Leserartikel-Blog

Debatte um UN-kritische "Kunst"-KRITIKer: Hanno RAUTERBERGs Plädoyer für eine Kunst-Kritiker-Akademie

Kunstpublizistik & Kulturpessimismus: Der "Autonomiekult" - ein unbändiger Freiheitsdrang der Gegenwartskunst, die sich frech allen Kriterien entziehe und "unausdeutbar" gemacht habe -, sei schuld auch an der MISERE der KUNSTKRITIK(er), meint Ullrich. Kunst entziehe sich mystisch in elitärer Publikums-Verachtung, so dass durch Publikums-Diskriminierung „Kunstlaien“ produziert würden. Über "Autonome Kunst - Eine Gefahr für die Kunstkritik?" referierte Prof. Dr. Wolfgang Ullrich (Staatliche Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe) auf einem Kunsthistoriker-Symposium. "Wer kritisiert die Kritiker? Warum wir eine Akademie für Kunstkritik brauchen" hieß das Referat mit Plädoyer von Dr. Hanno Rauterberg (DIE ZEIT, Hamburg; Quelle: http://www.kunsthistorike... (Verband Deutscher Kunsthistoriker). Auf dem Symposium fragte man in einem spartenübergreifenden Dialog:

Welche Rolle hat die Kunstkritik bislang gespielt? Gibt es eine Krise der Kunstkritik heute und wenn ja, seit wann gibt es sie und warum? Weshalb kam es überhaupt zur Ausbildung einer professionellen Kunstkritik? Ist die Kunstkritik konstitutiv für die zeitgenössische Kunst? Was kann und sollte die feuilletonistische Kunstkritik leisten; was leistet sie nicht? Braucht die autonome Kunst eine autonome Kritik? Kann das Internet eine Plattform für eine solche ökonomisch wie institutionell autonome Kunstkritik bieten?

KRITIKen über etwas können positiv und/oder negativ sein: Ein Kritiker ist jemand, der ein wissenschaftliches oder künstlerisches Werk nach wissenschaftlichen bzw. künstlerischen Maßstäben (lobend, tadelnd oder wertneutral) beurteilt oder bespricht. Erlaubt ist die KRITIK der Kritik der UNkritischen KRITIK(er) – genau abwägend und streng im Urteil. Heute hätten wir „das Zeitalter der Laienkritik“ erreicht, meinte Wolfgang Kemp in der SZ über (un)kritische Köpfe, ein Mann mit Urteilsvermögen. Den „traurigen Zustand der Gattung Kunstkritik“ konstatierte 2003 Christian Demand: Er wirft den „Kritikern” der Moderne & Post- bzw. Spätmoderne Kritiklosigkeit und Argumentations-Verweigerung vor.

Im Zentrum seiner Kritik der Kritiker steht der Vorwurf des Parteien-Verrats. (Demand: Die Beschämung der Philister. Wie die Kunst sich der Kritik entledigte“.) Und Eduard Beaucamp stimmte in Sachen Kunstkritik gar 1994 „Ästhetische Bußpredigten“ an. Gründe: Der Kunstkritik fehlen die Kriterien, „ sie macht sich zum Komplizen des Kunstmarkts, hat den Kontakt zu ihrem Publikum verloren oder sich in die einschlägigen Szenezeitschriften und damit in einen hermetischen Fachdiskurs geflüchtet, der Kunst nicht mehr an den Ausstellungsbesucher vermittelt, sondern mit den anderen Vertretern des Kunstbetriebs, also Künstlern, Kuratoren, Galeristen und Sammlern kurzgeschlossen ist“; so lauten die Stichworte einer Diagnose, die der Kunstkritik nur noch wenig Kompetenz zubilligt. (Stefan Lüddemann, „Mit Kunst kommunizieren“, Wiesbaden 2007. Vgl. „Bilderwelten einer Jahrhundertwende. Texte zur Kunstkritik“ des Autors bei Google 2006) Kultur- und Kunstjournalismus fehlten Sachverstand und „der deutsche Kulturjournalist möchte offenbar lieber politischer Journalist sein“, beklagt Norbert Bolz (Kommunikationstheoretiker). Kultur und Kunst „waren immer eine Nische in der Nachrichtenwelt und die Nischen werden zuerst geschlossen“, meint er in „Das ist ein Jammer“ (Interview „journalist online“ 18.8.).

GUT, dass der Hanno-RAUTERBERG-Artikel über „UNKRITISCHE Kunstkritiker“ – sie würden der „KUNST schaden“ - eine Woche nach Print-Veröffentlichung (Nr. 32 ZEIT 2010) Online vorliegt, so dass er eifrig kommentiert werden kann. H.R.s Plädoyer ist natürlich von kritischen (!) KunstkritikerInnen & Künstlern (etc.) zu begrüßen. Das glänzende mutige und begeisternde Plädoyer des DIE ZEIT Kunstkritikers gegen UNkritische zeitgenössische Kritik/er sollte unbedingt unterstützt werden. WARUM?

Die MISERE der zeitgenössischen „Kunstkritik“, wie sie in den Feuilletons („Kultur“-Seiten) zuweilen als „unkritische Kritik“ veröffentlicht wird, ist oft von mir angeprangert worden. ABER: Man darf das Kritiker-Problem nicht pauschalisierend behandeln. Mein „Mahnmal der 101 Verrisse“ zur BUERGELiade beweist, dass „kritische Kritik“ in Deutschland praktiziert wird und „unabhängiges Kunstkritiker-Wesen“ in der BRD noch immer existiert: D.h. UNABHÄNGIG von Presse-Medien-Verlegern samt Chefredaktionen etc. kann noch KUNSTKRITISCH kritisiert werden. Dazu mehr in http://www.art-and-scienc... (1).

Auch in meinen documenta-Demokratisierungs-Büchern, habe ich belegt, dass die documenta-Institution auch von guten, d.h. sehr kunst-kritischen Artikeln von kritischen KritikerInnen in den Medien begleitet wurde; seit dem Beginnen der abenteuerlichen kulturell-negativen documenta-Evolution bis heute. Mehr in (2) & (3).

Dass das „“KUNST“-Kritiker-Unwesen“ von drei seriösen Kunstkritikern nahezu gleichzeitig diskutiert und angeprangert wird – Hanno RAUTERBERG (DIE ZEIT) , Eduard BEAUCAMP (FAZ) und Karlheinz SCHMID (Kunstzeitung), macht hellhörig:

Über „DAS DEBAKEL DER KUNSTKRITIK“ schreibt SCHMID (ehemals „art“-Kunst-Journalist) auf S. 13 in Nr. 8/200: Seine als „Nestbeschmutzung“ bezeichneter Bericht „Vom Elend der versifften Kunstkritik“ will KHS das VERSIFFTSEIN der Unkritischen Kritiker veranschaulichen. SCHMID gelobt in einem Kommentar S. 02 ebenda („Unter uns) im gratis verteilten 200.000 KZ-Blatt, dass seine durch Anzeigen finanzierte Publikation auf „höchstem journalistischen Niveau“ produziert werde und gekaufte und geschaltete KZ-Werbeflächen würden die redaktionelle Berichterstattung „keinesfalls“ beeinflussen, was schwer zu glauben ist. Es gelte für KHS „ die Kritiker-Aufgabe wahrzunehmen – und deutlich zwischen Anzeigen und Redaktion zu trennen“ (…), ein Blatt, „in dem sich allerlei PR-Texte verstecken (…) Affirmation ist unsere Sache nicht“. Ein hoher Anspruch der Gratis-Zeitung.

Die KZ – Karlheinz SCHMID – plädierte immerhin mit mir dafür, dass endlich der hessische „URKNALL“ zu einer documenta Reform erfolgen soll:

Seit Jahrzehnten zementiert Hessische-und-Bundes-Kunst-Politik das m. E. undemokratische & monokratische GmbH-Modell zur privaten documenta-INSTITUTION in Kassel. Herr Prof. Dr. Friedhelm HUFEN hat den „Fall documenta" in der Neuen Juristischen Wochenschrift ausführlich documenta-kritisch behandelt: 17/1997 S. 1112-1114 - „Muss Kunst monokratisch sein?“. (Vgl. Anm. 3.) Eine erste Findungs-Kommission aus PolitikerInnen bestimmte jeweils neu die sekundäre Findungskommission, die selektiert hat. Für 2012 wurde wieder eine Ein-Frau-Lösung gesucht. Ein „Mahnmal der 101 Verrisse" im WEB erinnert an das „BUERGELiade Fiasko“ 2007.

Die Nachfolge-Veranstaltung ist zur documenta 13 von Frau BAKARGIEV mutiert. Seitens der weit verbreiteten „Kunstzeitung“ (Chefredakteur Karl Heinz SCHMID) wurde der Vorschlag „Findungskommissare als Kuratoren“ vorgebracht:

Zuletzt habe so manch/r documenta-Leiter/in mit bildender Kunst „mehr eigene Visionen und Reflexionen illustriert, als der Kunst selbst jenen Atem zu geben, den eine Ausstellung braucht“, führt SCHMID nicht kunst-unkritisch aus. Seither sei ab der d10-DAVID-documenta „fleißig daran gearbeitet“ worden, der Liebe (zum Kunstwerk) den Garaus zu machen.“ Über „diffuse Theorien und einen höchst eigenen, (…) oft aufgeweichten Kunstbegriff“ (…). In der KZ (Juli 2008, S. 7) plädierte SCHMID seriös-unabhängig für das Gremium-Modell. Auch Prof. Peter WEIBEL (ZKM Karlsruhe) plädierte für ein zeitgemäßes pluralistisches documenta-Modell plädiert (KZ 09/08, S. 2): Alle Mitglieder eines Gremium-Teams würden „über so viele Kompetenzen“ verfügen, „dass es eine Illusion wäre zu glauben, die Kompetenzen eines einzelnen Kurators könnten umfangsgleich sein“.

