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Saver Benedikt

Erstaunliches erreicht den Christenmenschen und auch den Rest der verdutzten Welt in den letzten Tagen aus dem Vatikan seitens des heiligen Vaters. Kondome, immer schon – in Kombination mit der Schwangerschaftsverhütung – ein Reizwort innerhalb der katholischen Kirche, möchte Papst Benedikt nicht mehr als absolut verboten ansehen. Schon will man jubeln und ihm, wie der Gesamtheit der katholischen Kirche, eine gewisse Einsicht bescheinigen – doch weit gefehlt: Im Endergebnis strebt er lediglich einem neuen Höhepunkt der Bigotterie und des Fanatismus entgegen. Nicht, was er tut, ist entscheidend – was er unterlässt, ist es.

Natürlich ist es zuerst positiv, dass der Papst Kondome zum Schutz gesunder Menschen vor ansteckenden Krankheiten offenbar erlauben möchte. Hiermit macht er gerade in einigen Gebieten auf dem afrikanischen Kontinent den Weg für eine Eindämmung der Verbreitung von Aids frei. Das diese Einsicht viel zu spät kommt, muss allerdings auch nicht weiter betont werden, auch nicht, dass Rom hier eine immense Schuld auf sich geladen hat, das sich selbst wichtiger nimmt als die, für die er angeblich da ist. Jedenfalls wird die katholische Kirche nicht müde, dies immer wieder zu betonen.

Äußerst fragwürdig ist allerdings weiterhin die Haltung dieses Papstes zu vielen anderen Fragen. Konzentriert man sich auf die Fakten und nicht auf das, was sich die zu früh Jublenden erhoffen, wird schnell klar, dass für diesen Papst immer noch die Kirche und ihr Dogma entscheidend ist und nicht der Mensch. Insbesondere seine Aussagen zum Islam deuten im Kern auf eine weitere Verhärtung hin. Auch von Seiten des Papstes wird im Grunde lediglich die Unfehlbarkeit des Glaubens ins Feld geführt, Ungläubige werden von Seiten des Vatikan defacto geächtet und als minderwertige Individuen angesehen. Auch geschiedene Christen bezeichnet er als Christen, die unterhalb dessen stehen, was für ihn ein Christ sein sollte. Der Begriff vom »Untermenschen« ist hier nicht mehr weit und die Parallele zu einigen Denkmustern innerhalb des Islam, der »Ungläubige« gerne als minderwertig darstellt, ist kaum von der Hand zu weisen.

Anpassen will er sich nicht, dieser Papst – er will es, übrigens völlig erwartungsgemäß und durch seine eigene Biografie begründet – immer noch nicht. Realitäten erkennt er offensichtlich nicht an, wie ihm auch die Individualität und die gesellschaftliche Entwicklung ein Dorn im Auge sind. Kein Wunder, dass er sich mit einigen Vertretern des Islam gut versteht, vertritt man in Teilen doch die gleiche menschenverachtende Haltung, die immer noch glaubt, ein paar »Warme Worte« könnten Humanität ersetzen und der Glaube stünde über dem Individuum, natürlich neben seinen heiligen Männern. Es geht um Macht und um nichts sonst. Was diesen Papst im Jahr 2010 nach wie vor auszeichnet, ist sein extremes Herrschaftsdenken, das dem eines Despoten nahekommt. Hierzu gesellt sich eine unglaubliche Borniertheit beim Blick auf den angeblich so beliebigen Wohlstandsbürger und sein Verdacht, die Trennung von Sexualität und Ehe würde zur Beliebigkeit führen. Das tut sie natürlich nicht. Beliebigkeit ist gänzlich unabhängig von Rechtserhältnissen und auch von Sakramenten.

