a.O., S 144. Siehe zum LICHT:
Heike Scheel in Promotions-Arbeit "Die erlösende Kraft des Lichts" von 1993:

Der "Zeiten"-Zyklus von Philipp Otto Runge mit den vier Blättern "Morgen", "Mittag", "Abend" und "Nacht" wird von Scheel als großer Entwurf des Malers für ein neues Weltbild gedeutet. Runges Briefe machen deutlich, welchen künstlerischen und religiösen Überzeugungen er in seinem Werk Ausdruck verleiht. Kernpunkt der Bildinterpretation ist Runges Erlösungsauffassung: die "Ahnung von Gott" als "Empfindung des Zusammenhanges des Ganzen Universums mit uns".

Philipp Otto Runges „Botschaft in den vier Blättern der «Zeiten»“ nach SCHEEL (Schriften-Reihe: Europäische Hochschulschriften - Band 165, 1993, 388 S.) empfiehlt amazon.de in der „Kurzbeschreibung“: Aus dem Inhalt: U.a. Runges «Zeiten»-Zyklus als Zeugnis einer religiösen Erfahrung und Sehnsucht nach Gott - Die Welt als transzendierte Immanenz - Die vertikale Mitte als Achse des erlösenden Lichts.

Zentraler Gedanke bei W.H.: „trasmutazione die forme“ (LEONARDO-Begriff)

Durch die überbordende Üppigkeit der Bilder des HOFMANN-Bandes „Über das Phantastische in der Kunst“ und die scharfsinnigen Analysen des Werkes „PHANTASIESTÜCKE“ – eine Fundgrube (…) -, zieht sich der Gedanke der „trasmutazione die forme“ (LEONARDO-Begriff): Der ehemalige Direktor der Hamburger Kunsthalle lässt seine Darstellung im Mittelalter beginnen und geht dem Fantastischen bis zum Surrealismus - weit gefasster Fantastik-Begriff. An den vielen Abbildungen der fantastischen Kunst hatte ich meine Freude – gab es doch Entdeckungen zu machen, Bilder zu sehen, die ich nicht kannte. (1)

Die „Phantasiestücke“ des Kunsthistorikers Werner Hofmann legen dar, dass das Phantastische wohl in jeder Kunst, auch in der mimetischen, von vornherein enthalten ist. Trotzdem bilden das Phantastische im Allgemeinen - und die phantastische Kunst im Besonderen - eine eigene Kategorie in der Beschreibung von ästhetischen Werken bilden. Die Grundlage des „Phantastischen in der Kunst“ sei, wie der Ex-Kunsthallenchef (SZ: einflussreicher Kunsthistoriker im deutschen Sprachraum) erklärt, die Abweichung von der Norm, „die dem mimetischen Hauptweg sein angemaßtes Monopol streitig macht“. Aber „was kann eine Abweichung von der Norm sein, wenn das Abweichende schon in der Norm selbst enthalten ist?“, fragt ein Rezensent des Bandes. Werner Hofmann kenne dieses Problem, „ aber er weicht ihm auf diskrete Weise aus, indem er den Bogen des Phantastischen soweit wie möglich spannt, bis hin zu so elementaren Gegensätzen wie dem zwischen dem von Tag, an dem die Orientierung leicht fällt, und Nacht, die voller Verwirrung und Rätsel ist“:

Und so beginnt das Werk, „das anspruchsvolle Monographie und höchst anschaulicher Bildband zugleich ist“ im Mittelalter: mit einer Formensprache, die sich am „soliden Körper des Illusionismus“ als „subversiver Parasit“ geltend mache; (1) S. 8.

„Phantasiestücke“ nennt Werner HOFMANN sein Werk, in diesem Titel klingen E. T. A. Hoffmanns „Fantasie-Stücke nach Callots Manier“ aus dem Jahr 1813 an, und mit ihnen die Abwendung von der IMITATIO NATURAE (Natur-Nachahmung) und die Hinwendung zum wilden Reichtum der inneren Bilder. Aber lässt sich die romantische Phantastik des frühen neunzehnten Jahrhunderts mit der Dämonologie des Mittelalters, und sei es des späten Mittelalters überhaupt vergleichen, fragt SZ-Autor Thomas STEINFELD.

Ja, sagt Werner Hofmann, denn die Geschichte der phantastischen Kunst verlaufe nicht kontinuierlich, sondern springe von einer „inselhaften Formprovinz“ zur anderen, und immer handele es sich dabei um „Gegenentwürfe zur empirischen Schöpfung“.

Im sehr weit gefassten Begriff des Phantastischen geht vieles auf: das Groteske, Satirische, Karikaturen und Traumfiguren sowie Übertreibungen und das Surreale.