Peter WEIBEL (ZKM Karlsruhe) fand, SCHMIDs Gremium-Idee sollte man „weiter propagieren, weil ich sie wirklich überzeugend finde. Eine bessere Leitung der documenta als das Team, das einen Leiter finden soll, wird es nicht geben.“ (4)
VERRAT an der KUNST & NIEDERGANG der KUNSTKRITIK?

Ein VERSIFFT-Sein deutscher Kunstkritik äußere sich – so KHS - auch darin, dass man Unwahrheiten zur documenta verbreite; so habe Kollege Ludwig SEYFARTH die HOETiade des Jan HOET – documenta 9 – statt 1992 zu schreiben, 1987 stattfinden lassen. Fakten aber seien zu verifizieren, fordert die KZ: „Seyfarfths Nachlässigkeit steht für die Wurstigkeit einer kompletten Branche, die sich nur zu gern in Szene setzt, auch Kunst-Urteile spricht, dabei aber selbst – über die Jahrzehnte und zunehmend – fehlbar bleibt.“

Unverzeihlich auch der Star-Ex-Kunstkritiker der FR Peter IDEN: Der habe den Maler Helmut Federle doch „zum verstorbenen Künstler erklärt“. (Keine gute Figur machte der Kunst- und Theaterkritiker - P.I. (70) - auch hier; Bild von P.I. a.a.O.:
http://www.giessener-zeit...
Dass „Gerhard Polke“ gestorben sei – nicht SIGMAR Polke – war auch Kritiker-Unfug (…): eines „mächtigen Kunstkritikers“ – „Schnellschuss-Verursachers“, so KHS.

„Ursprünglich“ – im Gegensatz zu heute - seien doch die Kritiker „als unabhängige Kraft im Kunstbetrieb geschätzt“ gewesen, formuliert die KZ: Sie „geben nun den willfährigen PR-Schreiber. Affirmatives Wortgeklingel, gut für Internet-Auftritte, Katalog-Texte, Vernissage-Geschwätz“, bilanziert der KZ-Chef verbittert die heutige Situation des Versifft-Seins der verwahrlosten und lächerlichen Kritiker-Generation. Vom Selbstreinigen, „Umdenken und Umlenken“, spricht der Autor, der NESTBESCHMUTZUNG für „dringend notwendig“ erachtet.

Den VERRAT an der KUNST durch unwissende und unkritische Kunstkritiker dürfe man nicht mit „Personalabbau“ und “schlechter Honorierung“ der Kritiker bei Medien entschuldigen – ein „Elend (….)“. SCHMID behauptet, „dass die Fernseh- und Radio-Jornalisten im Allgemeinen noch weniger von Gegenwartskunst und Klassischer Moderne verstehen als ihre Kollegen in den Print-Redaktionen“: Derartige Kamerateams hätten oft „von nix wirklich eine Ahnung“ (…).

Eine „apologetische Form der Hofberichterstattung“ werde in bestimmten Segmenten des Kunstmarktes der Kritik zugestanden, ist zu lesen („Texte zur Kunst“ – isabelle GRAW). Der „Niedergang der Kunstkritik“ in Print-Redaktionen und Fernsehproduktionsstuben dank Inserate- und Spotschaltungen mit redaktioneller Begleitung sei wohl schwer zu verhindern, meint SCHMID (KZ).

Richtig beobachtet die KZ, dass das FEUILLETON in den nicht überregionalen Tageszeitungen „keine bedeutende Rolle“ spielt: Gegenüber seitenlanger SPORT-Bericht-Erstattung erfolgen Kunst-Artikel mal gerade auch einer Seite; zur documenta-Zeit werde auch mal auf 2 Seiten berichtet. Nicht erwahnt der KZ-Chef, dass die dpa-Kassel-Redaktion zur documenta das Sagen hat, mit oft unkritischen Berichten - Sitz documenta-Stadt Kassel, daher NICHT unabhängig! Nicht unabhängig berichtet/e auch der Ex-HNA-Redakteur Dirk SCHWARZE (…). Dass dpa in Sachen „Kunstkritik“ immer mehr das Sagen auch in der überregionalen Presse hat, kritisierte ich beispielhaft in folgendem Artikel:

Zur KUNSTKRITIK durch dpa

Über die Masche, "Kopfunter" zu malen und die Frage, ob dpa als Kunst-Experten heute genügen, um KUNSTKRITK sachlich, objektiv, schonungslos und gerecht zu üben, geht es in diesem Artikel. Fragen stellen sich, wer in Zukunft die Demokratie im Kleinen schützen soll, wer die Mächtigen der Republik in Zukunft kontrollieren soll. In Deutschland scheinen die Zeiten, in denen Journalisten eine gut informierte, kritische Kontrollinstanz gewesen sind - in der sie auch Zeit hatten, nachzudenken und zu recherchieren -, bald der Vergangenheit anzugehören. Hintergrundberichte und Analysen seien heute in der Presselandschaft selten, stellte ich fest : In http://www.giessener-zeit...

Mein Bericht in DIE ZEIT - http://community.zeit.de/... - erörtert ein Beispiel zum verarmenden Kunst-Journalismus, der seriös und konstruktiv KRITIK am bösen korrupten Kunst-Markt-Betrieb üben sollte
In diesem Artikel kritisierte ich: Künstler und Kuratoren sollten heute ihre Praxis theoretisch und kritisch legitimieren müssen, fordert derzeit lautstark ein Professor für Medientheorie und Philosophie. Verloren sei heute in der globalisierten Welt eine „Vertrautheit mit dem Kunstgeschehen“ – es sei angeblich „immer weniger klar, was Künstler eigentlich wollen“ (trifft für mich nicht zu!).

Angesichts einer sich „viel zu lange zu arrogant“ verhaltende KUNSTKRITIK und Kunstgeschichte (JA!-W.H.) müssten „ernsthaft“ durch KUNSTKRITIK die „theoretischen Ansprüche der Künstler und Kuratoren“ überprüft werden. „Sie überprüft, ob die formulierten Strategien stichhaltig und plausibel sind, und ob sie sich erfüllen oder miteinender kollidieren.“ Und - so Boris GROYS in art Nr.1/2010 -, KRITIK werde sich „dem eigenen Diskurs der Künstler kritisch stellen müssen“. Ähnliche Erwartungen und Forderungen mit „KRITIK der KUNST-KRITIK“ und über den Kunstbegriff heute, Kunst-Beurteilungsmaßstäbe, diskutiere ich in ars-evolutoria-Beiträgen schon seit meinen Symmetriebüchern von 1989 (deutsch) und 1998 (englisch).

Und weiter kritisierte ich a.a.O.: Im Bereich des Kultur-Ressorts (Feuilletons) der Zeitungen und Zeitschriften wird das „Problem KUNSTKRITIK“ auch augenfällig: Wenn z. B. Artikel über dpa von sog. dpa-„Kunst-Experten“ weit verbreitet in der Presse publiziert werden: Dpa-Kassel, die regelmäßig über die documentas berichten, sind ein Beispiel; hier wurde verzerrt berichtet und teilweise auch nachweislich im nicht positiven „RTL-Stil“!

KOCHEN & ESSEN als Bildende Kunst?

Hierzu exemplarisch ein Beispiel, das zu der oder den KZ-KOCHEN-&-Kunst-Seite(n) passen würde, die sich monatlich in der KZ mit KOCHEN & Essen befasst (á la Fernsehen zum Überdruss): siehe den Artikel „Die Revolution hat erst begonnen“ (S. 30, KOCHEN, Artikel von Jürgen Dollase, KZ-Nr. 152, April 2009):

Exkurs KOCHEN/ESSEN: Der „Kunst“-Experte & „Kunst“-Kritiker ZDF-aspekte-Chef Wolfgang HERLES

Weitere Evolutionisierung der Koch(en)-als-„Kunst“-Bewegung?! - Kochrevolutionär Adrià sucht neue Inspiration, kommentierte ich im Web:
Ferran Adrià wurde 2007 als documenta-„Künstler“ gefeiert: Nicht-Kunst konnte die documenta-Institution als „Kunst“ verkaufen. Der Katalane hat ein d12-„elBulli" auf der BUERGELiade-documenta nicht eröffnen wollen. Kompromiss: Stattdessen lud das Trio Buergel-Noack-Adrià zur (gescheiterten) d12 täglich zwei Besucher der d12 ins elBulli ein. Zu früh freute sich damals der ZDF-aspekte-Chef Wolfgang Herles, der den CICERO-Lesern weißzumachen versuchte, dass Kochen KUNST sei: In seinem Artikel „Warum Kochen Kunst ist“, behauptete der ZDF-Redaktionsleiter, Kochen sei wie „Kunst“ stets „elitär“ und „politisch“ wie „jede Kunst“. Und Kochen stehe „an der Schwelle zur abstrakten Malerei“! ZDF-Kultur & -Ethos wurde Opfer von R.M.B.s Gehirnwäsche.

