Ein Filmfest wird gerettet
"Das ist doch Quatsch. Das kann ich dementieren.“ – Mit diesen Worten äußerte sich vor einigen Wochen Dieter-Michael Last, Vorsitzender des Vereins Biberacher Filmfestspiele gegenüber Gerüchten, er wolle nicht mehr mit Adrian Kutter zusammenarbeiten. Gleich mehrere andere offenbar in der Stadt und der Filmszene kursierende Gerüchte wurden in einem Artikel der Schwäbischen Zeitung dementiert. Auch jenes, dass es Bestrebungen gebe, das Filmfest Biberach zu internationalisieren, das in diesem Jahr sein dreißigstes Bestehen feiert. Offenbar gab es aber genügend Leute, die in all den kursierenden Gerüchten so viel Wahrheitsgehalt fanden, dass sie sich genötigt sahen, beim Rathausempfang im Jahr 2007 Kritik zu äußern Darüber hinaus wurde von den Filmemachern Tatsachen beobachtet, die Anlass waren, eine Resolution zu verfassen, um das zu retten, was als „Familienfest des deutschen Films“ einige Bekanntheit und keine geringe Beliebtheit in der deutschen Filmszene hat. Denn dieses Fest sahen sie in Gefahr. Die Verfasser der Resolution waren nicht besorgte BiberacherInnen sondern richtig große Namen der deutschen Filmszene aus Regie und Schauspiel. Adressat der Resolution war der Verein Biberacher Filmfestspiele, zu dem auch die Stadt gehört. Und die Resolution war keineswegs zahnlos. 90 Filmemacher erklärten sich mit Adrian Kutter solidarisch und drohten, das Festival 2008 zu boykottieren. Es waren gerade manche Aktivitäten des Trägervereins, die den Filmemachern zur Last wurden, ihnen immer wieder ein Dorn im Auge waren. Sie (die Aktivitäten) hatten, so Harry Baer, der Biberacher und Ehrengast des Filmfests im Jahre 2005, „mit Programm nicht mehr viel zu tun“ und man wollte ihnen „einen Riegel vorschieben“. Klare Kante also. Im Februar 2008 traf man sich in Biberach zu einem Gespräch, dass man unter diesen Umständen wohl als Krisengipfel bezeichnen muss. Das Gespräch war offenbar fruchtbar und hat dem Mann den Rücken gestärkt, der der Vater des Festivals ist und nach wie vor sein künstlerischer Leiter: Adrian Kutter. Auch er, durchaus ein Mann, der seinen eigenen Kopf hat, durchlitt in den letzten Jahren heftige Frustrationserfahrungen mit dem Verein und könnte mehrfach kurz davor gewesen sein, die Brocken hinzuschmeißen. Jetzt wird er aufatmen können. Das Biberacher Filmfest, wie man es kennt, dürfte stabilisiert sein. Hätte es sich bei den Gerüchten wirklich nur um „Quatsch“ gehandelt, wäre die Solidaritätsaktion für Adrian Kutter zusammengefallen, wie ein Soufflee im kalten Wind. Aber sie wurde durchaus zur Kenntnis genommen.. Die massive Intervention deutscher Filmemacher gegen das, was sie als Auswüchse des Vereins ansahen, hat Wirkung gezeigt. Die Resolution wird daher nicht veröffentlicht. Offenbar einigte man sich auf so viel Tradition und auf ein gesundes Maß an Veränderung, dass auch die 30. Biberacher Filmfestspiele mit reichlich Prominenz aus der Filmszene aufwarten können. – und in diesem runden Geburtstagsjahr vielleicht sogar mit etwas mehr als üblich. Man darf wohl davon ausgehen, dass der Vereinsvorstand jetzt mit leicht gestutzten Flügeln dasitzt und nicht so schnell zu neuen Höhenflügen abhebt. Für eines muss man ihm dauerhaft dankbar sein: es ist nicht zuletzt auch seinen, für Filmfans oft frustrierenden, Aktivitäten zu verdanken, dass in Biberach ein zweites Filmfestival entstanden ist - das Biberacher Independent Film Festival. Dieses Festival ist ein Kind des Filmfests Biberach, denn die beiden Macher, Uli Stöckle und Dierk Andresen, sind durchaus vom größeren Festival in ihrer Filmbegeisterung inspiriert worden. Das B.I.F.F. ist jetzt im dritten Lebensjahr und steht recht kräftig da. Der Verein hat es nicht geschafft, es zu verhindern. Man kann vermuten, dass er es am liebsten hätte sterben sehen. Aber das ist sicher Quatsch. Im Bild oben: Filmemacher bei der Abschlussgala des Biberacher Filmfests 2005. In der Mitte stehend mit Pokal Harry Baer. Vorne, in der Hocke, Intendant Adrian Kutter.
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