„Darwin-Day“-Aktivitäten SO-und/oder-SO: Surfen zum Thema DARWIN-Jahr 2009
User, die zum Darwin-Jahr 2009 im Internet surfen, landen möglicherweise bei einem BLOG, der „sich mit der Ursprungsfrage – der Frage nach den Ursprüngen der Welt, des Lebens und seiner Formenvielfalt“ befasst. Der Autor „vertritt eine teleologische Perspektive und meint, dass Modelle spezifischen Designs eine Bereicherung für die Ursprungsforschung darstellen könnten“. Um die Förderung der „intelligent design“ (ID)-Bewegung geht es dem Verfasser.
Will sich der User zum Thema „Evolution-Schöpfung“ des Blogs äußern, einen Kommentar abgeben, wird er vorgewarnt mit den Worten: „Kommentare, in welchen Vertreter ateleologischer Ursprungsmodelle lächerlich gemacht werden, werden ebensowenig geduldet, wie Beleidigungen in Richtung der Teleologisten.“ Da 2009 vermutlich das Darwin-Jahr zelebriert wird, sei es „wohl kaum gewagt zu behaupten, dass dann auch wieder mythologisch anmutende Darstellungen von Darwin, der Entwicklung seiner Ideen und dem Kontext seiner Zeit bemüht werden“. Bewährtes Gegenmittel sei in diesem Fall natürlich immer die von Adrian Desmond und James Moore publizierte DARWIN-Biographie; um einen Darwin-Mythos rasch zu überprüfen, werden andere Arbeiten zitiert.
Beim Surfen zum Thema „Darwin-Jahr“ gerät man auch an Seiten, in denen berichtet wird, dass zu Darwins Geburtstag am 12. Februar in den USA das Feiern zum beliebten Anlass genommen wird, um mit „ Humor, Pop und guten Argumenten gegen Kreationismus und Wissenschaftsfeindlichkeit zu streiten“.
Darwin-Day-Aktivitäten zur Feier des 1809 geborenen „Vaters der Evolutionslehre“ gebe es inzwischen in aller Welt. Vor allem aber in den USA, wo evangelikale Christen ungeachtet von Rückschlägen vor Gericht weiterhin versuchen, die Evolution aus dem Biologieunterricht zu verbannen oder ihre kreationistischen Theorien zumindest gleichberechtigt in die Lehrpläne zu boxen. Von diesem Kulturkampf handelt der Dokumentarfilm „Flock of Dodos", der in vielen US-Städten zu sehen ist.
Dass die EVOLUTIONs-Forscher dabei mitunter arrogant und abgehoben rüberkommen, führt „Flock of Dodos" vor Augen. Lange hatten die Schöpfungsgläubigen auch musikalisch die Nase vorn. Nun habe eine Handvoll Wissenschafter aus San Diego den „Gospel der Wissenschaft" erfunden. Als „Opossums of Truth" würden sie die Ballade von „Charlie Darwin" singen. Doch am liebsten schmettern sie zum Darwin Day ihr „Hallelujah Evolution".
Der Darwin Day wird indessen nicht nur in Kinosälen, Wissenschaftsmuseen und Universitäten, sondern auch in Kirchen begangen. „Wissenschaft ist keine Bedrohung für den Glauben. Niemand muss sich zwischen Evolution und Religion entscheiden", steht in einem Aufruf, den mehr als 10.000 US-amerikanische Priester und Gemeindeprediger unterzeichnet haben. (Quelle: DER STANDARD, Printausgabe, 10./11. Februar 2007.)
Zum Andenken an den großen Naturforscher wurde zur „Darwin Day Celebration“ unter „darwinday.org“ eine Website eingerichtet, die dazu beitragen will, dass der Jahrestag gebührend gefeiert wird. So sollen Symposien, Konferenzen, Vorträge, Ausstellungen und Filmvorführungen in aller Welt stattfinden. Auf dem Portal findet man Unterstützung und individuelle Beratung für die Planung eigener Events. Für die Übersetzung dieses z. Z. nur in Englisch verfügbaren Webangebots ins Deutsche (und diverse weitere Sprachen) werden Helfer gesucht.
Hierzulande ist Darwins Geburtstags-Feiern (200 Jahre) und Werk-Veröffentlichung (150 Jahre) beliebter Anlass, das DARWIN-JAHR festlich zu begleiten:
„Feiern Sie mit uns den 200. Geburtstag des bedeutendsten Biologen aller Zeiten!“ ist auf einer Startseite zu lesen, die noch mit Leben zu füllen ist. „Ich bin ein EVOLUZZER!“ titelt ab November/Dezember 2008 ein Portal zum „Darwin-Jahr 2009“; man meint DARWIN. Ebenda sind im Stil Andy Warhols vier farblich mutierende Darwin-Porträts (mit Hut) zu bewundern. Betreiber der WWW-Seite „darwin-jahr.de“ mit der Schlagzeile „Evolution ist überall!“ ist das „Darwin-Jahr-Komitee“ der Giordano Bruno Stiftung und der „AG Evolutionsbiologie“ im Verband Biologie, Biowissenschaften & Biomedizin.
