Leserartikel-Blog

Das Wunder von Dornach

ANMERKUNGEN ZU JUDITH VON HALLE – AUS ANTHROPOSOPHISCHER SICHT

Seit einigen Jahren plagen sich die Anthroposophen mit einer Art „neuem Guru“, diesmal allerdings in Frauengestalt herum. Die Dame heißt Judith von Halle, blutet aus diversen Körperöffnungen, hat „Schauungen“, unternimmt „geistige Zeitreisen“, hält öffentliche Vorträge im Rahmen der Anthroposophischen Gesellschaft, darf ihre Ansichten im Verlag für Anthroposophie veröffentlichen und erhitzt die Gemüter wie schon lange nichts mehr. Denn Judith von Halle wird von ihren Anhängern für die Reinkarnation einer der Mitbegründerinnen der Anthroposophie gehalten, Dr. Ita Wegman, hauptsächlich bekannt durch Misteltherapie und rhythmische Massage.
Die Materie ist mittlerweile so sehr eskaliert, dass dezidierte Kritik am „Wunder von Dornach“ in anthroposophischen Medien nicht mehr möglich scheint. Und so wird das Problem wohl in aller Öffentlichkeit ausgetragen werden müssen.

Rudolf Steiner hatte bekanntlich an seine Schüler den Anspruch, dass sie - notfalls - binnen drei Monaten herausbekommen, wer sie in früheren Leben waren. Ich habe nun vor kurzem herausbekommen, dass Judith von Halle von ihren Anhängern für die reinkarnierte Ita Wegman gehalten wird. Darf ich da die conclusio ziehen, dass sie sich selbst auch dafür hält respektive ausgibt? - Ich tue das hiermit.

Dies lässt ihre Bezugnahme auf ein Ita-Wegman-Zitat in ihrer Stellungnahme zu Sergej Prokofieffs offenem Brief im „Das Goetheanum“ vom 27.2.09
http://www.holger-niederh...
in einem neuen Licht erscheinen, nämlich so, als untermauere dieses Zitat ihre Position in quasi "autoritärer" Weise. Das Zitat:

‚Wie bewertet geisteswissenschaftlich orientierte Medizin Erscheinungen wie die in Konnersreuth’: „[Rudolf Steiner] wies darauf hin, dass das Wesentliche eines solchen rätselhaften Geschehens gerade darin liege, dass alle Gemüter dadurch gezwungen waren, sich mit einem solchen durchaus ungewöhnlichen Ereignis zu beschäftigen, das aus dem Alltagsleben nicht zu verstehen war [...] Und so treten von Zeit zu Zeit solche wie Wunder wirkende Geschehni se auf, die man nur durch ein Wissen von der geistigen Welt verstehen kann und die, weil sie so unergründlich sind, alle Menschen beschäf tigen und die Menschen wieder an die Realität des Geistigen erinnern.“

Dieses Zitat ist aus meiner Sicht allerdings völlig ungeeignet, um Frau Halles Position zu stützen. "Wie Wunder" steht da. Eine Stigmatisierung wirke "wie ein Wunder". Ist es also keins? Wollte Ita Wegman vielleicht dazu anregen genauer hinzuschauen?
Genauer hinschauen - so wie Prokofieff das offensichtlich tut - kann auch bedeuten sich klarzumachen, dass ein bis jetzt rein "katholisches Phänomen" an einer "Anthroposophin" auftritt. Die Aussagen Steiners über das Wirken der katholischen Kirche in jetziger Zeit sind hinlänglich bekannt. Um es deutlich zu sagen: Stigmatisierungen können nichts anderes als äußere Manipulationen sein. Ein Auferstehungsleib kann nicht bluten (Menschenkunde), er ist ein rein ätherisches Gebilde, welches tatsächlich keiner physischen Nahrungsgrundlage bedarf. Einen Auferstehungsleib kann man auch nicht mit der physischen Sehkraft wahrnehmen. Judith von Halle ist jedoch sichtbar. Rein menschenkundlich gesehen müssen aus meiner Sicht auch die biblischen Zeugnisse über die Erlebnisse der Jünger mit dem Auferstandenen angezweifelt werden, vielleicht eines von den Dingen, von denen Steiner sagte, dass "man sie noch nicht aussprechen könne". Dies geschah eventuell aufgrund des Drucks von jesuitischer Seite.

