Leserartikel-Blog

Ja, ich bin ein Atheist!

Es sollte eigentlich so sein, dass niemand sich wegen seiner Religion rechtfertigen muss. Es ist eine persönliche Einstellung, ob man Christ, Muslim, Jude, Hindu oder eben Atheist etc. ist. Letztlich hat man zu respektieren.
Das heißt natürlich nicht, dass man nicht über Glaube und deren Facetten diskutieren darf. Aber man muss stets Respekt davor haben, dass andere Menschen eine andere Position vertreten.
Der Artikel "Jesus, der einzige Retter der Welt" vom Leserartikel-Blog empfinde ich als respektlos, was ich im folgendem Darlegen möchte, weil es teilweise beispielhaft ist:
"Mit einer Alleswisser-Haltung [...] Ach! wann würden diese Atheisten endlich begreifen dass um die nicht-Existenz Gottes--eines "grenzenlosen" Daseins-- >sicherlich< behaupten zu können, müssen sie, an erster Stelle, eine unbegrenzte Kenntnis, Weisheit und Intelligenz besitzen --und das bedeutet, selbst die Qualität eines Übermenschen haben! [...] Sind Sie, Herr Atheist, ein Übermensch??"
Würde sie einen Angeklagten sagen, dass er seine Unschuld beweißen soll? Kann man die Nichtexistenz von Kobolden, Einhörner, den Weinnachtsmann beweißen?
Nein, und das muss man auch nicht. Wer eine Behauptung aufstellt hat sie auch zu belegen. Da aber die Existenz Gottes und seiner zugeschriebenen Eigenschaften nicht beweißen kann, hat man andere Positionen zu respektieren. Da darf man doch nicht anderen beleidigen. Daher müsste man einen Gläubigen fragen: Sind sie, ein Christ, ein Übermensch, der die Fähigkeit hat, Gott zu beweißen.
Aber das ist nicht das, was mich an diesem Artikel am meisten stört:
"Es gibt Personen, die mit dem Gedanken nicht behaglich sein können dass sie einem höheren Wesen (Gott) gegenüber für alle ihre sündhafte Taten zur Verantwortung gezogen werden können. Die bloße Idee dass sie unter der Herrschaft eines Superwesens, einer autoritativen Figur Tag für Tag leben müssen, und dass jenes Wesen, als Richter der Menschheit, ihre gute und böse Taten, ja sogar ihre privaten Gedanken eingehend untersuchen würde und sie auch dementsprechend richten würde,-- ist für sie weder beruhigend noch ansprechend. Außerdem, an Gott zu glauben und dazu ihren Leben-stil mit den religiösen Gesetzen in Einklang zu bringen bedeutet für sie ihre Freiheit--um ein zügelloses Leben führen zu können-- einigermaßen einzubüßen; zusätzlich wollen sie auch nicht von wegen ihrer privaten Sünden verursachten Schuldgefühlen geplagt zu werden"
Leben Atheisten also unmoralisch(er), nur weil er nicht an Gott glaubt? Diese Unterstellung mag ich nicht. Doch führen wir diese Argumentation bis zum Ende:
Wenn ein Atheist unmoralisch handelt, weil er nicht an Gott glaubt, dann handelt ein Gläubiger moralisch, weil er an Gott glaubt. Dies würde aber bedeuten, dass ein Mensch nur moralisch handelt, wenn er überwacht und gerichtet wird. Was ist das für ein Menschenbild? Und würde Gott nicht solche Menschen in die Hölle schicken? Immerhin ist ein Mensch, der nur keine Verbrechen begeht, weil er erwischt werden könnte, im Kern unmoralisch.
Es sollten sich mal die Gläubigen fragen, ob sie immer noch moralisch handeln würden, wenn es plötzlich festgestellt worden wäre, dass es kein Gott gibt. Die meisten wohl nicht. Sie würden trotzdem niemanden töten, nicht stehlen und vergewaltigen, weil sie es für falsch halten. Warum sollte es auch nicht für Atheisten gelten?
Man braucht also keinen Gott, um moralisch zu sein. Und unsere heutige Moral lässt sich auch auf andere Grundlagen zurückführen.
Es tut mir leid, Deutschland ist kein christlicher Staat. Das Grundgesetz geht letztlich auf Gedanken der Aufklärung, insbesondere auf die Gedanken von Kant zurück. Gerade deshalb empfinde ich es als störend, welche Rolle die Religionen und Kirschen im Staat einnehmen. Das zeigt sich schon alleine an den Zahlungen, die der Bund und die Länder jedes Jahr an die Kirchen überweißt. Und damit meine ich nicht die Kirchensteuer, die letztlich freiwillig ist. Auch der staatliche bezahlter Religionsunterricht halte ich für falsch. Religion ist eine private Angelegenheit. Auch halte ich die Rolle der Kirchen bei bestimmten politischen Diskussionen und den Medien für falsch. Warum hat man gerne in Diskussion über den Islam, Integration, Erziehung, Moral etc. gerne Kirchenvertreter? Warum tretten dort kaum bekennende Ungläubige auf, obwohl diese circa ein drittel der deutschen Bevöhlkerung darstellen?
Wir sollten die Sekularisation stärker leben!
Ironischer weise würde das den Kirchen selbst ebenfalls helfen. Immerhin haben diese das Problem, dass denen die Mitglieder scharenweise davonlaufen. Kein Wunder, sieht man wie weit diese heute weg von den Problemen der Menschen sind. Dabei könnte diese den Menschen Halt geben. Die Kirschen könnten sich dann wieder auf ihre "Kernkompetenz" beschäftigen.