Leserartikel-Blog

Georges Seurats „Pointillismus“ und der „Atomismus“ der ars evolutoria (Teil 1). Synthese von Kunst & Wissenschaft

Der frühvollendete Georges SEURAT, im Jahr von Charles Darwins Veröffentlichung der Evolutionstheorie („Ursprung der Arten“) geboren, war Zeitgenosse von Paul Cézanne, Vincent van Gogh und Paul Gauguin; er wurde nur 31 Jahre alt. Der dpa-Newsticker witzelt verächtlich – wie die „Fliegendreck“-Spötter des 19. Jahrhunderts: „Die faszinierende Technik des Pointillismus nimmt auch der Autor Urs Wehrli in seinen nicht ganz ernst gemeinten Büchern «Kunst aufräumen» aufs Korn. Wie ein «Seurat» aufgeräumt aussähe? Lauter kleine bunte Punkte - wie Konfetti - in einem durchsichtigen Plastiktütchen.“ (…)

Georges Seurat (1859–1891): Der französische Maler gilt als bedeutendster Vertreter der Pointillismus-Stilrichtung, die das Sehen auf den „point“ gleich „Punkt“ gebracht hat. Die Gemälde-Motive wirken wie aus vielen Punkten zusammengesetzt. Vom 4. Februar bis 9. Mai 2010 zeigt die SCHIRN-Kunsthalle in Frankfurt Leihgaben aus aller Welt; Titel: „Figur im Raum“. „Auch deswegen, weil er ein schlankes Oeuvre hinterließ, sind Seurat-Ausstellungen schwer zu verwirklichen“, sagte Schirn-Leiter Max Hollein gegenüber der Presse. Große Gemälde seien „äußerst fragil“, so dass das berühmte großformatige Hauptwerk „Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grande Jatte“ (1884-1886; siehe Bildergalerie) aus dem Art Institute of Chicago deshalb nicht verliehen werden konnte. Das große Bild „Der Zirkus“ (1890/91), eine Leihgabe des Pariser Musée d'Orsay, sei eine Ausnahme. Allein schon deshalb lohnt sich ein Schirn-Museums-Besuch.

Von wegen „Fliegendreck“ & "Konfetti": Tatsächlich folgte Kunst-Erneuerer Seurat den damals neuen Forschungen zur Farbtheorie und zur menschlichen Wahrnehmung. Er war ein Forscher-Künstler, der seine Arbeit in Parallele zu den naturkundlichen Errungenschaften einer nahezu grenzenlos fortschrittsoptimistischen Epoche verstanden hat. Wäre er älter als 31 Jahre geworden, hätte er sich sicherlich intensiv mit DARWINs Epochenwerk zur Stammesgeschichte befasst. Hätte er dabei eine „ars evolutoria“ - pointillistisch gestrickt - entwickelt? Waren die Zeit und ihr Geist damals noch nicht reif dafür?

Der Maler-Forscher Georges Seurat arbeitete unabhängig von der Akademie als gleichberechtigter Partner der Naturwissenschaften und dokumentierte seine inter- und transdisziplinären Kunst-Forschungs-Arbeiten. Georges Seurat wurde von seinen Malerkollegen „der Notar“ genannt und war dabei doch ein bahnbrechender Avantgarde-Künstler. Seurats Œuvre markiert – analog zur R/Evolution DARWINs – eine Umbruchphase, eine künstlerisch evolutionäre Neuorientierung, einen weiteren Schritt hin zu einer Moderne, in der die Autonomie des Künstlers endgültig über die reale Welt die Oberhand gewinnen wird.

