Leserartikel-Blog

Prä-Evolluzzer J.W. von GOETHE war kein Dilettand: 200 Jahre FARBENLEHRE

Wir sind umgeben von FARBEN: vielschichtigen Eindrücken aus Natur – Technik (z.B. Fernsehen) – Kunst. Einen bewussten Umgang mit dem Allgegenwärtigen der FARBEN zu entwickeln und die erstaunliche Symmetrie und Ordnung der FARBEN-Erscheinungen (neu) zu entdecken und ihre Symbolik zu bewundern, ist das Ziel dieses Essays aus Anlass des Jubiläums 200 Jahre GOETHEs Farbenlehre. Ich teile Goethes evolutionäre Vorstellung für Natur und Kunst, dass „wir uns in der Welt spiegeln und die Welt in uns“. Exploratives Experimentieren der ars evolutoria entwickelte Goethes erforschende Farbenlehre weiter.

1810 erschien Goethes Farbenlehre auf über 1.400 Seiten. Sie ist nicht nur die bis heute komplexeste Farbentheorie überhaupt, sondern zugleich die umstrittenste. War sie für farbphysiologische und - psychologische Forschungen wegweisend, wurde sie von den Vertretern der klassischen Physik schlichtweg abgelehnt.

Droht wirklich der TOD der MALEREI – ein KUNST-Untergang?

Mit der Schlagzeile „Richter malt den Teufel an die Wand – Malerei geht unter“ hat der angeblich bedeutendste deutsche Künstler – Gerhard RICHTER (Super-Kunstmarkt-Star) - sein Genre Malerei im Untergang gesehen: Sie befinde sich in einer Dauerkrise, sagt er. Und: "Sie wird schon seit 100 Jahren zerschlagen", meinte G.R. bei einer Begehung seiner Räume im Albertinum in Dresden. Neue Genres, angefangen von der Fotografie, hätten die Malerei verdrängt. "Sie ist in der Dauerkrise seit PICASSO, wird verdrängt, nicht mehr gebraucht und gelehrt", bedauerte der 78-Jährige laut dpa-Meldung. Irgendwann werde es die Kunst des Malens nicht mehr geben. Schon in den 1970er Jahren habe sich der Sinn für Qualität aufgelöst. Beispiel sei die Biennale in Venedig 2011. Für die Gestaltung des deutschen Pavillons war Anfang Mai der Film- und Theaterregisseur Christoph SCHLINGENSIEF berufen worden. "Das ist ein Skandal. Die nehmen einen Performer, dabei haben wir tausende Künstler", kritisierte RICHTER, der neben Georg BASELITZ und Sigmar POLKE laut dpa zu den bedeutendsten deutschen Gegenwartskünstlern zählt. (dpa 18/5/10, ntv.de.)

Christoph Schlingensief wird auf Einladung der Kuratorin Susanne Gaensheimer (MMK Frankfurt) den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig 2011 bespielen.

Seit 2008, als bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert wurde, setzte sich der Polit- & Skandal-Mann C.S. in ergreifenden theatralischen Großereignissen mit dem Sterben auseinander und verfolgt - selbst von Chemotherapie und der Entfernung eines Lungenflügels geschwächt -, seinen vielleicht ehrgeizigsten Plan, das "Festspielhaus für Afrika", ein Projekt, das in Form eines Operndorfs in Burkina Faso im Februar tatsächlich begonnen wurde. Breits 2003 war C.S. mit dem Projekt "Church of Fear" auf der Biennale in Venedig vertreten. „art“ kommentierte zu C.S.s „Kunst“: (…) „Die Art, wie sich dabei Plakatives und Assoziatives in seinen aktions- und zeichenüberladenen Inszenierungen vermischt, hat ihm zwar immer auch den Vorwurf des Berufsprovokateurs wie des Dilettanten eingebracht. Die große moralische Ernsthaftigkeit, aus der er seine Aktionen so weit trieb, entrückten aber auch das größte von ihm angerichtete Chaos vom Vorwurf der Beliebigkeit. (..)“.

Zu Susanne GAENSHEIMER kommentierte ich in "art" am 03/02/10: „Susanne GAENSHEIMER: Ist Frankfurts Kulturpolitik besonders gut?“:

Frankfurts Kulturpolitiker können stolz sein: z.B. auf die SCHIRN mit einer progressiven DARWIN- und SEURAT-Schau. Die Ausstellung „Wie-Kunst-Machen-geht“ klärte auf: Sie beschäftigte sich mit den Kreuz- und Querverbindungen zwischen Künstlern, Kritikern, Sammlern, Händlern, die ein Werk heute leider erst zu dem machen, was es ist. Deutlich wurde, dass man um die Unabhängigkeit des zeitgenössischen Kunstwerks bangen muss. Dass sich (Kultur)POLITIK(er) vor der Verantwortung drücken, KULTUR als STAATSZIEL in der Verfassung – im BRD-Grundgesetz - zu verankern, kritisierte ich. Ich hoffte auf mehr DEMOKRATISIERUNG: Kampf z.B. für eine neue grundrechtskonforme documenta-Rechtsform nach dem documenta-Debakel: „Fall documenta“ – HOETiade bis BUERGELiade; drohende BAKARGIEViade. Und der misslungenen „60 JAHRE. 60 WERKE“ Gropiusbau-SKANDAL-Ausstellung. Die große Blamage der Regierungs-Verantwortlichen bei der Biennale in Venedig (Deutscher Pavillon & „Welten-Machen“) ist unvergessen. Susanne GAENSHEIMER (SG), Leiterin des Museums für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt, wird den deutschen Pavillon bei der Kunst-Biennale in Venedig im kommenden Jahr kuratieren. Hoffentlich wird sie keine kulturpolitisch falschen Wege einschlagen! Dass S.G. Biennale-Beiträge von Beuys, Richter, Haacke und Genzken so hervorhebt (Künstler, die „Maßstäbe“ setzten), irritiert auch mich. SG wird doch nicht G.R.s Arbeiten heute noch für „progressiv“ halten!? SGs Programm mit „Vorliebe für qualitativ Unstrittiges“ ist nicht auf spektakuläre Neu-Entdeckungen ausgerichtet? Hatten die SG-Vorläufer etwa „spektakuläre Ideen“? - Posten für Venedigs Kunstbiennale vergibt man gerne nach Frankfurt - WARUM eigentlich!? Biennale-Karrieren machten 1995 MMK-Chef J.-Chr. Ammann, 2001 Udo Kittelmann, 2007 und 2009 Nicolaus Schafhausen. Und Daniel Birnbaum wurde 2009 für die Kurator-Rolle der 53. Biennale ausgesucht. (Quelle: http://www.art-magazin.de... .)