Es war und ist ein Instrument der katholischen Kirche, mithilfe von Stigmatisierungen und Marienerscheinungen ihren Machtanspruch besonders beim einfachen Volk glaubhaft durchzusetzen. Was Frau von Halle betreibt, ist genau diese katholische Methodik. Warum sie das tut, darüber mag man spekulieren. Die nächstliegende Erklärung ist natürlich, dass bei ihr eine Borderline-Störung vorliegt.
Es kann sich aber auch ganz banal um eine ziemlich intelligent gemachte Unterwanderung von Seiten des Vatikan respektive seiner Geheimorganisation Opus Dei handeln. Dann wäre sie nichts weiter als eine Abgesandte, die vor Abgesandten Vorträge hält und Bücher an Abgesandte verkauft. Es müsste ihr und ihren Freunden dann allerdings auch möglich sein, einen eigenen Verlag zu gründen, eine eigene Zeitschrift herauszugeben und für Veranstaltungen eigene Räumlichkeiten anzumieten. Auch würde man sich freuen, wenn der Mut vorhanden wäre, einen Ita-Wegman-Zweig zu gründen.
Und dann würde man an diese Leute die Frage richten:
"Was, ihr Lieben, tut ihr denn dafür, damit dasjenige, was Ita Wegman wollte, nämlich dass die Anthroposophie für alle Menschen auf der ganzen Welt da ist, damit dasjenige Wirklichkeit wird? Wo gibt es denn auch nur den kleinsten Praxisbezug im Wirken von Judith von Halle? Wen interessiert denn, was sie auf ihren Zeitreisen schaut, wenn darin nicht der kleinste praktisch anwendbare Zukunftskeim zu finden ist? Woher nimmt sie die Unverschämtheit, einen Sergej Prokofieff öffentlich zu beleidigen, einen Geisteswissenschaftler, der mit äußerster Akribie für seine Bücher recherchiert und unzählige Arbeitsergebnisse Steiners so miteinander in Zusammenhang gebracht hat, dass dadurch neue Erkenntnisse möglich werden?
So etwas nenne ich praktischen Nutzen einer geisteswissenschaftlichen Arbeit - zum Beispiel wenn man sich Urteilsgrundlagen im Hinblick auf die östliche Esoterik und die Wurzel der New-Age-Bewegung bilden möchte. Dass auch Prokofieff irren kann, ist selbstverständlich. Auch Steiner hat sicher hier und da geirrt. Aber ob wir uns jetzt alle in Bezug auf Judith von Halle irren?
Zumindest jedoch können wir hinsichtlich ihrer Problematik "etwas wissen von der geistigen Welt", wie Wegman formulierte. Da können wir zum Beispiel wissen, dass Machtkämpfe stattfinden zwischen Vatikan und Dornach. Geistige Kämpfe, die auch physisch zum Ausdruck kommen können, etwa in Gestalt einer stigmatisierten Person. Vielleicht sollte im Gegenzug mal ein waschechter Anthroposoph in den Vatikan geschmuggelt werden, zum Beispiel mit dem Ziel, die Akten der Inquisitionsbehörde zu vernichten. Es muss ja nicht immer das Goetheanum brennen... (kleiner Scherz).
Wir stehen also faktisch - praktischerweise ausgelöst durch Judith von Halle - vor dem Problem, dass wir im Grunde genommen mit widersprüchlichen Aussagen Steiners konfrontiert sind. Diese Widersprüche zu erkennen, auch zu erkennen, wodurch sie ausgelöst worden sind, das ist doch dasjenige, was weiterführt. Denn nur weil wir diese Widersprüche bis jetzt für uns nicht ausreichend geklärt haben, kann doch eine gegnerische Organisation mit diesen Widersprüchen spielen.

Ein besonders rätselhafter Widerspruch in Steiners Aussagen ist durch eine Art „Versprecher“ in seiner letzten Ansprache entstanden, in der er entgegen früherer Aussagen Lazarus-Johannes anstelle von Johannes dem Täufer in der Inkarnationsreihe des Elias aufführt. Hätte er sich allerdings tatsächlich versprochen, so hätte er dies in der ihm noch verbleibenden Lebenszeit korrigiert. Hätte es andererseits eine Möglichkeit der näheren Erläuterung dieser völlig unverständlichen Aussage gegeben, so wäre auch dafür die Zeit gewesen.
Es ist denkbar und für mich auch logisch, dass das Scheitern der Weihnachtstagung zu Zwängen geführt hat, die sehr ungewöhnliche Maßnahmen von Steiner und seinen nächsten Mitarbeitern verlangten.
Man darf nicht vergessen, dass ein Sturmwind wehte von allen Seiten.
Dieser wehte aus Richtung des Golden Dawn im Westen, wo eine Art verzerrtes Gegenbild des Goetheanismus gepflegt wurde. Mit Aleister Crowley stand ein Eingeweihter an der Spitze dieses Ordens, der Rudolf Steiner – man muss es leider sagen – überlegen war.
Aus Rom im Süden wehte ein eiskalter Wind, weil mit Rudolf Steiner zum ersten Mal ein „Priester nach der Weise Melchisedeks“ die katholische Kirche angriff und entlarvte.
Auch im Osten stand eine Übermacht bereit, die Welt des Buddhismus und des Hinduismus, vertreten durch Meister Kuthumi und Meister Moria (Sethströmung?).
Aus dem Norden zogen sich die Horden eines „neuen Germanentums“ zusammen, um Mitteleuropa zu vernichten.

Rudolf Steiner stand also im Kreuzungspunkt eines auf ihn gerichteten geistigen Krieges.
Warum musste denn das Goetheanum nach Johann Wolfgang von Goethe benannt werden? War dies vielleicht ein Zeichen, ein Mahnmal, das Wesen Goethes, das durch den Bund mit Mephisto „zersplittert“ worden war, wiederzubeleben?
Von Goethe ist ja – ich will es hier mal aussprechen – in esoterischen Kreisen bekannt, dass er unter anderen Abraham, Mose, Salomo, Joseph von Arimathäa, Mohammed und Amfortas gewesen sein soll. Mit Goethe ist uns ein unvergleichlich großes Genie entgegengetreten, durch das dem in Erstarrung geratenen menschlichen Denken und Forschen unzählige neue Impulse und Wissensschätze übergeben wurden. Durch den „Gang zu den Müttern“ wurde jedoch sein Wesen in der Weise geteilt, dass es in der nächsten Inkarnation in drei einander widerstrebenden Persönlichkeiten auftrat: In Crowley, in Steiner und in Hindenburg.
Jeder möge für sich prüfen, ob dieses von mir Behauptete logisch ist und der Wahrheit entsprechen könnte.
Eine dieser drei Persönlichkeiten war geistig stärker als die beiden anderen, und das war Aleister Crowley. Hindenburg verausgabte sich in der Öffentlichkeit, und Steiner sah sich gezwungen, diverse „Abkommen“ zu treffen, um überhaupt öffentlich sprechen zu können, sollte das von Goethe Geleistete nicht zur Gänze den Gegenmächten verfallen.

Das muss man meines Erachtens berücksichtigen, wenn man sich mit Widersprüchen in Steiners Aussagen befasst. Soweit mir bis jetzt aufgefallen finden sich die eigentlichen Widersprüche nur im Zusammenhang mit Steiners Christologie. Es besteht für mich kein Zweifel daran, dass die „Fehler“ in seinen Ausführungen zur Christologie kein Zufall sind und auch nicht auf Irrtümern von Seiten Steiners beruhen. Denn das wäre wiederum sehr unlogisch, dass nur ein relativ kleiner Teil seines Werkes zum Teil offensichtliche Fehler enthält, während alles andere in sich schlüssig und größtenteils nachprüfbar ist.

