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Kommt „KUNST“ von KOMMERZ? Schocker Takashi MURAKAMI ärgert Franzosen & KUNST-Liebhaber

Ein SKANDAL sei es, finden die Anhänger von „Versailles mon amour“, einer Gruppe, die schon gegen die Ausstellung von Jeff KOONS im Jahr 2008 protestierte. Das schönste Schloss der Welt dürfe nicht als Reklametafel für Takashi MURACAMI benutzt werden: In einer Internet-Petition wird die Provokation zeitgenössischer 'Kunst’, die vor nichts Respekt habe, abgelehnt: „Nein zur visuellen Verschmutzung, zur mentalen Wirrnis, zum Vulgären, aufgestellt als sogenannte 'Kunstwerke’“, meint man. Während das „Time Magazine“ 2008 MURACAMI zu den 100 einflussreichsten Personen der Welt zählte, möcht laut einer Umfrage von „Le Parisien“ (Tageszeitung) offenbar die große Mehrheit der Franzosen – immerhin fast 70 Prozent – lieber keine Gegenwartskunst in Versailles sehen.

Auch die TAGESTHEMEN – ARD – berichteten darüber: Zeigt Playmobilartige Figuren und anderen KITSCH (…).
http://www.tagesschau.de/... .

DIE ZEIT online (Estelle MARANDON) berichtet weiter:
„Sicher, es mag skurril sein, wenn da auf einmal quietschbunte Plastikfiguren im barocken Interieur von Louis XIV stehen. Aber ein Skandal? Anlass zur Aufregung sind insbesondere zwei Werke des 48-jährigen Künstlers. ‚Der kleine Mann mit aufgerichtetem Geschlechtsteil, der Sperma zum Lasso spritzt oder die kleine Frau mit großen Brüsten, deren Milcherguss ein Hüpfseil formt, haben in den königlichen Gemächern nichts zu suchen,’ empört sich Anne Brassié, von der die Petition ins Leben gerufen wurde.“ Doch diese Arbeiten seien in der Ausstellung, die am 14.9.10 eröffnet wurde, gar nicht zu sehen. Die ARD „extra“ berichtete am 15. 9. darüber: Zeigte banale sog. „Kunstwerke“ wie kindliche Motive und Blumen von T.M. sowie natürlich die Demo der MURACAMI-Gegner: Man solle seiner Fantasie ruhig freien Lauf lassen, "denn solche Künstler wie Murakami sind wir alle“, sagen sie.

MURAKAMI selbst versteht die Aufregung nicht: Sein wiederkehrendes Thema sei nicht SEX, sondern das MONSTER. Und ein Monster könne auch mal erotisch sein: "Ich bin ein ganz normaler Künstler, kein Erotikkünstler“, sagte M. „fast ein wenig amüsiert“, so der Bericht der Kritikerin.

Zur Arbeitspraxis des Künstlers verblassten, abgestürzten Starkünstlers MURAKAMI

T.M. könne den Verdacht seiner Kritiker nicht ganz entkräften, dass es ihm bei seinem Auftritt in Versailles vor allem darum geht, die eigene Kunst ins Gespräch zu bringen, notiert Tim ACKERMANN. Takashi Murakami, der seine Kunst von einem Heer von Assistenten in New York und Tokio produzieren lässt, zog in den Boom-Jahren nach der Jahrtausendwende in die Oberliga der Starkünstler ein. Er wurde in einem Atemzug mit Damien HIRST und Jeff KOONS genannt. Siehe W.H. 7.3.2010 zu Hamburg: http://www.giessener-zeit... - Zu „Pop-Art-Auferstehung? Vorsicht ansteckende NEO-Popartitis“ stellte ich fest: Manche Besucher in der „Galerie der Gegenwart (!)“ der Kunsthalle Hamburg werden momentan sicherlich ratlos vor bestimmten „Pop Life“-Werken stehen, die aktuell dort nicht etwa provokatorisch als „Lachnummer“ gezeigt werden. Die Alt-Pop-Art und Neo-Pop-Art (Old-POPism- und Neo-Popism) stoßen eher auf Unverständnis und Ablehnung bei interessierten Kunstliebhabern und Fachleuten. Vgl. http://www.giessener-zeit... - ebenda Werk-Kritik-Bilder zu Koons & Murakami.

UND in Artikel Teil (2) des GZ-Doppelartikels – 604 mal gelesen – urteilte ich: Das Pop-Wunderland in der „Galerie der Gegenwart“ werde nicht allein wegen der Sex-Bilder der Kommerzkünstler abgelehnt: Um Künstler-Skandale und die subversivsten Marktstrategien vermittels der Skandal-Kunstwerke sog. moderner bzw. postmoderner „Kunstmacher“ soll es angeblich gehen; viele Besucher aber fühlten sich zu Recht „verarscht“ (SZ 15/2/10).