Über die bei Google.de gelistete Website „darwinjahr.de“/2007/08/darwinblog mutierte von den Archiven-Seiten von „Darwins Erben“ (2007) zu science blogs. Einen Kommentar von mir zum Thema „Antworten“ auf “Kreationismusdebatte im Europarat” ist im Archiv abrufbar: Am 7.10.07 kommentierte ich unter „Schwachpunkte der Evolutionstheorie und Kreationismus: Bildung tut not“, dass man zum „Darwinjahr 2009″ EST-Ideen aufgreifen und diskutieren sollte. Ich formulierte darwinjahr-bezogen:
Europarats-Parlamentarier sehen eine ernste Gefahr darin, dass durch die Unterrichtung kreationistischer Lehren in der Schule in den Köpfen der Kinder eine gefährliche Vermischung von Glauben und Religion auf der einen Seite und Wissenschaft auf der anderen Seite erfolge. Die hessische Kultusministerin Wolff sieht in der Debatte über die biblische Schöpfungslehre die Chance für “eine neue Gemeinsamkeit von Naturwissenschaft und Religion.” Für die Biologielehrer wird es in der Tat immer schwerer, die Schüler überhaupt noch vom Wahrheitsgehalt der Evolution überzeugen zu können. Moderne Kreationisten stochern nach den Lücken der Evolutionstheorie, um einen “Intelligenten Designer” an die Stelle von Mutation und Selektion zu setzen. Das Wandlungsproblem wird durch eine Selektionstheorie mit dem Postulat einer alleinigen Außenselektion im Sinne Darwins natürlich nicht gelöst. Die jeweils erste Entstehung der neuen morphologischen, physiologischen und verhaltensmäßigen Ausstattung einer Spezies entwickelt sich evolutionär unabhängig von der möglicherweise sekundär einwirkenden „äußeren“ Selektion über interne Konstruktions- & Bifurkations-Mechanismen.
Die Erwartung eines „inneren Prinzips“, einer „inneren Ursache“, welche Ordnung und Richtungssinn in der Evolution bestimmt, wurde von namhaften Forschern vorgebracht. Rupert Riedl sprach hier von der „Grundfrage der Evolutionstheorie“. Die bekannten Hauptmechanismen biologischer Evolution – Selektion (Darwinismus), Mutation (Neo-Darwinismus) und Populationsdynamik reichen nicht aus, um die erweiterungsbedürftige Evolutionslehre wirklich zu verstehen. Emergenz, das heißt das Auftauchen neuer Systeme beziehungsweise neuer Systemeigenschaften in der Evolution, kann als selbstorganisierende Prozessdynamik beschrieben werden: Wie im Prozess des evolutionären Geschehens konstruktiv Neues entsteht, vermag eine den Formenwandel erklärende, umfassende evolutionär orientierte Symmetrietheorie zu beschreiben. Das Forschungsprogramm Evolutionäre Symmetrietheorie (kurz: EST) belegt den neuen Aspekt eines engen Zusammenhangs von Symmetrie bzw. Symmetriebrechung und der Dynamik struktur- und musterbildender selbstorganisierender (anorganischer und organischer) Systeme. (1)
Ins Leere mutierte die Webseite www.scienceblogs.de/darwi... die Letal-Mutante sollte korrigiert werden, denn der als freier Wissenschaftsjournalist arbeitende Volker Lange hat seinen Blog "Darwinjahr" zu Scienceblogs transportiert; zum Leben erweckt sollte der Blog unter dem „Meta-Wissenschaftsblog-Portal wie Scienceblogs.de“ – so „wissenswerkstatt.net“ - . „Sie suchten nach »werner hahn« in der Wissenswerkstatt. Es gibt 2 Resultate, liest man.“ Und: „Sie suchten nach »dawinjahr« in der Wissenswerkstatt. Es gibt keine Suchtreffer“. Kulturelle Letal-Mutanten ohne Meme. Erst über das Surfen zu „scienceblogs.com“ gelingt die Transformation zu „EvolutionBlog“ und über „dawin day“ zu Sites mit Inhalten wie „Celebrate Darwin Day“, „Happy Darwin Day!!!“, „Darwin Day Symposium (…)“, „This Darwin Day: Don’t be a Dodo (mit ID-Video) etc.
