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Zentralafrika – Uranabbau wird ausgebaut

Der Uranabbau in der Zentralafrikanischen Republik wird nach jahrelanger Pause erneut angegangen und intensiv ausgebaut. Trotz politischer Instabilität der Region und der negativen Erfahrungen im Niger wollen französische und schweizerische AKW-Zulieferer aus Rohstoffknappheit die Reseven in Zentralafrika nun intensiv ausbeuten.

Uran ist ein radioaktives Metall, das in den meisten Böden und Ozeanen als Spurenelement vorkommt. Uran muss abgebaut, aus Mischgestein extrahiert und energieintensiv aufbereitet werden, bevor es in Atomkraftwerken (AKW) als Brennstoff dienen kann. Während der ganzen Prozesskette der Aufbereitung wird Radioaktivität und klimaschädliches CO2 freigesetzt.

Uran ist, wie Erdöl und Gas, ein endlicher Rohstoff. Die bekannten Uranreserven im Jahr 2005 von 4,74 Millionen Tonnen können die bestehenden Atomkraftwerke noch für etwa 70 Jahre versorgen. Derzeit brauchen die weltweit 439 Atomreaktoren rund 68.000 Tonnen Uran jährlich. Das ist ein Drittel mehr als die derzeitige Welturanproduktion von 39.655 Tonnen. Momentan wird der Verbrauch noch durch vorhandene Lagerbestände, wiederaufbereitetes Uran und verschrottetes Waffenuran gedeckt. Spätestens jedoch in zehn Jahren müsste die primäre Uranförderung verdoppelt werden, um die weltweite Nachfrage zu befriedigen. Der Energieaufwand wie auch die Kosten für den Abbau sind in den vergangenen Jahren deshalb bereits massiv gestiegen.

Die Uranvorkommen in Frankreich sind beinahe völlig erschöpft. Daher deckt der französische Atomkonzern Areva seine Nachfrage aus dem Niger. Doch der Niger hat die Verträge neu verhandelt und liefert nun einen Teil seiner Produktion nach China und Kanada. Die Franzosen müssen sich nach neuen Quellen umsehen.

Hintergrund ist die weltweit steigende Bedeutung der Atomenergie, die nach Ansicht von Experten zu einer Verknappung von Uran führen könnte. Geschürt wurde diese Befürchtung durch die Überflutung einer Uranmine in Kanada und durch die politischen Spannungen im Niger. Der Uranpreis hat sich innerhalb eines Jahres auf 138 Dollar (101 Euro) pro Pfund verdreifacht. Spätestens 2040, vielleicht aber bereits im kommenden Jahrzehnt droht Uran knapp zu werden.

Der staatliche Konzern Areva, Weltmarktführer der Atomindustrie, ist zu einem Großteil von Uranminen außerhalb Frankreichs abhängig. Die Vorkommen im südfranzösischen Département Hérault sind fast vollständig abgebaut. So wurden dort im vergangenen Jahr nur noch fünf Tonnen Uran gefördert. Areva produzierte 2006 insgesamt 5272 Tonnen Uran, will die Produktion jedoch bis 2012 auf 12.000 Tonnen jährlich steigern. Die Hälfte der jetzigen Produktion stammt aus kanadischen Minen, 43 Prozent aus dem Niger und der Rest aus Kasachstan.

Mit dem Niger, dem drittgrößten Uranproduzenten der Welt, hat Areva zunehmend Probleme. Bislang genoss der französische Atomgigant dort eine Monopolstellung für die Uranförderung, doch mit der Ausweisung des örtlichen Areva-Chefs Dominique Pin setzte das Land den Konzern unter Druck und zwang ihn zu Neuverhandlungen der Verträge. Künftig dürfen auch kanadische und chinesische Firmen Uran im Niger fördern. Zudem wurde der Preis für Uran rückwirkend für dieses Jahr um knapp die Hälfte auf umgerechnet knapp 40 Dollar pro Pfund angehoben. Im Vergleich zum Weltmarktpreis ist das noch immer wenig, doch eine weitere Erhöhung ist absehbar, da die nigerianische Regierung den Preis für 2008 neu verhandeln will.

Der französische Atomriese muss sich also nach weiteren Uranquellen umsehen, um seine Versorgung breiter abzusichern. Das erst vor zwei Jahren gegründete Unternehmen verfügt über Förderprojekte in Südafrika, Namibia und der Zentralafrikanischen Republik. Aus diesen Vorkommen will es ab 2012 jährlich 7000 Tonnen Uran produzieren. Medienberichten zufolge hat Areva ein besonderes Auge auf Gabun geworfen, da in dem afrikanischen Land weitere Uran-Vorkommen vermutet werden. Doch der französische Konzern ist nicht das einzige Unternehmen, das sich für die Erschließung neuer Minen dort interessiert. So soll Cameco aus Kanada kürzlich eine Delegation nach Gabun geschickt haben.

Zentralafrika gehört zu den mineralienreichsten Regionen der Welt

Besonderes Augenmerk richten die Fördergesellschaften deshalb in den letzten Monaten auf die bereits bekannten , aber nicht ausgebeuteten Uranvorkommen in der Zentralafrikanischen Republik. 40.000 Tonnen Uran werden alleine in der Region Bakouma vermutet. Ein riesiger Reichtum, – zumindest theoretisch.

Politisch ist das Land durch eine Allianz mit den Franzosen verbunden und Präsident Bozizé hat die uneingeschränkte Unterstützung des Nachbarlandes Tschad unter Präsident Idriss Déby. Die Bevölkerung des Landes lebt allerdings in großer Armut und noch ist auch eine geeignete Mitarbeiterzahl für die Mine nicht gesichert, da qualifiziertes Personal fehlt. Aber aufgrund der Rohstoffknappheit hat sich bereits eine zweite Gesellschaft gefunden, die sich an der Ausbeutung des Uran beteiligen will.Die Uranio AG hat 100% der Xenon S.A. von der Lana International Ltd. erworben. Xenon hält über die 100%-ige Tochter Les Mines de Centrafrique S.A. 4 Lizenzblöcke (Block 3-6) mit einer Gesamtfläche von 200.000 Hektar, die das Bakouma Urangebiet der halbstaatlichen französischen Urangesellschaft AREVA (Block 1 + 2) umschließen. Das Bakouma Urangebiet enthält Uranerze mit einem der höchsten U3O8 (Uranoxyd) Gehalte weltweit. Damit erlangen die Blöcke 3-4 für AREVA und Uranio eine strategische Bedeutung.

AREVA hat bekanntlich mit China einen Vertrag zum Bau von mehreren Kernkraftwerken abgeschlossen, mit der Verpflichtung das notwendige Uran zu liefern. Allerdings hat AREVA heute nicht genügend Uran, um diese Verträge zu erfüllen. Um die Chinesen in das Lieferproblem einzubeziehen, hat AREVA 49% des Bakouma Projekts (Block 1+2) im Sommer 2008 für 1,08 Milliarden US Dollar an die Chinesen verkauft. Experten gehen auf Grund der vorhandenen Daten davon aus, dass die Blöcke 3-6 (der Uranio-Tochter) zusammen mehr Uran enthalten als Block 1+2 von AREVA. Die Uranio AG besitzt neben den Blöcken 3-6 auch noch die Konzession zur Nutzung der Wasserkraft aus einem nicht weit entfernten See. Damit wird die Uranio AG zu einem Schlüssel bei der Produktionserschließung der Bakouma-Lagerstätten.Die Uranio A.G. hat SRK Consulting mit der Erschließung ihrer Lizenzgebiete in der Zentralafrikanischen Republik beauftragt.

Das Projektgebiet Bakouma liegt in der Zentralafrikanischen Republik in der Landesmitte. Die von Uranio besetzten Lizenzgebiete wurden in die Bereiche North Bakouma und Ndengueiro aufgeteilt. Im Bereich North Bakouma wurden in den Verwerfungszonen Uranmineralisierungen in Form von hochwertigen Kernen festgestellt. Im Vergleich dazu sind die Mineralisierungen in Ndengueiro mit geringer deformiertem Gestein verbunden und stellen eine eher verstreute Art der Mineralisierung dar. Im Verlauf der nächsten Feldsaison wird SRK in North Bakouma ein Explorations- und Bohrprogramm mit dem Ziel durchführen, in den nächsten 12 Monaten eine Schätzung der Ressourcen zu erstellen.

Uranabbau mit radioaktiven und sozialen Gefahren

Erfahrungen aus dem Niger, wo Areva ebenfalls Uran abbaut, zeigen aber auch die potentiellen Gefahren. In Arlit, wo seit 40 Jahren Uran gewonnen wird, beobachteten die Umweltschützer mit Sorge, wie Staub aus dem Tagebau sich in der ganzen Gegend verbreitet hat.
Der Boden und das Wasser seien bereits verseucht, warnen sie. “Die Leute haben bislang noch keine Angst. Das liegt daran, dass sie nicht wissen, was Radioaktivität ist. Das wichtigste für die Bevölkerung ist, der Armut zu entfliehen. Aber Radioaktivität macht die Armut schlimmer, weil sie Opfer schafft.” Eine Greenpeace-Untersuchung aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass die Strahlung in Arlit die empfohlenen Höchstwerte um bis das Hundertfache überschreitet. Durch den Uranabbau sind die Bewohner von Arlit zudem nicht reicher geworden. Nicht einmal Strom gibt es. Wenn in zehn Jahren die Minen erschöpft sind, ist die wirtschaftliche Zukunft der Bewohner vollkommen ungewiss.

“Ich weiß nicht, was ich den Menschen sagen soll”, berichtet ein Umweltschützer. “Man hat uns versprochen, die Uranmine wäre die Lösung für die Armut in dieser Region. Aber nach 40 Jahren müssen wir feststellen, dass die Probleme nicht verschwunden, sondern größer geworden sind.” Dass die Uranvorkommen von Bakouma die Zentralafrikaner reich machen werden, ist vor diesem Hintergrund schwer zu glauben.

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