Leserartikel-Blog

Fall Guttenberg: Dieser Minister steht nicht alleine da!

Im Fall Puvogel ist 1978 ein Justizminister über seine Dr.Arbeit aus der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte gestolpert. Puvogel und Guttenberg sind aber nicht 1 zu 1 zu vergleichen.

Dr-Arbeiten und literarische Werke mit wissenschaftlichem Anspruch werden seit der Studentenbewegung sehr gerne aufgestöbert, um namhafte Persönlichkeiten, die ihre akademische Ausbildungs-zeit im Dritten Reich hatten, auf ihre intellektuelle Anpassungsbereitschaft damals und ihre Wendung in heutiger (gemeint 70er und 80er Jahre) Zeitzu überprüfen.

Schon in den 50-er Jahren war herausgekommen, dass Adenauers Leiter des Kanzleramtes von 1953 bis 1963, Dr. Hans Globke, Verfasser des Kommentares zu den Nürnberger Rassegesetzen gewesen war und somit ein politideologischer Multiplikator der nationalsozia-listischen Rassenindoktrinierung. Globke hat Adenauer aus Scham sein Amt angeboten. Adenauer hielt Globke gegen alle Anfeindungen im Amt. Das Bundesverdienstkreuz großer Klasse hat Globke behalten.

Im Jahre 1978 fiel der niedersächsische Justizminister, Dr. Hans Puvogel, seiner Dr. Arbeit aus 1937 zum „Opfer“. Puvogel hatte mit einer jämmerlichen Schrift von 35 Seiten einige Quellen aus dem abendländischen und orientalischen Kulturkreis zusammengetra-gen, um die Körperstrafe der Kastration als historisch verankert zu rechtfertigen. Die Arbeit trug den denkwürdigen Titel: “Die leitenden Grundgedanken bei der Entmannung gefährlicher Sittlichkeitsverbrecher“ Da ist z.B. zu lesengewesen, dass es im Mittelalter nach dem Mainzer Stadtrecht bei Androhung der Entmannung den Juden verboten war, „sich an christlichen Frauen zu vergehen“. Puvogel musste zurücktreten, als die Medien aus seiner Doktorarbeit zitierten.

Das Problem des „Abkupferns“ fremder Gedanken ist ein generelles Problem bei allen akademischen Arbeiten. Da steht zu Guttenberg nicht einsam da. Am Ende einer jeden Examensarbeit muss ein Prüfling erklären, dass er die Arbeit ohne fremde Hilfe ganz eigenständig erledigt hat. Das Zitieren von Gedanken anderer Personen ist immer dann zulässig, wenn sich der das Zitat nehmende Autor mit dem Zitat eigenständig auseinandersetzt. Das unzietierte Übernehmen hat im Sprachgebrauch auch den Namen "geistiger Diebstahl" (Aneignung einer fremden Sache in Zueignungsabsicht).

Ich möchte keine Gleichsetzung betreiben zwischen Puvogel und Guttenberg, aber einen parallelen Punkt festhalten: Sollte Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg tatsächlich über unvorsichtige „Abkupferei“ in seiner Doktorarbeit stolpern, wäre er jedenfalls nach Dr. Hans Puvogel der zweite Minister in der Bundesrepublik, der sein Amt wegen Irritation um seine Dokorarbeit aufgeben musste.
Ich persönlich glaube zur Zeit, dass er das Handtuch trotz aller Hartleibigkeit werfen wird, weil er sonst nur noch das Gespött der öffentlichen Meinung wäre. Lieber den sympathisheren Käßmann-Effekt als den tumben Mixa-Abgesang. Was macht die CDU/CSU und die Regenbogenpress dann aber ohne
den Lieblings-Schah von Nordbayern?

Volrad Döhner, Marburg