Die Gestaltungsprinzipien in der KUNST-Welt des Spätmittelalters mit Dämonen-Malerei und innerhalb eines geschlossenen Weltbildes sind andere als in späterer Kunst: Das sei „etwas ganz anderes als die Suche nach inneren Wahrheiten, wie sie die Romantik betreibt, und diese wiederum unterscheidet sich sehr von der Feier der subjektiven Willkür, die der Surrealismus betreibt“, stellt die SZ fest. Nichtsdestotrotz gibt es Berührungspunkte: HOFMANN.
Bildtechniken und Herangehensweisen an das künstlerische Material ähneln einander - Stile und Epochen übergreifend: „denn sie verdanken sich ja demselben Wissen über Körper und Farben, Formen und Gestaltungsmittel“, stellt der Rezensent fest. Doch zeigt der im Band exemplarisch widergespiegelte bunte Reichtum an Formen und Farben, mit skurrilen Figuren und absurden Einfälle der bildenden Kunst (mit Überschwang, Verschwendung, scheinbar sinnloser Vergeudung von gestalterischer Energie – SZ), dass KUNST mehr sein kann:

Hieronymus BOSCHs „Der Garten der Lüste“ (1503), ein Triptychon in dem Menschen wie Fabelwesen auftreten (Abb. S. 42/43), erinnert W.H. an Martin SCHONGAUERs „Versuchung des hl. Antonius“ 1470/75, Kupferstich (Abb. S. 36 und Abb. 641 in (1)): Phantastik mit erfundenen 9 Monstern „aus dem Fundus der mittelalterlichen Bestiarien“ (W.H., S. 37); mit Phantasiegeschöpfen als „Dämonen … außer Rand und Band geraten“ – „künstlerische Innovationen“ (…) mit „Möglichkeitssinn“ (Robert MUSIL). Von „hybriden Metamorphosen“ spricht HOFMANN – von „Variationsgeflechten“ mit „potentiellen METAMORPHOSEN“ (S. 44/55).

Verkehrte Welten – Verfremdungen der Dingwelt – wie bei BOSCH und analog SCHONGAUERs Antonius zeigt auch das Gemälde des Joos van CRAESBECK (um 1650 – Antonius – S. 50) mit von einem „Höllenmaul“ ausgespieenen „skurrilen Kleingram“. Die diesseitige Welt werde „verrätselt“, beschreibt W.H. anschließend die NEUZEIT, beginnend mit „exemplarischen Positionen: LEONARDO; MICHELANGELO, RAFFAEL, DÜRER (S. 55 ff. (1).

„TRASMUTAZIONE DI FORME“ Leonardo – Dürer – (…)

„Das Ende einer Sache ist der Anfang einer anderen“ – „TRASMUTAZIONE DI FORME“ (1), ist LEONARDOS Schlüsselbegriff. Googelt man den Begriff, zeigt sich auf der ersten Ergebnisse-Seite im Web:

"Trasmutazione di forme" - LEONARDOs Empfehlung. Kompositionsstudie des Künstlerforschers mit Symbolen des Weltalls nach VITRUV: Kreis und Quadrat. a&s-EVOLUTIONÄR - siehe weitere Bilder. http://www.myheimat.de/gl...
Klickt man a.a.O weiter kommt man zu:
Wie aus einer "Urgestalt" (Ausgangsgestalt, Basalform, Urpunktmenge) über symmetrienbrechende Asymmetrisationen und neue Symmetrisationen Entwicklungsverwandte entstehen. Vgl. nachfolgendes a&s-Gemälde.

Es folgt die Abb. mit Legende: Neo-Expressionismus der ars evolutoria. Wie eine bilaterale Gestalt (vorne links) entwickelt wurde, veranschaulicht die Abbildung zuvor (SW). Mehr siehe www.art-and-science.de (HP W.H.) Davor ist zu im Artikel zu sehen:
Hommage an DÜRERs Kopf eines Walrosses (dat.1521) von A.D.). Mit 42 verwandten BILATERALIA , die alle von einer "primitiven" Vorform abstammen welche in der folgenden Abbildung in LEONARDOS Kompositionsstudie von 1492 dargestellt ist.
(ARTIKEL: v. 27/01/10: http://www.myheimat.de/gl....)

2009 war das mediale Interesse für den Evoluzzer Charles DARWIN riesig. Ausreichend viel wurde über C.R.D. im „Darwinjahr 2009“ geredet, geschrieben - und natürlich – gestritten. LEONARDO da Vinci prägte schon den Begriff „trasmutazione di forme“ und deutete Fossilienfunde richtig. In seinem „Trattato della pittura" führt Leonardo da Vinci das Amorphe als einer neuen Kunst des Infinito ein, die von der „trasmutazione di forme" lebt.

Werner HOFMANN meint der „Schlüsselbegriff“ kenne „keinen Stillstand“ – die „TRASMUTAZIONE“ rufe „ständig neue Sattelstellungen hervor, formale Zustände, die nach zwei Seiten blicken“. Das dynamische Formgeschehen legitimierte die zeichnenden Künstler „zu Freiheiten, wie sie das Mittelalter nicht kannte – Freiheiten, die jedoch nicht Phantasieprojektionen sondern faktengebundene Metamorphosen darstellen“ (S. 57) LEONARDO meinte transitorische Zustände: „Wenn du zahllose Gesichter siehst, werden alle verschieden sein; der hat eine lange Nase oder eine kurze (…) es gibt da keine Regel“. (1)

LEONARDO systematisierte die Vielfalt der Gesichtsbildungen in Variationsketten, wobei sich das Schöne und das Hässliche gegenseitig steigern könnten (so W.H. ebd.) – Kopf-Grotesken als „Regelverstoß“ / „Aberration“ (…), die DÜRER „aus seiner nüchternen Morphogenese ausspart“ – ebd. S.58. Vgl. Nasen-Variationskette von Leonardo in (2), Abb. 555 und Grotesk-Köpfe mit Hommage-Überzeichnungen (15 ) von mir in Abb. 617; auch Abb. 29-31, 33, 619, 622, 623, 625, 638 („Belege zu Leonardos trasmutazione di forme“), 641. Albrecht DÜRER zeichnete „Schreibfehler der Natur“: „Die Zwillinge von Ertingen“ (1512; siamesisches Paar mit 2 Beinen, 2 Köpfen, Doppelrumpf) sowie der „Wunderbaren Sau von Landser“ mit Verdopplung der Hinterbeine, des Leibes, doppelzüngigem Kopf (1496) – siehe Abb. 620 S. 251 SB (2); DÜRER meinte simmetria – fergleichung …., das yst schön (Kap. 2.3.2. in (2)). Auf die abstrakten Kurvenspiele – „TRAUMWERK“ nannte sie DÜRER – verweist W.H. (S. 62 (1)) wie ich (SB (2) Abb. 590 – Gebetbuch Kaiser Maximilian). Zu Dürer ebenda Abb. 32, 33, 34, 35, 559, 616, 621, 527, 633, 634, 635. HOFMANN betont DÜRERs „neuen Empirismus“, nachprüfbare Wahrnehmungs-Fakten, „auf denen das genormte Bild der Weltwirklichkeit beruht“ (S. 62); warum „genormte“ (…)???

Frohe Botschaften mit J.W. GOETHEs Naturforschung und evo-devo-art

2009 war das mediale Interesse für den Evoluzzer Charles DARWIN riesig. Ausreichend viel wurde über C.R.D. im „Darwinjahr 2009“ geredet, geschrieben - und natürlich – gestritten. LEONARDO da Vinci prägte schon den Begriff „trasmutazione di forme“ und deutete Fossilienfunde richtig. In seinem „Trattato della pittura" führt Leonardo da Vinci das Amorphe als einer neuen Kunst des Infinito ein, die von der „trasmutazione di forme" lebt.

Zwei Bilder mit BIFURKATIONEN - von DARWIN & LEONARDO – verglich ich miteinander und kommentierte, dass Leonardo klar erkannt hat, dass Fossilien Reste einstiger Lebewesen gewesen sein mussten. Diese könnten aber nicht auf eine einzige Sintflut bezogen werden, da sie in verschieden alten Gesteinsabfolgen aufträten. Leonardo sprach von „trasmutazione di forme“. Leonardo hat Anleitungen zum Konstruieren von Bäumen dargestellt und in diagrammatischer Art – sehr verwandt zu DARWINs Diagramm - das Wachstumsgesetz der Bäume in Skizzen veranschaulicht. Vgl. HP art-and-science.de von mir, Link „Vorstellung“ mit mehr Infos zu den bifurkationsgeometrischen Gabelungen der Bilder.

Mit großem Erstaunen entdeckte ich nun in HOFMANNs Band eine LEONARDO-„Allegorie“ von „um 1495“: Ein „Phantasiestück“ mit einer Seefahrt, wobei einer der Protagonisten (Bär ?) im Boot mit Segel einen großen Baum mit 2 kleinen symmetrisch daneben transportiert. Exakt zeichnet Leonardo das sich verzweigende Astwerk in besonders herausgestellten Ast-Bifurkationen (Symmetrien) (…); siehe Abb. 29, S. 63 in W.H.s Werk. Das Rötel-Bild gibt „bis heute Rätsel auf“, schreibt W.H.. Zum symbolischen Bild: Wohin soll die Touren-Reise des Bären gehen? Die Reise führt vorbei an einer gekrönten Adler-Figur mit ausgebreiteten Flügeln, die auf einer schwimmenden Kugel steht.. Ein sonnenartiger Strahlenkranz geht von der Figur des Adlers aus, die durch eine Linie mit dem runden Steuer-Rad des Boots-Manns/Frau in Verbindung steht.

Geometrisierende Chiffren entwickelte die ars evolutoria: ein Form(ungs)-Erleben wurde für die KUNST entdeckt, an dem das Erlebnis eines dynamischen EVOLUTIONÄR-evolutionisierenden Gestaltwandels erstmals einsichtig wird. Werner HOFMANN bekannt, da er meins EST-Werk gefördert hat.

