Leserartikel-Blog

Die chinesische Eigenschaft der Jasmin-Revolution

Am 19. Februar 2011 ist unter der Überschrift "Versammlungsorte in den Großstädten für die chinesische Jasmin-Revolution" der erste Aufruf auf der chinesischen Webseite Boxun im amerikanischen Exil erschienen. Seit diesem Tag wird Boxun angegriffen und immer wieder lahmgelegt, wie andere Webseiten im Exil auch.

Der kurze Aufruf richtet sich an alle Chinesen, die unter der KP-Diktatur leiden, aber die Hoffnung auf eine Zukunft noch nicht aufgeben. Dort heißt es, "Wir müssen uns für unsere eigene Zukunft verantworten, für die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder verantworten... Wir brauchen nur zu den genannten Orten zu gehen, aus der Entfernung zuzuschauen, wortlos zu folgen, je nachdem mutig Deine Parolen auszurufen, vielleicht wird sich in diesem Moment die Geschichte zu ändern beginnen".

Es wird gebeten, an jedem Sonntag um 14 Uhr zu den genannten Orten zu gehen. "Daran festzuhalten ist der Sieg!"

Auch 13 Parolen werden angegeben, darunter "Ende der Einparteien-Diktatur".

Dieser Aufruf zeigt, dass der Initiator mit einer friedlichen Revolution die KP-Diktatur beenden will.
In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass es in China immer wieder öffentliche Proteste gegen die KP-Diktatur gegeben hat. Im April 1976 fand der erste Massenprotest auf dem Platz des Himmlischen Friedens statt.

Foto unter dem Link
http://blog.boxun.com/her...

2006 wurde die Blaue Revolution von dem Rechtsanwalt Gao Zhisheng in Peking initiiert.
Am 3. Februar 2006 wurde sein Mitstreiter Guo Feixiong von den KP-Kräften grausam verprügelt.
Am 4. Februar rief Gao zu einem Ketten-Hungerstreik gegen die KP-Diktatur auf. Der Rechtsanwalt wurde von seinen Kollegen, den Bloggern, den Umweltaktivisten, Bürgerrechtlern, Falun Gong-Praktizierenden, Christen, Petitionern und so weiter weltweit unterstützt. Bei meiner Unterstützung für diese Blaue Revolution habe ich mich persönlich davon überzeugt, dass Liu Xiaobo dem Regime als Handlanger dient. Denn er ist den friedlichen Revolutionären immer wieder in den Rücken gefallen. Die Blaue Revolution wurde mit der Verhaftung von Gao Zhisheng im August des selben Jahres unterdrückt.

Deshalb ist es verständlich, dass der Aufruf zur Jasmin-Revolution anonym veröffentlicht worden ist.

Der Aufruf entstammte meines Erachtens von den Freiheitskämpfern im Land, nicht im Exil. Diese Meinung vertritt auch die Chinaexpertin He Qinglian, die seit 2001 im Exil leben muss. Sie weiß auch aus eigener Erfahrung, dass die genannten Versammlungsorte kein Mensch vom Exil aus benennen kann. Chinesen wie wir fühlen uns nur dazu berufen, den Widerstand der Landsleute in China gegen die KP-Diktatur zu unterstützen.

Vorbilder aus der Geschichte und Gegenwart

In diesem Jahr wird das 100. Jubiläum der Xinhai-Revolution gefeiert. Ich schreibe auch deshalb eine Kolumne über die Heldentaten gegen die Kommunisten als fünfte Kolonne der Sowjetunion in China vor 1949 für eine Exilzeitschrift in Australien.

Die Xinhai-Revolution hat die letzte Monarchie in der chinesischen Geschichte beendet und die Republik China gegründet, die den Chinesen die Bürgerrechte und die Freiheit garantiert, wie jetzt auf der Insel Taiwan.

Nach der kommunistischen Eroberung des Festlandes haben die Eliten jeder Generation in Rotchina auf verschiedene Art und Weise versucht, sich gegen das kommunistische Regime zu wehren, um ihre Menschenrechte zu verteidigen. Manche werden wie Yu Luoke (1942-1970) hingerichtet, manche werden wie Wei Jingsheng (1950-) zur Haft verurteilt. 1993 wurde Wei Jingsheng freigelassen, nicht zuletzt weil das Regime die Olympischen Spiele 2000 ausrichten wollte. Seitdem missbraucht das Regime die politischen Gefangenen immer wieder als Gewichtsstücke beim Verhandeln mit der freiheitlichen Welt. 1997 wurde Wei Jingsheng aus seiner zweiten Haft ins Exil verbannt.

Mittlerweile kümmern sich die westlichen Regierungen noch weniger um die Menschenrechte in Rotchina. Das Regime erlaubt sich alles zu machen, was ihm passt. Trotz internationaler Proteste wurde Liu Xiaobo nach seiner kriecherischen Verteidigungsrede zu einer Haft von 11 Jahren verurteilt.

Der Friedensnobelpreisträger 2010 ist zwar eine Beleidigung für die chinesischen Freiheitskämpfer, die trotz der Verfolgung durch die KP Chinas ihr Rückgrat bewahrt haben. Gott sei Dank, sie werden von Ihresgleichen in der arabischen Welt ermutigt. Der Ägypter Wael Ghonim und seine Rede "Inside the Egyptian revolution" werden im chinesischen Internet verbreitet und bewundert, wie der blinde Menschenrechtler Chen Guangcheng und seine Videobotschaft.

Das Video von Ghomim
http://www.youtube.com/wa...

Um die Jasmin-Revolution im Keim zu ersticken hat das Regime seit 19. Februar mehrere bekannte Bürgerrechtler gekidnappt. Sogar das Wort "Jasminblüte" gehört seitdem zu den vom Regime in China verbotenen Wörtern. Auch die ausländischen China-Korrespondenten werden eingeschüchtert, ja sogar zusammengeschlagen, damit sie dem Regime gehorchen. Nur gekaufte Experten würden weiter den Schurkenstaat verklären, nachdem die KP-Sprecherin Jiang Yu kundtat, dass das Gesetz in Rotchina nicht als Schutzschild dienen kann!

Die KP-Kräfte greifen die chinesischen Webseiten und Blogger an. Trotzdem sind eine Reihe von Webseiten entstanden, um die Jasmin-Revolution zu fördern.

Die kommunistischen Machthaber können mit Gewalt nicht verhindern, dass die chinesische Jasmin-Revolution ihren Weg finden und durchsetzen wird.

Am fünften Sonntag (20. März) wurde in Peking eine "Aktionskunstausstellung der Einzelnen in der heiklen Zone" eröffnet, in der auf die Jasmin-Revolution ein unübersehbarer Bezug genommen wird. Am 24. März sind drei Künstler von der Ausstellung abgeführt worden.

Am sechsten Sonntag (27. März) schrieb ein Jasmin-Revolutionär bei Twitter, "Jeden Sonntag spazieren zu gehen, um zufällig einen unvergesslichen Sonntag zu treffen. Ich kann diesen Staat nicht ändern, aber ich möchte nicht von diesem Staat geändert werden".

Meine Aufgabe sehe ich darin, die echten Künstler und die mutigen Jasmin-Revolutionäre zu unterstützen. Sie sind siegessicher, wie der Chinese meiner nächstjüngeren Generation am ersten Sonntag (20. Februar) der Jasmin-Revolution bei der Festnahme zeigte.

Das Foto von dem genannten Chinesen am ersten Sonntag
http://blog.boxun.com/her...