Zu meiner Kritik an RICHTER & BASELITZ, die selbst zum Untergehen der Malerei beigetragen haben, siehe kritische Artikel wie:
Zu BASELITZ: http://community.zeit.de/... / Bebildert - 24 Bilder – Artikel in: http://www.myheimat.de/gl... . Literatur zu RICHTER & ABSTRAKTION: HAHN, Werner (2008): Kandinsky – Malewitsch – Richter: Abstraktion & Evolution 2008/2009. In: ZEIT Online v. 13.11.2008. HAHN, Werner (2008): Nicht-STIL-Wollen: Gerhard Richters Ideologie, KEINE „Gesetze und Richtlinien“ zu haben. In: ZEIT Online v. 21.11..2008. Vgl. auch: http://www.myheimat.de/gl... .

Frohe Botschaften mit J.W. GOETHEs Naturforschung und evo-devo-art

2009 war das mediale Interesse für den Evoluzzer Charles DARWIN riesig. Ausreichend viel wurde über C.R.D. im „Darwinjahr 2009“ geredet, geschrieben - und natürlich – gestritten. LEONARDO da Vinci prägte schon den Begriff „trasmutazione di forme“ und deutete Fossilienfunde richtig. In seinem „Trattato della pittura" führt Leonardo da Vinci das Amorphe als einer neuen Kunst des Infinito ein, die von der „trasmutazione di forme" lebt.

Zwei Bilder mit BIFURKATIONEN - von DARWIN – LEONARDO – verglich ich miteinander und kommentierte, dass Leonardo klar erkannt hat, dass Fossilien Reste einstiger Lebewesen gewesen sein mussten. Diese könnten aber nicht auf eine einzige Sintflut bezogen werden, da sie in verschieden alten Gesteinsabfolgen aufträten. Leonardo sprach von „trasmutazione di forme“. Leonardo hat Anleitungen zum Konstruieren von Bäumen dargestellt und in diagrammatischer Art – sehr verwandt zu DARWINs Diagramm - das Wachstumsgesetz der Bäume in Skizzen veranschaulicht. (Vgl. HP von mir, Link „Vorstellung“ mit mehr Infos zu den bifurkationsgeometrischen Gabelungen der Bilder.)

Geometrisierende Chiffren entwickelte die ars evolutoria: ein Form(ungs)-Erleben wurde für die KUNST entdeckt, an dem das Erlebnis eines dynamischen EVOLTIONÄR-evolutionisierenden Gestaltwandels erstmals einsichtig wird. Aus linearem Formplasma (Urform, Basalform, …), das auf noch keinen finalen Form- und Entwicklungszustand hinweist, entstehen Kunstgebilde mit Harmonie „parallel zur Natur“, wie CÉZANNE im Kunstwollen mit apriorischem Seinsverständnis sagen würde: Die KUNST-„Die Landschaft spiegelt sich, vermenschlicht sich, denkt sich in mir. Ich objektiviere sie, übertrage sie, mache sie fest auf meiner Leinwand. [...] Erlauben Sie mir, Ihnen zu wiederholen, was ich Ihnen schon hier sagte: man behandle die Natur gemäß Zylinder, Kugel und Kegel und bringe das Ganze in die richtige Perspektive, so dass jede Seite eines Objektes, einer Fläche nach einem zentralen Punkt führt.“ (Paul Cézanne (1839 - 1906): Kunst - eine Harmonie parallel zur Natur (um 1900 ; vgl. (1) 11.8.1. und 11.8.2. – zum tragischen «Irrtum der Kunstphilosophie des Cézannismus-Kubismus».

EVOLUTIONISIERUNG der FARBENLEHRE

Der „deutsche Darwin“ Ernst HAECKEL war es (3), der noch im Bann GOETHEscher Naturbetrachtung mit ihrer Passion für organische Einheit und Morphologie stand. Das Interesse für GOETHE, den Erfinder von Urpflanze & Urtier ((1) 6.1.1.), versucht DIE ZEIT (in Nr. 20/10) nun dankenswerterweise zu wecken: Elisabeth von THADDEN erinnert an die Geschichte der FARBENLEHRE, die von der Urzeit bis ins 18. Jahrhundert führt: In Druck ging sie vor 200 Jahren - am 16. Mai 1810 – als Charles Robert DARWIN (kurz C.R.D., 1809 – 1882) ein Jahr alt war. Dass man ihn selbst im DARWIN-Jahr 2009 weltweit derart intensiv feierte und J.-B. de LAMARCK vergisst zu würdigen (Basis-Werk von 1809: „Philosophie zoologique“), hätte C.R.Darwin wohl nicht richtig gefunden! Im WEB äußerte ich meine Kritik zum Vergessen & Revitalisieren (zur „Rehabilitierung“) von LAMARCK, dem ersten VORDENKER der Evolutions-Forschung.

Den Begriff „EVOLUTION” verwendete C.R.D. statt der Theorie von Transmutation & Transformation erst später: Von seiner „theory of evolution“ redet er auch auf S. 202 in „The descent of man (…)“ von 1871. Als Evolutionsforschungs-Vordenker ist auch GOETHE zu würdigen, der zwar noch Anhänger des alten, idealistischen TELEOLOGIE-Prinzip war - die Natur aber sinnvoll organisiert sah und an ihre fortlaufende Höher-Entwicklung geglaubt hat; dem Fortschritt verpflichtet. (Vgl. das Sachregister zu (1): Termini „Teleologie“ (S. 70, 74, 107) und „Teleonomie“ (S. 283).) GOETHE war nicht nur von der prinzipiellen Wandelbarkeit der Organismen überzeugt, sondern hat auch die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen verschiedenen Organismen-Gruppen nachzuvollziehen versucht; ohne dies in „Evolutionslinien“ zu veranschaulichen und eine kausale Erklärung der „Evolution“ darzustellen. Die Metamorphosen- und Farben-Lehre machten ihn als Künstler-Naturforscher berühmt.

C.R.D. hatte klargestellt, wie der evolutionäre Ursprung des so komplexen Auge-Doppel-Organs plausibel werden könne: Die Existenz von "zahlreichen Abstufungen von einem unvollkommenen und einfachen bis zu einem vollkommenen und zusammengesetzten Auge nachzuweisen, die alle nützlich für ihren Besitzer sind“, müsse gelingen nachzuweisen. Leider lassen Augen, wie alle Weichteile, kaum fossile Spuren zurück. Wie sie das Licht der Welt erblickten, lässt sich deshalb nur indirekt zeigen - an heute lebenden Tieren, wo sich die von Darwin geforderten Abstufungen in wünschenswerter Vielfalt nachweisen lassen.

FORM-Gesetze in Natur und Kunst - GOETHE als Darwins Vorläufer

Ein gemeinsames ästhetisches Grundprinzip erahnte Forscher-Künstler/Dichter GOETHE in seiner METAMORPHOSE-Lehre als er schrieb: “Alle Gestalten sind ähnlich - doch keine gleichet der anderen. Und so deutet das Chor auf ein geheimes Gesetz, auf ein heiliges Rätsel”. (Zur „Urpflanze“ - „Alles ist Blatt“). Über GOETHEs nicht evolutionär gemeinte Lehre – sein „Formgesetz“ - diskutierte ich in meinem Symmetriebuch ausführlich: Mein Motto mit J.W.G.: „ Wäre die Natur in ihren leblosen Anfängen nicht so gründlich stereometrisch, wie wollte sie zuletzt zum unberechenbaren und unermesslichen Leben gelangen.“ (Siehe Vorwort zu (1) und S. 66 ff. Kap. 7.1. „Zu den Anfängen einer dynamischen organischen Formenlehre“ und 7.1.1. zur „Einheit und Freiheit des Bildungstriebs“ („Urbilder“-Begriff; vgl. mit De CANDOLLEs Auffassung über Phylogenie und „Elementar-Theorie“). Interessant: An Frau von Stein schrieb GOETHE aus Rom am 8. Juni 1787: „Mit diesem Modell und dem Schlüssel dazu kann man alsdann noch Pflanzen ins Unendliche erfinden, die konsequent sein müssen, das heißt: die, wenn sie auch nicht existieren, doch existieren könnten ... Dasselbe Gesetz wird sich auf alles übrige Lebendige anwenden lassen." Goethes URPFLANZE war ein Urbild-Vernunftprodukt, ein Formgesetz, zu dem jede Einzelpflanze nur ein konkreter Fall ist! Im Konzept ist alles variierendes Blatt.

Ein Randproblem: Der Zwischenkieferknochen & GOETHE

Die Existenz des Zwischenkieferbeins in der Individualentwicklung des Menschen (Ontogenese) ist ein Hinweis auf die gemeinsame Stammesgeschichte (Phylogenese) von Tier und Mensch und somit für die EVOLUTION.

Da GOETHE dem Bauplan des menschlichen Skeletts keine Sonderstellung einzuräumen bereit war, unternahm er eifrig osteologische Studien: Dar Zwischenkieferknochen ist ein geeignetes Objekt, um Goethes allgemeine Natur-Auffassung und -Methodik zu beleuchten (2). J.W.G. betrachtete den Zwischenkieferknochen des Menschen nicht als eine isolierte Erscheinung, sondern als das Extrem einer weit verbreiteten tierischen Bildung. Er betonte, dass man bei genauer stufenweiser Vergleichung mehrerer Tiere vom Einfachsten auf das Zusammengesetztere, vom Kleinen und Eingeengten auf das Ungeheure und Ausgedehnte fortschreiten kann. „Welch eine Kluft“, rief er aus, „zwischen dem os intermaxillare der Schildkröte und des Elefanten! Und doch lässt sich eine Reihe Formen dazwischen stellen, die beide verbindet." Hier demonstriert Goethe das Prinzip der entwicklungsgeschichtlichen Kontinuität & Stetigkeit. Schon im Jahre 1779 hatte Goethe aus der Schweiz an Frau von Stein geschrieben: „Man fühlt tief, hier ist nichts Willkürliches, alles langsam bewegendes, ewiges Gesetz.“

Auch ein KÜNSTLER habe die Aufgabe „die Wahrheit zu erforschen“, meinte GOETHE:

Kunstmarkt-Star Gerhard RICHTER sagte: "Ich mag alles, was keinen Stil hat: Wörterbücher, Fotos, die Natur, mich und meine Bilder. Denn Stil ist Gewalttat, und ich bin nicht gewalttätig". Um ästhetische Objektivität bemüht, schrieb Goethe 1789 den Aufsatz über „Einfache Nachahmung der Natur, MANIER, STIL“: „Gelangt die Kunst durch Nachahmung der Natur, durch Bemühung sich eine allgemeine Sprache zu machen, durch genaues und tiefes Studium der Gegenstände selbst, endlich dahin, dass sie die Eigenschaften der Dinge und die Art wie sie bestehen genau und immer genauer kennen lernt, dass sie die Reihe der Gestalten übersieht und die verschiedenen charakteristischen Formen neben einander zu stellen und nachzuahmen weiß: dann wird der STIL der höchste Grad wohin sie gelangen kann; der Grad, wo sie sich den höchsten menschlichen Bemühungen gleichstellen darf. Wie die einfache Nachahmung auf dem ruhigen Dasein und einer liebevollen Gegenwart beruhet, die MANIER eine Erscheinung mit einem leichten fähigen Gemüt ergreift, so ruht der STIL auf den tiefsten Grundfesten der Erkenntnis, auf dem Wesen der Dinge, in so fern uns erlaubt ist es in sichtbaren und greiflichen Gestalten zu erkennen.“

Bildenden Kunst als Mittel der Erkenntnis und Weltaneignung: „…dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält …“

GOETHE steigerte sein künstlerisches Dilettieren als Zeichner & Maler unter dem Einfluss von SPINOZA, der entscheidend Goethes pantheistisches Weltbild und seine Vorstellung von einer grundsätzlichen Analogie zwischen Natur und Kunst bestimmt hat. Zunehmend bemühte er sich, vom Eindruck der Dinge zu ihrem Kern vorzudringen und ihre immanenten Gesetze kennenzulernen; vgl. ETOE-Vierer-Essay Teil 3 (DIE ZEIT; Metamorphosenlehre). Goethes Credo war es, eine „anschauliche Kenntnis“ des Wesens der Dinge zu erweben: STIL (…). Theoretisch abstrakte Seins-Erfahrung betrachtete der Forscher-Künstler gegenüber sinnlich-konkreter Erkenntnis-Gewinnung sekundär, erläuterte ich in Teil 4 des Essays. In Italien versuchte der Dichter unter dem pseudonym „pittore Filippo Müller“ seinem Wunschbild eines bildenden Künstlers näher zu kommen. 1788 meinte Goethe allerdings; „Zur bildenden Kunst bin ich zu alt“; dass er „also ein bisschen mehr oder weniger pfusche“, genüge ihm. Während der italienischen Reise verzichtete er auf sein „Ausüben der bildenden Kunst“ als Mittel der Erkenntnis und Weltaneignung dagegen gar nicht: Er malte 1787 die Phlegräischen Felder und die SOLFATARA (Vulkankrater) in dynamischen Bildzeichen und als überzeugendste koloristische Leistung das Feder-Aquarell-Bild vom VESUVAUSBRUCH. (Siehe Bildergalerie.)

