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Das Sterben der mittelständischen Wirtschaft, Guido Westerwelle und Karl-Theodor von u. zu Guttenberg

Man muss nüchtern feststellen, dass die Arbeitnehmer, Rentner und Arbeitlosen seit Jahrzehnten von der Politik betrogen werden. Solange wird der deutschen Volkswirtschaft eine Medizin verordnet, die ihre Krankheit nicht heilt, sondern beflügelt.

Bereits die rasant zunehmenden Technologieforschritte seit Eintritt in das Computer-Zeitalter begründen einen zunehmenden Ersatz von Arbeitskraft durch Maschinenleistung.

Das gilt selbst für hochqualifizierte Arbeiten, natürlich schafft ein mit heutigem Ideal-Equipment ausgestatteter Architekt oder Ingenieur mehr als zehn seiner Vorgänger in den 60-ger Jahren, die mit Tuschezeichnern und Schablonen an
riesigen Zeichenbrettern standen, mit mechanischen Taschenrechner umfangreiche Berechnungen ausführen mussten.

Das ökonomische Maß, in dem sich das ausdrückt, ist die sog. Arbeitsproduktivität. Sie gibt an, wie viele Arbeitstunden nötig sind, um eine bestimmte Leistung zu erzeugen, etwa einen Stuhl, ein Auto, eine Konservendose.

Nun ist es grundsätzlich eine feine Sache, wenn Arbeitsproduktivität erhöht werden kann. Warum soll man mehr schuften als nötig?

Andererseits verhält es sich so, dass Arbeitseinsatz und Kapitaleinsatz natürlich Auswirkungen auf die Verteilung des Volkseinkommens haben. Wollte man heute die selben Verteilungsschlüssel haben wie in den 60-ger Jahren, so hätte jeder Fortschritt in der Arbeitsproduktivität zu einer Arbeitszeitverkürzung bei fast vollem Lohnausgleich führen müssen - lediglich der veränderte Kapitaleinsatz hätte gegengerechnet werden dürfen.

Das wussten die Kapitalisten zu verhindern, mit massiven Einflüssen auf die Parteien, die Medien und die Herrschaaren der Wirtschaftsleute sorgten sie selbst in Zeiten steigender Arbeitsproduktivität für Zurückhaltung in der Lohnentwicklung.

Bereits durch diese Vorgehensweise fand eine massive Umlenkung in der Verteilung des Volkseinkommens statt, zunehmend größere Anteile gingen an die Kapitalisten, zunehmend kleinere Anteile an die Arbeitnehmer.

Doch damit nicht genug: Die Einflüsse der Kapitalisten auf Parteien, Medien und Wirtschaftsfachleute wurden auch missbraucht, um diese Umverteilungswirkung noch weiter zu verstärken: Die Steuern auf Kapitaleinkommen und hohe Einkommen wurden seit Helmut Schmidt enorm und immer wieder gesenkt, die Verbrauchssteuern und die Mehrwertsteuer, die die Bezieher kleinerer Einkommen überproportional trifft, zunehmend erhöht.

Alles, was in Sachen Lohnpolitik oder Steuerpolitik machte, wurde dem Volk als nötig verkauft, um letztlich die Arbeitslosigkeit zu beseitigen. Es war nichts anderes als eine große Lüge. Aber eine Lüge, von der viele profitierten: Die Parteien, die sich dem anschlossen, erhielten reichliche Spenden, die Medien, die in den Händen der Reichen liegen, beschäftigten nur solche Journalisten, die das Spiel mitmachten, Wirtschaftsfachleute, die sich diesen Lügen anschlossen, erhielten lukrative Aufträge und Verträge.

Doch auch damit nicht genug. Die selbstgemachte Globalisierung musste her, die deutsche Arbeitnehmer in unmittelbare Konkurrenz zu Arbeitnehmern in solchen Ländern setzte, in denen man für hundert oder zweihundert Euro im Monat tatsächlich leben kann. Profiteure: Die Kapitalisten, denen es so gelang, den Anteil der Arbeitskosten noch weiter nach unten zu fahren.

Auch die Globalisierung wurde den Volk als segensreich verkauft, von den Politikern, von den Medien, von den Wirtschaftsfachleuten.

Die so auf verschiedenen Wegen heftigst vorangetrieben Umverteilung von Arbeitseinkommen zu Kapitaleinkommen bewirkte allerdings stets auch einen Effekt, der im Grunde nicht erwünscht war: Die Binnennachfrage kränkelte immer mehr, und dem liegt ein einfaches empirisch ermitteltes Gesetz zu Grunde: Der Anteil des Geldes, den jemand von seinem Einkommen nicht verbraucht, den er also zur Seite legt, wird als Sparquote bezeichnet. Diese Sparquote, das kann sich auch jeder denken, steigt mit steigendem Einkommen.

Da das Kapital überwiegend in relativ wenigen Händen lag, während relativ viele Hände Einkommen nur durch Arbeit erzielten, war die Umverteilung von Arbeitseinkommen zu Kapitaleinkommen zugleich eine Umverteilung von den Beziehern geringer Einkommen zu den Beziehern großer Einkommen. Damit wurde die Konsumquote, so nennt man den Anteil des Einkommens, der in den Konsum fließt, zunehmen gesenkt.

Das hatte und hat natürlich Auswirkungen, die zum Beispiel die Printmedien längst zu spüren bekommen. So mancher Journalist, der sein Geld vor zehn Jahren noch damit verdiente, dass er dem Volk die Wirtschaftslügen schmackhaft machte, ist heute arbeitslos.

Doch das hatte und hat Einfluss natürlich vor allem auf diejenigen kleineren und mittleren Unternehmen, die auf die Binnennachfrage besonders angewiesen sind.

Während es in den 60-ger Jahren so gut wie unvorstellbar war, dass man in Einkaufsstraßen unbesetzte Läden fand, ist es heute außerhalb von 1a-Lagen so gut wie unvorstellbar, dass man keine unbesetzten Läden findet. Im Handwerk sieht die Lage nicht besser aus.

Freiberufler wie Tierärzte, die aus privaten Geldern bezahlt werden, können ebenfalls ein Lied davon singen, Architekten, die für Private arbeiten, ebenfalls und so weiter.

Wer die Worte des Wirtschaftsministers Karl-Theodor von Guttenberg richtig zu deuten weiß, dass die mittelständische Wirtschaft keine lebensnotwendigen kurzfristigen Darlehn mehr von den Banken erhält:

http://www.handelsblatt.c...

der weiß, dass große Teile der kleinen und mittelständischen Wirtschaft vor dem Ruin stehen.

Darauf richtet von Guttenberg sich durchaus ein, wenn auch in erfreulicher Weise: Er will Insolvenzen erleichtern:

http://de.reuters.com/art...

Eigentlich sollte man meinen, dass der Gang Deutschlands hin zu einer Bananenrepublik, in der wenigen alles, allen anderen gar nichts zufließt, allmählich ein Ende haben sollte.

Das ist aber nicht so. Zwar erklären sowohl Guido Westerwelle als auch von Guttenberg ständig, sie wollten der mittelständischen Wirtschaft helfen. Doch im Angebot haben sie nur Steuersenkungen - die denen nützen, die noch stark sind, doch denen, die es nicht mehr sind, weil ihnen die Nachfrage fehlt gar nichts nützen. Im Gegenteil: Die Steuersenkungen kommen wieder denen zugute, die höhere Einkommen haben, erfordern wieder Einsparungen zu Lasten von öffentlichen Haushalten und Beziehern geringer Einkommen, drosseln damit die Nachfrage noch weiter ab.

Man kann nur hoffen, dass denen, die das Volk heute noch belügen, allmählich klar wird, dass sie morgen selbst zu den Opfern ihrer Lügen werden, wie die Journalisten, die vor einigen Jahren noch die neoliberalen Lügenmärchen auftischten, heute aber arbeitslos sind.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

Winfried Sobottka, Dipl.Kaufmann, United Anarchists

PS.: Da ich überall, wo ich schreibe, nachweislich von Verleumdern und Mobbern verfolgt werde, hier eine Adresse, unter der ich dazu Stellung nehme:

http://www.freegermany.de...

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Leser-Kommentare
  1. 2. Glasklare Bestandaufnahme

    Vielen Dank für Ihre glasklare Bestandaufnahme. Ich teile Ihre Einschätzung, dass Herrn zu Guttenberg eine wesentliche Rolle bei der Schröpfung des Mittelstandes zu Gunsten der Superreichen zukommen wird.

    Zum Verständnis des Wirkens unseres Wirtschaftsministers ist es sicher nicht vekehrt, sich seinen Werdegang einmal näher zu vergegenwertigen.

    Das Guttenberg-Dossier Teil I
    http://www.zeitgeist-onli...

    Das Guttenberg-Dossier Teil II
    http://www.zeitgeist-onli...

  2. 3. Vielen Dank für Ihren Mut!

    Öffentlich zu bestätigen, was in Wahrheit los ist. Unser Volk leidet an Angst und fehlendem Verantwortungsbewusstsein, darum sind wir da, wo wir heute sind. Doch eine Bitte habe ich: Wir Anarchisten lehnen das Wort "Herr" ab, weil wir Männer nicht höher stehen als die Frauen. Das Analogon zu "Herr" ist "Herrin", das Analogon zu "Frau" ist "Mann".

    Entsprechend werde ich am liebsten einfach mit Namen oder mit "Mann Sobottka" angeredet.

    Wir sind alle an Dinge gewöhnt, die uns falsch beeinflussen, und tatsächlich ist das Patriarchat unser Untergang.

    Lesen Sie dazu bitte einmal, was Tacitus über die alten Westgermanen schrieb, über das einzige Volk, dass sich zur Blütezeit des Römischen Reiches allein aus römischer Knechtschaft befreien konnte:

    http://www.wurzelwerk.at/...

    Liebe Grüße

    Ihr

    Winfried Sobottka, United Anarchists

  3. 4. Betreffend Werdegang des von Guttenberg.

    Die beiden LINKS unter zeitgeist-online sind tatsächlich sehr wichtig, das sollten sich alle einmal ansehen.

    Zu ergänzen ist noch, dass von Guttenberg in einem Jesuiten-Internat erzogen wurde. Der Jesuiten-Orden ist der Orden, an dem Heinrich Himmler sich beim Aufbau der SS organisatorisch orientierte, weshalb Hitler ihn auch gelegentlich "mein Ignatius von Loyola" nannte.

    Übrigens hat auch die Süddeutsche Zeitung schon in einem Artikel darauf hingewiesen, dass von Guttenberg ein Faible für verschworene Seilschaften hat:

    http://archiv.sueddeutsch...

    Der Artikel ist leider nur noch gegen Bezahlung voll einsehbar, aber im Kerne geht es darum, dass ein Kreis von CSU-Politikern sich verabredet hat, politisch "auf Tasche" zu spielen, um jedes Mitglied des Kreises politisch möglichst weit nach vorn zu bringen. Dazu gehört es u.a., dass keiner einem der anderen öffentlich widerspricht.

    Der "Zugspitzkreis" trifft sich auch in der Bayerischen Staatskanzlei und bei Gelegenheit vermutlich auch im Bundeswirtschaftsministerium.

    Liebe Grüße

    Ihr

    Winfried Sobottka, United Anarchists

  4. 5. Danke für

    diese aufschlussreichen Informationen über ZU GUTTENBERG.

    Ich, finito.palimpalim freue mich, dass ich schon wieder was gelernt habe.

  5. 6. Vielen Dank für Ihren Artikel

    Die Probleme der kleinen und mittleren Betriebe kommen in der öffentlichen Diskussion aus meiner Sicht viel zu kurz.

    Wer die Worte des Wirtschaftsministers Karl-Theodor von Guttenberg richtig zu deuten weiß, dass die mittelständische Wirtschaft keine lebensnotwendigen kurzfristigen Darlehn mehr von den Banken erhält.

    Hat mit der Finanzkrise nicht direkt etwas zu tun, die verschärft nur das Problem, sondern liegt auch an der direkten Mitwirkung bestimmter Lobbygruppen an der Gesetzgebung, und zwar als sogenannte externe Mitarbeiter in Bundesministerien. Bezahlt werden diese weiterhin von ihren Arbeitgebern aus der Privatwirtschaft und von den jeweiligen Interessenverbänden (vor allem Finanz- und Großindustrie). Ich erinnere nur mal an das Programm "Seitenwechsel", das 2004 initiiert wurde.

    "Im Bundesfinanzministerium wirkten ein Beschäftigter der Deutschen Börse AG sowie ein Mitarbeiter des Bundesverbandes Öffentlicher Banken am Anlegerschutzverbesserungsgesetz sowie an der Neuregelung der Bankenaufsicht mit. Beide arbeiteten auch an einer Verordnung mit, die die Anforderungen an das Mindestkapital von Kreditinstituten verschärft. Unter anderem in der Folge dieser Verordnung haben sich die Finanzierungskonditionen für mittelständische Betriebe so verschlechtert, dass mehr als die Hälfte aller Mittelständler im schwierigeren Zugang zu Krediten heute eines der größten Risiken für ihr Geschäft sieht, so die Frühjahrsumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages."
    Zitat aus:
    http://www.smokingrebels....

    Leider funktionieren die weiterführenden Links in dem Dokument z.B. zur Liste der externen Mitarbeiter nicht, einige Namen der betreffenden Unternehmen werden aber hier genannt:
    http://de.wikipedia.org/w...
    Das ganze Ausmaß des Skandals wurde erst 2006 von "Monitor" aufgedeckt.

    Kleinere und mittlere Unternehmen (KMU), die zudem auch noch auf den Binnenmarkt angewiesen sind, haben das Nachsehen. Diese Firmen können es sich nicht leisten, "externe Mitarbeiter" nur dafür zu bezahlen, dass diese einen eigenen Schreibtisch etwa im Bundeswirtschaftsministerium besetzen.

  6. 7. # 5

    Gern geschehen.

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