Leserartikel-Blog

KUNST & direkte DEMOKRATIE: NEIN der Andersdenkenden zum „Nagelhaus“ (Zürich)

In der „Basler Zeitung“ (CH) liest man online in Kommentaren: „Eine selbsternannte Kunstelite bestimmt, was Kunst ist“ – und dass ein „Berliner Schreiberling uns vorschreiben will, über was wir verfügen sollen, das geht zu weit. Er soll sich darum kümmern, wie man die Merkel mit ihrer Regierung daran verhindert, Deutschland in die Pleite zu treiben. Direkte Demokratie hat eben Das bei uns verhindert!“ – Mit dem „Schreiberling“ ist ein deutscher Professor gemeint, dessen FAZ-Artikel die BZ abdruckte. Der Peter GEIMER – Prof. für Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin -, sei „einer der meint, das Volk soll zahlen und schweigen, damit der Kunst/Kulturbetrieb bzw. deren Schaffende ungeniert subventioniert werden können“ (…). „Haben sie gar Angst, dass der ‚Normale’ Bürger sich anmaßt über Kunst zu Urteilen?“, fragt eine Dame den Herrn P.G.. Mehr Volks-Kritisches in 70 Kommentaren siehe http://bazonline.ch/kultu... - mit Bild des Professors.

Der FALL „Nagelhaus“ ist nun entschieden worden – per VOLKS-Entscheid: Die „Architekturverpflanzung“ wurde durch VOLKS-Nein (Zürich) abgelehnt.

Zum VOLKSENTSCHEID:

Ein Berliner Künstler wollte in Nähe einer Schnellstraßen-Brücke in Zürich ein abgerissenes chinesisches „Nagelhaus“ wieder aufbauen. Die „Architekturverpflanzung“ wurde abgelehnt. Mit einem ungewöhnlichen und bereits bewilligten „KUNST“-Projekt wollten der Berliner Thomas DEMAND zusammen mit dem Londoner Architekt Caruso St John in Zürich einem chinesischen Widerstands-Akt ein „Denkmal“ setzen. Doch die SVP (Schweizer Volks Partei) wollte das Vorhaben, vom Minarett-Verbot beflügelt, per VOLKS-Entscheid stoppen.

Das geplante Nagelhaus-Restaurant bezieht sich auf ein durch ein Foto bekanntes Gebäude in China: das „Nagelhaus“ in der Stadt Chongqing; siehe wikipedia-Foto und Hinweise dazu. Die Mieterin dieses Gebäudes wehrte sich gegen dessen Abriss. Also stand es wie ein Nagelkopf in einer gigantischen Baugrube.

Angegriffen wurde das Zürcher Projekt vor allem von den Parteien SVP und Alternative Liste (AL). Der SVP waren vor allem die Baukosten von 5,9 Millionen Franken zu hoch, die AL sah in dem Vorhaben eine Verhöhnung des Widerstands gegen Formen der Stadt-Zerstörung.

Die Diskussion gehört zu dem „Kunst“-Werk dazu

Ob das Vorhaben konzeptuell eine glückliche Idee ist, mag dahingestellt sein, war in "art" zu lesen: Auf keinen Fall sei es für die Bankenstadt ein geeigneter Gegenstand für die "Erregung der Volksseele". Zürich verstehe sich als Kulturzentrum von europäischem Rang – siehe dazu (1) -, Kunst spielt dabei eine zentrale Rolle. Kunsthaus, Museum Rietberg, das Löwenbräuareal mit Kunsthalle und Migrosmuseum und einer handvoll international etablierter Galerien tragen mit ihren Ausstellungen den guten Ruf in alle Welt.

Da passe es nicht recht, wenn mit Kunst-Projekten die Stammtischgefühle der konservativen Wählerschaft geweckt werden. Das hatte der Zürcher Gemeinderat längst begriffen, so „art“. Er hatte mit einem großen Teil von Stimmen rechter Abgeordneter dem Nagelhaus-Projekt zugestimmt (76 zu 34 Stimmen) und wollte „gelassen auf eine etwaige Volksabstimmung schauen“.

MEHR in http://www.art-magazin.de......

In der Bundesrepublik Deutschland wurde, als der Bundestag erst über die Verpackung des Reichstags durch CHRISTO zu entscheiden hatte, dieses Verfahren scharf kritisiert: Entscheidungen über „Kunst“ dürften angeblich nicht aus den Händen der demokratisch dafür geschaffenen Gremien genommen und Politikern anheimgestellt werden, die oft nicht einmal eine rudimentäre Ahnung davon hätten, was in Museen und Ausstellungshallen passiert. Und das „Volk“ sei ohnehin nicht sachkundig was „Kunst“ betreffe.

„Hätte man, so die Kritiker, einst den Bau des Eiffelturms oder die Gestaltung des republikanischen Pavillons an ein positives Plebiszit geknüpft, dann hätte weder Paris ein Wahrzeichen, noch gäbe es in dieser Form Picassos ‚Guernica’“, meint der FAZ-Kunstkritiker Niklas MAAK in einem Appell-Bericht „Wählt Kunst!“ vom 15/3/2010.

In der basisdemokratiefreudigen Schweiz habe man in dieser Hinsicht wenig Bedenken: Deshalb stehe jetzt ein vom Zürcher Rat bereits bewilligtes Kunstprojekt des Berliner Künstlers Thomas DEMAND und des Londoner Architekten zur Disposition eines Volksentscheids.

Demand und Caruso St John hatten vorgeschlagen, unter einer Schnellstraßenbrücke in Zürich ein abgerissenes chinesisches „Nagelhaus“ wieder aufzubauen – quasi als „Architekturverpflanzung“. Hierbei sollte der Nachbau des als Restaurant genutzten Nagelhauses kein bloßes Dokument einer diffusen China-Begeisterung sein, berichtet die FAZ, „sondern auch ein politischer Kommentar der chinesischen wie der Zürcher Baupolitik - und eine Antwort auf die Frage, wie lokale Identitäten entstehen oder zerstört werden“. Das Nagel-Haus stand einst in der chinesischen Metropole Chongqing - und war dort zum Symbol privaten Widerstands gegen eine korrupte und brutale Baupolitik geworden. Zum Schluss stand es, weil die Besitzer sich weigerten, sich dem Druck zu beugen, wie ein verlorener Zahn allein auf einer Erdinsel in einer riesigen Baugrube. Es gibt andernorts vergleicbbare Fälle eines privaten Widerstands gegen eine korrupte und brutale Baupolitik, in denen sich Bürger bis zuletzt geweigert hatten, der kommerziellen Umnutzung ihres Quartiers zu weichen; z. B. auf Lanzarote (Hafengebiet Blaya Blanca).

Bei der Neugestaltung des Escher-Wyss-Platzes in Zürich war eine Nachbildung des Nagelhauses in Chongqing geplant; siehe oben. Es sollte den Anschein erwecken, bereits vor der Hardbrücke dort gestanden zu haben und der Brücke nicht gewichen zu sein. Das Projekt wurde am 26. September 2010 beim Stimmvolk mit 51,3% Nein-Stimmen abgelehnt. Siehe zum Thema und Begriff "Nagelhaus" wikipedea:
http://de.wikipedia.org/w... . Bild ebenda.

Die Entscheidung der Wähler zum „Nagelhaus“-Kunstdiskurs ist gefallen

Nunmehr ist durch VOLKS-NEIN entschieden, dass das Zürcher "Nagelhaus" von Thomas DEMAND nach einer Volksabstimmung nun NICHT gebaut wird. Patrick BAHNERS (FAZ v. 27.9.10) unterstützte in einer Leitglosse noch einmal den Kunsthistoriker Peter GEIMER, der in der FAZ gegen das Volk und für die Jury plädierte. Unter „Kommentar“ online: „Feuilleton-Glosse – Nagelprobe“ – „Sind Kunstwerke in einer Demokratie abwählbar? Die Bürger Zürichs haben es im Fall des „Nagelhauses“ von Thomas Demand so entschieden. Das kommt davon, wenn man ein stolzes Volk nicht mit List fangen will.“

Der Feuilletonist zu GEIMERs Artikel in der FAZ: „Er wollte den Zürchern die Frage hinter der Abstimmungsfrage vorlegen“ - „die grundsätzlichere Frage, ob in einem demokratischen System Kunstwerke abwählbar sein sollen“. So gefragt, konnte jeder Demokrat aber nur antworten: JA – denn die Demokratie sei nun einmal „das System, in dem jeder und alles abwählbar ist (außer der Menschenwürde)“. Entsprechend sei jetzt das Ergebnis ausgefallen. So bestätigte sich, „was Sokrates von seinesgleichen wusste“, meint die FAZ-Glosse: „Denn in der Tat weiß ein solcher Mensch nichts von seinem Nächsten und Nachbarn – nicht nur von dem, was er treibt, nein auch kaum davon, ob er überhaupt ein Mensch ist.“

FAZIT: Der Bürger aber, umgekehrt, „kennt den Philosophen nur zu gut“.