Keine Kunstkennerschaft & Kunstszene-Ethos-Erneuerung

Kein Wunder, wenn Eduard BEAUCAMP, der in „das kunstwerk“ über „Wozu Kunstkritik heute?“ schrieb , in FAZ-KUNSTSTÜCKE heute einen „neuen Weltgeist“ fordert. Angesichts von „Kommerz & Rummel“ vermisst E.B. Kunst-Kennerschaft.

Die HERLESsche These trug mit zur Selbst-Auslöschung der Kunst bei. Der "Papst der Molekularküche" hat nun 2 Jahre Zeit nachzudenken, was er auf der documenta 13 - BAKARGIEViade-Schau - als "Künstler" ausstellt! Herr HERLES lese E.B.s Artikel – am Feritag in der FAZ, empfahl ich dem ZDF-Mann: BEAUCAMP fordert eine Kunstszene-Ethos-Erneuerung; vgl. mehr in (5). Koch(en)-als-„Kunst“ kann indessen evoluieren: die KZ fördert das Molekularküche-Qualitäts-Denken – siehe KZ-Artikal a.a.O.

Im Kunstmarkt, so meint Piroschka DOSSI (im Buch „Hype …“), verzahnten sich auf engste künstlerische Freiheit und kapitalistische Zwänge. Dossi vertritt die These, dass die Kunstbewertung zunehmend von Marktinteressen dirigiert werde. Die Markt-Macher sind nach Dossi die "Tastemaker" (Geschmack-Macher). Sie bestimmen den Preis. Dossi bemängelt den allgemeinen Trend der KUNSTKRITIK, sich einer Meinung möglichst zu enthalten. Dies kann ich durch meine langjährigen Beobachtungen bestätigen. Aus lauter Angst vor dem Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe und Macht scheint für diese UNKRITISCHEN KRITIKER der Spruch „Alles ist möglich" eine erleichternde Ausrede.

Der Kunstwissenschafter ULLRICH meinte in einer Kritik: Selbst die „klassische KUNSTKRITIK“ argumentiere mittlerweile gerne mit Geld und akzeptiere damit „zumindest implizit, dass der Preis Teil des Werks“ sei. Folgender Aussage sei zuzustimmen: „Nur wenn man den Preis eines Kunstwerks kennt, weiß man heute, ob es überhaupt eines ist.“ (Wolfgang ULLRICH in Literaturen.de zu Piroschka Dossis „Hype. Kunst und Geld“.)

Hier ist anzusetzen, meinte ich in (6): Seriöse Kunst-Journalisten und Museumsbeamte sollten sich mehr für gute Nicht-Kunstmarkt-Künstler (!) interessieren. Kriterien für gute Kunst gibt es: Originalität, Innovation etc. Hierzu ebenda ein Modell von mir. „Seriöse Kulturschaffende aller Länder vereinigt euch!“ (…), forderte ich. In http://www.myheimat.de/gl... siehe zur „Diskussion über die ENTGRENZUNG der Künste“:

ART-&-SCIENCE: ANTI-Thesen:

Eine „Inverse Kunst-Begriffs-Erweiterung des Kunstbegriffs“ (IKBE) meint PEP: In „Poesia Evolutoria Painting“ erfolgt eine UMKEHRUNG des Prozesses der Kunsterweiterung: In umgekehrten, invertierten kulturellen Mutations-Schritten evoluiert KUNST nach der großen Auflösung und Zerstörung des Kunst-Begriffs in Moderne und Postmoderne. Von „Inverser Anti-Kunst“ (gegensätzlicher IAK; Anti-Anti-Kunst) bzw. „Inverser-Nicht-Kunst-als-Kunst-Bewegung“ (INKAKB) kann man nun sprechen. Da es um eine Rückwärts-Wandelbarkeit der zerstörten Kunst zu innovativ-origineller neuer KUNST geht, kann auch von enantiomerer, enantiomorpher oder enantiotroper KUNSTERNEUERUNG (einem Symmetriebruch – siehe Eduard BEAUCAMP) gesprochen werden.

