Leserartikel-Blog

Großes REALES & ABSTRAKTES vereint in "Phänomen Expressionismus": Museum Wiesbaden

Mit bildenden Künstlern des Expressionismus befasst sich derzeit intensiv die Region Rhein-Main: Mit dem Zitat „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“ (Paul Klee) weist „leitmotivisch“ ein Kulturfond auf ein interdisziplinäres Kooperationsprojekt „Phänomen Expressionismus“. Mehr als 15 Kulturinstitutionen der Rhein-Main-Region widmen sich noch bis zum Jahr 2012 in umfangreichen Werkschauen, Retrospektiven, Ausstellungen, Konzerten, Film- und Bühnenprojekten sowie einem Symposium der von Aufbruch und Erneuerung gekennzeichneten Stil-Epoche des Expressionismus im ersten Drittel des XX. Jahrhunderts.

In Aschaffenburg wurde mit Ernst Ludwig Kirchner im Jahre 1880 „der wohl bedeutendste Maler, Grafiker und Bildhauer des Expressionismus und Gründungsmitglied der Künstlervereinigung „Brücke“ geboren; so http://www.kulturfonds-fr.... Der ihm freundschaftlich verbundene Kunstsammler Carl Hagemann lebte in Frankfurt und begann hier mit seiner Sammlung expressionistischer Werke, die sich heute zu einem Großteil in der Obhut des STÄDELs befindet. Das Städel Museum kaufte als eines der ersten Museen bereits 1919 Arbeiten des Künstlers. Aufbauend auf diesem hauseigenen Bestand präsentierte das Städel in seiner umfangreichen „Ernst Ludwig Kirchner-Retrospektive“ Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers. In einem Doppel-Artikel berichtete ich über die große Schau: am 1.6.2010 (26 Bilder): http://www.giessener-zeit... Und im Teil 2 des größeren DOPPEL-Artikels diskutierte ich die Themen „Warum hat E.L.K. den Freitod 1938 gesucht“ – und stellte zum rätselhaften Gemälde „Reiterin mit gestürztem Pferd“’ Fragen, die mir Kurator Felix KRÄMER beantwortet hat. Siehe ausführlich Teil 2 (mit 36 Bildern):
http://www.myheimat.de/gl....

„Phänomen Expressionismus“ im Museum Wiesbaden

Das Museum Wiesbaden, im Besitz der Sammlung der Galeristin und Mäzenin Hanna Bekker vom Rath und zugleich der weltweit größten Bestände an Werken Alexej von Jawlenskys, portraitiert im Rahmen des Kooperations-Projekts mit der Ausstellung „Das Geistige in der Kunst – Vom Blauen Reiter zum Abstrakten Expressionismus“ die 1911 in München gegründete Künstlergemeinschaft „Blauer Reiter“, der auch Jawlensky zugehörig war, der von 1921 bis zu seinem Tod 1941 in Wiesbaden lebte. In Anlehnung an Kandinskys kunsttheoretische Schrift „Über das Geistige in der Kunst“ (1911/1912) interessieren die Ausstellungsmacher des Museums Wiesbaden die ästhetischen Einflüsse, die die Künstlergruppe bis in die amerikanische Malerei der Nachkriegszeit ausgeübt hat.

Mit 250 Leihgaben aus prominenten internationalen Sammlungen eröffnete das Museum Wiesbaden am 31.10.2010 diese Ausstellung: Sie spannt den Bogen von der Geburtsstunde des Expressionismus in Murnau über Werke der Künstler des ‘Blauen Reiters’ in München zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Kunst des Abstrakten Expressionismus der 1940er und 1950er Jahre in Amerika. Eingegangen wird dabei auch auf die Brückenfunktion von Kandinsky und der Künstlergruppe ‘Die Blaue Vier’ für die Verbreitung der expressionistischen Ideen in den USA seit der legendären Armory Show 1913 und deren Auswirkungen auf die amerikanische Kunst der Nachkriegszeit werden nachvollziehbar. Die Ausstellung spürt der Suche nach dem ‘Geistigen’ in Farbe und Form der modernen Malerei nach und sie folgt dem Abstrakten Expressionismus beim Vorstoß der Kunst ins Reich des ‘Erhabenen’. www.museum-wiesbaden.de.