Kein Bildthema verdeutlicht das unerhört Neue an Seurats Gemälden und Zeichnungen besser als die Frankfurter Ausstellung. Seurats schwarze Conté-Kreidestift-Striche überziehen das raue Papier als dichtes punktmengenartiges Geflecht und lassen das Motiv als etwas Schwebend-Unbestimmtes hervortreten beziehungsweise verschwinden. Markante Hell-Dunkel-Kontraste umspielen und akzentuieren die Figuren. In den späteren Gemälden setzte der Maler-Forscher seine Sujets in der Maltechnik des Grundfarben-Pointillismus und in innovativen Kompositionen um. Seurat repetiert und variiert sogar menschliche Formen innerhalb desselben Werks; siehe dazu die Bildergalerie des Artikels. Für diesen zunehmend geometrisierten Bildaufbau, der die Einzelelemente einer Systematik unterordnet, erntete der innovative Maler die Bewunderung späterer innovativ-origineller Kunst-Macher.

Eigentlich sollte es heute zunehmend nach dem Paradebeispiel von Seurats „wissenschaftlicher“ Maltechnik den künstlerischen Experimentator geben, der á la Seurat ein Wissenschaftsfeld erforscht und seine Kunst-Werke als epistemische Objekte begreift. Seurat war ein vorbildlicher Künstler-Philosoph, der seine Praxis reflektiert hat und heute noch die Neuro-Ästhetik bereichert. Den Diskurs von Kunst und Wissenschaft versuchte der Maler der Punkte (points) im Sinne einer Evolutionisierung weiterzuentwickeln, was auch heutzutage noch - nicht nur für die Kunstwelt - von großem Interesse ist.

Die Wissenschaften waren seit der Renaissance – siehe das Natur- und Kunstverständnis von Dürer und Leonardo - für Künstler Thema und Inspirationsquelle. Im 19. Jahrhundert ließ sich Georges Seurat durch Studien der Physiker James Clerk Maxwell und Ogden Rood anregen. Natur-Wissenschaften nahmen beim Pointillismus-Kreieren Einfluss auf die künstlerische Formensprache und lieferten das Know How für die Ausführung bestimmter Kunstwerke. Heute ist das von mir beackerte Themenfeld „Evolution“ - bislang ein Fremdwort in der kunstmarkt-dominierten Kunstszene - endlich „salonfähig“ geworden; dank SCHIRN Frankfurt - der Darwin-Schau der Kuratorin Pamela Kort im Darwinjahr 2009, worüber ich intensiv berichtet habe.

Dem Künstlerforscher Seurat ging es in der Nachfolge Dürers und Leonardos um die Entdeckung von Gemeinsamkeiten von Kunst und Wissenschaft und die Forcierung des Dialogs zwischen den „zwei Kulturen" (Charles Percy Snow). Seurats gute Idee war es, dass GEISTES- und NATUR-Wissenschaften sich verständigten: Experten für Geist (Kunst), Natur und Gesellschaft kamen miteinander ins Gespräch. Für eine Umbruchszeit durch DIALOG plädierte (erst) im 20. Jahrhundert SNOW: Er warb für ein besseres Verständnis zwischen SCIENCES & HUMANITIES.

Der Gigant der Malerei Georges Seurat egalisierte in seiner Kunst die Grenzen zwischen Zeichnung, Malerei und Bildhauerei. Der „Chromo-Luminarist“ („Licht-Zergliederer“) erfand den „Pointillismus" als eine Art Neo-Impressionismus und ließ damit die vorgetäuschte Spontaneität des Impressionismus weit hinter sich. Eine farbig und räumlich durchkonstruierte Bildsprache als synthetische Einheit war sein Ziel. Die aus Vertikalen und Horizontalen geometrisch aufgebauten Kompositionen haben ihn besonders fasziniert. So genannte „Schmutzmalerei“ hat er durch seinen „Punktismus“ von sich gegenseitig steigernden und kontrastierenden Komplementärfarben (Rot-Grün, Gelb-Violett, Blau-Orange) reformiert, wodurch innovative Gemälde in optischer Mischung durch die reinen Farben des Prismas erstmals wahrgenommen werden konnten.