Ich möchte einige der Widersprüche benennen. Da mir seit vielen Jahren (nicht zuletzt aus Verzweiflung über eben diese Widersprüchlichkeit) keine Steinerbücher oder sonstige anthroposophische Literatur mehr vorliegen, kann ich die Vorgänge nur sinngemäß aus dem Gedächtnis darlegen. Es möge also bitte nicht um jedes Wort geklaubt, sondern der Versuch gemacht werden, das von mir Gemeinte zu verstehen, unvoreingenommen zu prüfen und selbstverständlich auch kritisch zu hinterfragen.
Der erste Widerspruch, der mir auffiel, war der, dass Steiner mit dem „Mysterium von Golgatha“ den alten Vatergott abgeschafft hat. Dies steht im krassen Widerspruch zu zahlreichen Aussagen des Alten Testaments, in dem Gott zum Beispiel durch Jesaja von sich sagen lässt, dass er der Erste ist, und der Letzte, dass er immer derselbe war und ist und sein wird. Irgendwo steht auch, dass derjenige, der behauptet, er sei ein anderer geworden, ein Lügner sei.
Wem nun würde es nützen, wenn durch Steiner eine Art Verfälschung des Wesens Gottes in die Welt gekommen ist? Der Anthroposophie wohl kaum. Die könnte wunderbar existieren mit zum Beispiel einem Gottesbild eines Thomas von Aquin. Dem hätte in dieser Hinsicht nichts entgegengestellt werden müssen.
Wer aber profitiert davon, dass eine weitere Spaltung der Christenheit und die Verständigung der monotheistischen Religionen untereinander noch schwerer statt einfacher wurde, wofür zu sorgen eigentlich die Mission der Anthroposophie gewesen wäre?
Davon profitiert zum einen die katholische Kirche, die mit ihren zahllosen Lügen, Verdrehungen und überflüssigen Dogmen nun nicht allein dasteht, sondern schlimmer noch: in einem ganz zentralen Punkt „Recht hat“.
Es profitieren davon auch die Satanisten und die Materialisten, waren sie doch schon immer dafür, Gott regulär für tot zu erklären.

Ich gehe allerdings davon aus, dass der stärkste Druck auf Steiner aus östlicher Richtung ausgeübt wurde. Nachdem es 1907 zu einer Spaltung der theosophischen Gesellschaft gekommen war und Steiner sich entschlossen hatte, konsequent seinen eigenen, von ihm als richtig erkannten Weg zu gehen – und der hieß „Abschaffung des Guruprinzips“ – muss es hinter den Kulissen zu heftigsten Auseinandersetzungen und hasserfüllter Feindschaft gekommen sein. Denn das Guruprinzip in Frage zu stellen und den achtgliedrigen Pfad in die christliche Tradition einzubinden, das bedeutet, die Grundlagen der östlichen Esoterik zum Einsturz zu bringen.
Er hat es trotzdem getan.

Gehen wir noch einen Schritt weiter. Die zwei Jesusknaben, hat es die tatsächlich beide gegeben, oder war einer von beiden der geistigen Machtkonstellation der damaligen Zeit geschuldet? Fand in Wahrheit ein Machtkampf zwischen Buddhismus und Christentum statt, und zwar nach alter östlicher Tradition: „Besiegen durch Umarmen“?
Wozu brauchen wir zwei Jesusknaben? Wem nützt es, wenn es eine solche Theorie gibt?
Wozu brauchen wir zwei Johannesse oder gar drei?
Meine Auslegung des damaligen Geschehens, das heißt meine Überlegungen anhand des Studiums einer völlig normalen Bibel (Zürcher Bibel) in Kombination mit Aussagen Steiners, die mir folgerichtig erscheinen:
Johannes der Täufer (Elias, Henoch, Enos, Seth), weder zugehörig der abelitischen noch der kainitischen Strömung, sondern einer ganz anderen „Art“ angehörend, einer Art, die „nicht isst und nicht trinkt“, verkündet das „Kommen des Herrn“. Diese Art, die nicht isst und nicht trinkt, ist von höchster Intelligenz („der herrliche Fremdling mit den sinnvollen Augen, dem schwebenden Gange und den zartgeschlossenen, tonreichen Lippen“), aber unfähig, selbst etwas zu erschaffen. Diese Art nimmt an der Evolution teil, indem sie Geistesschätze aufnimmt. Sie ist keine Weisheits- sondern eine Wissensströmung, die sich jedoch gern in den Mantel einer „demütigen Hirtenströmung“ kleidet. Sie stammt nicht von der Erde, aber sie stammt auch nicht von Gott.
Johannes der Täufer und der Essener-Orden wussten um die Ankunft eines Menschheitslehrers – Jesus, später Jesus Christus, früher David, noch früher Noah. „Demütig dienend“ bereitete Johannes alles vor. Sein Geheimorden hütete die Weisheit, die erst durch seinen Tod Jesus Christus zugänglich wurde. Dadurch erlangte er auch die Kräfte, die benötigt wurden, um Menschen zu heilen und Tote zum Leben zu erwecken. Der erste, von dem dieser Vorgang biblisch dokumentiert wurde, war Lazarus. Da der Todeszeitpunkt schon vier Tage zurücklag und der Ätherleib begonnen hatte sich aufzulösen, übertrug Jesus Christus seinen eigenen Ätherleib, der wiederum durchdrungen war vom Ätherleib des Johannes, auf Lazarus. Und so wurde Lazarus eben ein „zweiter Johannes“, aber eigentlich nur dem Namen nach beziehungsweise in Teilen seines Ätherleibes. Astralleib und Ich, ja auch physischer Leib blieben davon unberührt.

Wem nun dienen die Verdrehungen dieses Vorgangs, so wie sie von Judith von Halle in ihrem Buch „Vom Mysterium des Lazarus und der drei Johannes“ frei erfunden werden?
Sie dienen schlicht und ergreifend dazu, uns Anthroposophen „Streitfutter“ vorzuwerfen, um uns dazu zu bringen, uns über völlig nebensächliche Dinge zu streiten, statt uns zu sagen: Es kann uns doch egal sein, ob es einen, drei oder gar 5000 Johannesse gegeben hat. Entscheidend ist, dass wir mit den Erkenntnismitteln, die uns der Goetheanismus zur Verfügung stellt, gestaltend ins Weltgeschehen eingreifen, ohne uns dabei gegenseitig allzu sehr im Wege zu stehen.
In diesem Sinne kann uns eine Judith von Halle auch – wie einst Johannes der Täufer dem Christus – den Weg gerade und damit einfacher machen, wobei ich nicht soweit gehen würde, mich bei ihr für diesen „Freundschaftsdienst“ zu bedanken.

Wir können aus dem Beschriebenen etwas darüber lernen, wie man kämpft. Als das erste Goetheanum brannte, da war es eigentlich aus. Der Kampf war verloren. Dennoch haben sich damals einige Menschen entschlossen, einen Weg zu suchen. Dies führte zur Weihnachtstagung mit all ihren bekannten und zum Teil sehr unangenehmen Folgen. Es ging damals darum, den Versuch zu machen, eine Art Schutzhülle für Steiner und zugleich für die Anthroposophie zu erschaffen. Dies misslang, und Steiner musste gehen – einer sehr ungewissen individuellen Zukunft entgegen. Denn die Hülle für die Anthroposophie war entstanden, die für Steiner jedoch nicht. So wurde seine Individualität abgetrennt von der Anthroposophie, ein Vorgang, der nur von anderen, nicht von ihm selbst geheilt werden kann.
Die „Schutzhülle“ der Anthroposophie wurde durch die Abtrennung Steiners zu einem Verwaltungsverein und entpuppte sich im Laufe der Jahrzehnte als etwas, das Manfred Schmidt-Brabant als „okkulte Gefangenschaft“ charakterisiert hat. Hätte es aber die Weihnachtstagung nicht gegeben, dann hätte es weder diese Hülle noch den Fortbestand ihres kostbaren Inhaltes gegeben. Und so kann man zu der weisen Einsicht gelangen, dass selbst eine okkulte Gefangenschaft positive Aspekte haben kann, besonders wenn sie in solch „harmloser“ Gestalt wie der eines Verwaltungsvereins auftritt.