Eine UMKEHRUNG des Prozesses der Kunsterweiterung

wurde von mir auch im Projekt-Vorschlag „DOCUMENTA AKADEMIE“ gefordert: In meinem Artikel über „MUSEEN-Schließung: Drohen weitere KUNST-Entgrenzung, TOD der MALEREI – ein KUNST-Untergang?“ betonte ich auch Folgendes zum

„Leitgedanke: „EVOLUTION der KULTUR-POLITIK“:

Von moderner demokratischer Kulturpolitik wird die Transparenz ihrer Entscheidungen erwartet: Subventions-Geber & -Empfänger sind gehalten, über vergebene bzw. erhaltene Mittel, Rechenschaft abzulegen. Hierbei dient EVALUATION – die Auswertung (Recherche, Ermittlung) von negativen und/oder positiven Erfahrungen - nicht nur der Leistungs-Überprüfung, sondern auch der QUALITÄTs-Sicherung, also der Optimierung, der Strategie und Planung sowie dem Wissens-Zuwachs. Vgl. HAHN, Werner (2008): Zum DARWIN-Jahr: Kulturelle EVOLUTION, Paradigmen-Wechsel, Kultur- & Kunst-Förderung und Qualitäts-Sicherung. In: DIE ZEIT Online 29.11.2008. UND: HAHN, Werner (2007): Documenta Demokratisierung – Auf dem Weg zu einer Hessischen documenta Akademie mit d12-Kritik. Gladenbach 2007. Anmerkung: Als Ergänzung und zur Förderung kultureller EVOLUTION siehe ein Modell, das zuletzt von mir publiziert worden ist in einem „Plädoyer für die Gründung einer öffentlich-rechtlichen Hessischen „documenta-Akademie“ mit Akademie-Komitee-Modell“ (Essay im Buch „Documenta Demokratisierung“ S. 51/52): „MODELL für eine objektivere KUNSTBEURTEILUNG" (Kurzfassung)..

HdA: Hessischen „documenta-Akademie“ mit Akademie-Komitee-Modell

In http://www.art-and-scienc... sind zu lesen unter (5) Wege zur documenta-Akademie - Wie man die documenta reformiert/demokratisiert: Pluralistisches neues Gremium-Modell-Verfahren statt monokratisches Kuratoren-Modell (Seite 21), (6) Plädoyer für die Gründung einer öffentlich-rechtlichen Hessischen „documenta-Akademie“ mit Akademie-Komitee-Modell (Seite 30), (7) Und tschüss, ade alte traditionelle documenta-Welt – Hi hola bonjour neue innovative Hessian documenta Academy (HdA) (Seite 42).

Kombination „documenta-Akademie“ (HdA) & RAUTERBERGs Akademie-Vorschlag?

Hanno RAUTERBERG meinte in seinem DIE-ZEIT-Plädoyer: „Unkritische Kritiker schaden der Kunst. Dagegen gibt es nur eins: die Gründung einer Akademie für Kunstkritik.“ Sein Plädoyer leitet H.R. mit einem Gemälde ein, einem Bild mit Vorahnung: "Affen als Kunstrichter", Gabriel von Max, 1889 (ausgestellt in Frankfurts SCHIRN, einer wichtigen DARWIN-KUNST-Schau, über die DIE ZEIT nicht berichtet hatte).

Wie SCHMID (KZ) & BEAUCAMP (FAZ) meint RAUTERBERG, dass es „viel zu debattieren“ gibt: „Wie lässt sich im Wirrwarr der Stile und Methoden noch sinnvoll über den Wert der Kunst sprechen? Wie lässt sich Qualität, die oft beschworen wird, überhaupt definieren? Wie liberal ist eigentlich die ach so offene Kunstwelt? (…)“ . Auf solche Grundsatz-Fragen „scheint sich niemand einlassen zu wollen, niemand sucht den Streit, auch jene nicht, die berufshalber für das Fragen und Streiten zuständig sind, die Kritiker“. Da irrt H.R. ein wenig: meinen Langen STREIT mit der documenta-Institution (auch vor Gerichten !) hat er nicht wahrgenommen. Auch Künstler können „die Bewertungsdebatten zurück aufs Feld der Ästhetik ziehen“. Die Autonomie der Kritik, ihre Unabhängigkeit? – Die gibt’s bei ars evolutoria. ERKENNTNIS-Kunst ist nicht „Verhandlungssache“. Hier gilt der H.R.-Glaube nicht: „(…) Doch erst in der Rezeption, in der diskursiven Aneignung entsteht das, was wir Kunst nennen. Es braucht den Austausch, es braucht Kritik, denn erst sie überführt das, was Einzelne empfinden, in etwas Kollektives. (…)“.

Nichtsdestotrotz: Wenn KRITIK sich verweigert, wenn sie „ins Gewisper flüchtet, ins Geschwurbel, ins große Einverstandensein“, sollte auch der Künstler mitreden:

Förderungswürdig durch den STAAT sollten neben den vom Staat finanzierten kunsthistorischen UNI-Instituten und den zig Kunsthochschulen und Universitäten der Künste (für Museologen, Restauratoren und Kuratoren) neben KUNST und KÜNSTLERN auch die KUNSTKRITIKER:

H.R. schlägt dazu vor – ich zitiere (7):

So bieten sich einer AKADEMIE für KUNSTKRITIK „mindestens drei wichtige Aufgabenfelder.