Dass ein Maler quasi die Wirkweise des Farben-Fernsehens entdeckt hat, ist wohl als „sensationell“ zu beurteilen! Nur dumme Kritiker sahen in der Malmethode des Pointillismus’ (nicht witzig) eine „Fliegendreck- oder Punktmanier“. Seurats originelle Auffassung von „Harmonie“ in den „Schönen Künsten“ war einzigartig: ein intellektualistischer Gegenwurf in Theorie und Praxis - wissenschaftlicher Stil - zur etablierten zeitgenössischen Malerei im damaligen Kunstbetrieb. Kunst und Wissenschaft konnten (durften) verschmelzen. Ein seit der Ästhetik der Renaissance-Heroen Dürer & Leonardo endlich neuer Evolutionisierungs-Schritt!

Chromo-Luminarismus: Harmonie-Streben und keine seelenlose Wissenschaft

An die Stelle veralteter akademischer Regeln konnte der Autodidakt Seurat eine zukunftsträchtige naturwissenschaftlich-konstruktivistisch begründete Malerei kreieren. Dass der Pointillismus erst heute eine Mutante im „Atomismus“ der ars evolutoria gefunden hat, soll im vorliegenden Doppel-Essay mit Bildern – ca. 150 Jahre nach Seurats Geburt in Paris (2.12.1859) und nach dem Ende des Darwinjahres 2009 (Anfang eines neuen Jahrzehnts) - nachfolgend erörtert werden.

Der Erfinder und Technik-Freund Seurat, der den 300 m hohen Eiffelturm 1889 zur Einweihung experimentell-pointillistisch in Licht-Auflösung gemalt hat (siehe Schirn-Gebäude mit Riesen-Werbe-Plakat und Gemälde-Winzling in der Schau und auf dem Katalog-Cover), hätte gewiss seine helle Freude gehabt, den heute als raketenförmig-„vertikale Stadt“ errichteten 828 Meter hohen Turm von Bubai („Bujr Chalifa“) bildnerisch darzustellen. Das höchste Weltgebäude – ein Luxustempel für Super-Reiche, -„Schöne“ und –Erfolgreiche - mit riesigen Glasfenstern der Außenfront, ist mit dem Turmbau von Babel zu vergleichen: In der Bildenden Kunst diente der damals gigantische Babel-Turm (Höhe „nur“ 77-91 m, umhüllt von glasierten Ziegeln) dem Maler Pieter Breughel d. Älteren als Motiv (1563): für menschliche Überheblichkeit, Größenwahn und Geltungsdrang. (Siehe meine a&s-„Wolkenkratzer“ in der Bilderserie.)

Der Pointillismus ist eine etwa 1883 entwickelte, STIL-bildende Mal-Technik. Bei dieser synthetischen Malerei – Gigant Seurat nannte seine wissenschaftliche Methode/Theorie „Chromo-Luminarismus“ -, wird die Farbe in Punkten und Strichen, statt in Flächen auf die Leinwand gebracht. Es werden im Verfahren – wie betont - nur die Grundfarben verwendet. Seurats künstlerisches Credo lautete u.a. „Kunst ist Harmonie. Harmonie ist die Analogie gegensätzlicher und ähnlicher Elemente, des Tones, der Farbe und der Linie (…) Gegensätze sind für die Farbe die Komplementärfarben, d.h. ein gewisses Rot wird seiner Komplementärfarbe gegenübergestellt usw. (Rot-Grün, Orange Blau; Gelb-Violett). Für die Linie diejenigen, die einen rechten Winkel bilden.“ Seurat – 1859 parallel zu Darwins Buch zur Evolutionstheorie geboren -, entwickelte eine synthetische Malerei als wissenschaftliches Verfahren durch eine Punkte-Methode, die man als eine Art flächen- und hohlraumbildende „Collage“ betrachten kann (Meyer Schapiro). Der Montage-Collage- Stil entwickelte das impressionistische Anliegen der Wiedergabe von Atmosphäre und Licht evolutionär weiter und beruft sich für seine neue Methode auf wissenschaftliche Erkenntnisse der Wahrnehmung, auf die Gesetze von Optik und Farbenlehre, sowie auf die Psychologie des Sehens.

Seurat berief sich auf die konsequente Anwendung seiner gerasterten Malmethode, die von den Theorien zeitgenössischer Naturforscher abgeleitet war. Der daraus resultierende neue „Stil“ (keine „Manier“ – vgl. Goethes Aufsatz zum Stil-Prinzip) – Neo-Impressionismus, Chromo-Luminarismus, Divisionismus und vor allem Pointillismus genannt – erschöpfte sich als Malerei-System nicht in dieser Äußerlichkeit der Raster-Punkte: Dies betonte Seurats Freund und Schüler Paul Signac mit Entschiedenheit bis ins hohe Alter. „Der Neo-Impressionist", sagte und schrieb er immer wieder, „pünktelt nicht."

Damit hatte er recht, hebt Alfred Nemeczek (1) hervor:

„Die neo-impressionistische Methode ist weit komplexer, als es dieser Werkstatt-Trick ahnen ließ. Ihre Entdeckung war ein epochaler Coup, der zum Fortschrittsdenken des 19. Jahrhunderts passte. Erstmals seit dem Florentiner Filippo Brunelleschi, der den Künstlern der Frührenaissance um 1420 mit der Zentralperspektive ein exaktes Verfahren zur ‚richtigen’ Wiedergabe von Dingen im Bildraum geliefert hatte, konnten Maler um 1886 mit Überzeugung behaupten, ihr Metier sei von der Wissenschaft beglaubigt. Auf den Leinwänden der Neo-Impressionisten stimmten nicht nur die Proportionen, auch der Farbauftrag gehorchte nun beweisbar den Naturgesetzen der Optik. So etwas hatte es in der Kunstgeschichte zuvor nie gegeben.“

Der „Held des Neo-Impressionismus heißt Georges Seurat“, unterstreicht Nemezcek in seinem Essay: Seurat und Signac besuchten gemeinsam damals den schon 98 Jahre alten Farbchemiker Chevreul und hielten Freundschaft mit dem Mathematiker Charles Henry, der mit 27 Jahren bereits 19 Bücher verfasst bzw. herausgegeben hatte, darunter eine „wissenschaftliche Ästhetik", die zur Erlangung einer "Harmonie aller Sinne" Material geliefert hat. Der Kunsthistoriker Michael F. Zimmermann konstatierte eine „Genealogie" des Pointillismus: „Delacroix wird zum Ahnherrn der neuen Kunst, die zuerst durch die Impressionisten realisiert und von den Neo-Impressionisten auf eine methodische Grundlage gestellt worden sei." Signac bekräftigte in einer Schrift die wissenschaftliche Basis der Richtung: Blanc, Chevreul, Rood, Helmholtz, wobei er vehement den Vorwurf bekämpft hat, dass die Neo-Impressionisten etwa Kunst durch Getüpfel und seelenlose Wissenschaft ersetzen wollten. (Nemeczek ebenda.)

Im Visier der Kunst: Dialog mit den Naturwissenschaften

Jede einzelne Motiv-Farbfläche wird also bei Gemälden Seurats in kleinste Partikel zerlegt (siehe Bildergalerie – z. B. „Der Eiffelturm“), so dass sich die komplementären Kontraste im Auge des Betrachters aufheben und zu abgestuften Farbtönen verschmelzen können. Seurats Kollege & Freund Paul Signac betonte zur Methode Seurats: „Harmonie (…) durch die optische Mischung ausnahmsweise reiner Farben (aller Farben des Spektrums und aller Zwischentöne)“. Die Punkte sind so klein, dass sie aus der Ferne nicht mehr oder kaum noch zu erkennen sind.

Seurats Räume sind wie „Atomismus“-Räume der „ars evolutoria“ (zum Bilder/Theorie-Vergleich siehe weiter unten) nach wissenschaftlichen Gesetzen aufgebaut. Der französische Neuerer der Malerei, der gern als „Unhabhängiger“ ausstellte (Mitbegründer der „Société des Artistes Indépendants“) und zu seinen Lebzeiten nur wenige Bilder verkauft hat, hatte es anfangs sehr schwer, sich gegen Kritiker zu behaupten; von "Fliegendreckmalerei" und "Erbsenzählerei" wurde gesprochen; dpa spricht heute noch unwitzig-ironisch von „Konfetti“-Malerei.