Das ZDF Presseportal wirbt heute für die „Große ZDF-Dokumentation zum Start ins Darwin-Jahr 2009 "Charles Darwin - Kaplan des Teufels?" am 28. Dezember 2008, 19.30 Uhr“: Der Film von Eike Schmitz und Susanne Utzt will „mit den Legenden über den großen Naturforscher“ aufräume und „führt dem Zuschauer die Vielschichtigkeit und Widersprüche im Leben und Denken dieses außergewöhnliche Forschers vor Augen. Darwins Theorie, die er selbst als ‚Mord’ an den Idealen der viktorianischen Gesellschaft bezeichnete, hat bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren - wie die vielfältigen Aktivitäten im Darwin-Jahr 2009 unterstreichen.“
Für Aktivitäten zum Darwin-Jahr 2009 hat sich 2007/2008 auch die Volkswagen-Stiftung eingesetzt: Sie nahm das kommende "Darwinjahr" 2009 zum Anlass, die Bedeutung der Evolutionsbiologie für die unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereiche herauszustellen und das Thema einer breiten Öffentlichkeit näherzubringen. Mit einem im September 2007 ausgeschriebenen "Ideenwettbewerb Evolution heute" hatte sie dazu aufgerufen, Vorschläge für Aktionen zu entwickeln, durch die die Aktualität und Relevanz der Thematik ansprechend und gut verständlich vermittelt werden können. Beispielsweise sollte deutlich werden, wo Evolution in unserem Alltag eine Rolle spielt, oder welcher Gewinn von der Anwendung evolutionsbiologischer Konzepte zu erwarten ist. Grundsätzlich zielte der Wettbewerb darauf ab, den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern und zu stärken. Über Gewinner des Ideenwettbewerbs – nur Institutionen wie Universitäts-Fakultäten etc. konnten sich am Wettbewerb beteiligen; z. B. keine freien unabhängigen Künstler – siehe mehr bei „die-stiftung.de“.
Über die „Ausrufung des Darwin-Jahres 2009“ lesen wir seitens des „Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. „ das Jahr 2009 zum Charles-Darwin-Jahr zu gestalten „ sei vonnöten: man soll sich „mit dem Leben und dem Werk von Charles Darwin, seiner Entstehung, Wirkung und enormen Tragweite beschäftigen. Im Mittelpunkt stehen die Evolutionstheorie und das damit zusammenhängende Entwicklungsdenken“ (…); im WWW unter „bfg-bayern.de“.
Für an KUNST interessierte User berichtet die Kuratorin: Dr. Pamela Kort auf der SCHIRN-Website über das Ausstellungs-Vorhaben „„Darwin. Kunst und die Suche nach den Ursprüngen“. Die Ausstellung ist – nach einem Symposium in Frankfurt 2008 - zu Darwins Geburtstag am 12. Februar konzipiert worden (05.02 bis 03.05) und zeigt: „Die Ausstellung stellt nun erstmals die Auswirkungen des Darwinismus auf die bildende Kunst in den Mittelpunkt. Allen in der Ausstellung präsentierten Künstlern war ein mehr oder weniger starkes Interesse an den Naturwissenschaften gemeinsam; sie lasen Darwins eigene Schriften oder Texte, die sich mit seinen Theorien beschäftigten. Anhand von rund 150 Gemälden, Zeichnungen und Lithographien sowie seltenem Dokumentationsmaterial zeigt die Schirn Künstler wie Frederic Church, Martin Johnson Heade, František Kupka, Odilon Redon, George Frederic Watts, Arnold Böcklin, Gabriel von Max, Alfred Kubin oder Max Ernst und spannt einen zeitlichen Bogen von 1859 bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.“ („schirn-kunsthalle.de“.). Leider erfahren wir über Kunst zum Thema EVOLUTION nach „Mitte des 20. Jahrhunderts“ nichts (z. B. über ARS EVOLUTORIA samt Theorie(n)). Diese ausgesparte interessante kunstwissenschaftlich neue innovative Epoche lässt sich indessen als Fortsetzung in einer Schirn-Ausstellung „nachzeichnen“.
Zu einem ZEIT-Online-Aufruf (LAMARCK sei mit DARWIN zu feiern) siehe mehr in (2).
(1) HAHN, Werner / WEIBEL, Peter (Hrsg.) (1996): Evolutionäre Symmetrietheorie: Selbstorganisation und dynamische Systeme. Stuttgart. (Anthologie mit Beiträgen von 19 Autoren.) (Kurz: EST. Ebenda ein Essay von Hahn: „Evolutionäre Symmetrietheorie und Universale Evolutionstheorie“, S. 256 – 284; als PDF im WWW unter art-and-science.de - Link EST.)
(2) HAHN, Werner (2008): Aufruf zum Darwin-Jahr 2009: Mit DARWIN auch LAMARCK feiern! In: ZEIT Online Community v. 24.11.2008.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren