Leserartikel-Blog

Unerwünscht bei EIKE

Versierte Leser kennen mich als eifrigen Poster bei Fragen rund um die Klimaforschung. Wie kam es dazu?

Es begann in der Zeit der Kopenhagen-Konferenz. Groß war die Hoffnung, umso tiefer nagte die Enttäuschung. ZEIT-Online berichtete sehr umfangreich darüber und ich begann, auch Kommentare zu den Artikeln zu lesen.

Das Erstaunen und die Verblüffung war groß. Wie viel Hass und Empörung schlug aus vielen Beiträgen der Wissenschaft entgegen, wie verzerrt war die Darstellung der Erkenntnisse der Klimaforschung. Und das bei der ZEIT, wo ich liberales Bildungsbürgertum vermutete. Naiv und blauäugig begann ich, grobe Verzerrungen richtig zu stellen mit der Vorstellung, Aufklärung könne die Wogen glätten und zu vernünftigeren Einsichten führen.

Wie ist es möglich, dass so viele Menschen ähnliche verzerrte Vorstellungen von der Klimaforschung haben? Sind dies nur ein paar irrlichternde Meinungsmacher?

Leider nein, ähnliche Beiträge in großer Anzahl konnte man bei sämtlichen anderen Online-Medien ebenfalls beobachten, die "Argumente" glichen sich auffällig. Ebenfalls auffällig, dass nach dem Ende der Kopenhagen-Konferenz diese Kampagne deutlich abebbte.

Viel heftiger tobt der Kampf derzeit in den USA und Großbritannien. Eine Parallele ist, dass Medienkampagnen immer im Vorfeld wichtiger politischer Gesetzgebungsverfahren gestartet werden. In den USA sind es die Bemühungen legislativer Akte zum Klimaschutz, in GB wird gerade ein Energieeinspeisegesetz nach deutschem Muster diskutiert.

Die spannende Frage ist, wer wohl hinter diesen Kampagnen steckt. Viele Schreiber hier verlinkten desöfteren zu EIKE, ein selbsternanntes "Europäisches Institut für Klima und Energie". Klingt wissenschaftlich, soll es wohl auch, in Wahrheit besteht EIKE im Wesentlichen nur aus der verlinkten Website, klimawissenschaftliche Kompetenz ist nicht vertreten.

Die laut Satzung vorgeschriebene "Förderung der Wissenschaft" beschränkt sich darauf, in der linken Spalte der Homepage gegen die Klimaforschung zu polemisieren und in der rechten Spalte regenerative Energien zu verteufeln. Wussten Sie beispielsweise, dass regenerative Energien hunderttausende Menschenleben kosten werden?

Interessant ist bei EIKE ein Forum, in dem Leser ihre Meinung kundtun können. Es war ein interessantes Quellenstudium über innere Befindlichkeiten des normalen Klimaskeptikers, aber das wäre ein neuer Blogbeitrag.

Auch dort begann ich ein wenig zu schreiben, wobei mir schnell deutlich gemacht wurde, unerwünscht zu sein.
Beispiele für beliebte Thesen bei EIKE sind die angebliche Unterdrückung der Meinung der klimaskeptischen Wissenschaftler sowie die Umdeutung von IPCC-Fehlern zu einem ganzen Lügengebäude des IPCC-AR4 Berichts von 2007. Wie steht EIKE, gemessen an diesen Ansprüchen, selbst dar?

Ein Beispiel:
Ein Artikel zum Meeresanstieg (der natürlich nur eine Erfindung ist) beinhaltete ein Diagramm, das einen Anstieg von ca. 1,20m bis 2100 prognostizierte und den "Alarmismus" des IPCC belegen sollte. Interessanterweise stammte das Diagramm nicht vom IPCC, wie zu lesen war, sondern beruhte auf einer Arbeit von Stefan Rahmstorf, der versuchte, die sich beschleunigende Dynamik des arktisches Eisverlustes zu modellieren. Brav schrieb ich also einen Beitrag, in dem ich darauf hinwies, das IPCC prognostiziert lediglich einen Anstieg von 19-58cm, das Diagramm ist von Rahmstorf und verlinkte die Quellen sogar, verbunden mit einr Bitte um Korrektur.

Was geschah? Nichts...

Weitere Beiträge dazu wurden einfach zensiert und nicht veröffentlicht auf der Homepage. Bis zum Verschwinden des Artikels von der Website blieb dieser Fehler dort stehen, er "passte" so einfach besser zum Artikel.

Jüngst fiel auf, dass häufig Kampagnen aus den USA rasch übernommen wurden. Wie üblich waren es keine Wissenschaftler, sondern Angehörige wirtschaftsnaher, konservative Thinktanks, mit erheblicher finanzieller "Unterstützung" durch die Ölindustrie.

Ich fand, dies könnte auch mal Thema eines Beitrags sein, musste aber feststellen, dass sofort zensiert wird, wenn man derartige Verbindungen auch nur thematisiert. Hier ist er nun, mein unerwünschter Beitrag:

"Die "Scaife Foundations" besteht aus "Sarah Mellon Scaife Foundation", "Carthage Foundation", "Allegheny Foundation" und der "Scaife Family Foundation". All diese finanzieren konservative Think Tanks. Das Geld kommt von Richard Mellon Scaife, der seinen Reichtum Öl-, Uran- und Bankgeschäften verdankt. Exxon schüttet auch reichlich Gelder aus, häufig an dieselben Empfänger. Wer sind diese?

Empfänger von Geldern (summarisch ca. 1 Milliarde US-Dollar alleine von Scaife) waren u.a.:

* American Civil Rights Union
* American Enterprise Institute
* American Legislative Exchange Council
* Americans for Tax Reform
* Atlas Economic Research Foundation
* Capital Research Center
* Cato Institute
* Center for Media and Public Affairs
* Center for the Study of Popular Culture
* Citizens for a Sound Economy
* Collegiate Network
* Committee for a Constructive Tomorrow (CFACT)
* Competitive Enterprise Institute
* Evergreen Freedom Foundation
* Federalist Society for Law and Public Policy Studies
* Free Congress Research and Education Foundation
* George C. Marshall Institute
* Heritage Foundation
* Hudson Institute
* Intercollegiate Studies Institute
* Judicial Watch
* Landmark Legal Foundation
* Media Research Center
* National Legal and Policy Center

Viele alte Bekannte, oder?
Z.B. das George Marshall Institute (da war doch letztens noch etwas von Happer hier zu lesen, der "besorgte Bürger" im US-Senat), das CEI (heute der Beitrag von Horner).

Interessant auch: CFACT.

CFACT Europa wird geleitet von Holger Thuss, der gleichzeitig Präsident von EIKE ist. Und hier schließt sich der Kreis. CFACT/EIKE veranstalten in Berlin eine "Klimakonferenz" im Umfeld der FDP, Herr Limburg dankt im Vorspann seines Buches CFACT für die Unterstützung etc.
Die Vorlage zum "Temperaturgate in den USA" stammte von d'Aleo/Idso, der z.B. bei CFACT ist, d'Aleo bei einem anderen der o.a. Institute.

Nun, werden jetzt wieder manche sagen, andere erhalten doch auch Fördergelder. Ja, schon richtig, man beachte aber folgendes:

Allen Organsisationen geht es um POLITIK und ÖKONOMISCHE Interessen, Wissenschaft dient lediglich als Mittel zum Zweck.

Ein Beispiel:
Das ebenfalls sehr einflussreiche Heartland-Institut (erzkonservativ, kapitalistisch, Gelder z.B. von Exxon, auf Exxons Spendenliste stehen auch viele der o.g. Namen, auch CFACT) startete mal eine "Wissenschaftskampagne" über die Unschädlichkeit des Passivrauchens. Es war die Zeit VOR den strikten Nichtraucherschutzregeln in den USA, Philipp Morris spendete auch gerne an Heartland. Unser alter Bekannter, Fred Singer, erbrachte den "wissenschaftlichen" Beweis. Das Gesetz kam trotzdem, P.M. spendet seitdem nicht mehr und seither habe ich auch keine Publikation von Heartland oder Singer zum Thema Rauchen mehr gelesen.

Welche Analogie:
Die USA stehen kurz vor Gesetzesvorschriften zum Klimaschutz. Spenden an die Institute fließen gerade reichlich, nirgendwo wird so erbittert von Skeptikerseite gekämpft wie in den USA. So kommt's, dass wir hier ständig über US-Wetterstationen, US-Temperaturdaten und Artikeln von Happer, Horner und wie Sie alle heißen, lesen.

Ich prophezeie:
In dem Moment, wo die USA unumstößlich am Kyoto-Protokoll teilnehmen, wird die Skeptikerseite fast verstummen."

(Quellen: sourcewatch.com , Wikipedia u.v.m.)

Da die Zensur bei ähnlichen Beiträgen, die auch nur Andeutungen enthielten, ähnlich unerbittlich zuschlag, liegt die Vermutung nahe, dass an den Vorwürfen etwas dran sein könnte.

Ich hoffe, mit diesem Beitrag klar gemacht zu haben, dass die gegenwärtige Diskussion nichts mit einem wissenschaftlichen Disput zu tun hat. Es ist ein ungleicher Kampf, auf der einen Seite Lobbyisten mit Hunderten von Millionen Dollar für PR-Kampagnen, auf der anderen Seite die Klimaforschung, vertreten z.B. durch das IPCC (ein Büro in Genf, etwa 15 Festangestellte, keine PR-Abteilung, schmales Budget).

Helfen Sie mit, den Kampf zu gewinnen.