Noch im Mai 2008 wurde MURAKAMIs Skulptur eines nackten Cowboys mit Sperma-Lasso für 15 Millionen Dollar versteigert. „Takashi Murakami wurde ein Opfer der Wirtschaftskrise“, zieht ACKERMANN in „Die Welt“ online eine kritische Bilanz: Dann kam im September der Crash, und einen Monat später fand bei einer Versteigerung der gigantische "Tonguri-Kun", der sich nun im Herkulessaal breitmacht, keinen Käufer. Und das, obwohl er mit 3,5 Millionen Pfund moderat eingeschätzt war. Seither gilt der ABSTURZ von Murakami als „einer der spektakuläreren am Kunstmarkt“. Es sei „still geworden“ um T.S.. Und Versailles sei jetzt vielleicht seine Comeback-Ausstellung.

Grell-bunte Produkt-Palette & Konzern KaikaiKiki Co. Ltd. Des Kommerz-Stars T.M.

Bunt – lustig – unverfroren & geschäftstüchtig agiert der Japaner Takashi Murakami, der auch Luxusartikel für Louis Vuitton entworfen hat. Der Mann mit der Vorliebe für den Manga-Stil bringt seine eigene grelle Produkt-Palette über seinen Konzern KaikaiKiki Co. Ltd. weltweit unter die Leute.

Murakamis tanzende Monster-Prinzessinnen, seine knuffigen Figuren und Figürchen, die dem Inhalt von Überraschungseiern ähneln, bestücken Kommerz-Ausstellungen. Takashi Murakami verbindet Elemente des Manga mit farbenfrohen Mustern und Blumen und entwirft so regelrechte Landschaften. Mit der Vermarktung seiner Werke zeigt er sich ganz mit seinem Land verwachsen, in dem die Grenze zwischen Kunst und Kommerz fließend verläuft.

In anderen Teilen der Welt polarisiert dieses Verhalten des japanischen Künstlers Takashi Murakami jedoch sehr. Hier steht Takashi Murakami zwischen den Welten der Kunst und des Designs.

Was in VERSAILLE Jeff KOONS (2008) & MURAKAMI (2010) an KITSCH ausstell(t)en, zeigt „Die Welt“ anschaulich in Bildern: http://www.welt.de/kultur...... :

Nach Jeff Koons stellt Takashi Murakami seine schrillen Plastikfiguren in Versailles aus. „Und geißelt damit Verschwendungssucht.“, glaubt der Kunstkritiker Tim ACKERMANN. Ebenda Kommentare.

Viel Aufsehen um NICHTS

Weder der Samen spritzende einsame Cowboy noch das Busenwunder Hiropon seien in der Versailler Ausstellung des japanischen Künstlers Takashi Murakami zu sehen. Statt Erotik zeigt der 48-Jährige bunte Gänseblümchen und Mangas mit großen Kulleraugen, weiß die SZ zu berichten, die auf dpa als Kunstkritiker/Innen zurückgreift. In Paris gebe es „viel Aufsehen ums Nichts“. Und die 22 Skulpturen, die in den 15 königlichen Gemächer thronen, „sind salonfähig“.
Die einzige Figur, die etwas Haut zeige, ist «Miss Ko2», eine vollbusige Blondine im Minikleid, die den Besucher mit einer einladenden Handgeste auffordere, in den Spiegelsaal einzutreten. Dpa & SZ: „Aber auch das kann heute niemanden mehr ernsthaft schockieren.“

Koons hätte man noch den „Vorwurf der Beliebigkeit“ machen können. Doch bei T.M. habe jede Skulptur ihren Platz. Die 22 Skulpturen, von denen ein Drittel eigens für die Ausstellung geschaffen wurde, „haben sich nicht nur thematisch dem königlichen Dekor angepasst. Murakami hat einige mit Goldblatt bedeckt, damit sie dem Glanz und Luxus von Versailles entsprechen“, lobt dpa.

Nicht vergessen ist: Jeff KOONS war der erste, der sich 2008 den Zorn der Versailles-Verfechter auf sich gezogen hat. Vor allem „sein pinkelnder Pudel hat die Konservativen auf die Palme gebracht“ (dpa). Prinz Charles-Emmanuel de Bourbon-Parme, ein direkter Nachfahre des Sonnenkönigs, habe damals sogar versucht, wegen «Profanierung seiner Ahnen» vor das Verwaltungsgericht zu gehen - vergeblich.
Ich schrieb dazu: http://www.myheimat.de/gl... – zu einer Installation. Und malte: http://www.myheimat.de/gl...

In „art“ Das Kunstmagazin (online) ist von mir zu KOONS KITSCH zu lesen:

Kulturschaffende aller Länder vereinigt euch!
Viele „Kunstwerke“ der Gegenwartskunst stehen dem „Kitsch“-Phänomen nahe: Das gilt insbesondere auch für die Spielzeugwelten des amerikanischen „Kunst-Stars der Achtziger“, den Künstler Jeff Koons (Jahrgang 1955), der als „King of Kitsch“ kritisiert wird. „Kunst“-Markt-Liebhaber Koons hat z. B. übergroß aus Metall geformte Ballonhündchen geschaffen; so den aufgeblasen-knalligen und naiven Magenta-Pudel vor Palazzo Grassi in Venedig und ein triviales-dekoratives Blumenhündchen vor dem Guggenheim Bilbao. Der pinkfarbene Pudel darf nun im Barockschloss Versailles vor den Toren von Paris Hof halten – zusammen mit anderen bekannten provokativen Kitsch-Objekten des Markt-Stars aus den 80er und 90er Jahren.