Anti-Dilettant GOETHE & fortschrittliche Farbenlehre

Als „Dilettant GOETHE“, der vor 200 Jahren mit seiner FARBENLEHRE angeblich „sturköpfige Dokumente des Goetheschen Denkens“ vorgelegt hat, bespricht THADDEN Goethes Werk, das der berühmte Autor zeitlebens als sein bedeutendstes Werk angesehen hat:

Goethe hat sich selbst als Naturwissenschaftler dargestellt, der „geistreich, scharfsinnig, behutsam“ als guter Beobachter, sorgfältiger Experimentator, vorsichtiger Sammler von Erfahrungen (so J.W.G.s Worte), geforscht hat. STIL in der bildenden KUNST beruhte für den Augenmenschen und Vater der Metamorphosen-Lehre – J.W.G. war kein Evolutionist – „auf den tiefsten Grundfesten der Erkenntnis, auf dem Wesen der Dinge, in so fern uns erlaubt ist es in sichtbaren und greiflichen Gestalten zu erkennen“; siehe oben.

Der Künstler-Forscher konnte klarstellen, dass Mensch und Welt durch die Vermittlungskünste des Auges untrennbar verbunden sind: Als Farben/Lichter-Forscher weiß man im „Befreiungskrieg um die Farbe“ heute, dass Mensch und Menschenaffen zu den Trichromaten gehören: Die Welt erscheint uns in einer schier unermesslichen Farbenvielfalt: Erstaunlich ist, dass nur drei verschiedene Lichtwellenlängen genügen, um daraus jede von uns wahrgenommene Farbe zu mischen. Beim Trichromatischen Sehen benutzt unsere Netzhaut (Retina) für das Farbensehen lediglich drei unterschiedliche Licht absorbierende Sehfarbstoffe benutzt - Pigmente für kurz-, mittel- und langwelliges Licht: Blauviolett/Grün/Rot. So lässt sich auch auf einem Bildschirm allein mit roten, grünen und blauen Punkten oder Pixeln unser gesamtes Farbenspektrum darstellen. Zur polaren Struktur der Farbwahrnehmung und der Evolution der Trichromaten vgl. Spektrum der Wissenschaft Nr.5/2010, S. 44-51; ebenso mein Symmetriebuch in 11.6.8. und 11.6.9.; EST – Evolutionäre Symmetrietheorie (1).

Doppel-AUGE urformhaft & gespiegelt: „von außen die Welt, von innen der Mensch“

Ein lehrreiches GOETHE-Zitat: „Wer zuerst aus der Systole und Diastole, zu der die Retina gebildet ist, aus dieser Synkrisis und Diakrisis (…) die FARBENHARMONIE entwickelte, der hat die Prinzipien des Kolorits entdeckt.“ Goethes vielzitierter Sonne-&-Auge-Spruch (1805; siehe Bildergalerie und Abb. 522 in (1) geht auf EMPEDOKLES zurück: „Die Erkenntnis des Gleichartigen durch das Gleichartige“.

Konrad LORENZ hat in „Die Rückseite des Spiegels“ (1973) als Motto dieses GOETHE-Wort vorangestellt. LORENZ unterstellte GOETHE – fehlerhaft -, dass er „für die Tatsache blind“ geblieben sei, „dass es das Leben selbst ist das schafft“. (S. 325.) Harmonien, die unseren Augen über Regenbogen, Prisma und Spiegel offenbart werden, unterstehen einer „höheren allgemeinen Harmonie, unter deren Gesetzen auch sie stehen“ gab GOETHE zu verstehen; siehe die symbolische Zeichnung von 1791 zur Farbenlehre (vgl. Symmetriebücher (1) von mir: Abb. 523 mit Legende u. Bildergalerie.) Experimentell konnte ich eine Isomorphie (Passung) zwischen Farbenkreis & Licht-Spektrum beweisen. (Vgl. (1), S. 279 f.) LORENZ meinte richtig, Struktur und Funktion des Auges seien ein „Abbild“, „Spiegelbild“ der Licht-Eigenschaften. Blicköffner: „Wär’ nicht das Doppelauge urformhaft es würde nie die Urform erblicken …“ (So formulierte ich in (1) S. 280; ebenda Urform-Theorie Kap. 12.7.)

Ist GOETHEs Farbenlehre „reiner Unsinn“? Lehrbeispiel AUGEN-EVOLUTION

Der Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker wird zitiert in einem User-Kommentar zum ZEIT-Artikel „Schöner irren“: "In seiner Kritik der herrschenden Farbenlehre hat Goethe den klaren Sinn der Worte und Versuche Newtons 40 Jahre lang missverstanden. Er hat sich durch so kluge und sachkundige Gesprächspartner wie Lichtenberg nicht belehren lassen. Wie konnte ein großer, umfassender Geist so irren?" Den Worten Georg Christoph Lichtenbergs über Goethe sei „nichts mehr hinzuzufügen (1777)“ schreibt der Unkundige: «Wer seine Talente nicht zur Belehrung und Besserung anderer anwendet ist entweder ein schlechter Mann oder äußerst eingeschränkter Kopf. Eines von beiden muss der Verfasser des leidenden Werthers sein.»