Die groß angelegte Ausstellung – bis 27. Februar 2011 zu sehen -, zeigt Werke von Franz Marc, Wassily Kandinsky, Gabriele Münter und Lionel Feininger bis zu Newman, Mark Rothko oder Robert Motherwell. Die Schau stellt einen wichtiger Baustein in der Reihe „Phänomen Expressionismus“ dar, mit dem der Kulturfonds Frankfurt RheinMain die kulturelle Bedeutung der Region unterstreichen will.

Die Bilder der Künstlergruppe Blauer Reiter - aus München und dem oberbayerischen Murnau – werden heute der „klassischen Moderne“ zugeordnet. Vor dem Ersten Weltkrieg war diese Kunst neu und verstörte das Publikum. Den Künstlern ging es nicht mehr um den dargestellten Gegenstand, sondern um Ausdruck (daher: Expressionismus), um die Eigengewichtigkeit von Form und Farbe. In diversen bebilderten Artikeln habe ich mich – außer dem E.L.K.-Doppelartikel - mit dem EXPRESSIONISMUS des WK FM befasst:

Franz MARC (2887mal gelesen v. 6.3.09 – 13 Bilder): Franz MARC – ein ganz Großer des 20. Jahrhunderts. Über ANIMALISIERUNG & EVOLUTIONISIERUNG der KUNST. - http://www.myheimat.de/gl... .

MARC & MACKE (v. 14/4/09): SCHÖNHEIT in einer zerbrechenden Welt - MARC & MACKE und ihr Impulsgeber DELAUNAY. Malerei EVOLUTIONÄR weiterentwickelt. http://www.myheimat.de/gl... .

Wassily KANDINSKY (v. 28/2/09 – 1139 mal gelesen): Die TRANSMUTATIONEN des Wassily KANDINSKY: abstrakt - absolut – konkret – biomorph/figurativ. http://www.myheimat.de/gl... .

Erich HECKEL (v. 18/7/10 – 607 mal gelesen, 44 Bilder): Schloss GOTTORF: Der BRÜCKE-Maler Erich HECKEL & dessen expressionistisch-pantheistisches Weltbild . http://www.myheimat.de/gl... .

Die genannten Maler sind mit Werken in der Wiesbaden-Schau vertreten: besonders zahlreich Kandinsky; Franz MARC als „Zugpferd“: siehe Werbebanner Museumseingang (Fotos) – Cover des Katalogs („Stute mit Fohlen“ 1912). Zu MARC-Bildern siehe im Katalog S. 33/34, S. 142-145 und S. 162-175.

Weil bedeutende Expressionisten-Sammlungen wie die des Lenbach- Hauses und der Werefkin-Stiftung derzeit im Ausland touren, hat Kurator Volker Rattemeyer (ehemaliger pensionierter Direktor des Wiesbadener Museums (1)) zwei Fünftel der Werke in anderen Häusern (bei Privatsammlern) aufgespürt; die noch nie öffentlich zu sehen waren. Er fand allein 40 Bilder von Kandinsky und 30 von Paul Klee!

Ein Rundgang durch die Schau mit den beeindruckenden kurz nach 1900 gemalten Kandinsky-, Münter-, Jawlensky- und Werefkin-Bildern bis hin zu den Nachfahren-Werken (z.B. Barnett Newmans „Cantos“-Serie (1963) – 18 Farblithographien Jawlenskys „Meditationen“ gegenübergestellt) zeigen, wie die Farbe in Werken zu sich selbst kommt, sie steht allein für sich. Malerei, die nur aus Farbe besteht: Ob Malerei möglich ist, die nur über die Farbe bestehen kann, hatte schon Kandinsky gefragt. Die Antwort gaben Künstler wie Rothko, indem sie ebensolche Werke wagten. Verzicht auf Motive und Abstraktion war Kandinskys Entdeckung – die Bilder der Nachfahren der Abstraktions-Malerei wirken zum Teil epigonenhaft. (2)

Im Ausstellungsfokus stehen in Wiesbaden Arbeiten von Kandinsky, Münter, Jawlensky, Werefkin, Marc, Macke, Klee u. a. In diesem Kontext sollen – so die institutionellen Macher - beispielhaft auch Querverbindungen zu künstlerischen Positionen des Fauvismus, Orphismus und des Rheinischer Expressionismus aufgezeigt werden. Ein Merkmal der künstlerischen Neupositionierung in Murnau und München sei die Zusammenarbeit von Bildenden Künstlern, Komponisten und Theaterleuten, die auf die „Synthese der Künste“ zielte, soll in der Schau deutlich werden. Bekannt ist, dass Kandinsky nicht nur als Maler gewirkt hat, sondern auch als Musiker und wichtiger Kunsttheoretiker.

NEULAND betreten - in kunst-und austellungshistorischer Hinsicht

In den letzten 30 Jahren seien zahlreiche großformatige Ausstellungen zum „Blauen Reiter“ und zum Abstrakten Expressionismus realisiert worden, schreibt das Museum Wiesbaden. „Keines der Projekte hat dabei den Versuch unternommen, künstlerische Entwicklungen, die von Künstlern des Blauen Reiter ausgegangen sind, im Kontext des Abstrakten Expressionismus in Amerika zu untersuchen.“ Die Wiesbadener Ausstellung stelle somit ein Thema zur Diskussion, „das in kunst-und austellungshistorischer Hinsicht Neuland betritt“, sagen die Ausstellungsmacher.

In einem Themenschwerpunkt soll in Wiesbaden an exemplarischen Beispielen „Einflüsse des geistigen Gehalts des ‚Blauen Reiter’ auf Positionen des abstrakten Expressionismus und der Farbfeldmalerei im Amerika der Nachkriegszeit“ aufgezeigt werden. Mark Rothko, Barnett Newman, Robert Motherwell, Adolph Gottlieb und Morris Louis werden als „Vertreter der reinen Farbe/des - Farbraums sowie der Farbformen als Zeichen innerhalb dieser Thematik“ präsentiert. Von den genannten Künstlern wurden insbesondere solche Arbeiten in die Ausstellung einbezogen, die „in ihrem künstlerischen Ausdrucksvermögen vergleichbar der Idee des ‚Blauen Reiter’ für das Geistige in der Kunst stehen“.

Rund 100 Jahre nach Erscheinen von Kandinskys Schrift „Über das Geistige in der Kunst“ und der ersten Blauer-Reiter-Schau in München (Dezember 1911) rückt jetzt einmal mehr Farbe als Träger von Offenbarung in den Blick eines breiten Publikums. Die Farbfeld-Cowboys kamen m.E. zu keinem originellen, innovativen neuen Weg; siehe meine Kunstkritik in http://www.myheimat.de/gl... (Farbfeldmalerei (Colourfield Painting): Hauptvertreter Kenneth Noland ist tot.):

In der Farbfeld-Kunst wurden gerne sehr große Leinwände oder auch einfach Zimmerwände mit wenigen Farben, zuweilen mit nur einer Farbe bemalt. Ich bezweifelte, dass es sich bei L’Art-pour-l’art-Colourfield Painting um innovative und originelle Kunst handelt.

Auch die Wiesbaden-Schau demonstriert, dass US-Malerei sich ausschließlich über den visuellen Illusionismus definierte und die herkömmliche Abbildfunktion der Malerei negiert hat. Die Leinwand sollte ausdrücklich nicht mehr als ein Farbträger sein – also L’Art-pour-l’art-Colourfield Painting statt innovativ-origineller Kunst (s.o.). Eine individuelle Handschrift des Künstlers sowie der Pinselduktus und die Faktur werden bewusst negiert. FARBE manifestiert sich zugleich in Form und Inhalt der Malerei (Syntax & Semantik).

Wichtig zur evolutionären Kunstentwicklung: Werke des Ad Reinhardt beispielsweise - in Wiesbaden zu sehen (Katalog S. 329 Abb. 14, S. 380/381, S. 383 – Bilder in Schwarz als Quadrat & Rechteck; „Painting“) -, wurzeln einerseits im Umfeld von Barnett Newmann und Mark Rothko, andererseits stehen sie im Kontext des europäischen Konstruktivismus, der abstrakten Malerei eines Kasimir Malewitsch und Piet Mondrian. Über letztere Maler siehe Webbeiträge von mir. Aus der Stille der Bildereignisse heraus entwickelte Ad Reinhardt eine Malerei der metaphysischen Räume, Farben und Formen. Dazu siehe meine kunstkritischen Kommentare in „art“:

Kunst und WAHRHEIT & „l'art-pour-la science“

Der US-amerikanischer Maler Adolph Frederick Reinhardt ("Ad" Reinhardt; 1913-1967) hielt seine „Letzten Bilder“ als Anfang für eine ganz große Malerei: Die „Schwarzen Bilder“ von A. R., die keine „Schwarzmalerei“ sind, bedeuteten NICHT, „dass damit die Malerei als solche an ein Ende gekommen sei“. A.D.s Credo, dass KUNST „ausschließlich von Kunst“ komme, teile ich nicht. Die These „Gute Malerei über etwas gibt es nicht“ Standpunkt A.R.) ist unwissenschaftlich. A.R. mit seinen „Mandalas“ ein „Farbmystiker der Moderne“ (art)? Der Standpunkt eines Kunst-Wollens nach Reinheit, Vollkommenheit - also nach Wahrheit zu streben -, ist ja lobenswert. Ob „das mit den Mitteln der Kunst überhaupt möglich ist“? Mit Kubismus, Mondrians & Malewitschs Kunst und „Kunst-als-Kunst“ (A. R.) ist man m. E. nicht viel näher an die „Wahrheit“ gekommen. „Ars sine scientia nihil est“: Mit einer „l'art-pour-la science“ (evolutionisierender Erkenntniskunst) kommt man der WAHRHEIT näher. Die Bemühungen vieler „Künstler“ heute – des MARKTgesteuerten Kunstbetriebs – plädieren eher für „L'art pour l'art“ und „L'art pour le mythe & la mystique“. Oder auch (als Anti-Kunst-Vertreter) für „L'art pour l'anti-art“. H.-P. RIESE erläuterte in der FAZ, dass eine „Evolution“ von Mondrian zur SYMMETRIE (!) bei A.R. stattfand: „Kreuzform im Bild“. MALEWITSCH nutzte sie 1915 und 1923 („Schwarzes Kreuz“) für seinen "Suprematismus". A.R. wollte mit Farben eine „visuelle Dynamik“ erreichen – „Red Abstrakt 1952. Mit Formen-Wandel evolutionär ist heute eine „visuelle Dynamik“ zu erzielen, die kunsthistorisch einmalig ist. NICHT als „L'art pour le mythe & la mystique“.

Abstraktheit ohne Formen – ein Irrweg?!

Sehr sympathisch sind Ad Reinhardts Polemiken gegen den Kunstbetrieb und die Verflachung der Kunst. Sie haben „gerade heute eine erschreckende Aktualität" (FAZ). Einen „absoluten Anspruch an die Kunst“ aber gibt es heute kaum. Den Satz des "Wadenbbeißers"A.R. (KELLEIN, "art"): „Kunst ist Kunst-als-Kunst und alles andere ist alles andere“, kann ich so NICHT teilen. Auch nicht die These über das Museum: „Jede Störung der Lautlosigkeit, Zeitlosigkeit, Reglosigkeit und Leblosigkeit eines wahren Museums ist respektlos.“ Hier findet der Einfluss Mondrians Widerhall, den Reinhardt neben Malewitsch besonders verehrt hat. Mondrian stellte quadratische und rektanguläre Formelemente als Gleichgewichte im Asymmetrischen dar (M. Seuphor). A.R. geht es um SYMMETRIE – nicht als Hierarchie und Herrschaft der Mitte. A.R. will „die formale Struktur des Bildes soweit wie möglich in den Hintergrund treten (…) lassen“. Er löst sich vom Albers’schen Dominieren der Quadrate als formale Organisation: „Reinhardt will die Farbe von der Form befreien“ – ein „radikal-philosophischer Anspruch an die Kunst“. NUR: Mit dem seinem „Maßstab in der Kunst - Einheit und Schönheit, Richtigkeit und Reinheit, Abstraktheit und Vergänglichkeit“ zu erfassen, kommt man zu keiner EVOLUTION (ars evolutoria (…); siehe auch FAZ-Beitrag von Hans-Peter RIESE, FAZ 17.10.10).
(http://www.art-magazin.de... )

Ausblick

INTELLEKT als Widersacher des Geistigen? – Reales & Abstraktes verbinden

Der Intellekt im Sinne neuzeitlicher Rationalität war für Kandinsky ein Widersacher des Gefühls, der Seele, des Geistigen: Das „Große Reale“ und das „Große Abstrakte“ wurden als Gegensatz und Grundbegrifflichkeit der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts benutzt. Um die Gesetze des Schönen aufzudecken, wurde das Schöne als das von Begierde und Interesse Reine und Freie, das „Geistige“ – im Gegensatz zum Materialismus des Alltagslebens - interpretiert. Das Streben „zum Nichtnaturellen, Abstrakten und zu innerer Natur“ ist nach Kandinsky „schon einige Jahrhunderte die Kunst“, die ihre Mittel „nicht zum Darstellen der Erscheinungen der Natur brauchte, sondern als Ausdrucksmittel des seelischen Lebens des Künstlers“ und „zum Schaffen eines eigenartigen Lebens der musikalischen Töne“ (Kandinsky: Über das Geistige in der Kunst. 10. Auflage. Mit einer Einführung von Max Bill. Bern 1965, S. 54.)

