Hohngelächter für Parfüm Fläschchen & Duchampismus in der BRD: Kittelmann verehrt „wichtigsten Künstler des 20. JHs“ (…)
Der Flakon gilt als das einzig original-erhaltene „Readymade“ des (ANGEBLICH) „wichtigsten Künstlers des 20. Jahrhunderts“, so der Direktor der Nationalgalerie Udo Kittelmann. Genau vom 27. Januar, 24 Uhr, bis morgen 30. Januar, 24 Uhr, wird das teure Fläschchen in dem ansonsten leeren Glaskasten der Nationalgalerie zu sehen sein – das Publikum hat rund um die Uhr Zutritt. Das „Belle Haleine“- (zu deutsch „schöner Atem“) Parfüm war das erste Werk, das Duchamp im Frühling 1921 unter der Autorschaft seines weiblichen Alter Egos Rrose Sélavy veröffentlichte. Duchamp nutzte dafür einen originalen Flakon des damals populärsten französischen Parfüms „Un Air Embaumé“; Man Ray half ihm bei der Gestaltung des neuen Etiketts. Der „Belle Halaine“-Flakon wurde bei der Versteigerung der Sammlung Yves Saint Laurent und Pierre Bergé im Februar 2009 für 8,9 Millionen Euro an einen Unbekannten verkauft und war seitdem nicht mehr öffentlich zu sehen. Auch gegenüber dem Team der Neuen Nationalgalerie hat der Sammler sein Inkognito gewahrt.
In der Nacht von Donnerstag zu Freitag um null Uhr ereignete sich – so die „taz“ - nun also „das Marien-, Pardon, Marcel-Wunder“. Eine “herrlich alberne Prozession von Gläubigen hatte sich zu Mies van der Rohes Kunsttempel, der Neuen Nationalgalerie, aufgemacht, die lange angekündigte Reliquie zu bestaunen“: das Fläschchen Eau de Toilette beziehungsweise "Eau de Voilette".
Aber noch ruhe das einzige erhaltene "assisted", also modifizierte Readymade des hl. Marcel Duchamp (1887-1968) in einer gläsernen Vitrine, die - darunter geht es nicht - in Größe und Form exakt der der Nofretete auf der Museumsinsel entspricht. Brigitte WERNEBURG (taz) meint, das Geschenk Marcel Duchamps an seine Freundin Yvonne Crotti handele „nicht von ästhetischer, gestalterischer, sondern von intellektueller Macht“. Es gehe um die „immateriellen Anteile der Kunst, um den konzeptuellen Entwurf und um die Rezeption“. Doch dieses Kapitel der Kunstgeschichte sei nun auch schon „weidlich durchgekaut“.
Udo KITTELMANN, dem Direktor der Berliner Nationalgalerie, seien Ausführungen als nicht launige Eröffnungsrede, „zur drögen Sonntagspredigt“ misslungen.
Der Antikunst-Readymade-Veranstalter
– die Nationalgalerie http://www.smb.museum/smb... – sieht Marcel Duchamps „Belle Haleine: Eau de Voilette, 1921“ SO:
Für nur 72 Stunden präsentiert die Nationalgalerie Marcel Duchamps legendären Parfumflakon "Belle Haleine: Eau de Voilette" aus dem Jahr 1921. Es ist das einzige erhalten gebliebene 'assisted Readymade' des einflussreichsten Künstlers des 20. Jahrhunderts. Seine bis heute ungebrochene Bedeutung resultiert aus der konsequenten Weise, mit der sich Duchamp (1887-1968) von der tradierten Vorstellung von Kunst abwendet und sich mit den Mechanismen der Kunstproduktion und -rezeption auseinandersetzt. So entwickelt er in den 1910er Jahren das Konzept des Readymade. Er nutzt industriell gefertigte Massenprodukte, die allein durch die Wahl des Künstlers zu einem Kunstwerk avancieren.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts haben sich Duchamps Readymades - wie das umgedrehte Urinal oder die Fahrradfelge auf einem Holzhocker - zu Ikonen der Kunst entwickelt. Belle Haleine gilt innerhalb dieser Werkgruppe als 'assisted Readymade', da Duchamp es gestalterisch modifiziert. Er verwendet einen Parfumflakon der Pariser Firma Rigaud und versieht diesen mit einem gemeinsam mit Man Ray entworfenen Etikett, auf dem der Künstler in Gestalt seines weiblichen Alter Ego, Rrose Sélavy, zu sehen ist. Das wegweisende Werk, das 2009 aus dem Besitz von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé zu dem überraschend hohen Preis von 7,9 Mio. Euro versteigert wurde, ist zum ersten Mal seither zu sehen. (Die Ausstellung ist durchgehend geöffnet, auch während der Langen Nacht der Museen.)