Alles, was für diesen Papst zählt, ist die katholische Kirche und ihr Erhalt in der bekannten Form. Dieser Kirche als Machtinstrument gilt seine Sorge, nicht den Menschen. Wie ist es sonst erklärlich, dass Vorgänge im Zusammenhang mit der Pius-Bruderschaft und dem sexuellen Missbrauch fast ausschließlich aus der Kirchen- kaum aber aus der Perspektive der Opfer gesehen werden. Das sexueller Missbrauch zuerst ein Problem der Opfer ist und nicht der Kirche – diese Einsicht scheint Papst Benedikt verborgen geblieben zu sein. Naiv mag wohl der gelten, der in den aktuellen Aussagen des Papstes eine Weiterentwicklung oder gar Öffnung der katholischen Kirche erkennen will. Sie ist schlicht und einfach nicht vorhanden. Eher das Gegenteil ist der Fall und sich bietende Chancen werden seitens der katholischen Kirche nicht genutzt. Es bleibt dabei, dass Papst Benedikt monarchenhaft regiert und sich selbst defacto zum Gott erklärt – belegt durch sein Werten, sein Handeln und seine Unterlassungen.

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Leser-Kommentare
  1. 1. Haben Sie darauf gewartet?

    Erwiesenermassen verhindert die Benutzung von Kodomen Aids nicht. Vergleichen Sie einfach mal ein paar Karten auf Wikipedia, z.B. Religionen in Afrika und die Verbreitung von Aids, und Sie werden feststellen, dass dieser Zusammenhang nicht existiert. In mehrheitlich katholischen Gegenden sind die Aidsraten sogar vergleichsweise niedrig. Nach Ihrer Aussage dürfte es nicht so sein.

    Was wollen Sie denn jetzt, dass der Papst den Dialog mit dem Islam fördert, oder besser nicht? Zuerst passt Ihnen nicht, dass Benedikt Differenzen anspricht, dann stellen Sie dar, dass Sie selbst Probleme mit Vertretern des Islam und ihrer "menschenverachtenden Haltung" haben.

    Tatsächlich gibt es in den Aussagen des Papstes keine Neuerungen. Haben Sie darauf gewartet, um Ihr Leben danach auszurichten?

  2. 2. nicht des Kommentierens wert

    Niemand ist menschen-und weltfremder (und gott-ferner) als dieser Papst (und alle Päpste vor ihm) und die Machtriege der kath. Kirche. Keine "christliche" Erscheinung ist anti-christlicher als das kath. Management- das evangelische folgt mit etwas Abstand.
    Erhaltungs-Maxime: Macht und Geld - Gold (der Vatikan hortet den zweitgrößten Goldschatz auf diesem Planeten), Aktien, Konzerne, Länderein, Städte... und in der Vergangenheit: Sklaverei, Leibeigene, Segen u. Titel, Ablasshandel und Schlimmeres....
    Lohnt es sich, diesen widermenschlichen Irrsinn noch zu diskutieren ? Der Gegenpol der Menschlichkeit muss adäquat anwachsen, Jetzt und Hier, nur wir können dieser apokalyptischen Tendenz entgegen wirken.

  3. 3. #2 Dann wirken Sie

    mal. Bisher hat man davon noch nicht viel gemerkt.

    • 24.11.2010 um 23.44 Uhr
    • edgar
    4. @ZEIT: Sorry, aber Sie sollten die schre

    auswählen oder es lieber bleiben lassen.

    Nehmen wir z.B. und nur unter vielen die schließende Aussage über die sich allein ein halbes Buch füllen ließe:

    "Es bleibt dabei, dass Papst Benedikt monarchenhaft regiert und sich selbst defacto zum Gott erklärt – belegt durch sein Werten, sein Handeln und seine Unterlassungen."

    Wen regiert denn der Papst außer die anderen Würdenträger der kath. Kirche?
    Ich denke, es ist bekannt, dass sich die meisten Katholiken, vor allem z.B. in Lateinamerika, recht wenig um die Worte des "Regierenden" scheren.
    Im südlichen Afrika fällt m.E. die bisherige Praxis der kath. Kirche lediglich auf gelebte Praxis und Präferenzen und mithin offenen Ohren (der Männer), wie man z.B. den Worten des Präsidenten der Republik Südafrika unschwer entnehmen konnte.
    Es ist doch gut, wenn ein, wie auch immer wahrgenommenes, "Vorbild" der Verantwortungslosigkeit und einem gelebten Männlichkeitswahn widerspricht, indem es bisher Geglaubtes (!) in Zweifel zieht.
    Allein schon deshalb ist der Paradigmenwechsel (sic!) der Kirche bemerkenswert: Sie revidiert ihre eigenen Grundsätze, um Leid zu mindern.

    Dass die Strukturen der Kirche der einer Monarchie gleichzusetzen sind (der Autor meinte sicherlich eher eine entsprechende Machthiererchie, also etwas absolutistisches), ist wohl nichts Neues - zu den Untertanen der so wahrgenommenen "Monarchie" s.o.

    Ich denke nicht, dass der Papst sich zum Gott erklärt. Ich denke, es ist, wie es ist und wie der Papst immer wieder betont, er sieht sich als Repräsentant Gottes auf Erden, er nimmt seine Interessen wahr (nicht O-Ton). Er wird damit vor allem und erst recht nicht "de facto" Gott auf Erden.

    Wie gesagt: es ließe sich allein über diesen Abschlussatz ein ganzes Buch schreiben (und ich habe lediglich den ersten Halbsatz peripher gestreift) - schweigen wir über das in dem Artikel zuvor Gesagte!

    Insgesamt: ein solches Thema schreit nach differenzierter Sichtweise - Mangelhaft!

    • 24.11.2010 um 23.45 Uhr
    • edgar
    5. @4 : Es soll heißen

    Sie sollten die Schreibenden Leser besser aussuchen ...

  4. 6. Der Heilige Stuhl

    In der Tat, die Kirche als Machtinstrument ist die alles entscheidende Aussage, die auch in ihrem Artikel unverblümt zur Geltung kommt.

    Beim Konklave wählen die dazu berechtigten Kardinäle der römisch-katholischen Kirche den Papst und Bischof von Rom.

    In die engere Wahl kommen ja immer nur die Kardinäle, von denen man sicher sein kann, dass sich auch bestimmt kein Reformer darunter befindet. Durch jahrzehntlange Beziehungen untereinander kennt man die unbedingt erforderliche Loyalität der jeweiligen Kardinäle.

    Diese haben sich ja schließlich nur durch ihren treuen Gehorsam hochgedient und werden den Teufel tun ihre Karriere unrühmlich zu beenden. Das Steuerrad des Riesetankers Kirche bekommt also immer nur ein Gefolgsmann in die Hände, für den die oberste Priorität ebenfalls der Machterhalt ist. Alles andere sind dann Sprechblasen und Mitgefühl vortäuschen.

    http://www.mystic-line.co...
    http://www.diekircheluegt...
    http://www.kreudenstein-o...

    • 25.11.2010 um 00.29 Uhr
    • ruder
    7. safer benedikt?

    ich dachte schon das ist ein rechtschreibfehler ;)

    ich muß trotzdem kurz durchatmen ... das war eine ansage.
    aber sie haben recht. ich hätte mich nicht getraut dies so deutlchich zu sagen und die komentare hier werden zeigen, daß ein aufgeklärter umgang mit der abendländischen kirche noch nicht möglich ist.

    daß "... Papst Benedikt monarchenhaft regiert und sich selbst defacto zum Gott erklärt" liegt in der natur der sache. er ist monarch und der sogenannte "stellvertreter gottes".

    die christliche kirche kann nur überdauern indem sie an dem festhält was seit jahrhunderten ihr credo ist, laien haben nichts zu sagen, sind aber nett als statisten, prister und bischöfe auch nicht wirklich aber die sind die mittelsmänner zu den laien, quasi zum entmündigten volk.

    ich finde die machtstrukturen, gerade in der katholischen kirche, faszinierend; wie kann man über jahrhunderte an riten, ansichten und urteilen festhalten und sogar teile der jugend laufen einem zu. das funktioniert nur mit einem monarchischem system aus laien auf der einen seite und machtapparat auf der anderen.

    daß dabei gerade die denen geholfen werden sollten auf der strecke bleiben ist deren problem, denn deren probleme sind weltlich, und das ist nun der kernpunkt, die kirche ist nicht für den menschen sodern für den glauben da ... "Die Sorge gilt der Kirche, nicht den(m) Menschen", das ist eine klare aussage und sie ist evident; und die kirche setzt darauf daß das der laie nicht wahrhaben will.

    ruder

  5. 8. Selten schlechter Artikel

    Selten las ich einen undifferenzierteren Artikel, der vor so viel Dummheit strotzt. Freilich darf man Bedenken gegen Papst und Kirche haben, manches Mal ist sicherlich auch Kritik notwendig, doch damit hat dieser Beitrag leider gar nichts zu tun. Die Einfalt und die Abneigung gegen alles Kirchliche des Autors, springt einem quasi ins Gesicht. Im Übrigen beweist er damit nur, dass er von der Materie keinerlei Ahnung hat.
    Die Vorwürfe, die Tief Scharf hier vorzubringen versucht, sind jämmerlich, bedienen sie doch nicht mehr, als längst bekannte, abgedroschene Vorurteile. Die vermeintliche Differenzierung zwischen Vatikan und Christen als Untermenschen beispielsweise, ist selten dämlich. Gerade die Kirchen sind es doch, die nicht müde werden, den Wert eines jeden Menschen zu verteidigen, die für ein Leben in Freiheit und Gerechtigkeit streiten. Wüssten sie etwas vom christlichen Glauben, werter Tief Scharf, hätten sie so etwas wohl nicht geschrieben. Natürlich gibt es Punkte, über die gesprochen werden muss, die angepackt werden müssen. Doch wem bringt es etwas, den Papst zu diffamieren und Steine gegen die Kirche zu werfen? Letztlich ist dieser Artikel nicht mehr, als Ausdruck unserer immer dekadenter werdenden Gesellschaft, die ihre Wurzeln vergisst und meint, sich selbst das Heil verschaffen zu können.

  6. 9. Die RKK ist eine Gemeinschaft der Glaeub

    Und es sind die Unglaeubigen, die ihr permanent vorschreiben
    wollen, was sie zu tun und zu lassen hat. Die allermeisten
    Kritiker kennen dabei nicht einmal die elementarsten Regeln
    nach denen sich die Kirche regiert. Gleich oben im Artikel
    wird zum Beispiel von der Stellung der Kirche zu Geschiedenen gesprochen - die Kirche diskrimiert keine
    Geschiedenen, sondern die, die sich nach der Scheidung wieder verheiraten.
    Wie waere es, wenn jeder vor seiner eigenen Tuer kehren
    wuerde?

  7. 10. Unglaublich!!!

    Ein böser Verdacht gegen den Papst: "Es geht um Macht und um nichts sonst"
    .
    Menschen mit so ausgeprägten telepathischen Fähigkeiten wie @Tiefscharf sollten Religionsstifter werden!
    .
    @hajohans hat auch nicht recht: Die Kath. Kirche diskriminiert keine nach der Scheidung Wiederverheirateten. Sie erklärt das nur für eine Sünde. Das ist was ganz anderes.
    .
    Auf diesem kleinen, runden Planeten gibt es die unglaublichsten Religionen, manche verbieten den Genuss von Zwiebeln (Jainismus), andere schreiben das Tragen von kleinen Troddeln am Hemd vor (Judentum), wieder andere zählen die Verneigungen vor höheren Beamten (Konfuzianismus). Einige Religionen geißeln Sex-Toys (Katholizismus), andere preisen deren Gebrauch (Daoismus). Manche schreiben ihren Anhängern vor, über glühende Kohlen zu laufen (tamilischer Hinduismus), oder eigens für diesen Zweck gefangene Ziervögel zu kaufen und freizulassen (thailändischer Buddhismus).
    .
    Wer will bei diesem ganzen Durcheinander ein abschließendes Urteil fällen? Wer will sagen, was "fortschrittlich" ist?

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