Neu ist nun, dass nicht nur das Feuilleton der Medien, sondern endlich „seriöse“ Kulturschaffende sich öffentlich zu Wort melden: Die Ausstellung wird als „Geschäft unter Freunden“ kritisiert, weil der mit Koons befreundete ehemalige Kulturminister (2001 ernannte der Koons zum „Ritter der Ehrenlegion“) der Ausstellungs-Initiator ist. Viele beurteilen die „Kitsch-König“-Objekte als Beschmutzung des französischen Kulturerbes, als Nicht-Kunst-Angriff á la Duchamps „Mona Lisa“ mit „Bart“: Meta-Spaß „Mona Lisa L.H.O.O.Q. rasée". Neu ist auch hierzulande, dass Kulturschaffende dafür plädieren, dass die documenta 13 von einem Team – der Findungskommission - geleitet werden sollte (Prof. Peter Weibel, Kunstkritiker Karlheinz Schmid).

Von KOONS (2008) zu MURAKAMI (2010) in Versailles Barockschloss

Den Größenwahn der Monarchie ins Lächerliche zu ziehen, beabsichtige T.M.: Einen der wichtigsten Repräsentations-Orte des europäischen Kulturlebens - Versailles – habe MURAKAMI besetzt schreibt die „Welt am Sonntag“ (12.9.: http://www.welt.de/die-we... . Tim Ackermann berichtet ausführlich darüber, was ausgestellt ist in der Show des Markt-Stars: "Es ist so, dass die Ausstellung nicht zu 100 Prozent von meinem Studio kam", sagt der Künstler. "Jean-Jacques Aillagon hat mitkuratiert, mein Pariser Galerist Emmanuel Perrotin hat mich beraten. Gemeinsam haben wir immer wieder Dinge verändert, ich habe zugestimmt oder abgelehnt."

MURAKAMI- & - KOONS Kitsch: Für Bewusstseinsentfaltung & Kunst-Evolutionisierung?

Optische KULTUR sei „als Spiegel von Neugierverhalten und Bewusstseinsentfaltung“ zu interpretieren, schrieb ich in (1). Und ich diskutierte die „Notwendigkeit eines evolutorischen Kunstbegriffs“ (11.8.9. a.a.O.):

Geht man von der These einer „Evolutionisierung“ der „Kunst“ aus – will Stammbäume für Malerei- und Skupturen-Entwicklung aufstellen – so sind „Evolutionsprinzipien“ (Auslese, Anpassung etc.) zu diskutieren. Derartige biologisch relevante Prinzipien gelten auch in Kunst und Kunstgeschichte; sind KUNST-kompatibel. Sie dienen der Erkenntnis des Wesens der Welt und unseres Selbst.
An anderer Stelle stellte ich fest: Alle Bildenden Künstler (auch die FRÜH-Menschen der Eiszeit) waren (sind) als Neugeborene NICHT per se - von „Natur“ aus - bereits „festgelegte“ Wesen. Ihr Erbgut (Genom-Funktion) war/ist existentiell auf KUNST (KULTUR) und/oder auf „Geistiges“ (z.B. Religion) nicht angewiesen. Ob sich ein potentieller (eiszeitlicher oder „moderner“) Künstler als künstlerisches oder (un)musikalisches Wesen entwickeln wird (bzw. kann) – sich vom sog. „Tierischen” in sich kulturell evolutionär „befreien“ konnte/kann -, stand/steht nicht ab ovo in seiner „Geburtsurkunde“ geschrieben. Um später als „Künstler“ den „Geist seiner Zeit“ (mit „KUNST“) erfassen zu können, bedarf es der Anpassungs- und Wechselwirkungsprozesse des potentiell musischen Organismus mit seiner Umwelt. Besonders Spiegelzellen-geprägte Beziehungs-Erfahrungen im Erziehungs-Umfeld machen „Künstler“ „tauglich“ für KUNST-Experimente und Gespräche mit „KUNST“-Zeitgenossen. MEHR: http://www.myheimat.de/gl...

Eine KUNST-Mutation kann negative, positive oder auch keine (stille künstlerische Mutation) Auswirkung auf die Merkmale eines KUNST-Organismus („Kunst-Phänotyp“) haben.
Als Produkt von Stammbaum-Verzweigungen (Kunst-Bifurkationen) kann ein neuer, durch kulturelle Mutation entwickelter Kunstorganismus (Mode, Stil etc.) angesehen werden.

KUNST-Mutationen sind einer der Kunst-EVOLUTIONs-Faktoren neben den Kunst-„Evolutionsprinzipien“ wie Auslese, Anpassung etc., die ebenfalls zu diskutieren sind. Mitverantwortlich für die Entwicklung des Lebens der Kunst und der Kunst-Arten-Vielfalt in der (zeitgenössichen) Kunstszene und auf dem Kunstmarkt. Vergleichbar wie im Leben von Flora und Fauna sind Kunst-Mutationen mit positiven Folgen eher seltener als negative oder neutrale Mutationen, wenn aber eine positive Mutation erfolgt ist, trägt der Mechanismus der „natürlichen Kunst-Selktion“ (sie kann eine willkürliche sein; siehe den Fall documenta Institution), so dass diese sich in einer Population ausbreiten kann.

