Leserartikel-Blog

Zur Graswurzelbewegung

Die Tarnkappe ist ja bekanntermaßen ein liebgewordenes, und zudem häufig genutztes Requisit, in den unendlichen Weiten des Internets.
Im Web hat es ja eine lange Tradition gefälschte Nutzeraccounts zu generieren, um etwa beliebige Produkte anzupreisen oder andere Meinungen in Grund und Boden zu schreiben.

Doch nun zur „Graswurzelbewegung“ oder Neudeutsch: Astroturfing.

Dieser Ausdruck steht für angeblich wirklich spontane, in erster Linie von vermeintlichen Privatpersonen ausgehenden Initiativen, welche allerdings nur vorgetäuscht sind. Früher hätte man einfach Propaganda dazu gesagt, also die Emotionen der jeweiligen Bevölkerungsschichten gezielt zu beeinflussen. Die meisten bekannt gewordenen Fälle von „bewegten Graswurzeln“ oder eben Astroturfing stammen, wie sollte es auch anders sein, natürlich aus dem Bereich der Politik.

Üblicherweise täuschen damit einige wenige Personen vor, eine große Zahl von Aktivisten zu sein, die für eine bestimmte Sache und selbstverständlich gerechte Sache eintreten. Es werden Blogeinträge verfasst, Crossposts verbreitet, Leserbriefe und E-Mails geschrieben sowie Trackbacks versendet.

Mittels dieser Funktionen erhalten die Astroturfer dezidierte Anweisungen, welche Meinungen sie zu welchem Zeitpunkt und wo sie diese posten sollen. Der Sinn des ganzen Unterfangens besteht darin, den Eindruck zu erwecken, dass Wut, Freude, Anerkennung oder schlichtweg Empörung nach Möglichkeit vollkommen unbeeinflusst und spontan erscheinen.
Diese in der Regel zentral gesteuerte Kampagne soll auf alle Fälle den Eindruck echter Gefühle oder Meinungsäußerungen hinterlassen.

Nun gibt es eine neue Software (Persona Managment Software), die das Astroturfing für Regierungen oder Unternehmen perfektionieren will. Denn das Betreiben zentral gesteuerter Fakes im Internet ist keineswegs einfach. Aber mit Hilfe dieses Programms kann ein einziger User ohne große Probleme Dutzende von Identitäten betreiben.
Auch der Schwierigkeitsgrad gefälschte Identitäten als solche zu identifizieren, ist damit ungleich höher, vielleicht sogar unmöglich.

Denn die neue Software ist angeblich auch in der Lage vielfältige Hintergrundgeschichten für die zahlreichen Synonyme zu erstellen.
Die Software kann zudem eigenständig verwalten, Links setzen und automatisch updaten. Außerdem soll durch den Einsatz von Virtual Private Networks und dem häufigen Wechseln der benutzten IP-Adressen eine Rückverfolgung zusätzlich erschwert werden.

Im Internet müsse der Begriff Identität neu definiert werden, schreibt deshalb George Monbiot im Guardian. Angeblich habe ihn ein ehemaliger Astroturfer anonym kontaktiert und ihn über das übliche Vorgehen in der Branche aufgeklärt. Innerhalb eines mehrköpfigen Teams agitierte dieser Mann gegen Meinungen, die seinen jeweiligen Auftraggebern missliebig waren. Ein Knochenjob – unter anderem war er für bis zu 70 Scheinidentitäten gleichzeitig verantwortlich.

Fazit: Vor diesem Hintergrund ziehe ich weiterhin z. B. Wahlen auf die herkömmliche Art (Wahlkabine – Ausweis vorzeigen / Briefwahl) jeglicher digitalen Variante vor. Auch Umfragen im Internet sind also in Zukunft hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit mit noch mehr Vorsicht zu genießen.

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