Aus linearem Formplasma (Urform, Basalform, …), das auf noch keinen finalen Form- und Entwicklungszustand hinweist, entstehen Kunstgebilde mit Harmonie „parallel zur Natur“, wie CÉZANNE im Kunstwollen mit apriorischem Seinsverständnis sagen würde: Die KUNST-„Die Landschaft spiegelt sich, vermenschlicht sich, denkt sich in mir. Ich objektiviere sie, übertrage sie, mache sie fest auf meiner Leinwand. [...] Erlauben Sie mir, Ihnen zu wiederholen, was ich Ihnen schon hier sagte: man behandle die Natur gemäß Zylinder, Kugel und Kegel und bringe das Ganze in die richtige Perspektive, so dass jede Seite eines Objektes, einer Fläche nach einem zentralen Punkt führt.“ (Paul Cézanne (1839 - 1906): Kunst - eine Harmonie parallel zur Natur (um 1900 ; vgl. (2) 11.8.1. und 11.8.2. – zum tragischen «Irrtum der Kunstphilosophie des Cézannismus-Kubismus»

Auf TRASMUTAZIONE DI FORME ging ich auch ein in http://www.giessener-zeit... - ebenda die Abb. mit der Bild-Legende: TRANSMUTION bei LEONARDO da Vinci (rechts) und DARWIN (links) Berühmt geworden ist die Skizze mit der Überschrift „I think" aus DARWINs Notebooks zur Transformation (1837). Mehr dazu Homepage www.art-and-science.de - "Link Vorstellung". Die Abb. mit „Entwicklungslinien“ auch im GZ-Essay: http://www.giessener-zeit... Auch im RUNGE-Artikel ist das Bild zu Darwin/Leonardo zu finden: http://www.giessener-zeit...

Der Tektonik mit organischem Wachstum folgt ein Bild-Beispiel aus HOFMANNs „Phantasiestücke“ (S. 69) von Luca SIGNORELLI (um 1500), in dem mit bilateral-symmetrischer harmonisch Variationen in Verkettungen zusammenwirken – Metamorphosen mit Zwittergeschöpfen, die eine Welt der Träume evozieren. Das strenge frontalsymmetrische Bild mit 4 abgesonderten Formen-Inseln erinnert mich an Philipp Otto RUNGEs Bilder-Schaffen in den „vier Zeiten“ beispielsweise, das keine Willkür in den Naturgesetzen offenbaren wollte.

Über die Buch-Seiten „Das Chaos der Verkehrten Welt: Pieter BRUEGEL“ (S. 80- 92) gelangt man zu den „Phantasiestücken“ des surrealistischen Urvaters Giuiseppe ARCIMBOLDO ( ), der analog zu Runge, „Vier Jahreszeiten“ dargestellt hat. Ich habe im Artikel in http://www.giessener-zeit... betont:

Sachinhaltlich multivalent-vorsurreal waren ARCIMBOLDOs Früchte – die progressiv-innovativ neue visionäre Welten darstellten: Der Maler und Ur-Surrealist sowie Kunstforscher Giuseppe ARCIMBOLDO setzte schon Mitte des 16. Jahrhunderts Bildnisse wie Porträts - Bizzarrerien - z.B. aus Gemüsepfanzen zusammen, in denen die Gurke oder Birne eine Nase (Komposit-Köpfe) darstellte; "Der Herbst" genannt.

An anderer Stelle schrieb ich:
Pablo PICASSO gestaltete aus mitgebrachten Spielzeugautos einen "PAVIAN"; quasi synthetisch-postkubistisch. Der Maler und Ur-Surrealist und Kunstforscher Giuseppe ARCIMBOLDO (1526-1593) setzte schon Mitte des 16. Jahrhunderts Bildnisse wie Porträts – sog. Bizzarrerien - z.B. aus Gemüse-Pflanzen zusammen: eine Gurke stellte die Nase dar. Das Jahreszeitenbild hat er "Der Herbst" genannt.- vgl. Bilderserie zum Artikel. Picassos plastische "Pavian"-Strukturen habe ich in einer ars-evolutoria-Mutation verwandelt. (Skulptur-Ausschnitt, "Pavian mit Jungem," 1951.) Vgl. http://www.myheimat.de/gl... .

Zurück zu ARCIMBOLDO - Entdeckung der Multivalenz; ohne Willkür

HOFMANN meint, dass in den berühmten Komposit-Köpfen von ARCIMBOLDO die „Zwietracht-Eintracht-Gleichung eine komprimierte Metapher“ finde. Und in den Symmetrie-UMKEHR-Köpfen (Abb 49, S. 94 - anders als die Baselitz’schen Kopfstand-Masche-Bilder) kommen Realistisches & Phantasie - durch Doppelblick gesteuert – kombiniert in Synthese („mistura“) gelungen zum Ausdruck: „Entdeckung der Multivalenz“ – Phantstik NICHT als Chimären, Monstren oder Traumgesichte -, sondern „wahr“ und „direkt aus der als ambivalent erkannten Realität“, Koexistieren von „Nocht-Nicht-Gestaltetem“ (GOMBRICH) mit dem Gestalteten! Keine Missbildungen, durch Wllkür-Erfindungen zusammengewürfelt.

