Leserartikel-Blog

Ai WEIWEI: CHINAs Justiz verletzt Rechte. Dank an Nobelkomité & Liu XIAOBO

Gerichtliche Anhörung als Farce - keine Gnade für FRIEDENs-Nobelpreisträger: Liu Xiaobos Frau, seine Familie, seine Anwälte, Menschenrechtsorganisationen, Politiker im Ausland und chinesische Oppositionelle - sie alle hofften bis zur letzten Minute, dass Chinas Richter Gnade walten lassen und die lange Haftstrafe aufheben oder zumindest abmildern würden. Doch die Hoffnungen wurden enttäuscht.

Die TAGESSCHAU (ARD) meldet: "Die gerichtliche Anhörung im Fall Liu Xiaobo dauerte nur wenige Minuten. Dann bestätigten die Richter das Urteil von elf Jahren Gefängnis." Es wurde wegen angeblicher Untergrabung der Staatsgewalt gefällt.

Der Künstler Ai WEIWEI - Regimekritiker und ein langjähriger Freund von Liu Xiaobo: Dass Chinas Regierung internationalen Druck ignorierte, sei ein Machtspiel, sagt er: "Unsere Justizbehörden reagieren nicht auf Druck. Es ist egal, ob er vom Ausland kommt oder aus China selber. Unser Justizsystem ist dogmatisch und verletzt Rechte. Das Urteil ist doch keine normale Justizentscheidung - es ist eine politische Entscheidung. Das ist doch absurd. Wie soll denn das gehen, dass ein Schriftsteller nur allein indem er Artikel verfasst versucht den Staat zu stürzen?" (ARD)

Die chinesische Regierung rief Ai Weiwei auf, endlich zu begreifen, dass China demokratischer werden und grundlegende Menschenrechte garantieren müsse: Der chinesische Regimekritiker und Konzept-Künstler Ai Weiwei sieht in der Verleihung des Friedensnobelpreises an seinen Landsmann Liu XIAOBO ein Zeichen der Ermutigung: "Der Preis zeigt der Welt endlich, wo China wirklich steht und wie schwierig es ist, sich mit einem totalitären System auseinanderzusetzen." Der Preis mache all denen Mut, die wie Liu Xiaobo für ihren Kampf um die Menschenrechte persönliche Risiken in Kauf nähmen, sagte Ai Weiwei dem Nachrichtenmagazin "Focus".

Das Nobelkomitee habe sich nicht dem Druck der Regierung gebeugt, sagte Ai Weiwei. "Ich bin stolz auf das Komitee." Skeptisch zeigte sich der Weiwei, ob der Preis die Freilassung Liu Xiaobos bewirken könne. Die Herrschenden seien stur und hätten ja in den vergangenen 60 Jahren bewiesen, dass ihnen egal sei, was die Leute dächten, so der Regimekritiker: "Aber jetzt ist die Zeit für einen Wandel gekommen."

Die Regierung dürfe nicht jedermanns Glück und Freiheit opfern, um ihr "so genanntes Wirtschaftswunder" zu vollbringen, sagte Ai Weiwei. "Das ist jetzt ein sehr, sehr wichtiger Moment, weil das Nobelkomitee eine klare Entscheidung nach eigenen Kriterien getroffen hat."
Der 54-jährige chinesische Bürgerrechtler Liu Xiaobo ist Mitverfasser und Organisator der "Charta 08", in der schrittweise demokratische Reformen in der Volksrepublik gefordert werden. An Weihnachten 2009 wurde er zu elf Jahren Haft verurteilt. Am 8. Oktober 2010 hatte das Osloer Nobelkomitee ihn als Preisträger 2010 benannt.

Der Preis mache all denen Mut, die wie Liu Xiaobo für ihren Kampf um die Menschenrechte persönliche Risiken in Kauf nähmen, so Weiwei im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Der Preis zeigt der Welt endlich, wo China wirklich steht und wie schwierig es ist, sich mit einem totalitären System auseinanderzusetzen." Die Regierung solle endlich begreifen, dass China demokratischer werden und grundlegende Menschenrechte garantieren müsse.
"Ich bin stolz auf das Komitee", so Weiwei. Der Publizist war im vorigen Jahr bei Recherchen zum Erdbeben in Sichuan 2008 von der Polizei krankenhausreif geschlagen worden.
(http://www.focus.de/magaz... )

Der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei hatte vor kurzem den mit 10 000 Euro dotierten Kasseler Bürgerpreis „Das Glas der Vernunft“ erhalten. „Kassel ist die Stadt, in der die besondere Aufmerksamkeit für mein Werk geboren wurde“, sagte der Künstler bei der Preisübergabe. Er kündigte an, „aus Dankbarkeit für die Liebe der Kasseler“ ein Werk für das Brüder- Grimm-Museum anzufertigen. Ai Weiwei wurde für sein künstlerisches Werk und sein kritisches Auftreten China gegenüber geehrt.

Bei der Documenta 2007 brachte der 1957 geborene Künstler 1001 Chinesen nach Kassel. Seine filigrane Holz-Konstruktion „Template“ aus Türen und Rahmen zerstörter chinesischer Häuser zählte zu seinen Anti-Kunstwerken. Nach einem schweren Gewitterregen war sie zusammengebrochen.

Ai Weiwei sei Vorreiter für die moderne Kunst in China, sagte der Laudator und Leiter der Kunsthalle Düsseldorf, Gregor Jansen, bei der Preisverleihung. „Er brachte die Kunst des westlichen Systems in sein Land.“ Nicht nur das künstlerische Werk, sondern auch Ai Weiweis Einsatz gegen Unrecht in China wurde gewürdigt. „Er ist ein Vorbild für alle, die sich nicht durch Machtwillkür und Unterdrückung zum Schweigen bringen lassen“, sagte Hessens Kunst-Ministerin Eva Kühne Hörmann (CDU).

In einem „D12-EXKURS als EPILOG“ hielt ich fest (1):

Der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei hat im Septmber 2010 den mit 100.000 Euro dotierten Kasseler Bürgerpreis "Das Glas der Vernunft" erhalten. Bei der Documenta 2007 hatte Ai Weiwei 1001 Chinesen (inklusive seiner selbst) per Internet gecastet, nach Kassel gebracht und in einer alten Fabriks-Halle einquartiert. Sein Werk "Template“, ein Holzturm aus Türen und Fenstern alter chinesischer Häuser, war bei derselben Documenta eingestürzt. Nun bescheinigte ihm Laudator Gregor JANSEN, Leiter der Kunsthalle Düsseldorf: "Er brachte die Kunst des westlichen Systems in sein Land."

Und Hessens neue alte Kunstministerin Eva KÜHNE-HÖRMANN (CDU, d13-Aufsichtsrat) nannte Weiwei "ein Vorbild für alle, die sich nicht durch Machtwillkür und Unterdrückung zum Schweigen bringen lassen". Al Weiwei kündigte an, "aus Dankbarkeit für die Liebe der Kasseler" ein Werk für das Brüder-Grimm-Museum anzufertigen.

Für die HNA schrieb ich einen Kommentar; der dem Blatt nicht passte, er wurde daher informell zensiert:

Zur Freude von Nichtkunst- und Anti-Kunst-Ideologen ging der BÜRGER-Preis an Ai Weiwei: Kommerz-Seilschaften hatten Ais „Fairytale“-d12-Projekt zur BUERGELiade entwickelt – mit dem Sammler & Ex-Botschafter Uli Sigg (Schweiz); 3 Mill. Euro stifteten die Kommerz-Seilschaft Galerie Urs Meile (Luzern) - Leister Foundation - Erlenmeyer Stiftung. Hessen und der Bund bedankten sich. Staats-Politikern ist der Kultur/Kunst-Begriff egal! „Ich-sehe-dann-mal-weg“ und „gehe-dann-mal-bald-weg“, sagten sich KOCH & KÖHLER, die vom Fenster-Türen-Turm damals fast erschlagen wurden. Hessen ist ein Land, in dem sich die „Kultur“-Macher weigern, Reform-Fragen zu beantworten; siehe „Fall documenta“ und Demokratisierung. Vgl. „Mahnmal der 100 Verrisse“ zur BUERGELiade im Internet; Fiasko und Scheitern der d12. „Fuck off“ lautete Weiweis Stinkefinger-Angriff auf die documenta-Macht-Institution, die später zur d12 einlud. Dagegen, dass meine Steuergelder in die documenta-Stadt-d12 flossen, protestierte ich.

