Leserartikel-Blog

Antifaschist Jakob Textor im Alter von 102 Jahren gestorben…

Jakob Textor war der letzte Mössinger Generalstreiker gegen Adolf Hitler, der nun im Alter von 102 Jahren gestorben ist.
Der Arbeitersohn wurde 1908 in Mössingen (Kreis Tübingen) geboren. Seine Mutter war Näherin in einer Fabrik und der Vater Maurer von Beruf. Zu jener Zeit galt sein Vater als Sympathisant der Sozialdemokratie und so kam Jakob Textor schon früh in Kontakt mit linkem Gedankengut, zumal der erste sozialdemokratische Mössinger Gemeinderat Konrad Wagner im Haus nebenan wohnte.
1924 beendete Jakob Textor seine dreijährige Lehre bei einem Mössinger Malermeister. Während dieser Zeit trieb er regelmäßig Sport und war Mitglied bei den Arbeiterradfahrern und im Arbeiterturnverein. Er gehörte dort der Akrobatengruppe an. 1925 besuchte er sogar die Arbeiterolympiade in Frankfurt und war dort der einzige Mössinger Teilnehmer, was für ihn ein nachhaltiges sportliches Erlebnis darstellte.

Nach seiner Ausbildung hatt er meist auswärts gearbeitet, allerdings war er zu jener Zeit immer wieder arbeitslos, sodass er in seiner Gemeinde aktiv am Bau einer Turnhalle mitwirkte.
Sein Bekanntheitsgrad stieg allerdings durch seine spektakulären politischen Aktionen in Mössingen. Im April 1932 kletterte er absichtlich zu den Reichstagswahlen auf einen Kamin der Fa. Pausa und hisste dort eine rote Fahne mit Hammer und Sichel. Keiner der politischen Widersacher getraute sich damals die Fahne wieder herunterzuholen, so dass der Heizer dieser Firma schließlich solange schüren musste, bis die Fahne verbrannte.
Ein Jahr später hinterließ Traxtor pünktlich zur Reichstagswahl auf einer Gartenmauer in der Langgaß einen - aus heutiger Sicht - sehr interessanten Spruch: „Wer Hitler wählt, wählt Krieg!“

Als am 30. Januar 1933 bekannt wurde, dass Reichspräsident Paul von Hindenburg den Vorsitzenden der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), Adolf Hitler, zum Reichskanzler ernannt hatte, regte sich in der Arbeitergemeinde Mössingen der Widerstand.
Für den Generalstreik, der am 31. Januar 1933 in Mössingen durchgeführt wurde, malte Textor in der Nacht zuvor ein Transparent. „Heraus zum Massenstreik“, diese Worte konnte man während des Demonstrationszuges lesen.
Während der Demonstration trug er selbst eine rote Fahne und marschierte mit zwei anderen dem Demonstrationszug voran. Jakob Textor gehörte zu denjenigen, die den Fabrikzaun der Fa. Burkhardt überkletterten.
Er schwenkte damals seine rote Fahne eifrig vor den Fabrikfenstern, um die Beschäftigen zur Teilnahme des Generalstreiks zu motivieren.
Nachdem sich der Demonstrationszug auflöste, rollte Textor seine Fahne zusammen und flüchtete über die Wiesen. Da die Polizei ihn nicht mehr einholen konnte, rollte er die rote Fahne wieder aus und winkte aus der Ferne den Polizisten zu. Aufgrund dessen wurde er am nächsten Tag verhaftet und kam ins Gefängnis nach Rotteburg. Anschließend musste er ins Landesgerichtsgefängnis nach Ulm. Gegen 98 der Streikteilnehmer wurde damals Anklage erhoben. Bei 92 Personen lautete die Anklage „Landfriedensbruch“ und 6 Streikteilnehmer wurden wegen Hochverrats angeklagt, da sie die sogenannten Rädelsführer waren.
Knapp ein halbes Jahr später, im Juli 1933 wurde Textor zu acht Monaten Haftstrafe verurteilt.
Es wurden insgesamt 80 Personen, darunter 3 Frauen verurteilt. Die Haftstrafen der Mössinger wurden sich zwischen 3 Monaten und 2½ Jahren angeordnet.
Nach seiner Haftentlassung wirkte er wieder als Widerständler und beteiligte sich an der Verteilung von illegalen Flugblättern gegen das Naziregime. Seine politische Arbeit stellte er 1934 vorläufig ein, als er beim Verteilen erwischt wurde. Er konnte sich damals nur mit viel Glück aus der Sache herausreden. So blieb er vor einer weiteren Haftstrafe verschont, allerdings wurde auch er in den Krieg involviert.
Jakob Textor kehrte 1945 nach fünfjähriger Kriegsteilnahme nach Mössingen zurück. Er wurde nach der Wiederzulassung der Parteien in Deutland dann Mitglied der KPD.
Jakob Textor beendete sein politisches Engagement 1956 mit dem Verbot der KPD in Deutschland.
Danach widmete er sich ausschließlich seinem Beruf und seinen Hobbys(z.B. das Bergsteigen).

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http://www.moessingen.de/...