Entmachtung von integritas, proportio und claritas durch „Unterklasse“-Kunst

Neuzeitliche Bildkünste evoluierten nach Werner HOFMANN in zwei Positionen: die einen forderten von der bildenden Kunst mit GOETHE „deutliche, klare, bestimmte Darstellungen“ mit „offenem Fenster“, Zentralperspektive, idealen Proportionen etc. (W.H.:“Oberklasse“). Die anderen von der „Unterklasse“: suchten die „Aporien der Ambivalenz“: Welt als Rätsel, Labyrinth, ohne die Struktur-Merkmale integritas, proportio und claritas. Keine Rationalisierung der Sprachmittel. Nicht „Schöne Künste“-Denken (Wahres – Gutes – Schönes) als Paradigmen-Wechsel.

Werner HOFMANN berichtet ausführlich über das „Lernen des Verlernens“, über die Verwirrung aller Maßstäbe bei Johann Heinrich FÜSSLI und William BLAKE – und über den Zusammenhang von Einbildungskraft und Läuterung. Mit Odilon REDON (1840 bis 1916) erreicht die phantastische Kunst bei Werner Hofmann die ästhetische Moderne – „und mit ihm hört die Abweichung auf, eine solche zu sein“, so die SZ, auch wenn sich der Autor noch hundert Seiten nehme, um seine Geschichte, über Salvador Dali, René Magritte und Max Ernst bis zu Joseph Beuys und Jeff Wall, zu ihrem Ende zu bringen. Denn REDONs Bild-Ideen kreisen um „Einzelgänger“, radikal individuelle Erscheinungen, die in völlig heterogenen, meist unirdischen und oft (sub-)marinen Zusammenhängen auftreten.

Der Rezensent meint, dass in diesen Bildern nichts mehr da sei, „wovon der Gegenstand eine Abweichung sein könnte“ – stattdessen tauche „eine Ahnung von einer anderen, höheren geistigeren Welt auf, die dann, eine Generation nach Odilon REDON, bei KANDINSKY oder KLEE etwa, den eigentlichen Impuls zur Moderne bildet“. Das wäre dann, streng genommen, ein Kapitel weniger der phantastischen als vielmehr der spirituellen Kunstgeschichte, glaubt SZ-Autor STEINFELD am 16.12.10.

Die Termini trasmutzione di forme und Metamorphose und das EVOLUTIONs-Denken

Charles DARWINs Buch von 1859 habe Künstler veranlasst, „nach neuen Formen zu suchen für das, was gesehen werden könnte“, sagte Kuratorin & Ausstellungsmacherin Dr. Pamela KORT im dradio-Interview in Bezug auf ihre SCHIRN-DARWIN-Schau von 2009, auf die Werner HOFMANN in seinem Buch nicht eingeht.

Seltsame Mischwesen des Odilon REDON waren in Fankfurt zu sehn. KORT dazu: „Viele Arbeiten hier zeigen hybride Figuren, Mischwesen, wie man auf Deutsch sagt. Und thematisieren sie nicht auch Metamorphosen? Metamorphosen bedeuten auch, dass sie von Tod begleitet werden. Bilder, die die Evolution thematisieren, handeln von Lebewesen, die aussterben, die irgendwo aufhören zu sein. Und wir finden das in den Gemälden wieder. Diese Mischwesen sind nicht so sehr Fantasie-Kreaturen der Künstler. Sie versuchen einer Entwicklungskette eine Form zu geben, die über eine lange Zeit andauert." (Quelle: http://www.dradio.de/dkul... - zur Schau siehe (2).)

HOFMANN, der William BLAKEs Phantasiestücke vorstellt (S. 156 ff.) – Metaphern von Schöpfungsmythen – Motto. „Jedes Gebilde kann sich in das andere wandeln, alles kann aus allem werden“(CASSIRERs nicht-naturwissenschaftlich-evolutionstheoretisch korrekte Aussage). über REDONs (1840-1916) Misch-Geschöpfe: Sie wollten ihrem „Gestaltungsprozess die prämorphe Anfänglichkeit (sprich: Mehrsinnigkeit) bewahren“. Analog habe Paul KLEE (1879-1949) als Grundsatzerklärung 1924 gesagt: „In dieser ausgeformten Gestalt ist sie (= die Welt) nicht die einzige aller Welten!“ (Siehe REDONs „Lächelnde Spinne“ (1887, Abb. 128, S. 190 a.a.O.)

Auch die FAZ lobte HOFMANNs PHANTASIE-Stücke-Buch, das anders als Wieland SCHMIED in seinem wichtigen Buch »200 Jahre phantastische Malerei« (1973) sich nicht auf das 19. und 20. Jahrhundert konzentriere, sondern versucht die Ursprünge der Phantastik bereits im Hochmittelalter nachzuweisen. Rezensent RICHTER hebt hervor, dass der Kunstwissenschaftler W.H. zwei Richtungen einander immer wieder unter den verschiedensten Überschriften gegenüberzustellen versucht: Ordnung / Willkür ist so ein Gegensatzpaar, andere sind sachliche Wiedergabe / phantastische Umformung, monofokal / polyfokal oder klar / verrätselt. Wichtig ist das Herausstellen der Bezogenheit der Phantastik auf den Realismus: „Es sind ‚faktengebundene Metamorphosen’, die zunächst für die Phantastik typisch sind, so dass diese in der ersten Phase auf einem gewissen Realismus fußt. (Siehe REALISMUS – METAMORPHOSE – EVOLUTION und ars evolutoria in (2).

Um das Jahr 1800 herum beschreibt Werner HOFMANN im Buch den Bruch in der Entwicklung: „Seit dem 14. Jahrhundert“ schreibt er, „ging das Geschichtsbild der europäischen Künste aus dem Wettbewerb der nebeneinander existierenden »I«- und »Q«–Linie hervor. Im 18. Jahrhundert kündigt sich eine Akzentverschiebung an: die innovativen Impulse der künstlerischen Selbstbefragung nehmen Zweifel an der Verbindlichkeit der sichtbaren Welt in sich auf. Sie kommen mehr und mehr aus dem Bereich der »Q«-Linie«.
Das bedeutet für Hofmann, der sich hier den Analysen Wassily Kandinskys anschließt, dass der Dualismus, der die Kunst bis um 1800 herum bestimmt hat, erschöpft ist; HOFMANN spricht von der »Aufhebung des Zweiklassensystems« (Ober- und Unterklasse, siehe w. oben). So erkläre sich auch die Einteilung des Buches in nur zwei große Kapitel, die mit „Die diesseitige Welt wird verrätselt“ (ab S. 52, II.Teil) und (etwas lakonisch) „Gegenwelten“ (III. Teil ab S. 173) überschrieben sind (FAZ).

Zur Bedeutung der bloßen Linie bei W.H: „Sie erscheint geradezu als der oder wenigstens ein Ursprung der Phantastik, denn ihre spielerische Beweglichkeit provoziert den fließenden Übergang zur Metamorphose, aus der die Phantastik erwächst. Immer wieder (es ist fast so etwas wie das Leitmotiv des Buches) zitiert der Autor das Wort LEONARDOs, dass das Ende der einen Sache der Beginn einer anderen ist. „So sind aneinander gereihte Variationen (eines Gesichts wie einer Sache) eine Veranschaulichung unserer Phantasie und einer der Ursprünge der Phantastik.“ (FAZ).

Als Widerpart der METAMORPHOSE bestimmt HOFMANN die ARABESKE: Sie wusste sich aber niemals dauerhaft durchzusetzen, erklärt auch RICHTER, der in der FAZ formuliert:

„Einer ihrer Vertreter war Philipp Otto RUNGE, der in der Kunst das Disparate und Phantastische in ein vorgegebenes Weltbild einzuordnen versuchte.“ Im Grunde degeneriert die Arabeske in dieser Weise zur Schönfärberei (so GRANDVILLE; vgl. S. 175) und zum bloßen Ornament. FAZ: „Die Phantastik selbst gerät von da an immer mehr zur Darstellung von Gegenwelten, zunächst etwa im Werk von Gustave Moreau (1826 – 1898) und Odilon Redon (1840 – 1916). (…)“

In der Darstellung HOFMANNs wird die Arabeske – als „altes Muster“ (SCHILLER) und RUNGEs Totalharmonie-Idealentwurf á la MORE GEOMETRICO (mit Hexagramm, Erster Figur der Schöpfung“ & Farbenkugel-Erfindung) meines Erachtens falsch interpretiert; Abb. 113/114. Und unter Anleihen an GOETHEs „negatives Urteil“ (S. 174 – „Teufelszeug“ der „Vier Jahreszeiten“…). Siehe Begründungen in Teil eins & zwei meines TRIPEL-Essays zu RUNGE.) Paul KLEE, der als „Linienwanderer“ nach „Variationsmöglichkeiten“ Aussschau hielt und „trasmutzazione di forme“ Experimente zeigte, mit „Genaralbassentwurf“ (W.H.), fand die „unbekannte Größe X“ nicht: eine „arte povera“ anders als RUNGEs Kunsttheorie mit Hieroglyphen.

Neu Romantik: Paul KLEE ...

War PICASSO und seine Kunst, die eines „Vollenders der alten Welt“ BERDIAJEW 1914 – mehr a.a.O. S. 295, W.H.(1)), hat KLEE Werke „zweipolig strukturiert“ - mit Gegensätze-Versöhnung erstellt. Er sagte: INGRES wollte die Ruhe geordnet haben, ich möchte über das Pathos hinaus die Bewegung ordnen. (Die neue Romantik).“ (Zitat nach W.H. (1), S. 295.)

Zum Bewegung-in-der-EVOLUTION-Ordnen heute, siehe EST & ETOE in der ARS EVOLUTORIA – Terminus „EVOLUTIONs-Romantik (…). NEUE ROMANTIK EVOLUTIONÄR! Siehe ARTIKEL GZ: http://www.giessener-zeit... / http://www.myheimat.de/gl...
Sein großes Buch „beschließt der Autor mit einigen etwas lustlosen Seiten über die Gegenwart; lustlos, denn von den »Illusionskünsten eines gehobenen Unterhaltungsparks« lässt sich Hofmann, wie er bereits eingangs des Buches verrät, nicht verzaubern. (…), so die FAZ.

Paul KLEEs Lebenswerk sah W.H. „offensichtlich als den vorläufigen Höhepunkt, aber auch Abschluss der Phantastik an“, resümiert die FAZ. In KLEEs Entwurf eines „Generalbasses“, in dem der Künstler P.K. „ohne zu dogmatisieren, die gesamte formale Variationsbreite des vergangenen Jahrhunderts unterbrachte“, sei der Brückenschlag aus dem ‚Chaos’, in dem der Zufall und das Lebendige beheimatet sind, also die Orientierungsmarken der Surrealisten, in die ‚Ordnung’, die von den Kräften des Verstandes herbeigeführt, aber nicht beherrscht wird“, erfolgt. HOFMANN: „Derlei hatte um 1500 Leonardo im Kopf. Auch ihm ging es um den Sprung aus dem Chaos in die Ordnung, um die Läuterung der vorläufigen feuchten Mauerflecken zu guten und vollkommenen Formen“.

Hier spielt Hofmann darauf an, dass es zunächst Leonardo war, der das Hineinsehen von Formen und Gestalten in das Linien- und Fleckengewirr eines noch feuchten Mauerstücks als nützliche Übung für den Künstler beschrieb. Bei dem Vermögen, gegenständliche Bilder in ganz zufälligen Strukturen entdecken zu können – also zu phantasieren –, „scheint es sich (bei aller Vorsicht) um so etwas wie eine zeitunabhängige anthropologische Konstante zu handeln“, so die FAZ.

Zum Hineinsehen und LEONARDOs Mauerflecken-Beispiel siehe HOFMANN a.a.O (1), S. 291 und Beiträge von mir in NEURO-ÄSTHETIK: Evolutionäre Theorie von “ALLEM” (ETOE Teil 3) & EVOLUTIONISM-UNIVERSALISM-art nach dem URKNALL v. 14.4.2010:

http://community.zeit.de/... - Ebenda zu Kunstforschung der Renaissance als Vorbild: Kunst der Künstler-Forscher DÜRER & LEONARDO (…) - Über trasmutazione di forme (Leonardo) - GOETHE und seine anschauliche Metamorphosen-Lehre. Mit Bezug auf LEONARDO verwies V. VASARELY auf die Bedeutung der GESTALT-Theorie (Lehre vom Gestalt-Sehen) für sein Werk und formulierte: „Schon Leonardo da Vinci nahm diese Theorie voraus, als er in seinem Traktat von der Malerei von den Mauerflecken sprach, die … ihm mythenhafte Landschaften, menschliche Wesen u.ä. vorspiegelten. (…)“. (http://www.giessener-zeit... )

Ein Zitat zum Abschluss:

Zum „Fall Gerhard RICHTER“ meinte ich unter „LEONARDO, GOETHE & DARWIN: TRANSMUTATIONEN“:

Formhandlung „ab ovo“ zu praktizieren, haben ALBERTI & LEONARDO prinzipiell diskutiert: aus Zufallsbildungen der Natur (z. B. Mauerflecken, Wolken, Schlamm) mit Hilfe einer „neu erfundenen Art des Schauens“ (Leonardo) seien verschiedene Dinge, Figuren, Gesichtsminen und Situationen zu entdecken, die Leonardo „in vollkommene und gute Form“ gebracht haben möchte. Den „Geist zu neuen Erfindungen“ Wachwerden zu lassen hat später auch Goethe 1860 in einem Gedicht über Phantasie anregende Wolkenbildungen empfohlen („Howard zu Ehre“). Leonardo verband seine Forderung damit, imaginierte Dinge „gut zu machen“, wollte Phantasie-Tiere von natürlichem Aussehen schaffen. Für Gestaltwandel (Goethe: Metamorphose) prägte Leonardo den Begriff „trasmutazione di forme“. DARWIN – wir feiern 2009 das Darwin-Jahr – entwickelte seine Evolutionstheorie vor 150 Jahren unter dem Namen „Transformationstheorie“. Leonardo sprach von Transmutationen schon, als er Blatt-Bifurkationen zeichnete. CÉZANNE ließ Farb-Formen „modulieren“, Max ERNST berief sich auf Leonardo (Frottage/Collage), Paul KLEE suchte - am „Chaos“ ansetzend - nach den „Urwegen der Form“ und GR nutzt transmutativ die Farben-Auslöser-Funktion, das Hineinsehen mit Nichtwissen-Wollen um SINN!
(Quelle: http://community.zeit.de/... )

LITERATUR & Anmerkungen

(1) HOFMANN, Werner (2010): PHANTASIESTÜCKE Über das Phantastische in der Kunst. München.

(2) HAHN, Werner (1989): Symmetrie als Entwicklungsprinzip in Natur und Kunst. Königstein. Gladenbach: Art & Science, 1995.
(HAHN, Werner (1998): Symmetry as a developmental principle in nature and art. Singapore. (Übersetzung des Originalwerkes von 1989, ergänzt durch ein 13. Kapitel – mit erweitertem Sach- und Personenregister sowie Literatur- und Abbildungsverzeichnis.))
HAHN, Werner / WEIBEL, Peter (Hrsg.) (1996): Evolutionäre Symmetrietheorie: Selbstorganisation und dynamische Systeme. Stuttgart. (Anthologie mit Beiträgen von 19 Autoren.) (Kurz: EST.) Darin: HAHN, Werner: Evolutionäre Symmetrietheorie und Universale Evolutionstheorie. Evolution durch Symmetrie und Asymmetrie. (S. 255 bis 284 mit 11 mehrteiligen Abbildungen.) – Siehe als LINK – PDF-EST – meiner HP: http://www.art-and-scienc... ....

Üblicherweise will man mit dem Terminus EVOLUTION ausdrücken, dass es sich um eine ENTWICKLUNG handelt, das heißt, eine bestimmte Sache existiert im Laufe der Zeit in verschiedenen Zuständen. In meinem Symmetriebuch, in dem eine bislang nicht existierende „Evolutorische Symmetrielehre“ (Evolutionäre Symmetrie-Theorie; kurz EST) explorativ und theoriebestimmt (nicht-idealistisch, bewusst-phylogenetisch forschend) entwickelt worden ist, machte ich deutlich, dass EVOLUTION (von lateinisch evolutio; „Auswicklung“; évolvó - aufschlagen, entfalten) mit den Metamorphose-Vorstellungen Goethes und De Candolles nicht erklärt wird (keine Merkmals oder Organphylogenetik; SB (2) 7.1.1., 7.1.2.).

Ein metaphysische Entwicklungskonzept vertraten der französische Metaphysiker Henri Bergson: „évolution créatrice“ meint „Alles entwickelt sich in alles“ (SB, 8.1.6.); Mondrian vertrat mit einem Triptychon – „EVOLUTION“ genannt - ebenfalls ein metaphysisches Entwicklungskonzept (dazu später mehr). Zu Klees Anspruch einer „Form als Genesis“ schrieb ich (SB 8.1.2): Wenn die Ursachen einer „Form als Genesis“ verrätselt werden und in mystisches Dunkel gehüllt und unverkennbar sein sollen, scheint die Verwendung des Terminus „Evolution“ unangebracht zu sein.“

Charles DARWIN verwendete anstelle von „Evolution“ den Begriff „descent with modification“, also in etwa „Abstammung mit Veränderung“, so dass es möglich sein musste, Stammbäume aufzustellen, die veranschaulichen sollten, dass Lebewesen sich AUSEINANDER entwickelt haben. In der von mir begründeten ars evolutoria (poesia evolutoria mit ETOE; siehe 4 web-Artikel) sind die „Evolutionsbeweise“ zwingend', die in Bifurkations-Prozessen entwickelten neuen Formen (Zeichnungen) entwickeln sich über jeweils nachweisbare Zwischenformen (Übergangsformen, Brückengestalten) gesetzlich: Terminus der form-abwandelnden ursächlichen Evolutionsfaktoren „Asymmetristion/Symmetrisation“; ein experimentelles „Wechselspiel“ zum Evolvieren, zur Gestaltumwandlung. Anders als in der Diskussion der biologischen Evolutionstheorie(n) über Details kann es hier bildkünstlerisch betrachtet keine heftige Kontroversen über Mechanismen (Mutation, Selektion etc.) geben. EVOLUTION als Verwandschaftsbeziehung gesehen charakterisiert EVOLUTION in Natur und Kunst. Hierzu ausführlich mein SB (1) die Abschnitte 5., 5.1, 5.2, 5.3 und ein Manifest von 1971 (5.3.1). In einem 2011 erscheinenden neuen Buch soll es vorrangig besonders um „Schönheit“ – evolutionär (!) betrachtet – gehen; abzielend auf Erkenntnis-Ästhetik (also nicht um eine Debatte zur Kunst der „L’art pour l’art“). Siehe auch mit Bildern in GZ:

(A) http://www.giessener-zeit...
(B) http://www.giessener-zeit...