Das große Kunstpublikum liebte Seurat nie, stets wiederholte sich der Vorwurf einer „trockenen Wissenschaftlichkeit“ oder der seelenlosen „Kopfkunst“. Das bahnbrechende Werk seines kurzen Lebens lieferte später eine opulente Beute für Kunsthändler.

Analog zu DARWINs Werk, löste der französische Maler und Zeichner mit seiner pointillistischen Malweise aus heftige Kritik aus. Ende des 19. Jahrhunderts stellte sie etwas völlig Neues in der Entwicklungsgeschichte der Malerei dar. Die Impressionisten hatten Licht und Farben in der Natur studiert. Die Pointillisten und Divisionisten widmeten sich dieser Aufgabe auf wissenschaftliche Weise: Sie bauten Licht und Farbe auf Leinwand und Papier besonders in ihren Ateliers auf. Zu einem innovativ-originellen „Atomismus“ entwickelte mein ars-evolutoria-Neo-Pointillismus SEURATs Kunst weiter: zu einem Evo-Devo-„Atomismus“ mit Urform-Theorie und -Lehre und einem LICHT-MATERIE/ANTIMATERIE-ENERGIE-Urform-Modell (deutsch 1989, englisch 1998; vgl. (2)).

Aktuell äußerte ich mich zur CERN-Jagd auf „Gottesteilchen“ und meinem a&s-Urform-Modell: „gottesteilchen und werner hahn“ googeln – mit zahlreichen Ergebnissen: Siehe auch z.B. meinen Artikel vom 30.11.09: „Gottesmaschine“ (CERN-Riese LHC) – „Gottesteilchen“ im Mini-Urknall gesucht“ in: http://www.myheimat.de/gl.... (Ebenda 25 lehrreiche Bilder und weitere Links.)

Der Hauptvertreter der Gruppe des „alten“ Pointillismus Georges SEURAT (siehe die Retrospekive-Ausstellung in Zürich (2009) & Frankfurt (Schirn 2010 ab 04. Februar) - zerlegte - wie gesagt - jeden Farbton in kleine Punkte aus Komplementärfarben, Blau neben Orange, Rot neben Grün und Gelb neben Violett. Mit diesen Kontrasten erzeugte er ein vibrierendes Licht und verstärkte damit seine strahlende Wirkung. Die Grundfarben-Kontraste verschmelzen aus der Ferne betrachtet auf der Netzhaut des Betrachters und erscheinen gleichförmig, jedoch auf eigenartige Weise tanzend und bewegt. Mit schwarzem fettigen conté crayon zeichnete G.S. auf geriefeltes, unebenes Michallet-Papier seine subtilen Helldunkelstudien, erlesene Meisterwerke moderner Zeichenkunst. (Vgl. Bilderserie, ebenda „Fünf Affen“ (1884/85) von G.S. – siehe auch den Affen in „La Grande Jatte“.)

EVO-DEVO-„Elementarteilchen-Kunst“ – Atomismus als „evo-devo-particle-art”

Neo-Pointillismus der ars evolutoria - “Evo-devo-art", "science art” mit weißen Punkten auf schwarzem Grund, „Pointillistischer Evolutionismus“ -, hat nichts mit Georges SEURATs Zeichnen (mit Conté-Kreide) zu tun. Vgl. mehr in Hahn (2) a.a.O. Abschnitt 12.7..

Auf mutierte weiße Punktmengen habe ich auch in einem Internet-Beitrag mit mehreren Bild-Beweisen hingewiesen: EVO-Art-Pointillismus/Atomismus: Nachurknall-Seinshaftigkeiten - siehe Hahns Symmetriebuch 1989/98 Fig. 688, 689a, 689b, 689c und neu auch „Kristallisationen zur ars evolutoria“ (EVO-Art, evo-devo-art) in: http://www.myheimat.de/gl... .

