Leserartikel-Blog

Kenneth NOLAND: Wichtiger Farbfeldmalerei-Vertreter gestorben

Er wurde 85 Jahre alt: der amerikanische Maler Kenneth Noland ist tot. Der „abstrakt“-konstruktivistisch malende Noland galt als einer der wichtigsten Vertreter des "Colourfield Painting", der "Farbfeldmalerei". Der Künstler, dessen Kunst sich im Spannungsfeld zwischen abstraktem Expressionismus und geometrischer Abstraktion bewegt, starb in seinem Haus in Maine, dem nordöstlichsten Bundesstaat der USA, an Krebs. Beim Farbfelder-Gestalten (Mode-Stil der Moderne) bemalen die Künstler große Flächen mit nur wenigen Farben; manchmal nur einer. Diese lassen sie allein wirken. Nolands beliebtestes Motiv waren große Kreise, die oft wie bei einer Zielscheibe angeordnet waren. Seine Farbkreise und andere Werke werden zu den ausdrucksstarken Werken der amerikanischen Moderne gezählt und haben das Design vieler Gebrauchsgegenstände beeinflusst. Viele Werke des Malers – zur documenta 4 („americana“ 1968) wurde K.N.s Kunst in der „documenta-Stadt“ Kassel gezeigt -, sind unter Nolands Homepage(1)zu sehen.

Die „Circles“ waren meistens gelb und rot dekoriert-komponiert, manchmal blau und grün, auf weißer Leinwand oder dunklem Grund, mit scharf umrissenem oder grob zerfasertem Rand: Kreise, wie bei einer großen Zielscheibe. Als Hommage an den Verstorbenen malte ich 2 a&s-Bilder; nach einem Foto von K.N. Zu Nolands Arbeitsweise: Er selbst sagte über seine Arbeitsmethode, dass er damit begänne, mit Material herumzuspielen. Manchmal käme etwas dabei heraus, manchmal aber auch nicht.

Bei Dozenten wie Walter Gropius und Willem de Kooning studierte Noland Kunst. Großen Eindruck auf Noland wie auch auf seinen ein Jahr jüngeren Kommilitonen, den Pop-Pionier Robert Rauschenberg, machte Josef Albers; vgl. http://de.wikipedia.org/w....

In der Farbfeld-Kunst wurden gerne sehr große Leinwände oder auch einfach Zimmerwände mit wenigen Farben, zuweilen nur einer Farbe bemalt. Inwiefern es sich bei L’Art-pour-l’art-Colourfield Painting um innovative und originelle Kunst handelt, sollte jeder für sich nach Durchsicht der zitierten Biderserie zu K.N. beurteilen. Als erfolgreicher Kunst-Markt-Künstler lieferte Noland dem Kunstbetrieb seine "Kreise", "Balken" und "Streifen": Klare Formen – manchmal symmetrisch strukturiert - mit wenigen, ebenso klaren Farben, die immer wieder bei Kritikern die Frage provozierten: "Und das soll schon Kunst sein?"

Ab 1962 begann Noland mit einer neuen Kompositionsform, dem Winkelmotiv, in welcher er die Farbe in seinem System V-förmig angeordneter Streifen nebeneinander setzte. "Wichtig in der Malerei ist, das Mittel zu finden, um die Farbe auszudrücken, ohne sie zu vernichten, und zwar in der Art, dass sie - unabhängig von den bildnerischen supra-realistischen, kubistischen oder strukturellen Systemen - ihren Wert behält." (Quelle: Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, München 1994, S. 2).

Schon auf der privat-staatlichen documenta-Institution (sie muss demokratisiert werden!) wurde K.N. gefördert: 1968 documenta 4, Kassel. Op-Art und britische sowie amerikanische Pop-Art mit wandfüllenden Riesen-Formaten der Farbfeldmalerei hatte man auf der d4 1968 präsentiert; „americana“ genannt.

Die d4 ging als "documenta americana" in die Geschichte ein, da die US-Amerikaner mit 57 teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern das größte nationale Kontingent stellten. Der umstrittene deutsche Antikünstler Joseph Beuys durfte parallel zu den Amerikanern erstmals sein „Installationskunst“-Environment in einem „rätselhaften Experimentiersaal“ (Harald Kimpel) zeigen, was den fatalen Ausstieg aus dem Bild in einem politisch geprägten Umfeld signalisierte. Oberste Beuyssche Devise war: „Jeder Mensch ist ein Künstler“!

Zum Wahlspruch von J.B. und seiner Antikunst siehe Beiträge von mir im Web, Kommentare etc. von mir. Arnold Bodes Uhr lief damals ab (so Alfred Nemeczek zur d4). Und: Christo ließ damals seine d4-Riesen-„Wurst“ („5600 Cubic Meter Package“) über der Karlswiese in die Luft steigen. Wie Dirk Schwarze – ein Oft-nicht-kritischer-documenta-Befürworter – die d4 sieht, siehe in http://regiowiki.hna.de/F......(1968)

Den juristischen „Fall documenta“ hat D.S. nicht interessiert; er sah die d9-HOETiade und die fatalen Folgen bis zur d12-BUERGELiade nur positiv (als Kasselaner Feuilletonist notgedrungen?). Anzumerken ist hier, dass Kritiker damals schon zur d4 die documenta als eine „Kunsthändler-und Kunsthistoriker-Oligarchie“ bezeichnet haben, die ihr Ware dort auf den Markt bringt und zur d4 anbietet. Die immanenten Verflechtungen von documenta-Funktionären und Händlern habe ich (belegbar durch documenta-Kataloge) in Essays und Büchern angeprangert. In 4 documenta-Büchern – siehe HP von mir. Zur d4 wurde neben Nolands lapidarer Malerei-Äußerung schon damals Piero Manzoinis „Artist’s Shit“ ausgestellt: K.-Scheiße, die in Dosen verpackt einen neuen bis dato nicht anerkannten „Kunstbegriff“ vorweggenommen hat!

In einem Artikel (siehe Bilder-Reihe-Fotos) befasste ich mich u.a. mit der Kunst-Markt-Künstler-Scheiße: http://www.myheimat.de/gl......

Noland (*1924 Asheville / NC – 2010), hat am Black Mountain College bei Josef Albers Malerei studiert. Das Vorbild Albers hat ihn zu "Hard Edge", "Straining", "Color Field Painting" mit geometrischen Grundstrukturen geführt.

„Hard Edge“ ist als Sechziger-Jahre-Reaktion gegen den Abstrakten Expressionismus zu verstehen, eine „Stil“-Richtung, die durch monochrome geometrische Formen gekennzeichnet ist, die mit harten Kanten voneinander abgegrenzt sind. Wichtige Vertreter dieser Richtung waren neben Noland z.B. Morris Louis und Ellsworth Kelly, der mit Hard-Edge-Arbeiten weltweit in Museen vertreten ist.

Für Noland engagierte sich besonders auch Clement Greenberg – ein sehr einflussreicher Kunstkritiker des zwanzigsten Jahrhunderts. Vor der Farbfeldmalerei trat er wirkungsvoll für die Malerei des Abstrakten Expressionismus (Jackson Pollock) ein und trug entscheidend dazu bei, dass sich das Zentrum der internationalen Kunstwelt (mit Kunst-Markt-Betrieb) nach dem Zweiten Weltkrieg von Paris nach New York verlagert hat.

2007 war die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden wieder einmal Anziehungspunkt für die internationale Kunst-Szene. „Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue? Positionen der Farbfeldmalerei“ war eine Ausstellung, die Anfänge der minimalistischen Malerei thematisiert hat.

Color Field Painting bzw. Farbfeldmalerei gelte als erste im Blick auf Europa gleichberechtigte, internationale Kunstströmung, die sich in den 1940er und 1950er Jahren in den USA entwickelte, wurde gesagt. Sie stehe ein für ein grundlegendes und zugleich radikales Hinterfragen der traditionellen Bildauffassung in der Malerei, wurde behauptet. Diese US-Malerei definiere sich ausschließlich über den visuellen Illusionismus und negiere die herkömmliche Abbildfunktion der Malerei.

Erstmals soll die Leinwand ausdrücklich nicht mehr als ein Farbträger sein – also L’Art-pour-l’art-Colourfield Painting statt innovativ-origineller Kunst (s.o.). Eine individuelle Handschrift des Künstlers sowie der Pinselduktus und die Faktur werden bewusst negiert. Also: die Farbe manifestiert sich zugleich in Form und Inhalt der Malerei (Syntax & Semantik).

Wichtig zur evolutionären Kunstentwicklung: Werke des Ad Reinhardt beispielsweise (in Baden Baden zu sehen), wurzeln einerseits im Umfeld von Barnett Newmann und Mark Rothko, andererseits stehen sie im Kontext des europäischen Konstruktivismus, der abstrakten Malerei eines Kasimir Malewitsch und Piet Mondrian. Über letztere Maler siehe Webbeiträge von mir. Aus der Stille der Bildereignisse heraus entwickelte Ad Reinhardt eine Malerei der metaphysischen Räume, Farben und Formen. Das wurde in Baden-Baden von den Schau-Machern erklärt. (Katalog: Verlag der Buchhandlung Walther König 2007.)

In einem Text vor der Pressekonferenz der Baden-Badener Schau war zu lesen:

„Morris Louis und Kenneth Noland gelten als die wichtigsten Vertreter der Washington Color School, einer Gruppierung der Farbfeldmalerei, die in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren die Ansätze der ersten Generation weiterführte. Auch ihr Interesse galt den Erscheinungsformen der Farbe, wobei ihre räumliche Struktur eine zentrale Position einnimmt. Die beiden Künstler entwickelten ihre Handschrift in der Technik des soak stain, bei der mit Acrylfarbe auf die ungrundierte Leinwand gemalt bzw. gegossen wird. Die Leinwand ist nicht nur Farbträger, sondern spielt beim Entstehungsprozess des Gemäldes eine zentrale Rolle: Sie saugt die Farbe auf und es entsteht ein tiefer Farbeindruck, der von der Oberfläche auf das Volumen des Bildes verweist.“

Dieses Zitat möchte ich an dieser Stelle hier nicht kritisch kommentieren. Gegen das Prinzip „L'art pour l'art“ – eine „Kunst um der Kunst willen“ – hab ich Beiträge geschrieben; auch gegen eine Männer-Kunst des zeitgenössischen „L'art pour le mythe & la mystique“; vgl. zur Selbstzweckhaftigkeit der Kunst (L'Art-pour-l'art-Standpunkt) meine Gegen-Position der ars evolutoria (Web-Artikel, a&s-Homepage).