Das ERSTE wäre die Praxis: Eine Akademie für Kunstkritik müsste ihre Stipendiaten schulen, müsste mit ihnen die Kriterien der Bewertung diskutieren, ihnen die Ideengeschichte der Kunst vermitteln, müsste ihnen das journalistische Handwerk beibringen, Recherche-, Interview- und Schreibtechniken.

ZWEITENS müsste die Akademie das allgemeine Bewusstsein der Kritikerschaft für ethische Fragen heben. Welche Rolle hat ein Kritiker? Für wen schreibt er? Wie gerecht muss sein Urteil sein? Eine Akademie müsste debattieren, wie sich eine stärkere finanzielle und vor allem geistige Autonomie erreichen lässt. Und sollte den Kritikern vor Augen halten, dass sie so wie Journalisten nur dann glaubwürdig arbeiten können, wenn sie um mögliche Interessenkonflikte einen weiten Bogen machen.

DRITTENS: Dritte Aufgabe wahrnehmen: als Akademie für alle, die sich sprechend, argumentierend, reflektierend damit beschäftigen, was qualitätvolle Kunst ausmacht. Für Sammler, die nicht nur ihrer Intuition, sondern auch ihrem Verstand trauen wollen. Für Galeristen und Museumskustoden, die sich üben möchten im allgemein verständlichen Sprechen und Schreiben über Kunst. Für Kunstbetriebslaien, die erfahren wollen, wie sehr es das Sehen intensiviert, wenn man über das Gesehene schreiben soll. Und nicht zuletzt auch für Künstler, die sich in der Tradition des pictor doctus austauschen möchten über ihre Arbeit und die erfahren wollen, was es heißt, sich über ästhetische Urteile produktiv zu streiten und über sinnvolle Kriterien der Kunstbewertung nachzudenken.

In einem der vielen Kommentare zu H.R.s Artikel heißt es zutreffend:

„Hanno Rauterberg hat recht, wenn er dies alles kritisiert und neue Wege aufzeigt, ob aber eine Akademie für Kunstkritik die Lösung wäre, ist zu bezweifeln. Wer wird unterrichten, wahrscheinlich die, die sich ohnehin immer dreist in den medialen Focus schieben, wer könnte die Lehrpläne und Ziele ausarbeiten, damit das marktabhängige Dilemma der Kunstkritik verschwindet?“ (W. Neisser) I

Ich werde versuchen, das Hessiche Ministerium für Wissenschaft und Kunst - nach der Übernahme des Ministerpräsidenten-Postens durch Volker BOUFFIER (MdL, Staatsminister; Roland-KOCH-Nachfolger) – für eine
Kombination „documenta-Akademie“ (HdA) & RAUTERBERGs Akademie-Vorschlag zu interessieren; zum Installieren (…).

Literatur & Anmerkungen:

(1) Das anklagende „MAHNMAL der 101 documenta-VERRISSE“ zum documenta-12-Fiasko (BUERGELiade“) in http://www.art-and-scienc... Link „Verrisse Mahmal“ (bitte Thema googeln …) & http://www.art-and-scienc... . Vgl. auch kunstkritisch http://www.art-and-scienc.... Zum unfreien (Kunst-)Journalismus und MEDIEN & WEB-EVOLUTION – Medien-DEMOKRATISIERUNG, REFORM-Journalismus Artikel wie die folgenden in W.H.s DIE-ZEIT-BLOG (http://community.zeit.de/...):
a)HAHN, Werner (2008): DARWIN-Jahr: Medien-EVOLUTION? Bürgerjournalismus & Video-Reporter (Paparazzi-Tum). In: ZEIT Online v. 13.12.2008
b)HAHN, Werner (2008): Darwin-Jahr: MEDIEN & WEB-EVOLUTION – Medien-DEMOKRATISIERUNG, REFORM-Journalismus. In: ZEIT Online v. 16.12.2008.

(2) Mit Joseph BEUYS diskutierte ich auch über KUNSTKRITIKER heute. Vgl. HAHN, Werner (1992 & 1995): Ein Interview mit Joseph Beuys: „documenta“ und Kunstfreiheit, Jurierung, Auswahlkriterien, Manipulation, Kunstkritiker. In: HAHN, Werner: Documenta IX – Willkür statt Kunstfreiheit!? Eine Streitschrift zur Demokratisierung staatlicher Kunstförderung. (art & science 1995.) Zu BEUYS & documentas siehe auch http://community.zeit.de/...