LETALE Kunst-Mutationen sind im Gegensatz zu neutralen - stillen oder stummen - Mutationen, Kunst-Veränderungen, die nach ihrem Auftreten einen Kunst-Organismus - unabhängig von seiner jeweiligen Lebensphase - in jedem Falle töten. Es gibt im Kunstgeschehen negative Veränderungen, die auch oft zu (vorläufig) Nicht-Nachteilhaftem führen. Wie das möglich ist, erkennt man am

FALL MURAKAMI: Negativ-letale Mutante im Stammbaum der Bildenden Kunst?

Ja, Geld ist der „Humus, in dem die neofeudalen, autoritären Strukturen“ des Kunstmarkt-Künstler-Betriebs wurzeln, schrieb ich vor 2 Jahren. Und: „Der herrschende Geschmack im Kunstbetrieb ist der Geschmack der Herrschenden.“ In Frankfurt „brilliert“ das MMK mit einer von der Gagosian Gallery bezahlten Ausstellung „© Murakami“; Merchandising-Universum (…). Die „Autonomie des Museums“ steht auf dem „freien“ (?) Spiel der KUNST: Das Museum als Ort von „Bedeutung“, „Autorität“ und „Selektion“ des Wichtigen.

Peter WEIBEL formulierte damals in die WELT-Online („Der Kult des Auktionskünstlers“): „Trias Kunst, Finanzwelt, Publizität als Erfolgskriterien“ habe schon J. L. David 1799 beschworen und „dementsprechend seine Rollen als Hof- und Staatskünstler, aber auch als Revolutionär und Genie beschrieben“. Der Kult des Künstlers mache nur dann Sinn, wenn es sich um „Kunst als Glaubenssystem und nicht als Wissenssystem“ handele. Weibel postuliert, dass in Zukunft die Kunst „weniger im Feuilleton als im Wirtschaftsteil besprochen“ werde (= Remythisierung, Reauratisierung des Künstlers).

Wenn MURAKAMI behauptet, er trage zur „Evolution der Kunst“ bei (so in einem art-Interview), ist das anzuzweifeln, meinte ich in der „taz“. Evolutionsprinzipien (Auslese, Anpassung etc.) gelten in Kunst und Kunstgeschichte und dienen letztlich der Erkenntnis des Wesens der Welt und unseres Selbst. Im Stammbaum der bildenden Kunst wird sich MURAKAMI – mangels kulturellem Tiefgang - als absterbendes Seitenzweiglein etablieren (negatives Mem-Produkt). Seine momentane „Berühmtheit“ im Kunstbetrieb verdankt „Japans Andy Warhol“ den autoritären und ausgeklügelten Marketing-, VIP- und PR-Strategien des nervenden zeitgenössischen Kunstmarktes, der auch die Kitsch-Macher wie HIRST und KOONS fördert. (Quelle: Kommentar in
http://www.taz.de/1/leben... (zum kunst-kritischen Artikel von Brigitte Werneburg: „Das Diktat der Marken“)

Non-Art des provokativen Geschäftsmannes MURAKAMI

In „art“ notierte ich: Die Non-Art des provokativen Geschäftsmannes MURAKAMI ist eine letale Mutante dessen, was heute noch „Ästhetik“ (Variante „Kunst der Kunstlosigkeit“) genannt wird. Den bewusstlosen Bewusstseins-Zustand des Kunst-Markt-Künstler-Betriebs – mit „Kunst der Absatzstrategie“ (Holger LIEBS) - spiegeln besonders die genannten 3 „Künstler“-Figuren (MURAKAMI, HIRST, KOONS - deren NICHT-Originalität/Innovation) wider; nicht den Erkenntnis-Stand des gebildeten Kunstkenners. Was soll’s, wenn die infantile Pop-Bildsprache des Takashi MURAKAMI an die Welt der Mangas, der bunten und wilden, neckischen japanischen Comics, erinnert; Comic-als-„Kunst“-Verehrer dürfen sich freuen, Kunstkritiker sollten ihren Beruf (der Kritik) ernst nehmen, Kunstmarkt-Satire sollte nicht nur mit Satire beantwortet werden.

Siehe zu einem Hanno-RAUTERBERG-Artikel über „UNKRITISCHE Kunstkritiker“ mein Beitrag: http://community.zeit.de/... (mit ebenda 2 Kommentaren von mir – 20.8.10).

„Kunst“ der Evolutionslosigkeit

„Glaubenssystem statt Wissenssystem“ fügte ich in „art“ hinzu: Das Museum (MMK) wirft sich in Frankfurt (wieder einmal) dem KOMMERZ in die Arme. MURAKAMIs „Kunst“ kann als „Kunst“ einer „Kunst der Evolutionslosigkeit“ gesehen werden, wenn sich auch MURAKAMI-Meme in bestimmten empfänglichen „Kunst“-Hirnen fortpflanzen werden. MURAKAMIs momentane Bekanntheit im nervigen Kunstbetrieb verdankt „Japans Andy Warhol“ den neofeudalen, autoritären Strukturen des öffentlich geförderten Kunst-Marktes (exemplarisch: MMK-Beispiel). Der Kult um MURAKAMI hat nur dann Sinn, wenn es sich um „Kunst als Glaubenssystem und nicht als Wissenssystem“ handelt; so Peter Weibel.

Ein anderer übler Kuhhandel in Frankfurt sei die „Kunst“-Dauerleihgabe der DB an das Städel-Museum: Er beinhaltet „anzukaufende“ (!) Werke der „Staatskünstler“ & Kunst-Markt-Stars A. Kiefer (umstrittener „Friedenspreis“-Mann) etc. Die Deutsche Bank darf den privaten DB-„Kunst“-Geschmack öffentlich machen, kritisierte ich in „art“ weiter. (http://www.art-magazin.de...)

Später - 5.12.08 - schrieb ich, bezogen auf die BAKARGIEViade in
http://community.zeit.de/...

Christov-Bakargiev – Macherin der dOCUMENTA (13) - ,hatte in Pisa Literatur und Kunstgeschichte studiert und ihre Abschlussarbeit über das Verhältnis von zeitgenössischer Poesie und Malerei verfasst. Dass CCB auch Einzelausstellungen erarbeitet hat, unter anderem für Takashi MURAKAMI, lässt Zweifel an der Fähigkeit CCBs aufkommen, dass die neue Leiterin in der Kunstszene INNOVATIONEN vorurteilslos bewerten kann. MURAKAMI trägt - entgegen der von ihm geäußerten Meinung, er trage zur „Evolution der Kunst“ bei – eben NICHT zur KUNST-EVOLUTION bei. Sollte die d13 wiederum eine documenta der subjektiven Einseitigkeiten werden, mit „Kunst“-Vorlieben der Allein-Macherin CCB, wird die im Jahr 2012 präsentierte d13-Schau mutmaßlich scheitern: sicherlich NICHT auf „hohem Niveau“! (KÖNIG). Da ARTE POVERA-Künstler zu den von Christov-BAKARGIEV verehrten Künstlern gehören und MURAKAMIs „Kunst“ (…), so ist zu ahnen, welche Arbeiten wohl von den genannten Künstlern zu der im Juni 2012 beginnenden documenta 13 gehören werden. (…).

In DIE ZEIT online (BLOG von mir) ergänzte ich in einem anderen Artikel zu MURAKAMI:

Als „wichtige Gegenwartskünstler“ sieht der Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich auch Vertreter von „Luxus Kunst“: Dass MURAKAMI die „Revolution“ Marcel Duchamps und des All-is-pretty-Warhol bewundert, kann man angesichts von Syntax und Semantik der Werke des Japaners gut verstehen. Wenn der Künstler aber behauptet, er trage zur „Evolution der Kunst“ bei (so in einem art-Interview), ist das anzuzweifeln. (…) In seiner Schirn-Gesamtinstallation in Frakfurt gibt es einen Souvenir-Shop mitten im Museum und der ist Teil der Ausstellung: mit Buttons, T-Shirts, Stofftieren. „Die Ausstellung an sich sieht schon aus wie die Spielzeugabteilung eines großen Kaufhauses, wo alles glänzt, bunt und verführerisch. Aber was soll das bedeuten? Kitsch in Reinkultur?“, konstatierte ein Kunstkritiker. (Rudolf Schmitz, hr.) Kunstmarkt-Satire sollte nicht nur mit Satire beantwortet werden. Quelle:
http://community.zeit.de/....

Siehe auch:
http://www.giessener-zeit...

Literatur

(1) HAHN, Werner (1989): Symmetrie als Entwicklungsprinzip in Natur und Kunst. Königstein. Gladenbach: Art & Science, 1995.
(HAHN, Werner (1998): Symmetry as a developmental principle in nature and art. Singapore. (Übersetzung des Originalwerkes von 1989, ergänzt durch ein 13. Kapitel mit erweitertem Sach- und Personenregister sowie Literatur- und Abbildungsverzeichnis.)

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Leser-Kommentare
  1. 1. Die Aufregung

    ist mir unverständlich - was wäre denn passender zu Versailles als die kitschige Darstellung physischer Vorgänge? Durch die Etikette am Hof des Sonnenkönigs war ja nun Geschlechtsverkehr, Geburt, Tod, Stoffwechsel etc.etc geregelt und öffentlich vollzogen.

    Hier eine Beschreibung des 'Lever' von Madame Campan, der Kammerfrau von Marie Antoinette: 'Das Lever der Königin vollzog sich analog dem Lever des Königs. Die Hofdame vom Dienst hatte das Recht, der Königin beim Ankleiden das Hemd zu reichen. Die Palastdame zog ihr den Unterrock und das Kleid an. Kam aber zufällig eine Prinzessin der königlichen Familie dazu, so stand dieser das Recht zu, der Königin das Hemd überzuwerfen. Einmal also war die Königin gerade von ihren Damen ganz ausgekleidet worden. Ihre Kammerfrau hielt das Hemd und hatte es soeben der Hofdame präsentiert, als die Herzogin von Orléans eintrat. Die Hofdame gab das Hemd der Kammerfrau zurück, die es gerade der Herzogin übergeben wollte, als die ranghöhere Gräfin von Provence dazukam. Nun wanderte das Hemd wieder zu der Kammerfrau zurück, und erst aus den Händen der Gräfin von Provence empfing es endlich die Köngin. Sie hatte die ganze Zeit nackt, wie Gott sie geschaffen hat, dabeistehen und zusehen müssen, wie die Damen sich mit ihrem Hemd überkomplimentierten.'

    Wozu also die Aufregung über 'Den kleinen Mann mit aufgerichtetem Geschlechtsteil, der Sperma zum Lasso spritzt oder die kleine Frau mit großen Brüsten, deren Milcherguss ein Hüpfseil formt'? Das Thema 'Überhöhung von Privatesten' scheint mir gut erfaßt.

  2. 2. Kitsch-KOMMERZ-Kunst & Qualitätsprüfung

    Das Thema 'Überhöhung von Privatesten' „gut erfasst“? Die Skulptur „Hiropon“ des Murakami ist in Versailles NICHT zu sehen (T.M. hatte wohl Angst vor Ablehnung …), war aber in „Pop Life“ (Hamburger Kunsthalle) präsent; ich kritisierte mit Bild-Mutanten. Ein BILD des aufgeblasenen Brüste-Püppchens in FOCUS-„KULTUR“ mit anderem Schwachsinn als „Kunst“ (…) in http://www.focus.de/kultu... . 2008 noch wurde MURAKAMIs Skulptur eines nackten Cowboys mit Sperma-Lasso für 15 Millionen Dollar versteigert. Danach wurde Takashi Murakami ein „Opfer der Wirtschaftskrise“ („Die Welt“). Seither gilt der ABSTURZ von Murakami als „einer der spektakuläreren am Kunstmarkt“. Um den KOMMERZ-&-KITSCH-Star war es „still geworden“. Und der Kunstmarkt herrscht weiter: Versailles möchte T.M. ein Comeback liefern. T.M.s grell-bunte Produkt-Palette des Konzern KaikaiKiki Co. Ltd. T.M. glaubt, sie trage zur Evolutionisierung der Kunst bei; NICHT Recht hat T.M.! Kunstmarkt-Skandale und subversivste Marktstrategien vermittels Skandal-Kunstwerke sog. moderner & post/spät-moderner „Kunstmacher“ werden durchschaut. Viele VERSAILLES-Besucher sehen sich zu Recht „verarscht“: Hanno RAUTERBERG machte sich Sorgen um die Kritikerwelt und die intellektuelle Qualität von Kunst. Hinter „Kriterien“ können sich sich politische & merkantile Einflussnahmen verbergen. Siehe zu KITSCH in „Und das ist Kunst?!“ – „Eine Qualitätsprüfung“.

  3. 3. Sehr geehrter WernerHahn

    Es ist ja nicht das erste Mal, daß Sie und ich verschiedener Meinung sind - ich sah dieser Tage irgendwo ein Filmchen über Murakamis Skulpturen in Versailles und fand sie dort ausgesprochen gut platziert. Ich halte Versailles nämlich ebenfalls für Kitsch, zwar sehr kunstvollen und teuren Kitsch, aber in der Überladung mit Dekorationen aller Art eben für Kitsch. Was noch die freundlichere Bezeichnung ist - betrachtet man sich zum Beispiel mal die Gärten, die dem Betrachter ja suggerieren, die ganze Welt würde so gezirkelt, geordnet und gepflegt weitergehen - böten sich in der Würdigung der politischen Dimensionen dieser Illusion auch die Bezeichnung 'Ignoranz' und 'Dekadenz' an. Die 'sich verarscht' fühlenden Besucher haben das womöglich nicht ganz begriffen.

    Ich wäre übrigens erfreut, wenn wenigstens Sie Kunst und Kunstmarkt auseinander halten könnten. Die feuilletonistische Kunstkritik tut das ebenfalls nicht, weswegen ich übrigens Hanno Rauterbergs Vorschlag der verbesserten Ausbildung von Kunstkritikern ziemlich klug fand.

  4. 4. Ich bin da ganz Ihrer

    Ich bin da ganz Ihrer Ansicht, dame.von.welt. Auch ich sah Murakamis Skulpturen auf Versailles in einem Filmbeitrag, und vertstehe die Aufregung überhaupt nicht. Ich musste im ersten Augenblick zweimal hinschauen, um die Skulpturen von ihrer Umgebung zu unterscheiden. So gut passte ihre Überkandideltheit in die klotzig-bunten Prunksäle. Ein kluger Ort für die Ausstellung. Es stimmt auch, dass hier Kitsch mit Kitsch begegnet wird.