Marcel Duchamps Ready-mades – siehe a&s-Bilderserie - , das sind industriell gefertigte Konsumprodukte, die allein durch die Wahl und den künstlerischen Zugriff zum Kunstwerk geadelt wurden und Kunstgeschichte geschrieben haben. Und niemand kreierte so skurrile Ready-mades wie Duchamp.
Museumsmann Kittelmann gibt nicht auf
Museumsmann Kittelmann träumte, so „Die Welt: „Könnte er nicht vielleicht einen Käufer oder Sponsoren finden, der das Fläschchen des Begehrens für die Berliner Nationalgalerie kauft? Niemand fand sich, zumal das Objekt in der braunen Schatulle mit dem Schätzpreis von einer bis 1,5 Million Euro taxiert worden war. Es kam der Tag der Versteigerung – und der Verblüffung, die zeigt, welche absurden Salti der Kunstmarkt schlagen kann: das Mini-Fläschchen wechselte den Besitzer für sage und schreibe 7,9 Millionen Euro.“
Und Kittelmann träumte einfach weiter. Seine Recherche begann und endet mit einer Geschichte, die sich anhört wie ein ordentlicher Kunstkrimi. Irgendwann saß er also im Flieger nach New York, um jenen Agenten zu treffen, der die Pariser Auktion für den Käufer, der anonym bleiben möchte, in Paris durchgeführt hatte. Angeblich dauerte es nicht lange, da hatte er Agenten wie Sammler überzeugt, dass er den kleinen millionenschweren Duchamp für nur 72 Stunden nach Berlin ausleihen durfte, um ihn Tag und Nacht dort zu zeigen.
Und der Leihgeber klopfte sich nicht an die Stirn ob dieses Berliner Anliegens? "Ich glaube", erzählt Kittelmann, "dass die Idee, ein einziges Kunstwerk für eine kurze Dauer alleine in einer gläsernen Halle zu zeigen, sehr überzeugend war."
Eine Ausstellung, ganz in Duchamps Sinn.
Seine Vorstellung wurde Realität: Im Dämmerlicht pilgerten NG-Besucher (Nicht- und Antikunst-Freunde darunter) zum "Belle Haleine" wie sonst zur Nofretete. Genau wie die antike Königin im Neuen Museum sollte ja auch "Belle Haleine" in einer eigens kreierten Vitrine – mit exakt den gleichen Maßen – überhöht werden.
Kunst oder Nicht-Kunst?
DIE WELT dazu: „Die Aufhebung der Grenzen zwischen Kunst und Alltag war Duchamps erklärtes Ziel. Er musealisierte den Alltag, um schließlich die Kunst ganz im Leben aufgehen zu lassen. Und so nahmen ein Flaschentrockner, das Vorderrad eines Fahrrades und ein umgekehrtes Pissoir als Ready-mades ihren Weg ins Museum. Zur Frage „Wo ist die Grenze von Kunst?“ meint das Feuilleton: „Duchamps Eau de Voilette passt exakt in Kittelmanns Konzept – die Obere Halle der Nationalgalerie hat er längst als experimentellen Diskursraum freigegeben.
Hier befragt er mit Ausstellungen die Grenzen der Kunst, ihr subversives Potenzial.“ UND „Wo fängt sie überhaupt an, wo hört sie auf?“ – „Wie reagiert der zuweilen hyperventilierende Kunstmarkt? Wann ist das Werk nur ein Objekt, die Trophäe eines Sammlers?“:
Duchamp wusste um genau diese Gradwanderung, als er schrieb: "... ein Werk (wird) vollständig von denjenigen gemacht, die es betrachten oder es lesen und die es, durch ihren Beifall oder sogar durch ihre Verwerfung, überdauern lassen." Wie gesagt, ein bisschen Größenwahn gehört immer dazu, das ist auch meine Meinung.
Literatur & Links
FAZ ( 29.1.11): Peter RICHTER meldet: Ein Ready-made Marcel Duchamps, ein Parfümflakon, wurde für neun Millionen Euro in Paris versteigert.
