Leserartikel-Blog

Wortlaut Merkel:

»Natürlich war der Ansatz, zu sagen, jetzt machen wir hier mal Multikulti und leben so neben'ander her und freuen uns über'nander – dieser Ansatz ist gescheitert.«

Nun konnte ich mich noch nie für die Staatsgesänge der amtierenden Bundeskanzlerin begeistern und ich vertrete sogar die These, dass ihre Reden stets Beispiel mangelnder Authentizität sind. Dass Reden anderweitig verfasst werden, sollte doch mindestens die Vortragenden dazu anhalten, ein Mindestmaß an Textverständnis in Gestik und Ausdruck zu legen. Sonst wüsste ich nicht, wie zu vermitteln wäre, dass man auch versteht, was man spricht, geschweige denn, meint, was man sagt.

Im betreffenden Satz muss ich beinahe vom günstigeren Fall des Unverständnisses der Rednerin ausgehen, ansonsten kann ich mir nicht erklären, wie man sich aus oberster Regierungsetage eine derartige Unsensibilität gegenüber der Gesellschaft leisten kann. Das vermeintliche und hier recht salopp angesprochene Manko richtet sich ja nicht nur an die 'zu Integrierenden' sondern auch an diejenigen, in deren gesellschaftliche 'Mitte' hinein (sich) integriert werden sollte und unter diesen an diejenigen, die sich angeblich in ihrem täglichen Mit- und Umeinander und z. T. jahrzehntelangen Engagement ebenso wenig dabei gedacht hätten, wie die parlierende Kanzlerin hier offensichtlich nichts als einem gedankenlos geschwätzigen Populismus verpflichtet unter Beweis stellt.

Es mag auch sein, dass sich Politik deutlich häufiger mit »Ansätzen, zu sagen«, zu wollen… begnügt und dies bereits mit handelnder Initiative zu verwechseln scheint, das gibt ihr jedoch keineswegs ein irgendwie geartetes Recht, vielfach gelebtes Bürger-, Nachbar- und Kulturengagiert-sein, insbesondere aber Weltoffenheit im eigenen Lande mit einem geradezu diffamierenden Federstrich ad absurdum zu führen.

Die 'mächtigste Frau der Welt', die sich so gerne wie hasenfüßig in zuvor geschlagene Breschen einspurt, sollte doch wenigstens die taktisch generierte Verzögerungszeit nutzen, entweder einen erkennbar eigenständigen Gedanken zu entwickeln oder vorgelegte Redemanuskripte auf rhetorische Blindgänger gegenzulesen oder gegenlesen zu lassen.

Tja, so ist es nun gekommen: Wir (gerne als 'die Menschen im Lande' bezeichnet) sind sogar über den Ansatz zu machen längst und unwiderbringlich hinaus. Und während sich landauf landab die Bevölkerung mit der Erkenntns bestehender Fakten im positiven wie negativen Sinne nicht nur konfrontiert sieht sondern auch auseinandersetzt, von denen sich die multikulturelle Gesellschaft national wie international bereits über das Faktische hinaus zum weltlichen 'Gesetz' entwickelt hat, proklamiert noch heutzutage christpopulistisches Lamento den indirekten Anspruch einer bürgerlichen Monokultur.

Politische Versäumnisse lassen sich nun mal nicht auf Kosten vieler BürgerInnen im Handstreich kollektiv stellen. Dieser »Ansatz« ist schon alleine durch seinen anachronistischen Gehalt gescheitert.