    Dass im Kapitalismus ein Kunstwerk auch immer eine Ware ist (sonst würde sie gar nicht medial ins Blickfeld geraten), ist ein alter Hut. Ich sehe es daher auch nicht als problematisch an, wenn dieser Aspekt im Kunstwerk selbst immanent ist. Warum als Künstler nicht mal wieder dezent provozieren, wenn das eigene Werk im Markt an Wert verliert? Insofern ist es schwer, in der Rezeption Markt und Kunst zu trennen. Der Künstler selbst trennt es ja vielleicht auch nicht voneinander. Man kann Wert auf einen guten Zeitpunkt (und einen guten Ort) legen, an dem das Kunstwerk erscheint - und trotzdem inspirierende Kunst machen. Der Markt ist nicht automatisch "böse" und das Kunstwerk nicht automatisch nur "gut", wenn es völlig unabhängig vom Markt entstanden ist.

    Meine Theorie: Wer mit Massenprodukten, die künstlerische Artikulationen transportieren (Schallplatten, CDs, Computer, mp3-player) aufgewachsen ist und die transportierte Kunst zu lieben versteht, der hat keine Probleme damit, wenn ein bildender Künstler seine Kunst als Produkt am Markt platziert. Der weiß beides zu reflektieren, ohne sich "verarscht" vorzukommen.

  5. 5. Kunstmarkt und Kunst

    in der Gleichsetzung halte ich für eine Verwechslung von Preis und Wert - deswegen mein Einwand. Im Feuilleton wird der Wert von Kunst zunehmend über den zu erzielenden Preis begriffen und das wird der Kunst nicht gerecht. Sie wird über- oder unterschätzt, je nach Marktlage. Ich wäre hier froh über ein ganz klein bißchen mehr inhaltliche Auseinandersetzung mit und Sachkenntnis über Kunst und Künstler.

    Sie, lieber wahrensfeld, haben völlig recht mit Ihrem Einwand, übersehen aber, daß in der freien Kunst sich die Künstler nicht selbst vermarkten können, sondern das allein Galeristen und Sammlern überlassen bleibt. Leider begreifen nur sehr wenige ihre auch damit verbundene Aufgabe, nämlich unbekannte Künstler über Jahre zu begleiten und aufzubauen. Hier gibt's eine Parallele zur Musikindustrie, die sich ja auch nur noch mit garantiert gewinnträchtiger Musik abgibt. Leider sind aber Gemälde, Skulpturen, Installationen nicht so einfach in die Digitale zu transportieren wie Musik, bei der es ja sehr gut funktionierende Selbstvermarktungskonzepte gibt. Bis auf sehr wenige Ausnahmen bleiben die freien und auch die angewandten Künstler hier auf der Strecke (man bedenke dabei die absurd hohen Provisionen, die Galeristen von den Verkäufen ihrer Künstler einbehalten) und hier haben Sie ein weiteres Mal recht - niemand beschäftigt sich so viel mit Geld wie ganz Reiche und ganz Arme.

    Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, daß ich sehr viel besser arbeite, wenn ich mir nicht größte Sorgen um Geld machen muß und staune immer wieder über das verbreitete Idealbild des Künstlers, auch gräßlicher Kitsch http://worldcity.de/Bilde...

  6. 6. Selbstvermarktungskonzepte

    Das wäre wirklich mal was Gutes: ein funktionierendes, bekannt machendes Selbstvermarktungskonzept für bildende Künstler zu entwickeln, die dadurch auch noch den Großteil der Erlöse ihrer Kunst einstreichen könnten - und zwar nicht nur für die Milliprozent der Künstler mit gehandelten Höchstpreisen. Und damit meine ich nicht dieses ominöse STAATSkunst-KONZEPT, wie es Werner HAHN hier ein ums andere MAL in etwas zu LANGEN ARTIKELN beWIRBT. (Sorry, Herr Hahn, ich konnte nicht widerstehen, mich ein wenig auf Ihre Kosten lustig zu machen.)

    Vielleicht gibt es solche Selbstvermarktungskonzepte aber auch schon, und ich kenne sie nicht, weil ich mich in der Kunstszene nicht so gut auskenne.

  7. 7. Selbstvermarktungskonzept für bildende K

    Künstler. Wenn eines auftaucht, bitte ich um info!!! Stimmt eigentlich, wieso gibt es da nichts? In München gab es noch bis vor Kurzem die "Produzentengalerie", in der der Name Programm war. Leider mußten sich die Betreiber entschließen das Ganze aufzugeben, da die Miete, sie waren in gehbarer Nähe zur Maximilianstrasse, im laufe dre Jahre in unerschwingliche Höhen kletterte.

    PS: Auch mir schein der Ort für Murakamis Figuren geradezu perfekt!;-)