„Art“-Das Kunstmagazin schreibt: DUCHAMP IN BERLIN - Die Neue Nationalgalerie ist 72 Stunden am Stück geöffnet, um das einzige erhaltene Readymade Marcel Duchamps zu zeigen. // CHRISTINA GREVENBROCK: "Belle Haleine" – "schöner Atem" (Online)
BILDER-Galerie zum Artikel in
http://www.giessener-zeit...
Oder "Hohngelächter"?
Ist Ihnen entgangen, daß Duchamp in Erinnerung gerufen hat, daß Kunst erst im Blick des betrachtenden Publikums entsteht? Das ist heute eigentlich Allgemeingut. Um etwas darüber nachzulesen, empfehle ich den schönen Dialog Eupalinos oder Der Architekt von Paul Valéry (1929, übersetzt von Rilke).
Martin Seel hat ihn 1999 in einem Artikel für die zeit so zusammengefaßt (Zitat aus zeit 01/1999):
"Phaidros und Sokrates treffen sich im Hades, um, ausgehend von dem Beispiel des fiktiven Architekten Eupalinos, über die Verwandtschaft von Baukunst und Musik, von Musik und Dichtung, von Malerei und Tanz zu reden. Von der Last ihres Leibes befreit, müßten sie eigentlich in der optimalen Position für die Anschauung des Schönen sein. Hatte doch Platon in seinem Dialog Phaidros behauptet, die Menschen seien in ihren Leib "eingekerkert wie ein Schaltier" und könnten daher ihr höchstes Verlangen nicht wirklich erfüllen. Was für eine Enttäuschung aber für die nunmehr reinen Seelen! Sehnsüchtig vermißt Valérys Phaidros die "vergänglichen Himmel", die den Sinnen eine immer neue Erscheinung anzubieten wußten. "Nun, da wir des Körpers beraubt sind", sinniert der französische Sokrates, "müssen wir uns offenbar beklagen und jenes Leben, das wir verlassen haben, mit demselben neidischen Aug betrachten, mit dem wir früher hinübersahen nach dem Garten der seligen Schatten." Phaidros zieht die bittere Konsequenz: "Diese Anlagen sind voll von unseligen Ewigen."
Bedauernswert sind diese Unsterblichen, weil ihnen mit dem hinfälligen Leib auch der Sinn für das Einmalige genommen ist. Nur die, deren Lebenszeit vergeht, sind für die Zäsur eines unfaßlichen Erscheinens offen. Nur wer ein leiblich beschränktes Dasein hat, kann die eigene Gegenwart als eine Fülle unabsehbarer Möglichkeiten erfahren. Nur er kann immer neue Zeiträume einer ekstatischen Wahrnehmung erfinden. Ebendies ist die Aufgabe des Künstlers. Er stellt einen "Zusammenhang von Erscheinungen, Übergängen, Widersprüchen und unbeschreiblichen Ereignissen" her. Er läßt einen buchstäblichen oder metaphorischen Raum entstehen, dessen Konstruktion sich nur denen erschließt, die sich mit wachen Sinnen von ihm einnehmen lassen. Nur für einen resonierenden Körper sind die ästhetischen Ideen da.
Valérys Überlegungen sind geeignet, Zweifel an dem Glauben zu nähren, die Geschichte der neueren Kunst habe sich "von der Erscheinung zur Konzeption" bewegt - und sei jetzt dabei oder solle sich endlich daranmachen, den umgekehrten Weg zu gehen. Nicht einmal auf Duchamp, der sie provoziert hat, trifft diese Formel zu. Ohne das irritierende Gesicht seiner Objekte ginge keinerlei Irritation von ihnen aus."
Der GRÖßTE wichtigste Künstler des 20. JHs soll Marcel DUCHAMP mit der Readymade-mades-Erfindung sein. Dies behauptet heute 2011 nun M.D.-Verehrer Udo KITTELMANN, Chef der Nationalgalerie in Berlin. Werner HOFMANN sieht das nicht so, denn er verzeichnet den M.D. zwar als „UMSTÜLPER“ (S 223 f.) – und im Namensregister des Buches gibt es zwar 16 Seitenhinweise (S. 317 a.a.O.) -, aber DUCHAMP „stellte nichts her, er wählt bloß aus, er designiert (indes die andern, könnte man sagen, signieren)“. „Ein Nutzgegenstand wird der Gebrauchssphäre entzogen und auf den Sockel gehoben, der Kunstwerken vorbehalten ist“, beschreibt Werner HOFMANN das Verfahren. Zu „Evolutionären NEO-Readymades der ars-und-poesia-evolutoria“ erklärte ich – auf den Sockel einer kleinen Staffelei installiert – meine Bücher (siehe a&s-Bildergalerie GZ). Beim MD-Readymade spricht der Kunsthistoriker W.H. von „Kunst der Kunstlosigkeit“; ich spreche im a&s-Neo-Readymade von „Kunst der Kunsterneuerung“ als Vorbote einer Evolutionären Neo-Romantik; „work in progress & process“ mit trasmutazione di (???) – Transmutationen zurück zur KUNST! M.D. war ein REVOLUTIONärer Kopf des 20 JHs, KEIN EVOLUTIONärer fortschrittlicher. Mehr dazu in Beitrag http://www.giessener-zeit.... / UND: Masche "Kunst der KUNSTLOSIGKEIT": Befürworter Udo KITTELMANN zeigt DUCHAMPismus-Readymade-Parfüm-Fläschchen (in myheimat.de).
Werner Hofmann noch Marcel Duchamp gerecht. Ihr sophistischer Versuch, Ihr Vorurteil mithilfe der Konstruktion eines spitzfindigen Gegensatzes zwischen Revolution und Evolution auf eine klägliche, weltanschauliche Spitze zu treiben, spricht für sich.
Auch von Werner Hofmann ist übrigens das Folgende. Ich kann darin keinen kleinkarierten Versuch erkennen, Marcel Duchamp seinen Rang als Künstler oder seine revolutionäre Bedeutung für die Kunst des 20. Jhs. abzusprechen, im Gegenteil:
... Überlegungen dieser Art machen deutlich, daß die Leistung Duchamps als Künstler und Denker nicht im Erfinden neuer Formen liegt. Gerade das macht seinen exemplarischen Rang aus, einen Rang, den er mit niemandem teilt. Von seiner Laufbahn geht eine merkwürdige Faszination aus. Hier wird das Gewöhnliche ungewöhnlich gemacht, werden vertraute Wirklichkeitsbeziehungen willkürlich umgestülpt ‑ doch das geschieht dermaßen anspruchslos, daß es selbstverständlich anmutet. Hat man sich etwas von der Gelassenheit angeeignet, mit der Duchamp seine Ready Mades vorschlägt, dann glaubt man sich in einem experimentellen Raum zu befinden, in dem alles tiefsinnig, doch durchsichtig und schwebend leicht erscheint. Diese sparsam dosierten Gesten ‑ Duchamp hat während mancher Jahre überhaupt nichts demonstriert und sich auf das Schachspiel beschränkt ‑werden nahezu asiatisch anstrengungslos und unbeteiligt vorgetragen. Man ahnt nicht nur, daß dem Erfinder des Ready Made jeder Gegenstand gleich‑gültig ist, man gelangt zu der Vermutung, daß dem Erlebnis der Äquivalenz die Philosophie der Gleichgültigkeit gekoppelt ist. »Meine Ironie ist die der Indifferenz: Meta‑Ironie«, hat Duchamp einmal gesagt. Und: »Es gibt keine Lösung, denn es gibt kein Problem.«
Dieses Wort berührt die Paradoxie von Duchamps Weltanschauung, denn auch das fraglose, gleichgültige Hinnehmen der Welt wird sich selbst zum Problem. Es mündet in die Frage nach den Formen (Verhaltensweisen), die dem Menschen bei seinem Sichabfinden mit der Wirklichkeit zur Verfügung stehen. Es geht hier nicht mehr um Fragen der Kunst, es geht um einen Lebensstil, um die Orientierung des Menschen in einer durch und durch vielsinnigen Wirklichkeit.