Hier wurde erörtert, dass und „warum Victor Vasarely nicht als Vertreter von „EVO-DEVO“-Kunst zu sehen ist“. In (2) sprach ich davon, dass die kleinsten „scheinbar ‚unteilbaren’ (…) Punktelemente“ – „’Quanten’, ‚Kraftteilchen’, ‚Atome’, ‚Zellen’ …“ als „Aposteriori-Bildwelten“ des ars evolutoria-„Atomismus“ zu verstehen sind.

Die „exakt angeordneten“ Tuschestift-Punkte modellieren ein rasterartiges Partikelgewebe in lebendiger „Lichtmalerei“, das fokales Sehen in einem zurückeroberten, „zentralperspektivischem“ Bildraum mit evolutionären Symmetrien als „rotem Faden“, ermöglicht. "Energie/materie“-artige symbolhaltig-vieldeutige „Nachurknall-Seinshaftigkeiten“ werden evoziert. (Mehr in (2)– 12.7.)

EVO-DEVO-„Elementarteilchen-Kunst“ (evo-devo-elementary-particle-art; kurz: “evo-particle-art”) könnte mein ATOMISMUS der ars evolutoria auch genannt werden:

Durch „mutierende“ (evolutionär-bifurkative) Ordnungs-Prinzipien sind Bild-„Mutationen“ enstanden, in denen sich potentielle Bifurkationen als echte „EVO ART“ (evo-devo-art; evolutionary-developmental-art, R/Evo-Art) weiterentwickelt haben. Zur Begriffsbildung sollte man wissen: In der Biologie ist jüngst eine neue Disziplin entstanden, die zwischen der Entwicklungs- und der Evolutionsbiologie eine Brücke schlägt: „Evo Devo“ - ein Begriff aus dem Englischen für evolutionäre Entwicklungsbiologie, den ich in diesem Artikel erstmals in den Bereich KUNST transponierte. Vgl. auch im Internet: 1053 mal gelesen wurde http://www.myheimat.de/gl...... UND 326 mal wurde (bis 6.01. 2010) http://www.myheimat.de/gl..... gelesen.

Berühmt sind Seurats Gemälde-Hauptwerke – das erste große Bild „Badeplatz in Asnières“ (1883-84), die Seine-Insel „La Grande Jatte“ mit Ausflüglern (1884-86, Phantasiebild 207 x 308 cm, Chicago; vgl. Galerie der Bilder, Ausschnitt mit Affe) oder „Der Zirkus“ (Le Cirque 1890-91; blieb unvollendet – in Frankfurt zu sehen). Die Werke waren ausnahmsweise noch an der Retrospektive in Paris 1991 zu sehen. Aus konservatorischen Gründen darf „La Grande Jatte“ die Heimatadresse heute nicht mehr verlassen.

Siehe auch Teil 2 des Doppel-Essays. Und – mit zahlreichen Bildern in Bildergalerien – die Artikel:

HAHN, Werner (2010): Kunst & Wissenschaft: SEURATs „Pointillismus“ und „Atomismus“ (1. und 2. Teil). In: http://www.myheimat.de/gl... UND
http://www.myheimat.de/gl... UND
http://www.giessener-zeit...

LITERATUR & Anmerkungen

(1) NEMECZEK, Alfred: Das Sehen auf den Punkt gebracht. In: „art“ Das Kunstmagazin, Nr. 12 / 1996, S. 16-37.

(2) HAHN, Werner (1989): Symmetrie als Entwicklungsprinzip in Natur und Kunst. Königstein. Gladenbach: Art & Science, 1995. HAHN, Werner (1998): Symmetry as a developmental principle in nature and art. Singapore. (Übersetzung des Originalwerkes von 1989, ergänzt durch ein 13. Kapitel – mit erweitertem Sach- und Personenregister sowie Literatur- und Abbildungsverzeichnis.) HAHN, Werner / WEIBEL, Peter (Hrsg.) (1996): Evolutionäre Symmetrietheorie: Selbstorganisation und dynamische Systeme. Stuttgart. Anthologie mit Beiträgen von 19 Autoren; mit Essay von Werner Hahn: „Evolutionäre Symmetrietheorie und Universale Evolutionstheorie. Evolution durch Symmetrie und Asymmetrie“.