  8. 8. Künstler-SELBST-Vermarktung & BROTLOS &

    Kunststudenten müssen frühzeitig Selbst-Marketing betreiben, reguläre Arbeits-Verhältnisse sind die Ausnahme: BROTLOS kann Kunst sein. Wer als „freie/r“ Künstler/in arbeitet, muss sich durchschlagen. Mit einem normalen Job mit geregeltem Einkommen hat man’s da einfacher, da man UNABHÄNGIGer ist; z.B. von Verkaufserlösen und Künstlersozialkasse (KSK) - auch Ausbeutern des korrupten Kunst-Markts (Galerien, Händler, Sammler samt institutioneller Kunstvermittlung, unfähigen Kritikern etc.). Zur Misere der Kunstkritik siehe Hanno Rauterbergs Reformvorschläge für „klügere“ Kunstkritiker. Laut Schluss-Bericht der Kommission "Kultur in Deutschland" des Bundestages von 2007 sind nur sechs % der KUNST-Macher abhängig beschäftigt. Viele „freie“ Künstler haben Nebenjobs, um sich über Wasser zu halten. Am Anfang der „brotlosen Kunst“ muss man sich erst mal einen Namen machen. An Themen wie Marketing kommt heute kaum ein Künstler vorbei, der etwas zu sagen hat. Entscheidend ist, dass er etwas Innovatives (Originalität) zu bieten hat. Epigonentum (Nicht-Kunst-als Kunst & KITSCH) setzt sich mit Beziehungen auch am Markt durch. Taugt aber nichts für kulturelle EVOLUTION (…). Siehe MURAKAMI (…). Wer redet hier von STAATS-Kunst?! Der „Fall documenta“ belegt, dass ich derartige „Kunst“ ablehne! Siehe HUFEN, Friedhelm: „Muß Kunst monokratisch sein? Der Fall documenta“, in Neue Juristische Wochenschrift (NJW), Heft 17/1997, S. S. 1112-1114,

  9. 9. Innovation vs. Epigone

    Ah ok, und ich dachte immer, Sie würden ein Fürsprecher der STAATS-Kunst sein. Das kommt davon, wenn ich ob ihrer langen Texte immer sofort kapituliere.

    Ich halte von der Idee der kulturellen EVOLUTION nicht viel, wenn man sie verabsolutiert und in Innovation vs. Epigonentum trennt. Ebenfalls halte ich nichts von der Idee der unbedingten Innovation. Kunst entwickelt sich häufig schon daraus, dass man etwas zu kopieren versucht und aus der eigenen Individualität heraus dann zwangsläufig etwas Eigenes hinzuaddiert. Aus dieser Addition der eigenen "Handschrift" entstehen Entwicklungen. Ich kann es immer wieder nur auf die Musik beziehen, bin mir aber sicher, man kann ähnliche Beispiele auch für andere Künste finden: Covert man einen alten Folk-Song, klingt er immer anders als das Original, welches wiederum anders klang, als das vorherige Original. Man hat vielleicht nur Nuancen der eigenen individuellen Spielweise oder der momentanen äußeren Rahmenbedingungen dem Song hinzuaddiert - die Art wie man einen Akkord greift, eine unbewusste Variation des Tempos, ein anderes Fabrikat des gleichen Instruments etc. - und schon klingt er anders. Spielen Sie das für dutzende von Musikergenerationen durch - wem gehört dann der Song, wer ist Original, wer ist Epigone? Ich behaupte, die Trennung von Innovation vs. Epigonentum ist nicht möglich, eines greift in das andere, die bloße Individualität verändert schon die Vorlage, wie eben deren Vorlage auch schon verändert wurde.

  10. 10. documenta

    Würden Sie, WernerHahn, die Rolle des jeweiligen documenta-Machers ähnlich der eines Künstlers begreifen, kämen Sie mit mir zu dem Schluß, daß es dabei nur eine Monokratie geben kann. Das geht mitunter in größter Selbstüberschätzung, mangelnder Sorgfalt und handwerklichem Können voll in die Hose wie bei Roger Buergel, ist aber, wenn der Macher so großartig komponiert und so zukunftweisend denkt wie Okwui Enwezor, der größte Genuß - es entsteht etwas Neues durch die Art der Präsentation.

    Ergänzend zu dem, was wahrensfeld zur individuellen Wiederholung und dem sich dadurch Aneignen schreibt (ist ganz sicher nicht nur bei Musik so), gilt das meiner Ansicht nach auch für Zusammenstellung und Präsentation von Kunst. Durch individuelle Entscheidungen zu z.B. Gegenüberstellungen und den dadurch entstehenden Verknüpfungen entstehen im Idealfall erweiterte Aussagen der Kunst mehrerer Individuen. Was größtes Wissen und Spüren der Aussagen der Künstler voraussetzt, was nach meinem Eindruck bei Roger Buergel leider nicht der Fall war.

    Es wird ja auch nicht demokratisch darüber entschieden, ob an diese eine Stelle rechts von der Mitte des Bilds noch ein Pinselstrich gehört oder nicht, sondern auch das entscheidet ein Individuum.

    Produzentengalerien scheitern in der Regel an den von Ihnen, liebe rosalix, beschriebenen sich erhöhenden Mieten und auch daran, daß mehrere, per Beruf Individualisten, nicht so einfach unter einen Hut zu bekommen sind. In Galerien fällt auch neben Präsentation und Verkauf außerdem noch reichlich andere Arbeit an (Buchhaltung, Steuererklärungen, Verwaltung von Kommissionen, Planung und Durchführung von Veranstaltungen nebst der dazu gehörigen Werbung etc.etc.), die oft unterschätzt wird, da sie eben leider nicht mal eben schnell nebenher erledigt werden kann.

    Off topic - wurde hier eine neue Schrift eingeführt? Oder schiele ich? Mir kommt das Schriftbild hier seit irgendwann heute morgen ganz anders vor.

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