Über das natürliche Weiterleben von REALISMUS (Denken), SURREALISMUS, (Fühlen), EXPRESSIONISMUS (Empfinden) und KONSTRUKTIVISMUS (Intuieren) als „Spiegelbilder psychosomatischer Grundstrukturen“ in der ARS EVOLUTORA sprach ich im Symmetriebuch - siehe Kapitel 2.2.4. -, und über „Zusammenklänge des Abstrakten mit dem Realen“ (KANDINSKY) und die Verbindung von „Spontaneität und Formstrenge“ (Werner HOFMANN) mit weiteren Ausführungen. Das Evolutionsprinzip des unablässigen Wandels wird in der ars evolutoria dokumentiert und aufgegriffen, um eine harmonische PARALLELWELT hervorzubringen, die es so in der bildenden Kunst noch nicht gegeben hat: EVOLUTIONISIERUNG nicht als herkömmliches bloßes „Metamorphose“-Denken. (Vgl. http://www.myheimat.de/gl......)

„Diktatur im Trommelrhythmus“

schreibt die FAZ über das „Gesamtkunstwerk Expressionismus“: Krisenangst und Untergangsstimmung: Was uns heute treibt, brachte 1905 den Expressionismus hervor. Ihm widmet sich nun eine beeindruckende Trias von Ausstellungen in Darmstadt, Wiesbaden und Frankfurt. Dieter Bartetzko am 13.11.10 kritisch:

„So desinteressiert an Besuchern und Erkenntnis wie ‚Vom Blauen Reiter zum Abstrakten Expressionismus’ ist lange keine Ausstellung mehr arrangiert worden. Ratlos schreitet man endlose Bilderreihen ab, sieht farbglühende Dorf- und Bergbilder von Kandinsky und Jawlensky, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin. Die Angst, das Fieber des Expressionismus? Nichts davon in diesen satten Gegenwelten, kein Wort dazu seitens der Ausstellungsmacher. Auch nicht, warum bei einigen Jawlenskys Fabrikschlote hintersinnig mit zackigen Alpengipfeln konkurrieren (…).“
(Siehe auch
http://www.wiesbaden.de/m....)

Ausstellung:

Das Geistige in der Kunst – Vom Blauen Reiter zum Abstrakten Expressionismus, Museum Wiesbaden, Friedrich-Ebert-Allee 2, Di 10 - 20 Uhr, Mi - So und an Feiertagen 10 - 18 Uhr, bis 27.2.11. (Eintritt 8 Euro, Katalog 30 Euro.)

Siehe BILDER zum Artikel in http://www.giessener-zeit... - Ebenda auch http://www.giessener-zeit....

Anmerkungen

(1) Alexander KLAR ist der neue Direktor des Museums Wiesbaden: „Das Museum ist nicht nur Jawlensky“, sagte der Wiesbaden-Neuling. Am 1. November trat der 42-Jährige seine Stelle als neuer Direktor an. „Er kratzt an der herausgehobenen Stellung des deutsch-russischen Künstlers im Haus, das eine bedeutende Jawlensky-Sammlung beherbergt“, ist zu lesen. KLAR will verspürt haben, „dass das Land Hessen etwas aus dem Museum Wiesbaden machen“ wolle. Denn immerhin sei es eines von drei hessischen Landesmuseen – die beiden anderen befinden sich in Kassel und Darmstadt. Mehr: Artikel URL: http://www.fr-online.de/r... .

(2) Die FR meint: „Hatten die ‚alten’ Expressionisten noch eine Art soziales Gesamtkunstwerk im Sinn, verabschiedeten die amerikanischen Avantgardisten sich radikal von der Gesellschaft. Sie widmeten sich allein der Präsenz der Farbe, die von einer rein ideellen Welt zeugt. Der Prozess ging also von einer Durchgeistigung des Gesellschaftlichen zur Vergeistigung der Malerei.“ Die gewaltsame Verdrängung des Expressionismus durch die Nazis sei „ein kulturelles Trauma“ gewesen, das bis heute tiefe Spuren hinterlässt. Aus historischer Sicht schließe die Wiesbadener Ausstellung an die Schau „Gesamtkunstwerk Expressionismus“ auf der Mathildenhöhe in Darmstadt an. Mehr: Artikel URL: http://www.fr-online.de/k....