Ein optimistischer Orientierungsweg versucht ein Netz sinnvoller Zusammenhänge ‑»Beziehungsschönheiten« im Sinne Mondrians ‑ über die Wirklichkeit zu werfen, um daraus eine hierarchische Gliederung zu gewinnen; ein anderer widmet sich der Betonung der Zusammenhanglosigkeit. Diesen Weg wählt Duchamp. Es gibt für ihn keine vorgefaßte Werthierarchie, keine abgegrenzten Gattungen und Schubladenbegriffe: wie er die Kategorie des Kunstwerks, die Grenzen verwischend, in Frage stellt, kann dafür ebenso als Beispiel dienen wie die Verrätselung des Gattungsbereiches »Gebrauchsgegenstand« im Ready Made. Es gibt nur lauter Einzelheiten, und selbst die überraschende Dingkoppelung ‑ etwa eines Vogelkäfigs mit (marmornen) Zuckerwürfeln und einem Thermometer (»Why not sneeze«) ‑stellt keine »Beziehungsschönheit« in der Art der Mondrianschen Weltharmonie her, sondern wird zu einer Manifestation des Absurden. Da alles mit allem »vereinbart« werden kann, ist alles im Grunde unvereinbar.
Einzig in der Paradoxie des Wortspiels läßt Duchamp hie und da blitzartig eine Pseudo‑Übereinstimmung auftauchen, doch nur, um uns auf dem doppelten Boden der Zweideutigkeit die Enge unserer sprachlichen Vereinbarungen bewußt zu machen und zu zeigen, daß die Wirklichkeit komplexer ist als die Instrumente, deren wir uns zu ihrer Benennung bedienen ‑ sie läßt sich darin nicht unterbringen. Mit dieser Einsicht hängt folgerichtig der Nachweis zusammen, daß uns die Wahrnehmungsdaten nur Trugbilder zu liefern vermögen. Die Fallfiguren der drei Fäden sehen so aus, als wären sie verschieden lang, die Marmorwürfel gleichen Zuckerwürfeln. Von da aus kommt Duchamp in den Ready Mades zur Annahme eines schlechthin unbegrenzten Bedeutungspluralismus ‑jedes Ding wird von seinem Umraum neu bestimmt, in neue Beziehungen gestellt ‑, welcher zwar die Vereinzelung zu kompensieren scheint, dafür aber die Identität des Dinges mit sich selbst auflöst.
(Werner Hofmann: Grundlagen der modernen Kunst – Marcel Duchamp)
Werner HOFMANN hat für STIL im Sinne GOETHEs plädiert; MONDRIANs & DUCHAMPs Werke sind STIL-los: Wenn Werner SCHMALENBACH & Werner HOFMANN & der STIL-Gegner Gerhard RICHTER von „STIL“ sprechen, meinen sie sicher nicht das Gleiche. Werner HOFMANN – ein interdisziplinär und transdisziplinär arbeitender Kunstwissenschaftler (Ex-Kunsthallen-Leiter, Hamburg, Förderer von ars/poesia EVOLUTORIA) interessierte sich für GOETHE: Der Dichter und Naturforscher schrieb 1789 den Aufsatz über „Einfache Nachahmung der Natur, Manier, Stil“: „Wie die einfache Nachahmung auf dem ruhigen Dasein und einer liebevollen Gegenwart beruhet, die Manier eine Erscheinung mit einem leichten fähigen Gemüt ergreift, so ruht der STIL auf den tiefsten Grundfesten der Erkenntnis, auf dem Wesen der Dinge, in so fern uns erlaubt ist es in sichtbaren und greiflichen Gestalten zu erkennen.“ Im STIL-Prinzip spiegelt sich das künstlerische Streben heute wie ehedem, betonte W.Hofmann 1955. Auch heute werden die Autorität von STIL, das Vertrauen in STIL und den Rang und Wert des STIL-Prinzips thematisiert & reflektiert; besonders von mir in Verbindung mit STIL ars evoluoria. Web-Hinweis: Essay: „Über Gerhard RICHTER, seine drei „Betty“-Gemälde und die „Abstrakten Bilder“, GOETHEs STIL-Begriff sowie die BUERGELiade im hysterischen Welt-Kunst-Jahr 2007“. (art-and-science-Essay.) (Quelle: Gießener Zeitung: STIL (GOETHE & Werner HOFMANN) versus STIL-Losigkeit (Werner SCHMALENBACH & Gerhard RICHTER)
versuchen Sie zu Unrecht für sich und Ihre kleinkarierte Kampagne (ja: um oder gegen was und/oder wen geht's eigentlich? Duchamp? sein verkauftes und ausgestelltes Readymade? Kittelmann?) zu vereinnahmen. Falls Ihnen das klarer ist, als es mir anhand Ihrer Ausführungen geworden ist: bitte um Klärung. Mir jedoch scheint: Seltsame Gemengelage, das.