Siehe auch meine DOCUMENTA-DOKUMENTATION (S. 39 61 ) über Kritiken/Kritiker im ersten documenta-Buch:

HAHN, Werner (1992): DOCUMENTA IX – WILLKÜR STATT KUNSTFREIHEIT!?. Eine Streitschrift zur Demokratisierung staatlicher Kunstförderung. Bad Honnef. 1992. Zum gleichen Thema vgl. auch 3 weitere Bücher:

HAHN, Werner (1997): Documenta vor Gericht: Eine Initiative zur Reform des staatlichen Kunstbetriebs. Gladenbach 1997. (http://swbplus.bsz-bw.de/...)

HAHN, Werner (2002): Fall Documenta: Kampf für Kunstfreiheitsgarantie und Willkürverbot. Gladenbach 2202.

HAHN, Werner (2007): Documenta Demokratisierung – Auf dem Weg zu einer Hessischen documenta Akademie mit d12-Kritik. Gladenbach 2007.

(3) HUFEN, Friedhelm (1997): Muß Kunst monokratisch sein? Der Fall documenta, in Neue Juristische Wochenschrift (NJW), Heft 17/1997 - S. 1177-1179. Zugleich Besprechung von VG Kassel, Gerichtsbescheid v. 29.01.1996 – 3 E 1131/91: Leitsatz „Ein Künstler hat keinen Anspruch auf Schaffung eines bestimmten Vergabeverfahrens dahingehend, daß über den Zugang von Künstlern zur documenta in einem demokratischen und pluralistischen Auswahlsystem entschieden wird.”

Die JUSTIZ in Kassel weigerte sich, ein „demokratisches und pluralistisches Auswahlsystem“ zur veralteten, reformunfähigen documenta-Institution in Kassel bis heute durchzusetzen: Aus künstlerischer Perspektive ist aber eine DEMOKRATISIERUNG der Künstlerauswahl zu documenten zu erwirken (mit oder ohne Kuratoren-Modell): Für KünstlerInnen gilt es, eine heute oft institutionalisierte „Niedrig“-Kunst – eine staatlich geförderte (absurde oder banale, „arme“) Anti-Kunst, Nullform-Kunst (siehe Ferran Adrià: Kochen/Essen-NICHT„Kunst“-Beispiel) – endlich zu entmachten.

Eine zulässige Kunstpolitik ist durchzusetzen! Der Vorschlag, geeignete sachkundige Mitglieder der Findungskommission sollten der zukünftigen d13-Chefin als Berater zur Verfügung stehen, wurde nicht akzeptiert; siehe im WEB – BAKARGIEViade zur d13

(4) Vgl. hierzu auch: http://community.zeit.de/...

(5) BEAUCAMP, Eduard (2010): Wir brauchen den Bruch. Die Resteverwertung er Moderne muss aufhören. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.01.2010, S. 34.
Dazu auch BEAUCAMP, Eduard (1999): Die moderne Kunst am Ende ihres Jahrhunderts. In: Hans Thomas: Die Lage der Kunst am Ende des 20. Jahrhunderts. Lindenthal-Institut 1999. S.27-44.
Mehr: http://community.zeit.de/...
Interessant für die Kunst-SYMMETRIE-Bruch-Debatte auch: E.B. in FAZ- „KUNSTSTÜCKE“: Grenzen im Kopf – Die West-Seilschaften der Kunstszene (02/10/09), Künstler als Kunstkritiker (04/09/09), Kunst ist lehrbar (01/08/08), Global heißt nicht universell (07/12/07), Mäzene küsst man doch (05/10/07).

(6) http://community.zeit.de/...
kunstmarktkunst-primaer-amp-sekundaer-und-die-unabha

Ebenda auch: In ihrer Etat-Armut sind Museen auf die private Sammlerszene angewiesen. In der Klemme nahmen sie, was auf der Szene angeboten wurde. Kritiker schauten unkritisch zu. So wanderten ganze Sammlungsböcke von Firmen, auf welche die öffentlichen Häuser keinen Einfluss hatten, ungefiltert in die Museen. „Viel marktgestützte, mäßig qualifizierte Zeitgeistkunst“, schreibt Eduard Beaucamp in der FAZ („Kunststücke“ v. 4.7.08, S. 38). Die unseligen Kooperationen veränderten die Maßstäbe, beschädigten vielfach die Museums-Autorität.

(7) DIE ZEIT, 05.08.2010 Nr. 32 - http://www.zeit.de/2010/3... - ebenda kritische Kommentare zu H.R.s Plädoyer.

PS: BILDER-GALERIE zum Beitrag in

http://www.myheimat.de/gl...
UND
http://www.giessener-zeit...