Leserartikel-Blog

Tunesien, wie naiv !

Der gesamte Maghreb, die ehemaligen französischen Kolonien, sowie die gesamte Francophonie, die sich im Zustand einer Scheinselbstständigkeit befindet, werden von Despoten von Frankreichs Gnaden regiert.

Diese Oligarchen werden in Frankreich erzogen, besuchen die feinsten Pariser Universitäten und anschliessend die Grandes Ecoles, wie die Militäracademie Saint Cyr, die Ecole Militaire, die Science Po, die ENA, die INSEAD usw. Anschliessend werden sie vom Militärgeheimdienst DGSE fortgebildet und in den feinsten Villen Frankreichs geparkt.

Herrscht Bedarf und ist der alte Clown Frankreichs am Ende, dann wird dieser Mann in sein Heimatland geschickt, um die Interessen Frankreichs zu wahren und zu mehren. Seine Entourage, egal ob Zivil- Polizei- oder Militär durchlaufen dieselben Academien in Frankreich.

Der französische DGSE wurde von Charles de Gaulle gegründet, um die Ressourcen Frankreichs zu sichern. Zu diesem Zweck gründete der Militärgeheimdienst DGSE die ELF- Aquitaine, die das Mutterland Frankreich mit Öl, Gas und lebenswichtigen Rohstoffen versorgt. Der Despot bekommt natürlich seine Provision und hat nur eine einzige Aufgabe, nämlich die Macht Frankreichs in der Francophonie zu sichern. Wie er dies tut, ist seine Sache.

Ben Ali hat den "Fehler" gemacht, seine Bevölkerung überdurchschnittlich gut ausbilden zu lassen. Es sind daher nicht hauptsächlich die Jugendlichen, wie hier oft behauptet wird, die sich gegen die staatliche Willkür auflehnen, sondern die Akademiker, wie Ärzte, Anwälte, Chemiker usw. Der Aufruf von Mediapart, Anwälte nach Tunesien zu schicken, hiesse Eulen nach Athen zu tragen.

Da etwa 600.000 oppositionelle Tunesier in Frankreich leben, traute sich Monsieur Sarkozy heute Nacht nicht, seinen Vasallen Ali in Le Bourget landen zu lassen. Sonst hätten in Paris heute die Barrikaden gebrannt. Dessen Familie darf jedoch sehr wohl in ihr Luxusappartement im feinen 16ème Arrondissement in Paris und in ihrer Villa an der Côte d'Azur logieren. Hat sich die Lage beruhigt, wird auch Ali wieder glücklich mit seiner Familie vereint.

So läuft das seit 50 Jahren und so wird es immer laufen. Ist es nicht etwas blauäugig, hier nach einer überambitionierten Pastorentochter aus der Uckermarck zu rufen? Glaubt denn irgendjemand allen ernstes, dass sich der direkt vom Volk gewählte Präsident einer Atom- und Überseemacht von einer lächerlichen deutschen Kanzlerdarstellerin etwas sagen lassen wird?

Es kindisch und grenzenlos naiv, mit dem Billigflieger zu den Stränden Tunesiens zu reisen und dann überrascht zu tun, wenn Meldungen über Unruhen im Land ausbrechen. Man ruft nach Air Berlin, doch kaum hat man deutschen Boden unter den Füssen, gilt der Ruf nach Menschenrechten.