Irgendwie kleinkariert, das Ganze. Daher:
Es läßt sich leicht einsehen, daß diese drey hier von einander getheilten Arten, Kunstwerke hervorzubringen, genau mit einander verwandt sind, und daß eine in die andere sich zart verlauffen kann.
(aus dem von Ihnen angeführten Aufsatz Goethes)
Ich lasse mich mit unhöflichen, kränkenden Beleidigungen in ZO von Herrn/Frau „m“ NICHT kleinkriegen – von wegen „kleinkarierte Kampagne“. JA es geht um Duchamp(ismus), die Readymade-Ideologie und den KUNST DER KUNSTLOSIGKEIT fördernden institutionellen Kunstvermittler KITTELMANN. Falls Ihnen das zur KLÄRUNG reicht. Zur „Seltsamen Gemengelage“ lesen Sie noch „SUPER-„Kunst“ im Hamburger Bahnhof?: „Unappetitliches““ (ZO: http://community.zeit.de/...
Ich zitiere „STYL“ (Goethe): (…) Gelangt die Kunst durch Nachahmung der Natur, durch Bemühung sich eine allgemeine Sprache zu machen, durch genaues und tiefes Studium der Gegenstände selbst, endlich dahin, daß sie die Eigenschaften der Dinge und die Art wie sie bestehen genau und immer genauer kennen lernt, daß sie die Reihe der Gestalten übersieht und die verschiedenen charakteristischen Formen neben einander zu stellen und nachzuahmen weiß: dann wird der Styl der höchste Grad wohin sie gelangen kann; der Grad, wo sie sich den höchsten menschlichen Bemühungen gleichstellen darf. (...)
GOETHE in „Einfache Nachahmung der Natur, Manier, Styl“ weiter:
…) Wie die einfache Nachahmung auf dem ruhigen Daseyn und einer liebevollen Gegenwart beruhet, die Manier eine Erscheinung mit einem leichten fähigen Gemüth ergreift, so ruht der Styl auf den tiefsten Grundfesten der Erkenntniß, auf dem Wesen der Dinge, in so fern uns erlaubt ist es in sichtbaren und greiflichen Gestalten zu erkennen. (…) Es ist uns blos angelegen das Wort Styl in den höchsten Ehren zu halten, damit uns ein Ausdruck übrig bleibe um den höchsten Grad zu bezeichnen, welchen die Kunst je erreicht hat und je erreichen kann. Diesen Grad auch nur zu erkennen, ist schon eine große Glückseligkeit, und davon sich mit Verständigen unterhalten ein edles Vergnügen, das wir uns in der Folge zu verschaffen manche Gelegenheit finden werden.
GOETHE über "Einfache Nachahmung der Natur, Manier, Stil" auch:
"Es scheint nicht überflüssig zu sein, genau anzuzeigen, was wir uns bei diesen Worten denken, welche wir öfters brauchen werden. Denn wenn man sich gleich auch derselben schon lange in Schriften bedient, wenn sie gleich durch theoretische Schriften bestimmt zu sein scheinen so braucht denn doch jeder sie meistens in einem eignen Sinne und denkt sich mehr oder weniger dabei, je schärfer oder schwächer er den Begriff gefaßt hat, der dadurch ausgedrückt werden soll. (...)"
MEHR: http://www.textlog.de/414... .
um/gegen was es Ihnen eigentlich geht, sind Sie also nicht weitergekommen? Schade.
Bei der Lektüre Ihres wie immer etwas langatmigen und selbstreferentiellen Artikels fiel mir neben dem Umstand, daß Sie auch da eine Kampagne gegen das (wohl nur) von Ihnen so ausgemachte Gespann Kittelmann/Duchamp zu entesseln versuchten, folgender Satz auf, ich darf Sie zitieren?
Wie Sie wissen, unterscheide ich zwischen NICHT-KUNST-ALS-„KUNST“ (die ich ablehne!) und ANTI-KUNST (die ein alter, überholter „Hut“ ist) und guter/schlechter KUNST (groß geschrieben), welche man in namhaften Museen der Welt sehen kann. Besonders interessieren mich Künstler/Kunstwerke/Kunsttheorien von Rang, die zur EVOLUTIONISIERUNG der Kunst(-Geschichte) kulturell Hervorragendes beigetragen haben.
Äh. Ahso. Was hat der Künstler damit sagen wollen?
Oder, um es kurz zu machen, darf man das auch so zusammenfassen: Was Kunst ist, möchten gern Sie bestimmen?
Das ist leicht begreiflich.
Ich bin sicher, Herr Hahn: Wenn Sie damit soweit sind, daß es spruchreif geworden ist, werden Sie unvermeidlich wieder von sich hören lassen.
Bis dahin wünsche ich gut Holz! - Und holen Sie sich bloß keinen Herzkasper.
Gruß,
m.
Werner HOFMANN schreibt in „Die gespalten moderne. Aufsätze zur Kunst“ (2004) zu Julius von SCHLOSSER: „Wenn alles unter Kunstverdacht gerät, wenn ANYTHING GOES, wer kann dann begründet entscheiden, was der Museums- beziehungsweise Sothebys-Aura würdig ist? Schlossers Plädoyer für die Kunst der Kunstlosigkeit nimmt diese Frage vorweg. Auf unser Jahrhundert bezogen, verhilft diese Kategorie vielen Dingen zur Eingemeindung, die in DUCHAMPs FLASCHENTROCKNER ihren Ursprung haben.“ (S. 91.) Im Bd. H.P. Burmeister (Hrsg.) „Kunst und Kunstbegriff im neuen Jahrhundert“ (2000) spricht Hofmann von einer „Kunst der Kunstlosigkeit“ (W.H., Die Moderne und ihre Selbstwidersprüche, S. 21.). Was heute geschieht und oft als "Kunst der Kunstlosigkeit" Verwirrung stiftet, blickt nach HOFMANN auf eine lange Vorgeschichte zurück, deren Strukturmerkmale man jedoch verfehlt, wenn man die Geschichte der Kunst des 20. JHs bloß aus der Entwicklung des Tafelbildes ableitet. Die Antworten liegen im ausgehende 19. JH, Öffnung der Gestaltungsbezirke - im Jugendstil. Werner Hofmann macht die Sattelstellung der Jahrhundertwende deutlich, in der ein ästhetisch übersteigertes Kunstwollen umschlägt in den Gegenpol der "Kunstlosigkeit". (W.H. „Von der Nachahmung zur Erfindung der Wirklichkeit …“. ) Heute nennen manche NICHT- und ANTIKUNST-Profis, das, was sie veräußern, nur 'Kunst' - so fallen leider 'kulturinteressierte' Laien auf diese Illusionisten herein, pilgern zur Tate Modern, „documenta“ etc.
Wozu die ganze Anti-Kunst und Kunst der Kunstlosigkeit? SO kann es nicht sein, dass Kunsthändler bestimmen: „Kunst“ sei das, „von dem die Kunsthändler sagen, es sei welche“ (Arnold GEHLEN 1972). Seit der „Designierung“ von ready mades zum „Kunstwerk“ gibt es das „Wollen, welches Nicht-Kunst oder Anti-Kunst hervorbringen will“ (Werner HOFMANN 1966). Durch Kunstvermittler – den Verteilerapparat - gelang die Musealisieung x-beliebiger Dinge (vgl. Duchampsches Werk). Nicht-Kunst sei keine Kunst, erklärte das BVerfGericht der BRD zum Ärger emsiger „Nicht-Kunst“-als-„Kunst“-Designatoren. „Kunst für alle“ rief man 1971 im Magazin Kunst – und forderte die Destruktion der Strukturen „Niveau, Qualität“ etc. (Reiner KALLHART) Eine DUCHAMPISMUS habe Duchamp nicht gewollt, erklärt Heinz OHFF. Obwohl die Anti-Kunst-Revolte mit Non-Art Kulturanarchismus & Entästhetisierung förderten – so auch H. MARCUSE 1973 -, kann es Udo KITTELMANN nicht lassen, in angeblich kulturkonservative Gesinnungen zu verfallen. Eine KEHRTWENDEUNG – wie von mir als „Spielverderber“ gefordert (schon im Symmetriebuch 1989, in 11.9.9.) interessiert wenig. Mein Plädoyer für ein positiv-kulturbildendes Kunstwollen – mit Freiheit zu INNOVATIONEN (STIL) – wird verächtlich gemacht; siehe Fall „m“ in ZO (w.o. Kommentar). Perestrojka forderte ich in 11.9.9. – GLASNOST (neues Denken), d.h. Umgestaltung, Demokratisierung … STIL statt Stillosigkeit forderte ich in Kapitel 12.7.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren