Leserartikel-Blog

US-Plan zum Kauf "toxischer" Wertpapiere als Chance für Kapitalmärkte?

Schade, dass diese Meldung nicht in deutschen Medien zu finden war. Die US-Regierung hat nämlich in der vergangenen Woche den Plan weiter konkretisiert, wie sie das Problem der toxischen Wertpapiere (=assets) lösen will. Dazu will sie diverse Fonds mit privater Beteiligung auflegen, die um diese Papiere mitbieten. Dadurch erhofft man, einen Marktpreis zu finden, der es den Banken erlaubt, diese Papiere ohne weitere Verluste zu verkaufen. Dazu will die US-Regierung private Investoren ermuntern, in diesen Markt einzusteigen.

Investoren könnten z.B. Hedge Fonds, Private Equity oder wohlhabende Finanziers sein. Der Umfang des Programms soll zwischen 500 Mrd. und 1 Billion US$ liegen, wobei noch nicht klar ist, welcher Wert erzielt wird.

Dieser Ansatz erscheint mir der bisher realistischste Weg zu sein, weil kaum jemand in der Lage ist, diese Papiere zu bewerten. Auch in meinem Blog habe ich schon umfangreiche Überlegungen zu der Bewertung dieser Papiere angestellt, die in den Bankbilanzen weltweit für Schieflagen und einen gigantischen Eigenkapitalverzehr sorgen.

Das Problem: Niemand weiß genau, wie viel diese Papiere wert sind. Die aktuellen Marktwerte sind derzeit nämlich durch mindestens zwei Faktoren verzerrt:

1. Durch hohe Risikoprämien (ich spreche hier von einer inversen Blase), die sich m.E. weit entfernt haben von den tatsächlichen Ausfallwahrscheinlichkeiten der Ursprungsforderungen.

2. Durch eine ausgetrocknete Liquidität des Marktes. Eine Ursache dafür liegt in 1. Eine weitere könnte darin liegen, dass Banken und andere Investoren weiterhin Probleme haben, sich Geld zu beschaffen.

In der Öffentlichkeit sind trotz der gewaltigen Bankenschieflagen bisher kaum Informationen über die toxischen Assets verfügbar. Investoren, die Interesse am Kauf dieser Papiere signalisieren, werden sich aber die Bedingungen der Assets genau sehen wollen und müssen, bevor sie ein Gebot abgeben. Anders ist ein Gebot gar nicht möglich.

Persönlich bestätigen die Aktivitäten meine Einschätzung, denn der US Finanzminister kommt ebenfalls zu der Ansicht, dass die toxischen Assets einen höheren inneren Wert haben. Dies ist allerdings unter Ökonomen und anderen Beobachtern heftig umstritten, wie Paul Krugman in seinem Blog schreibt. Gleichwohl ist Geithner der Überzeugung, dass die toxischen Assets nur deswegen so niedrig bewertet sind, weil Vertrauen und Finanzierung dafür fehlen.

Ein weiteres Argument, warum sich die mutmaßlichen “Schieflagen” insbesondere der mit US-Immobilienkrediten unterlegten “toxischen” Assets wieder aufrichten könnten, ist der Plan der US-Regierung, Immobilieneigentümer mit verschiedenen Maßnahmen zu unterstützen. Mit diesen Maßnahmen sollen Kredite umgeschuldet oder Schuldner entlastet werden, damit es nicht bzw. zu weniger Zwangsvollstreckungen kommt.

Natürlich ist der Plan heftig umstritten. So berichtet die Financial Times davon, dass JP Morgan und Wachovia sich ein paar dieser Assets angesehen haben und zu sehr schlechten Werten gekommen sind. Allerdings sind die Daten mit denen die FT JP Morgan und Wachovia zitiert auf Basis dieses Artikels nicht überprüfbar. Hier wird von sehr hohen Ausfallraten selbst bei den Tranchen mit bester Bonität gesprochen. Das halte ich angesichts der tatsächlichen Kreditausfallquoten für unglaubwürdig. Man müsste sich andernfalls fragen, sollten JP Morgan und Wachovia Recht haben, welche Kredite denn dann eigentlich verbrieft wurden und ob hier nicht sogar massiv getäuscht wurde.

Insbesondere in englischsprachigen Medien findet derzeit eine intensive Debatte über Geithners Aktivitäten statt, wie z.B. hier im Guardian. Aber man kann es drehen und wenden, bisher habe ich von keinem besseren Plan gelesen. Alle anderen Pläne erhöhen das Risiko für den Steuerzahler oder für die Banken. Die einzige Alternative wäre, dass der Staat selbst die toxischen Papiere hält und in einigen Jahren mit entsprechenden Zahlungsrückflüssen belohnt wird. Dazu muss er sich aber umfangreiches Know-how aufbauen, wenn er nicht die “Zitronen” erwerben will.

Auf der anderen Seite gibt es bereits erste private Interessenten für das Programm. So will der Investor Wilbur Ross möglicherweise investieren, wie Bloomberg schreibt. Man darf sich natürlich fragen, warum Ross seine Aktivitäten öffentlich bekannt gibt. Andererseits darf man auch annehmen, dass es weitere Interessenten gibt, die keine Posaune verwenden, um ihre Aktivitäten in die Öffentlichkeit zu tragen.

Mich persönlich überrascht, dass Geithners Konkretisierung bisher nicht den Weg in die deutsche Wirtschaftspresse gefunden hat. Das ist allein deswegen erstaunlich, weil Geithners Weg auch für Deutschland und Europa ein Ansatz für die Lösung der Bad Bank-Frage sein könnte.

Insgesamt zeigen die Aktivitäten und auch Vorschläge aus der Privatwirtschaft, dass die USA wesentlich weiter in ihren Überlegungen zur Lösung eines der Hauptprobleme der Finanzkrise sind. Hier gibt es ganz klar Möglichkeiten, die den Nährstoff für eine Erholung der Märkte bilden können.

Dies ist die leicht überarbeitete Fassung eines Artikels, der gestern im Blick Log erschienen ist. Der Artikel im Blick Log enthält noch eine Grafik, weitere Links sowie umfangreiche Hinweise auf weitere Quellen und Artikel zum Thema.

decoien
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