Über Ai WEIWEIs KUNST & Anti-KUNST sowie Ai als Regimekritiker schrieb ich zwei aufschlussreiche bebilderte Artikel in:

HAHN, Werner (2009) GIEßENER ZEITUNG v.22.11.09 mit 27 a&s-Bildern Teil 1: http://www.giessener-zeit...

HAHN, Werner (2009) GIEßENER ZEITUNG v. 25.11.09 mit 26 a&s-Bildern Teil 2: http://www.giessener-zeit...

OHNE Bildmaterial siehe: DIE ZEIT Online v. 21/11/09
http://community.zeit.de/...

Ai Weiweis tonnenweises Anti-KUNSTwerk „Sunflower Seeds“
Als Hommage an die Porzellan-Kunst seiner Heimat versteht Weiwei (53) seine Installation aus 100 Millionen kunstvoll handgefertigten Sonnenblumen-Kerne aus Keramik, die er in London präsentiert. Das „Kunstwerk“ mit dem Titel «Sunflower Seeds» ist eine Auftragsarbeit für die Londoner Kunsthalle Tate Modern. Der Besuch der Installation, die am Dienstag (12. Oktober) öffnet und bis 2. Mai 2011 dauert, ist kostenlos.

Man erwarte „mindestens zwei Millionen Besucher“, prophezeite Kuratorin Juliet Bingham am Montag. Nach Ende der Schau in London sollen die 150 Tonnen Porzellan-Samen, mit denen der Boden der Turbinenhalle zehn Zentimeter hoch aufgeschüttet wurde, zurück nach China gebracht werden. Ai Weiwei scherzte: „Vielleicht werde ich sie kochen“ (…).

Die SZ berichtet, dass jeder einzelne Sonnenblumenkern bei 1300 Grad Celsius gebrannt wurde, handbemalt und erneut bei 800 Grad in den Ofen kamen. Bis zu 600 Kunstarbeiter in der chinesischen Porzellan-Stadt Jingdezhen seien zwei Jahre lang damit beschäftigt gewesen. Und: Ungefähr drei der Kerne habe er selbst bemalt: Dabei handele es sich um die am wenigsten gelungenen. Das Werk entstand für die Unilever-Serie der Tate Modern. Seit zehn Jahren wird - gesponsert vom Mischkonzern Unilever - einmal jährlich ein Auftrag für einen Installationskünstler vergeben, der die Turbinenhalle füllt.

Zum SINN des Ganzen:

Mit der „Sunflower Seeds“-Installation (siehe dazu meine kostenlose „Anti-Anti-Kunst“-Installation / a&s-Malerei und Assemblage; in Gießener Zeitung, online) wolle Ai Weiwei auch an die Not in seinem Heimatland China erinnern. Sonnenblumenkerne seien für viele Chinesen eines der wichtigsten Nahrungsmittel. Ai Weiwei verriet zudem: Sein Internet-Blog sei momentan gesperrt, jetzt veröffentliche er seine Botschaften eben über den Kurznachrichtendienst Twitter: „China als Nation „muss auf mehr Freiheit und eine demokratischere Gesellschaft hinarbeiten. Niemand kann das aufhalten“, so Ai Weiwei gegenüber Medienvertretern.

PS: Zu diesem Beitrag siehe ein VIDEO mit Ai WEIWEI:

"Chinese Warhol Famed Artist Ai Weiwei Celebrates Dissident Liu Xiaobo Nobel Prize Win": http://www.youtube.com/wa...

LITERATUR

(1) HAHN, Werner: DIE ZEIT-Beitrag in http://community.zeit.de/...

Mit a&s-Bilderserie (15, v. 26.9.10) siehe http://www.myheimat.de/gl... und/oder GIEßENER ZEITUNG v. 26/9/10 (15 Bilder): http://www.giessener-zeit...