Georg RÜSCHEMEYER schrieb 2009 über „Evolutionstheorie. Wer Augen hat, zu sehen …“. In der Frankfurter Allgemeine Zeitung (4) kommentierte ich mehrfach diesen Artikel. „BITTE: Sachlich argumentativ kritisieren; ohne anonymes Bewertungssystem!“ lautete eine Schlagzeile von mir, die einige User nicht gut bewertet haben. Hier die KOMMENTARE über Augen und Farbenlehre:

LEKTION AUGEN-Evolution, der ZUFALL und die Evolutions-THEORIEN

Das Lehrbeispiel der Augen-EVOLUTION mit der mehrfachen und voneinander unabhängigen "Erfindung" bestimmter Formen des Auges – wie es im FAZ-Artikel und in Kommentaren dargestellt worden ist -, erteilt hoffentlich bestimmten Evolutionsforschern eine gründliche gute LEKTION: gemeint sind hier die Anhänger der primären ZUFALLs-Hypothese in den Evolutions-Theorien (z. B. der Extremismus des verstorbenen Stephen J. GOULD). In Kommentaren habe ich deutlich zu machen versucht, dass das Konzept der Evolutionären Erkenntnistheorie (RIEDL, VOLLMER u.a.m.: das Leben selbst ist ein ERKENNTNIS-gewinnender Prozess) gilt und nicht der „reine Zufall“ regiert. Konrad LORENZ hob hervor, dass alles Leben „aktiv ein Unternehmen des Informations- und Energieerwerbs“ betreibt (1983): „Kenntnis“-Erwerb der Umweltgegebenheiten. Die EPIGENETK liefert heute neue Beweise für diese Theorie der Abbild- bzw. Widerspiegelungsprozesse; hierzu auch meine „Evolutionäre Symmetrietheorie“ mit unzähligen Tatsachen-Belegen. So zeigen sich evolutionäre Trends, die auch eine INTELLIGENZ wie die unsere hervorbringen. Die Evolutionsgeschichte ist viel weniger von Zufällen durchwirkt: statt DARWINISMUS Systemtheorie der Evolution & Frankfurter Kritische Evolutionstheorie.

DARWINS Doppelauge: Forschen „ad oculus“ – mit „erschauern“

Der Poet Durs GRÜNBEIN schrieb über „Darwins Augen“ D.G. zum „szientifischen (…) Weltkrieg der Gegenwart“: Aus dem Forschen „ad oculus“ (vor den Augen) ist ein „prothetisches Prozessieren (…) geworden, das unbarmherzige Ausleuchten der intimsten Bereiche von Mutter Natur, das ohne Manipulation nicht auskommt“. DARWINs AUGE funktioniere „ganz wie das Auge des Kunstkenners, der aus einer Handvoll Scherben den Stil einer Epoche deduziert (ableitet, folgert), dem sich im Bruchstück das Abbild des Ganzen zeigt“. C.R.D. - allein auf Beobachtung gestützt - notierte: „Hoffnung ist das erwartungsvollste Auge, das auf einem entfernten Objekt ruht, aufgehellt und befeuchtet durch Gefühl.“ Nie verlor er den Boden der Empirie (des Erfahrungswissens) unter den Füßen. „Der Gedanke an das Auge lässt mich am ganzen Körper erschauern“, schrieb C.R.D. Lamarckistisch: „Da selbst unnütze Augen für die im Finstern lebenden Tiere schwerlich schädlich sein können, so mag ihr Verlust wohl auf Nichtgebrauch beruhen.“

Unzweckmäßiges in der EVOLUTION: Innerorganismisches weiter erforschen

Innerorganismischen Prozesse mit ihren Selektionsebenen, die zu Phänotypen in der Phylogenese und einem erwachsenen Organismus in der Ontogenese führen, sind zu erforschen. Nicht alle Veränderungen im Sinne der Anpassung sind zweckmäßig. Die Meinung, jede Mutation würde unmittelbar positiv oder negativ selektiert, gibt das Geschehen von Transmutation (Transformation) und Selektion nur unzureichend wieder. OEHLER konstatiert, es gebe eben auch „Varietäten und Veränderungen, die nicht so unzweckmäßig sind, dass sie zum Aussterben der Art führen (…).“ Und: „Damit fällt es auch einfach, die beeindruckende Vielfalt in der Ausbildung äußerer Erscheinungsformen wie beispielsweise Blütenformen- und farben bei Pflanzen oder die farbfreudigen und verschwenderisch wirkenden Federkleider verschieden Vogelarten und vieles anderes zu erklären.“ (1) OEHLER: „Als Künstler beschreibt dies Werner Hahn anschaulich mit den Worten: Die belebte Natur verhält sich beim Formenschaffen wie ein Künstler, der sich vom nur Nützlichen nicht beschränken lässt (Hahn 1996 - Aufsatz „Evolutionäre Symmetrietheorie und Universale Evolutionstheorie“, S. 256 – 284.) (1) KLOSE, Joachim / OEHLER, Jochen (2008): „Gott oder Darwin?“. Berlin 2008.

Zur AUGEN-Pracht des PFAUs beim Radschlagen

Der von DARWIN beurteilte Argusfasan lockt den weiblichen Blick durch eine AUGEN- förmige Ganzkörper-Ornamentierung auf sich. Der ungefiederte, quasi unbehaarte Mensch, kommt hingegen als vergleichsweise ‚nackte Tatsache’ daher. SCHÖNHEIT erzeugten die Tiere nach C.R. DARWIN selbst: durch „sexual selektion“. Sie sei nicht als Zeichen eines Schöpfer-GOTTES anzusehen. Vögel verfügen über ein scharfes Beobachtungsvermögen und Geschmack für das SCHÖNE (Farbe, Töne), so C.R.D. VARIATION (C.R.D.: Transmutation, Transformation) besorge der ZUFALL in der Natur. C.R.D hat aber schon von „Gesetzen der Symmetrie“ gesprochen, die Abänderungen ohne SELEKTIONs-Vorteil bewirken. (Vgl. meine Symmetriebücher von 1989 & 1998: 7.1.5.) Der PFAU mit Ocellen-Ornamenten war nach C.R.Ds Sicht so schön, weil der Hahn der wählerischen Henne bei der Balz über Generationen hin so gefallen hat. Für C.R.D. war das Pfauenrad „schön, wenn auch nicht vollkommen“; das menschliche AUGE „erstaunlich, aber fehlerhaft“. Die ZUFALL-SELEKTIONs-Theorie erklärt NICHT (!) die „erste Entstehung“ des Pfauenrades mit symmetriengesetzlich angeordneten AUGEN. Der Zoologe Adolf PORTMANN sprach von „unbekannten Schaffenskräften“ – „Formgesetzen“; dem ungelösten „Faktorenproblem“.

PROZESS-Denken: GOETHEs Sicht zu AUGEN-Paar & LICHT

GOETHE schrieb (1) „Das Auge ist das letzte, höchste Resultat des LICHTES auf den organischen Körper. Das AUGE als ein Geschöpf des Lichtes, leistet alles, was das Licht selbst leisten kann." - Vorstudien zur Farbenlehre, „Das Auge". (2) „Das AUGE hat sein Dasein dem LICHT zu danken. Aus gleichgültigen tierischen Hilfsorganen ruft sich das LICHT ein Organ hervor, das seinesgleichen werde, und so bildet sich das AUGE am LICHTE fürs LICHT, damit das innere LICHT dem äusseren entgegentrete." - Goethes Naturwiss. Schriften - „Entwurf einer Farbenlehre“, Bd. 3, S. 88. (3) „Das LICHT überliefert das Sichtbare dem AUGE; das AUGE überliefert's dem ganzen Menschen. Das OHR ist stumm, der MUND ist taub; aber das AUGE vernimmt und spricht. In ihm spiegelt sich von außen die Welt, von innen der Mensch. Die Totalität des Innern und Äußern wird durchs Auge vollendet.“ - Farbenlehre, Stuttgart 1950-55, Erstausgabe 1810. (4) „Jene unmittelbare Verwandtschaft des LICHTES und des AUGES wird niemand leugnen, aber sich beide zugleich als eins und dasselbe zu denken, hat mehr Schwierigkeit." - Goethes Naturwiss. Schriften, Farbenlehre. (Zu Augen-Evolution, Goethe, DS-Experimenten: „Symmetrie als Entwicklungsprinzip in Natur und Kunst“ (1989; engl. 1998)).

Augen-Evolution: Doppelspiegelsehen und die Sonnenhaftigkeit des Doppel-Auges

Bibelkundige glauben, dass Adam & Eva – weil sie sehen konnten - verführbar waren: die Sünde sei so in die Welt gekommen. Oft ermahnt uns der Gott der Bibel, darauf zu achten, was wir sehen. Blind oder mit geschlossenen Augen durch die Gegend zu laufen, rät uns allerdings Gott, der oft als Auge dargestellt wurde, nicht: „Wer Augen hat zu sehen, der sehe!“. Wir könnten aber Dinge sehen wodurch wir Schaden erleiden; Seh-Dinge betrachten, bei denen allein schon der Gedanke daran Sünde ist. Manche ein(e) Kreationisten-Mann/Frau verbindet das Faktum EVOLUTION mit Sünde. Ein Problem ist es „richtig zu sehen“; das gilt für Gläubige wie für Evolutionsforscher (seien es Atheisten/Brights oder Theisten). Über Augen-Evolution zu referieren, kann als Blasphemie interpretiert werden. Wir können heute mit dem Doppel-Auge Dinge sehen, die mit dem „normalen Auge“ so nicht zu sehen sind (neue Wahrnehmungslehre): Durch meine (patentierte) Erfindung des „Doppel-Spiegel-Sehens“ - Entdeckung des „binokularen doppelten stereoskopischen Sehens“; vgl. www-Artikel (bitte „3-D-Reallusions-Box“ googeln). GOETHE: „Wär nicht das Auge sonnenhaft, Die Sonne könnt es nie erblicken; Läg nicht in uns des Gottes eigne Kraft, Wie könnt uns Göttliches entzücken?“

Wunder der AUGEN-EVOLUTION beim SCHÜTZENFISCH - Rätsel

Eigentümlich und physikalisch hochinteressant ist die Jagdtechnik des SCHÜTZENFISCHs: Dieser „Spritzfisch“ (Toxotes jaculatrix) war Star in der 3sat-Sendung „Darwin Code“, wo es um Augen-Evolution ging (14.01.09): Mit einem Wasserstrahl werden Insekten von umliegenden Uferpflanzen heruntergeschossen. DARWIN stünde auch heute noch – wie wir - vor dem Rätsel, wie das Augen-&-Gehirn-Ganze dieses Fisches entstanden ist. Wie Chamäleons – sie stellen ihre Augen-Linse scharf, messen, und können nur mit einem Auge ihre Beute ins Visier nehmen (Experimente im Filmbeitrag) – besitzen Schützenfische ein raum-wahrnehmendes Doppel-Auge-Gehirnsystem, um Entfernungen richtig einzuschätzen. Die Spritzfische ernähren sich vornehmlich von noch lebenden Insekten, die ins Wasser gefallen sind. Mit eindrucksvoller und effektiver Jagdtechnik wird Beute mit einem scharfen, gezielten Wasserstrahl von Blättern oder Halmen heruntergeschossen. Durch Zusammendrücken der Kiemendeckel wird der Wasserstrahl aus dem Maul gepresst; den Kopf dabei unter der Wasseroberfläche. Der Fisch „berechnet“ den Zusammenhang zwischen Größe und Entfernung seiner Beute und lernt die abgefeuerte Wassermenge der Größe seiner Beute anzupassen: genaue/r Abschusswinkel & Flugbahn!

SPIEGEL-Erfindung zum Sehen in der Tiefsee: DOPPEL-Auge des Gespensterfisches

Tübinger Biologen haben bei einem Tiefseefisch – dem Gespensterfischs Dolichpteryx longipes - einen neuartigen Augentyp mit Linsen- und SPIEGEL-Optik beschrieben: Bei der Kombination aus zwei optischen Systemen mit einer nach oben gerichteten Linsenoptik und einer zusätzlichen SPIEGEL-Optik, mit der die Tiere auch Bereiche unter sich wahrnehmen können, bilden die SPIEGEL-Augen ihre Umwelt ab. Bei Wirbellosen - Muschel-, Krebs- oder Hummerarten -, nicht aber bei Wirbeltieren waren derartige Doppel-Augen bekannt. Über eine SPIEGEL-Struktur aus Guanin-Kristallen und eine gegenüberliegende Netzhaut können die Gespensterfische sehen, was unter ihnen vorgeht. Die schlechten Lichtbedingungen ihres Lebensraumes ohne Tageslicht – mit nur der Lichtquelle von Biolumineszenz mancher Tiefseebewohner – werden durch die Erfindung der SPIEGEL-Optik genutzt. SPIEGEL-Augen sind prinzipiell lichtempfindlicher als Linsensysteme: die Lichtausbeute des ergänzenden SPIEGEL-Systems sei groß genug, um ein gut fokussiertes Bild zu erzeugen, berichten die Augenforscher. Diesen ungewöhnlichen Augentyp beschreiben Tübinger Anatomen im Fachblatt „Current Biology". (Quelle: newscientist.com & weltderphysik.de.) Evolutionsbiologie: Entdeckungen bitte erklären!

LOGARITHMISCHES in der EVOLUTION: Gestalt-Strukturen ohne Anpassungswert

Mit steigender HIRN-Organisation nahm die Bedeutung der Augen in der EVOLUTION zu. Die äußerlich SICHTBAREN optische Strukturen – oft symmetrienstrukturiert – hat Gestaltforscher A. PORTMANN „Organe der Anschauung“ genannt: zu bewerten als auf ein AUGE gerichtet (AUGEN eines Artgenossen, Feindes). Die Augen-ENTSTEHUNG werde von der SELEKTIONs-Theorie vorausgesetzt: Gestaltungsregeln PRIMÄR, erst später (sekundär) einwirkende Auslese. A.P.s Frage: Wie entstehen Farben und Muster ohne Anpassungswert? Zum Blauen Pfauhahn („Radschlagen“) stellte ich in „Evolutionäre Symmetrietheorie“ (Abb. 6, S. 269) dar, dass „Augen“ im links- und rechtsgedrehten spiegelsymmetrischen Schrägzeilen-Entwicklungsganzen nach dem „Goldenen Winkel“ (137,5 Grad) orientiert sind: Form der logarithmischen (gleichwinkligen, geometrischen, proportionalen) Spirale. „Goldener Schnitt“ gemäß Prozessdynamik von Asymmetrisation & Symmetrisation. Zum „zebraartigen“ NAUTILUS (FAZ-Bild): Innen mit Spiralitätswinkel 22,5 Grad (360:16), „metamer“ gleichwinklig-logarithmisch (Abb. 9 a-c a.a.O.). Zum Spiralschalen-„Wachstum“ 12 Computerzeichn. mit logarithm. Symmetrisations-Winkeln, den Graden 3, 6, 9, 12, 15, 18, 20, 24, 30, 36, 40, 45. Arten-Wandel, Schnecken-Vielfalt.

VIERAUGEN-Fische: AUGEN-Erfindung zum Übergang vom Wasser aufs Land?!

VIERAUGEN-Fische (Four-eyed Fishes) mit der Art Anableps tetrophthalmus (BLOCH, 1794; bis zu 30 cm groß) leben meist in Süßgewässern und im Brackwasser von Lagunen und Mangrovensümpfen. Die lebendgebärenden Carnivoren gehen auf Beutejagd an der Wasseroberfläche: Ihre Augen sind durch eine Haut-Scheidewand zweigeteilt mit je einer Pupille. Mit dem oberen Teil der Augen können sie über Wasser sehen. Mit dem unteren Teil können sie gleichzeitig unter Wasser sehen. Durch eine unterschiedliche Krümmung der Netzhaut können sie sowohl unter als auch über Wasser gleich scharf sehen. Die obere Hälfte der Linse ist schwach, die untere stark gekrümmt. Die kräftigen Brustflossen sind paddelförmig ausgebildet und dienen auch zur Fortbewegung im flachen Wasser von Flüssen. Der einzigartige Fisch erinnert an das 2006 entdeckte Fossil Tiktaalik roseae, das ca. vor 383 - 375 Mill. Jahren in flachen Ufergewässern gelebt hat. Als „Missing link“ zwischen Meeresbewohnern & Landwirbeltieren wird es eingestuft; als Übergangsform ähnlich dem Archaeopteryx. Die VIERAUGEN-Erfindung war evtl. eine alte evolutionäre ÜBERGANGSFORM: geschaffen durch das Asymmetrisation-Symmetrisation-Prinzip (analog Doppelbildungen: Siamesische Zwillinge bei Mensch und Tier).

BITTE: Sachlich argumentativ kritisieren; ohne anonymes Bewertungssystem!

„Diese Lesermeinung bewerten“ werden FAZ.Net-User aufgefordert, Kommentare zu bewerten. Von „lesenswert“ (grün) bis „belanglos“ geht die Skala mit den 5 kleinen Quadraten. Zu meinen Kommentar „Augen-Evolution: Doppelspiegelsehen (…)“ haben mir Mann/Frau die rote Karte gezeigt. Fragen: Welche Reiz-Worte/Sätze von mir haben dies provoziert. „Thema verfehlt“!? - Kommen die ROT-Punkte von Evolutionsgegnern und/oder Befürwortern? DARWIN ist mit seiner Idee der Transmutation / Transformation eine Reizfigur seit 1859. Meine Entdeckungen & Theorien zum Sehprozess kennt wohl keiner der BewerterInnen. Sind Ausführungen zur Bibel (GOTT & Sünde & Evolution) schuld? Oder das GOETHE-Zitat zum Auge? Mit GOTT als schaffendem Prinzip und dem sonnenhaften Augenpaar als dem Geschaffenen; ohne die „Kraft“ des „Göttlichen“ kann das Auge ja weder geschaffen werden noch sein, ist die Aussage des Spruchs. PLOTIN: „Nie hätte das Auge die Sonne gesehen, wäre es nicht sonnenhaft geboren, noch könnte die Seele das Schöne sehen, wenn sie nicht selbst schön wäre. (Plotin, Enneades 1, 6; ähnlich Goethe: Zahme Xenien III.) GOETHE: „Wer WISSENSCHAFT und KUNST besitzt, hat auch RELIGION; wer jene beiden nicht besitzt, der habe Religion." (Zahme Xenien IX.)

FAZIT zu EFL / EFT: Evolutionäre Farben-Lehre/Theorie

Die sinnliche Unwahrnehmbarkeit der „urformar-atomaren“ Wirklichkeit ist für ars evolutoria – in ETOE und EST - ein Faktum der Evolution. Die Sinneswahrnehmungen des Auge-Gehirnsystems mit trichromatischem Sehen ist nicht als bloß „sekundäre“ Wirklichkeit zu interpretieren. „Evolutionäre Erkenntnistheorie“ in der Evolutionären Theory of Everything (ETOE) fußt auf einem Wirklichkeits-Begriff, in dem die Unwahrnehmbarkeit der evolutionären Wirklichkeit als evolutionärer Ist-Stand gewertet: analog wie die Wahrnehmbarkeit der sinnlich-phänomenalen Wirklichkeit. Die uns mittels der Sinneswahrnehmungen gegebenen Welt-Ausschnitte zur Farbenwahrnehmung & Farbentheorie hat durch eine Evolution menschlichen Forschens & Denkens eine innovative neue Seinsstufung nicht jenseits einer bewußtseinspsychologischen Betrachtungsweise gewonnen.

GOETHEs in naturphilosophischer Tradition stehender Spruch von der SONNENhaftigkeit des Augenpaares entwickelte ars evolutoria in ETOE & EST „höher“, d. h. weiter zur kunst-und-natur-philosophischen URFORMhaftigkeit des Auge-Gehirn-Systems. Hierbei wurden die evolutionistischen Gesichtspunkte umfassend berücksichtigt.

Zum 200-Jahre-Jubiläum der GOETHEschen Farbenlehre soll mein nicht-spekulatives KUNSTphilosophisches Plädoyer für einen evolutionären Wirklichkeits- bzw. Naturbegriff, bei dem es auf (sinnliche) Phänomenalität und deren Begreifbarkeit ankommt, ein neues evolutionisierendes Denken in Sachen Natur & Kunst fördern: Das Denken 'Goethe versus Newton' ist als evolutionäres Meme-Produkt positiv-zeitgemäß mutiert. Es darf durch das Falsifikations-Instrumentarium naturwissenschaftlicher Hypothesen überprüft werden.
Dass die 'Sinneswahrnehmungen' in der „Evolutionären Farben-Lehre/Theorie“ (EFL, EFT) als realer Gegenstand einer kausalen Betrachtungsweise sein kann, habe ich immer wieder herausgestellt; im experimentellen Umgang mit Fakten zur Farben-Lehre/Theorie. Und: Dass für den Erkenntnisgewinn in EFL/EFT die Anschauung ebenso unverzichtbar ist wie das Denken, setzt ein Denken fort, das in GOETHE & HAECKEL Vorläufer hat. „Farben“ („Lichter“) werden für Künstler und Naturforscher nicht als bloße Sinnes-Qualitäten benannt (als Epiphänomene einer (höchstens) quantitativ beschreibbaren Wirklichkeit 'an sich' begriffen), sondern umgekehrt wird postuliert: Farben können als irreduzible Qualitäten der Wirklichkeit (selbst) erschlossen werden; vgl. Urformtheorie der ars evolutoria (…). Der FARBEN-Kreis der ars evolutoria ist als „gedachtes“ Phänomen zugleich immer ein sinnlich konkret-wissenschaftliches Anschauungsprodukt. Ars-evolutoria-EFL setzt Goethesche Farbenlehre zwar fort, ist allerdings eine mit Ur-Phänomenen nichts zu tun habende „Ästhetik der Farben“ zu lesen. Also: EFL/EFT sind ein naturwissenschaftlich-physikalischer und bildkünstlerischer Gegenstandsbereich, bei dem es NICHT um eine spekulative Lichtmetaphysik oder um eine „Farbentheologie“ geht!

Von einem UNTERGANG und/oder TOD der MALEREI kann seit EFT/EFL nicht die Rede sein; STIL (im Sinne Goethes Definition) ist in der "bildenden" Kunst wieder gefragt!

EPILOG zum casus GOETHE-NEWTON

GOETHE fortschrittlich: Zur Selbstorganisation eines Lebewesens als dynamisches System

Über GOETHEs noch-nicht-evolutionäres Metamorphose-Denken informierte ich ausführlich in Kap. 7.1.1. von (1): Goethe dachte ein „abgeschlossenes Tier“ klar, einfach und ohne Spekulation als Produkt eines BILDUNGS-TRIEBs - einer „bildenden Kraft“, der „Einheit und Freiheit des Bildungstriebs“ – als „dunkler unbegreiflicher Punkt“; De Candolle hat damals von einem Bildungstrieb SYMMETRIE gesprochen hat, um z.B. Monstrositäten als Bildungsabweichungen zu erklären. Goethe – relevant für das Verständnis von „Goethes Optik“ (somit des „casus Goethe-Newton“) - sah das Tier „als eine kleine Welt, die um ihrer selbst willen und durch sich selbst da ist. So ist auch jedes Geschöpf Zweck seiner selbst, und weil alle seine Teile in der unmittelbarsten Wechselwirkung stehen, (…) so ist auch jedes Tier als physiologisch vollkommen anzusehen. Kein Teil desselben ist, von innen betrachtet, unnütz, oder wie man sich manchmal vorstellt, durch den Bildungstrieb gleichsam willkürlich hervorgebracht; obgleich Teile nach außen zu unnütz erscheinen können, weil der innere Zusammenhang der tierischen Natur sie so gestaltete, ohne sich um die äußeren Verhältnisse zu bekümmern. (…) das Tier wird durch Umstände zu Umständen gebildet; daher seine innere Vollkommenheit und seine Zweckmäßigkeit nach außen.“ (Goethe 1981 - Werke. Hamburger Ausgabe in 14 Bänden, Bd. 13, S. 176 f.)

Wir sind umgeben von FARBEN: Vielschichtigen Eindrücken aus Natur – Technik (z.B. Fernsehen) – Kunst. Einen bewussten Umgang mit dem Allgegenwärtigen der FARBEN zu entwickeln und die erstaunliche Symmetrie und Ordnung der FARBEN-Erscheinungen (neu) zu entdecken und ihre Symbolik zu bewundern, war Ziel dieses Essays aus Anlass des Jubiläums 200 Jahre GOETHEs Farbenlehre. Ich teile Goethes evolutionäre Vorstellung für Natur und Kunst, dass „wir uns in der Welt spiegeln und die Welt in uns“. Exploratives Experimentieren der ars evolutoria entwickelte Goethes erforschende Farbenlehre weiter.

Goethes Farbenlehre erschien vor 200 Jahren auf über 1.400 Seiten. Sie ist nicht nur die bis heute komplexeste Farbentheorie überhaupt, sondern zugleich die umstrittenste. War sie für farbphysiologische und - psychologische Forschungen wegweisend, wurde sie von den Vertretern der klassischen Physik schlichtweg abgelehnt. Die Farbenlehre in der EST wird von vielen Physik-Vertretern heute hingegen begrüßt: vgl. z.B. die beiden Rezensionen von Prof. Siegfried Großmann: Siehe dazu http://community.zeit.de/....

LITERATUR & Anmerkungen

(1) HAHN, Werner (1989): Symmetrie als Entwicklungsprinzip in Natur und Kunst. Königstein. Gladenbach: Art & Science, 1995. Symmetry as a developmental principle in nature and art. Singapore. (Übersetzung des Originalwerkes von 1989, ergänzt durch ein 13. Kapitel – mit erweitertem Sach- und Personenregister sowie Literatur- und Abbildungsverzeichnis.)

(2) Goethes "Abhandlung vom Zwischenkieferknochen" (1784/1786), die 1820 in den Morphologischen Heften erschienen ist.

(3) Nicht diffamiert wurde HAECKEL in einer SCHIRN-Ausstellung (Kuratorin Dr. Pamela KORT). Frankfurts Schirn ergründete C.R. DARWINs Einfluss auf die KUNST. Das Thema EVOLUTION ist auch für die bildende Kunst nicht mehr zu verdrängen; „jedenfalls nicht im Darwin-Jahr 2009“ schrieb ich im bebilderten Beitrag: http://www.myheimat.de/gl....

(4) RÜSCHEMEYER, Georg (2009): Evolutionstheorie. Wer Augen hat, zu sehen … . In: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.01.2009.