Peter GEIMER - Professor für Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin - begründete den „KUNSTWERK“s-Charakter des Nagel-Hauses so; er hat sechs Jahre lang an der ETH Zürich gelehrt:

„Was hier konstruiert werden soll, ist vor allem ein Abbild, das sich längst von seinem Vorbild gelöst hat und im Westen ein mediales Eigenleben führt. Ein Wiedergänger des Nagelhauses würde in Zürich, an einem neuralgischen Punkt der Stadtentwicklung, eine Art Sammelstelle bilden, an der sich die Geschichte des Hauses aus Chongqing und sein begehbares Nachbild zu einem vielschichtigen Ensemble verdichten. Überdies könnte man dort aber auch vierundzwanzig Stunden am Tag ein warmes Essen bekommen, ausruhen, reden, Zeitungen kaufen und dem brachliegenden Platz eine neue Funktion geben. Der künstlerische Beitrag wird hier nicht als die übliche „Kunst am Bau“ einfach angestückt, sondern ist dem Gesamtentwurf im Kern implementiert; das Kunstwerk würde die Stadt auch für diejenigen verändern, die es als Kunstwerk nicht erkennen.“

Der GEIMER-Artikel der FAZ wurde ONLINE gestellt und zum Kommentieren für die FAZ-UserInnen freigegeben: Die Kommentare kann man zudem bewerten, mit „Grün“ für „gut“ und „Rot“ für „schlecht“.

Kommentare hierzu spiegeln den FRUST mit der „KUNST“ des Nagelhauses – und allgemein mit dem sog. „Erweiterten Kunstbegriff“ - in Zürich überdeutlich wider. Am Ursprungsort ist das «Nagelhaus» nicht mehr, es wurde 2007 abgerissen. Nun sind in Zürich auch die Pläne für seine Wiedergeburt zu beerdigen.

Eine Dokumentation:

Was FAZ-UserInnen ärgerte und nichts mit der „Schweizer Volks Partei (SVP)“ zu tun hat:

Woher nimmt der Kunsthistoriker Peter GEIMER die Meinung, dass der Volksentscheid Kunst verhindere, wird gefragt. Dem Künstler DEMAND sei durch Volksabstimmung nicht verboten sein "Kunstobjekt" auf eigene Kosten auf Privatgrund zu erstellen. Er könne dies jederzeit! „Der Geldgeber, der Steuerzahler hat nur sein Recht wahrgenommen zu entscheiden wofür er sein Geld ausgeben will oder nicht“, heißt es. Es gehe im Nagel-Haus-Streit „nur darum, dass wenige Künstler meinen, das Recht zu haben sich vom Steuerzahler finanzieren zu lassen“. Und: Kein Künstler, auch DEMAND nicht, sei gehindert, seine „Kunst“ - wo immer er nicht Rechte anderer beeinträchtigt -, frei und unabhängig zu praktizieren, verwirklichen und auch verkaufen zu können.

NEGATIV dagegen wurde die folgende Meinung in einem FAZ-Kommentar bewertet:

Die Schweiz scheine in manchen Punkten Vorreiter zu sein, beispielsweise heiße es im "Parteiprogramm" der Rechtspopulisten "pro-NRW" sinngemäß, dass Kunst/Kultur weiter gefördert werden soll, aber nicht mehr eine Kunst, die sich vom "Volk" entfernt, die nicht mehr verständlich ist. „Ein alter Konflikt in dem sich der Unmut der ewig ‚volksnahen’ über Avantgarde und Akademische Kunst entlädt. Kunst, das ist für diese Leute Kunsthandwerk, und sonst nichts. Einmal mehr bin ich froh, dass wir in Deutschland eine parlamentarische Demokratie haben, ein Graus wenn man sich vorstellt, dass ‚das Volk’ über die Kunst abstimmt, was dabei rumkommen würde kann man allabendlich auf RTL begutachten.“

POSITIVe Bewertung erhielten Meinungen wie diese:

(…) könnte ja jeder kommen, irgendwas für Kunst erklären und dann Abstimmungen darüber verbieten. Dieses Graffiti: Kunst. Diese Bauruine: Kunst. Dieser Verstoß gegen die Bauauflagen: Kunst. (…) Ein Wort zur SVP. Von einem Berliner Kunsthistoriker kann man wahrscheinlich nicht erwarten, die politische Situation der Schweiz zu durchschauen, aber die SVP mal eben in die Rassisten-Ecke zu stellen, bloß weil sie Meinungen vertritt, die nicht die der Berliner Subventionsschickeria sind, ist dann doch unangemessen. Und wenn man das schon tut, dann doch wenigstens mit dem neuen europäischen Adelstitel "Rechtspopulisten". (…)

(…) Die Stadt ist verschuldet, das lässt sich nicht wegdiskutieren, und es ist ein Skandal erster Güte, dass die gleiche Stadtregierung, die bereit ist, 5,9 Millionen für dieses Nagelhaus ausgeben und das darin zu eröffnende Restaurant anschliessend jahrelang zu subventionieren, aus finanziellen Gründen weder zusätzliche Polizisten einstellen noch deren Überstunden bezahlen will. (…)

(…) Warum sollte etwas, nur weil es sich selbst das Etikett "Kunst" aufklebt, sakrosankt sein? (…) „Soll Kunst in einem demokratischen System abwählbar sein?", allein die Fragestellung ist unsinnig und höchst unerfreulich-manipulativ. Ich erkläre jetzt alle meine Äußerungen für Kunst, einschließlich dieses Beitrags. (…)

(…) herr geimer, ihre argumentation ist von geradezu unglaublicher arroganz and verachtung von demokratie - vom nicht vorhandenen realitaetssinn einer marktwirtschaft voellig abgesehen. kunst kann tun und lassen was sie will, niemand sagt dem kuenstler, was er tun oder lassen soll. solange er entweder kunden fuer seine arbeit findet oder seinen lebensunterhalt anderweitig verdient. wenn aber ein projekt von steuerzahlern (=buergern) finanziert wird, dann haben diese jedes recht zu entscheiden, was gebaut wird und was nicht. dass die selbsternannte kunstelite ihres schlages glaubt hier das letzte wort haben zu muessen, ist einfach laecherlich. (…)

(…) Da haben es die Schweizer besser: die dürfen abstimmen. Wem’s gefällt stimmt mit Ja, wem’s nicht gefällt mit Nein. Wenn man dann trotz eines Neins noch "Kunst" haben will, dann eben mit eigenem bzw. privatem Geld. "Wer zahlt, schafft an" - einfacher, gerechter und sinnvoller geht's doch nicht mehr. (…)

Hocherfreut über das Nagelhaus-NEIN-Resultat zeigte sich die FDP. In ihrer Mitteilung wertet sie das Resultat als Beleg dafür, dass die Toleranz für Kunst im öffentlichen Raum Grenzen habe. Sie fordert von der Stadt zweckmässige Bauten statt «künstlerische Selbstverwirklichung», so die NZZ v. 27.9. zur Volksabstimmung.

In einem Leser Kommentar der NZZ liest man unter „Sozial ist was einen Nutzen hat“:
„Eine Partei, die für Projekte ohne realen Nutzen Geld ausgeben will, ist keine soziale Partei.“ Jeder Franken der für künstlerische Großsprojekte ausgegeben werde, könnte sinnvoller ausgegeben werden, nämlich als Sozialleistung ans Individuum ausbezahlt werden: „Damit würden nicht nur die materiellen Bedürfnisse besser gedeckt, sondern es hätten dadurch auch mehr Leute Zeit und Geld sich mit Kunst zu beschäftigen. Das wäre dann aber nicht die üble Großkunst, sondern es wäre eine Kunst die vielen Menschen hilft die Sinne zu bilden.“ (A.a.O.)

EPILOG

Sollte der Volksentscheid in der BRD eingeführt werden? In HESSEN z.B. zum Fall „Documenta-Institution“?

An anderer Stelle (1) forderte ich zur „EVOLUTION der KULTUR-POLITIK“, dass von moderner demokratischer Kulturpolitik die TRANSPARENTZ ihrer Entscheidungen erwartet werde:
SUBVENTIONs-Geber, also die ÖFFENTLICHE Hand, wie auch SUBVENTIONs-Empfänger und -Empfängerinnen (Institutionen, Gruppen und Einzelpersonen) sind gehalten, über die vergebenen, respektive erhaltenen Mittel, RECHENSCHAFT abzulegen. Hierbei dient EVALUATION – die Auswertung (Recherche, Ermittlung) von negativen und/oder positiven Erfahrungen - nicht nur der LEISTUNGs-Überprüfung, sondern auch der QUALITÄTs-Sicherung, also der Optimierung, der Strategie und Planung sowie dem Wissens-Zuwachs.
Zu fordern sind gerade heute Qualitätsentwicklung und Evaluation (Selbst- und Fremd-Evaluation): Damit Ausstellungs-Häuser dazu in der Lage sind, ist der Aufbau eines institutionellen Qualitäts-Managementsystems (auch z.B. in HAMBURG!) erforderlich, das alle Bereiche des Ausstellungswesens in den Blick nimmt. Die EVALUATION ermöglicht es dabei, mittels geeigneter Verfahren und Instrumente (siehe das Schulbeispiel der Stadt ZÜRICH (1)) bestimmte Aspekte kunstbetrieblicher Wirklichkeit untersuchen, beurteilen und weiterentwickeln zu können.
Entbehrlich-Schlechtes gegen Qualitätsvoll-Innovatives austauschen.

Aufgabe eines Kunst Museums ist natürlich das Bewahren und Aufspüren des kunst-erneuernden Innovativen. Der Bestand sei „Bürgerbesitz“ liest man: Institutionelle Kunstvermittler haben indessen vieles am Kunst-Markt teuer erworben, was des „Bewahrens“ nicht wert ist und Bürger stört. Es ist nicht „absurd“, Möglichkeiten zum Bewahren von Kunst dadurch zu schaffen, dass man schlechte Kunst verkauft: „Entbehrliche und dennoch gewinnbringende Werke aus der Sammlung“ sollte man - nach Stellen der Qualitätsfrage – durchaus auflisten, um diese danach auf den Kunst-Markt zu bringen. Gut ist der Gedanke, mit Verkäufen qualitätsvolle Neuerwerbungen finanzieren zu wollen. Ich meine nicht, dass etwa Picassos oder Noldes Werke verkauft werden sollten. Dass die Bewertung von Kunst stark vom Zeitgeist abhängig sei, ist richtig. Kennerschaft ist vonnöten bei Kunstbeamten: Es gibt „Kunst“ (auch Nicht- und Anti-Kunst) heute in Museen, die von ideologiefreien Experten gering geschätzt wird. Sie wird auch morgen nicht wieder neu entdeckt und wertgeschätzt.

JA: Eine Kultur-Gesellschaft benötigt dringend positiv-kulturelles Wachstum; nicht Negativ-KULTUR! Nach GG-Art. 5 Abs. 3 hat der Kulturstaat ein freiheitliches Kunstleben zu erhalten und zu fördern.

Zerbrechende Kunst-MARKT-Welt und schlechte Kulturpolitik.
Die Kultur-Politik in HESSEN hat desaströs versagt: „Kulturpolitiker“ (die es offensichtlich hier gar nicht gibt) reagieren auf eine nötige documenta-Institutions-REFORM (der Privat-GmbH) nicht. Die Macht der Kunstbetriebs-Macher ist zu transformieren, zu unterminieren; DEMOKRATISIERUNG statt Willkür wird von mir seit Jahrzehnten gefordert; vier documenta-Bücher wurden von mir dazu geschrieben.. Eine reformierte, NICHT-private NEUE (seriöse) öffentliche Museums-KULTUR muss her. Der Macher der „Kunstzeitung“ (Karlheinz SCHMID) leidet daran, dass „sämtliche Kriterien-Kataloge für Kunst überholt sind“. Bildende KünstlerInnen sollten „selbst in die Rolle des Kritikers schlüpfen“.

Eine „anspruchsvollere Kunstkritik“ wird gefordert. FAZ-Kunstkritiker E. BEAUCAMP sieht dies ebenso: in FAZ- „Kunststücke“ v. 8.1.10. Die Qualitäts- & Markt-KRISE haben etwas Gutes!

Der Kunsthistoriker Johannes GRAVE sprach davon, es gebe „tatsächlich gute Gründe, die Geschichte der Kunstgeschichte auf Versäumnisse, Blindstellen und problematische Verengungen hin zu befragen“. Das unterstützte ich in http://www.kunstgeschicht... Siehe dazu auch: http://www.kunstgeschicht...

Echte Kunst-„Wissenschaftler“ haben nichts zu verlieren, nur die Kunst-Spekulanten. Gute KUNST-Kritiker könnten sich als Beförderer und Geburtshelfer der evoluierenden New Art History erweisen und die „Risse im Bild“ (Hanno RAUTERBACH;“HR“) beseitigen. WERTE-FRAGEN sind hierbei ins Spiel um INNOVATIONEN & ORIGINALITÄT zu bringen. HR erörtete Werte-Kriterien wie ikonografischer Erfindungsreichtum, Wert der intellektuellen Durchdrungenheit, Erkenntniswert. Im WEB publizierte ich ein „Modell für eine objektivere Kunstbeurteilung“.

RAUTERBACH, BEAUCAMP und ich fordern einen „neuen Streit“ um KRITERIEN und QUALITÄTsfragen - um den besten „Stil“, die sinnvollste Ästhetik. Er sollte auch in die KUNST-AKADEMIEN mit ihrer „Trostlosigkeit“ („Freie Kunst“) getragen werden. Sog. „Kunst“-Professoren behaupten (noch), KUNST sei angeblich nicht lehrbar, weil alles Kunst ist; BEUYS lässt grüßen! Kulturprozesse sind hier – analog zur documenta - auch an sich selbst abschaffenden Akademien der Gefahr von Cliquenbildung & Selbstbedienungsmentalität ausgesetzt.

Siehe zum ELEND der UNKRITISCHEN Kunst-KRITIK auch: http://community.zeit.de/...

Literatur / Anmerkungen

(1) Durch Evaluation des subventionierten Tuns der MacherInnen (Kunst-Verein/Museum), kann deren Legitimation kontrolliert werden. Über Kunst&Kultur-Förderung, QUALITÄTS-SICHERUNG, „Leitbild“-KRITERIEN (quantitativ, qualitativ) siehe www.kulturblog.ch ; Resonanz, Relevanz, Innovationsbereitschaft, Engagement, Professionalität.
Zu loben ist die zitierte Plattform des Kulturblog – sie mutierte in einem neuen Online-Newsnetz von Tages-Anzeiger, Basler Zeitung und Berner Zeitung („Kriterien für die Leistungen von Kulturinstitutionen“). Im Züricher neuen Kultur-Leitblild der Stadt (pdf, 1.2 MB) ist die Rede von einer Leistungs-Vereinbarung mit Kultur-Institutionen. Die Ausführungen zur Frage wie man die „Leistung” einer Kulturinstitution messen kann, heben VORBILD-Charkter - auch für BRD- Kommunen! Im LEITBILD sind Kriterien aufgeführt, die ich im ZEIT-Artikel zitiere (aus www.stadt-zuerich.ch/inte.. .).

In der PDF-Datei mit dem Titel „Leitbild der städtischen Kulturförderung 2008 – 2011“ (kulturleitbildpdf) ist unter „Grundsätze der Zürcher Kulturpolitik“ zu lesen: Vor dem Hintergrund, dass Kulturförderung eine Aufgabe der öffentlichen Hand ist, orientiere sich die Kulturpolitik insbesondere an folgenden Grundsätzen: Wahrung der Kunstfreiheit, Förderung der Qualität, Sicherstellung der Vielfalt und Offenheit für Neues durch Förderung von Spitzenkultur UND Breitenkultur, durch Wahrung des kulturellen Erbes UND Unterstützung von zeitgenössischem Kunstschaffen, durch Förderung von traditionellen UND alternativen Ausdrucksformen, Einhaltung des Subsidiaritätsprinzips, Koordination der Förderinstrumente, Berücksichtigung der Eigenwirtschaftlichkeit, Abschluss von Leistungsvereinbarungen, Überprüfung von Leistung und Gegenleistung (Evaluation).

Über „Wahrung der Kunstfreiheit“ (3.2.) wird richtig angemerkt: „Für die Entwicklung und den Zusammenhalt einer freien Gesellschaft ist unabhängiges Kunstschaffen unentbehrlich.

Anmerken möchte ich hier abschließend, dass ich als Ergänzung und zur Förderung kultureller EVOLUTION folgendes Modell, das zuletzt von mir publiziert worden ist in einem „Plädoyer für die Gründung einer öffentlich-rechtlichen Hessischen „documenta-Akademie“ mit Akademie-Komitee-Modell“ (Essay im Buch „Documenta Demoktatisierung“ , S. 51/52).

Das „MODELL für eine objektivere KUNSTBEURTEILUNG" (Kurzfassung) ist im DIE ZEIT Beitrag enthalten. Bitte googeln. (http://www.myheimat.de/gl... .)

Siehe auch in DIE ZEIT online: http://community.zeit.de/....
http://community.zeit.de/... .