Leserartikel-Blog

Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!

Immer wieder wird dieser Satz als Beweiß der Richtigkeit für
eine unselig dekadente Argumentationsschiene hergenommen, wenn es in Diskussionen um Sozialleistungen, Transferzahlungen, besonders auch um Arbeit, sogenannte Arbeitslosigkeit und sogenannte Arbeitslose geht.

Es wird versucht quasi mit Hilfe einer entlehnten Autorität
der Bibel zu untermauern, was in diesen Zusammenhängen als utilitaristisch geboten sei, und daß es beispielsweise richtig sei, etwa Sozialbezüge so gering wie möglich anzusetzen oder gar ganz abzuschaffen, mindestens aber mit aufgezwungener
Arbeit zu sanktionieren.

Selbst Müntefering, immerhin ehem. Vizekanzler und Bundesminister
für Arbeit und Soziales fiel dieser Satz des öfteren aus dem Mund, wenn er sich gedrängt fühlte zu der Thematik tief Gegründetes, epigonenhaft abzusondern.

Es stammt dieser Satz aus dem 2. Brief des Paulus an die Thessalonicher (Kapitel 3, Vers 10).Und es nimmt schon Wunder, daß dieser biblische Satz es bis in die aus atheistisch intendierter Gesinnung entstandene Verfassung der Sowjetunion geschafft hat!

Der Artikel 12 der Verfassung der UdSSR vom 5. Dezember 1936 lautete: „Die Arbeit ist in der UdSSR Pflicht und Ehrensache jedes arbeitsfähigen Staatsbürgers nach dem Grundsatz: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen."
Etwas weniger biblisch entlehnt, steht dann in der Verfassung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken vom 7. Oktober 1977, in Artikel 14: „Entsprechend dem Prinzip des Sozialismus ‚Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung’ kontrolliert der Staat das Maß der Arbeit und des Verbrauchs.“
Nun soll hier nicht der Ort sein, wenn auch die Gelegenheit sich
in diesem Zusammenhang dazu anbietet, darzustellen, wie frappant ähnlich doch die bundesrepublikanische Sozialgesetzgebung gerade mit den sogenannten 'Hartz-Gesetzen' dieser sozialistischen Verfassung geworden ist.
(Man möchte dennoch bemerken, was damals im versiegelten Güterwaggon mit Lenin gen Osten exportiert worden ist, ist über Schröder und Hartz als Gedankengut gleichsam wieder auf bizarren Wegen reimportiert worden.)

.Doch zurück zum Thema: Spätestens seit nun dieser Satz des
Paulus in die sowjetische Verfassung sich verirrt hatte, ist seine Bedeutung zur rein exoterischen Auslegung verkommen.
Und die Benutzung dieser Bibelstelle - um im eigentlichen
Kontext ihres Ursprungs zu bleiben, kommt nun äußerst philisterhaft daher.

Denn es geht dort, in der Bibel, in dem ja eigentlichen
spirituellen Kontext, eben nicht um eine äußere, exoterische Anweisung des Paulus, sondern um eine quasi Anweisung für spirituelle Arbeit und um das Brot der Erkenntnis!
Es geht nicht um profane Arbeit, nicht um 'Maloche' mit Hammer und Sichel!

So ist es auch vollkommen töricht, diese Bibelstelle in
ihrer rein spirituellen Erkenntnisanleitung durch Paulus umzudeuten und exoterisch zu interpretieren als äußere, dem Kollektiv wirtschaftlich dienen sollende Maxime.

Es ist der Satz des Paulus: „Und da wir bei euch waren,
geboten wir euch solches, daß, so jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen“
eine rein spirituelle Schulungsanweisung zur Erkenntnis der geistigen, höheren Welten.

Wer, als mit einigermaßen wachen Auges lebender Mensch, kennt denn
nicht die tatsächliche Lebenswirklichkeit dessen, was menschliche Reifung betrifft, nämlich daß er in der Erkenntnis, in seiner menschlichen Fortentwicklung, mit seinem Lebensverständnis und mit seiner Lebensweisheit nur durch eigene innere Arbeit vorankommt, weil es eben dafür keinen Königsweg gibt.

Es gibt kein Brot der Erkenntnis, keine geistige Nahrung und
innere Errungenschaften ohne seelisch-geistige Arbeit; keine, die durch inwendige Bequemlichkeit oder Trägheit des Herzens gegenüber den Beteiligungen an den Lebensvorgängen entstehen könnten!

Wer allerdings eine äußere ‚betriebswirtschaftliche’
Umdeutung betreibt, greift erstens zu kurz und überführt sich zudem selbst dahingehend, wie ihm Spiritualität in doppelter Weise ein Fremdwort ist, wie lebensfremd er die spirituelle Anweisung des Paulus nimmt, und wie äußerst oberflächlich er mit der ins Äußerliche getriebenen Interpretation im Leben herumdümpelt.

Es ist ja das gerade so, als würde man beispielsweise in
Bezug auf das Gebiet des Verkehrswesen, den Transportbereich, die Begrifflichkeit der Fortbewegung nicht begreifen und deswegen uminterpretieren als Geschehnisse von meinetwegen Zellteilungen oder anderen diesem fernstehenden.

.
Es möge nützen!

Herlichst Ihr
GEBE