Literatur & Anmerkungen

(1) Eine umfangreiche Bilderserie zur Malerei von Kenneth Noland siehe unter: http://images.google.de/i......
Unbedingt die offizielle Website von K.N. aufsuchen: Mit vielen Werken aus verschiedensten Jahrzehnten: http://www.kennethnoland....

EPILOG

Kenneth NOLAND: Kunst-evolutionäe Wege zur Farbfeld-Malerei

Unter „ABSOLUT“ verstand Wassily Kandinsky die „rein abstakte Form ohne gegenständliche Überbrückung“ (1914, Vortrag „Mein Werdegang“). Also „reine“ Malerei ist eine „absolute“ Malerei, wenn - von jeglichem Gegenstand unabhängig - mit abstrakten Formen gearbeitet wird, mit Bildelementen, die der Maler frei erfindet. Mit der Eliminierung des Gegenstandes wurden „revolutionär“ (geistesgeschichtlich „evolutionär“) die Schranken der abbildenden Kunst eingerissen, PERSPEKTIVE verschwand (vorerst) aus den Tafelbildern des W.K. Siehe hierzu HAHN, Werner (2008): Rückkehr zur Renaissance: Kandinsky und Malwitschs Kunst-Evolution (Mutationen). STIL-Fragen. In: ZEIT Online v. 15.11.2008.

Ab 1920 manifestiert sich unter dem Einfluss der russischen Konstruktivisten indessen eine neue Formensprache in W.K.s Werken: Analog zu MALEWITSCH mit seinen suprematistischen Formen – jedoch die „Mechanik“ im Werk der Konstruktivisten ablehnend - strebt W.K. (auch „russischer Messias“ genannt) nach Formen geometrischer Art, die „freier, elastischer, abstrakter“ sein sollen und nicht an einen Gegenstand gebunden sein dürfen. In seinen Schriften mit kunst-revolutionärem Sendungsbewusstsein spricht W.K. von der „Epoche des großen Geistigen“ der Menschheit, in der es zu einer SYNTHESE der Künste und einer SYNTHESE zwischen Künsten und Wissenschaften kommen müsse: Mit Ablehnung des positivistischen (toten) „Materialismus“ zugunsten des (lebendigen) „Geistigen“, der Dimension des Nichtmateriellen. (W.K.: „Punkt und Linie zu Fläche“ 1926, S. 22, 31f.) “Synthetische Kunst“ bestimmte auch das Credo der synthetischen Arbeit des Bauhauses (Vereinigung von Kunst, Wissenschaft, Industrie).
(Vgl. http://www.myheimat.de/gl... )

Oberflächlich betrachtet, könnten man meinen, ars evolutoria habe sich aus der Farbfeldmalerei heraus entwickelt, was nicht zutrifft: Bei der Zusammenführung von Mathematik & Biologie (Evolutionstheorien) und Kunst muss der Begriff der Evolution von Formen thematisiert werden. Heute existiert - seit 1989 durch Publikationen belegt: “Symmetrie als Entwicklungsprinzip in Natur und Kunst“ (engl. erweitert 1998) und 1996: „Evolutionäre Symmetrietheorie: Selbstorganisation und dynamische Systeme“ - eine philosophisch und bildkünstlerisch-(natur)wissenschaftlich ganz andere Gegenposition zur manifesthaft entwickelten Theorie des dogmatisierenden Suprematismus von Malevitsch: Entgegen der Lehre von „reiner Gegenstandslosigkeit” basiert kontradiktorisch ars evolutoria (Evolutionäre Natur-und-Kunst-Ästhetik) auf nicht-gegenstandslosen Grund-Formen bzw. -Schwingungen/Farben/Lichtern vollkommenster (schönster) Art, die anschaulich „Ikone” um den „Nullpunkt der Welt(en)” darstellen sollen.

Neo-Suprematismus und Anti-Suprematismus überwinden Malevitschs Quadrat. Hierzu vgl. Hahn/Weibel in PDF EST und ars evolutoria in www.art-and-science.de mit Links.

Piet MONDRIAN selbst schuf 1911 das Werk „EVOLUTION“ („Evolutie“) – ein Triptychon -, das mit dem naturwissenschaftlichen Begriff der biologischen „Evolution“ überhaupt nichts (!) zu tun hat; viel aber mit Mythos & Mystik. (Vgl. http://www.myheimat.de/gl... )