Leserartikel-Blog

Stuttgart 21: Neues zum "Lügenpack"

Nach dem Krieg gab es den Vorschlag, Stuttgart wegen seines Mineralwassers als Kurstadt wiederaufzubauen. Sie wurde dann zwar zur Autostadt demoliert, aber in den letzten Wochen scheint sie zumindest politisch zu einer Kur- und Reha-Stadt für die Demokratie geworden zu sein. Je länger der Protest gegen das Milliardengrab S21 andauert, desto stärker scheint die demokratische Frischzellenkur zu wirken ( http://www.stuttgarter-ze... ).

Das Feuilleton ist schon länger dran ( http://community.zeit.de/... ). Jetzt fühlt sich auch die Philosphie angesteckt, findet die Aufregung wichtig und setzt zu übergeordneten Betrachtungen an ( http://www.sueddeutsche.d... ).

Aber auch auf dem harten Boden des Konkreten tut sich etwas. Die SPD hat sich von Altvorderen aus ruhmreicheren Tagen aus ihrer intellektuellen und politischen Erstarrung erlösen lassen und setzt nun auf einen Volksentscheid, womit die Option Rot-Grün im kommenden Jahr realistischer wird ( www.stern.de/wirtschaft/n... und http://www.stuttgarter-ze... ).

Und während Stuttgarts OB noch tapfer gegen seine Windmühlenflügel von der "Stimmungsdemokratie" anredet und wortreich die Frage nach seinem letzten Wahlbetrug (gebrochene Zusage an Boris Palmer, bei Kostensteigerungen eine neue Legitimation bei den Bürgern einzuholen) nicht beantwortet, kündigt sich schon das nächste politische Beben an ( http://www.faz.net/-01hgyq ).

In einem Interview mit der WELT meldet sich nämlich der Bundestagsabgeordnete Winfried Hermann anläßlich eines neuen Gutachtens zu Wort und spricht ungeniert das "B"-Wort aus: "Die Betreiber des Projekts haben sich immer geweigert, die wahren Kosten des Bauens und der Ökologie zu veröffentlichen. Sie haben über Jahre hinweg systematisch alle Entscheidungsträger getäuscht. Sämtliche Entscheidungen in Parlamenten sind immer auf der Grundlage von geschönten Zahlen zustande gekommen. Stuttgart 21 ist Betrug."

Hermann fasst dann nocheinmal drei Hauptargumente gegen S21 zusammen: "Erstens, dass der bestehende Kopfbahnhof mit integralem Taktfahrplan und den wenigsten Verspätungen von allen deutschen Großstadtbahnhöfen zerstört wird. Zweitens ist der geplante unterirdische Bahnhof ein viele Milliarden Euro kostender unterirdischer Gleis-Engpass mit einem immensen Kostenrisiko. Drittens sind die ökologischen Risiken mit dem Grund- und Mineralwasser kaum beherrschbar." und stellt klar, dass darüber hinaus 80 Prozent der Bahnkunden Leidtragende des Projektes sein werden ( http://www.welt.de/politi... ) .

Leidtragende des hiesigen Pressemonopols werden auch aus Hermanns Einlassungen zur indoktrinierenden Stuttgarter Hofberichterstattung Trost ziehen: " Die Wahrheit ist, dass beide Stuttgarter Zeitungen das Projekt über Jahre hinweg nur positiv begleitet haben. Kritische Stimmen wurden weitgehend unterdrückt. All das geschah auf Anweisung des Herausgebers bzw. Chefredakteurs. Das geben die heute offen zu. Nachdem massenweise Abos gekündigt wurden, haben sie endlich auch dem Protest Raum gegeben."

Da bekommt man doch irgendwie das Gefühls: Jetzt geht's los! Und man kann es nahezu beliebig verstärken. Zum Beispiel mit der Stuttgarter Zeitung, die offenbar gerne wieder gelesen werden möchte und sich deshalb der neuen Kosten-Nutzen Rechnung widmet. Und erstaunt hört man, was da offenbar bahnintern gesprochen wird: "Deren wichtigstes Argument, ohne beschleunigte Verbindung in Richtung Bratislava werde Stuttgart vom internationalen Hochgeschwindigkeitsverkehr abgehängt, hat unlängst ein hochrangiger Bahnmitarbeiter kassiert: "Stuttgart wird immer von ICE angefahren, weil wir hier viele Fahrgäste abholen", sagte er gegenüber der StZ.".

Und fabulierte OB Schuster gerade noch: "Der größte Engpass im deutschen und europäischen Schienennetz ist die Strecke Stuttgart-Ulm. Deshalb liegt es im nationalen Interesse, diesen Engpass zu beseitigen." ( http://www.faz.net/-01hgyq ), so heißt es in der StZ nun plötzlich: " Tatsächlich herrscht wenige Jahre vor dem Prognosejahr 2015 auf der Altstrecke so wenig Verkehr, dass eine Verlagerung des Fernverkehrs aus Kapazitätsgründen nicht nötig wäre" ( http://www.stuttgarter-ze... ).

Ja, ja. Bliebe von der Morgenlektüre noch der STERN zu erwähnen, der wieder einmal mit dem Hammer kommt: "Addiert man die[se] Zahlen zur Neubaustrecke, kommt das Gesamtprojekt S 21 auf Kosten von 12,2 Milliarden Euro - im günstigsten Fall. Im realistischeren Fall rechnen Vieregg & Rößler mit 18,7 Milliarden Euro. Und das alles, um ein paar Minuten schneller in München zu sein." Und das Radio meint dazu, Vieregg & Rößler hätten die dumme Angewohnheit, mit ihren Zahlen am Ende immer ziemlich nahe an den tatsächlichen Kosten zu liegen.

Und so bietet sich denn zum Abschluß das Resümee des STERN an: "Ökologisch, ökonomisch, vom Nutzen für den Verkehr her ist die Trasse schlichtweg nicht zu vertreten." Auch deshalb nicht, weil die Strecke Stuttgart - Ulm im deutschen und europäischen Schienenetz eine Art bessere Nebenstrecke sei, über die bloß noch halb so viele Züge fahren wie noch vor 20 Jahren. Außerdem werde sie so steil gebaut, dass Güterzüge sie nicht benutzen können." ( http://www.stern.de/wirts... )

[.......Das allerdings dürfte nun wiederum den Herrn Grube so richtig heiß machen. Er hat schließlich Erfahrung damit, Millionen in den Sand zu setzen ( http://de.wikipedia.org/w... )........]

Und dann auch noch die peinliche Entlarvung einer bösen Diffamierungskampagne, die über eine Zeitung lanciert wurde und sich dann in der Blogosphäre ausbreitete: eine Frau sei gestorben, weil ein Krankenwagen von Demonstrationen blockiert worden sei. ". „Die Meldung ist in keiner Weise stichhaltig, es gab zu keinem Moment irgendwelche Verzögerungen“, sagte Udo Bangerter vom Deutschen Roten Kreuz Stuttgart " ( http://www.welt.de/vermis... ).

...Fortsetzung folgt....:

http://www.buntgrau.de/in...

http://www.bei-abriss-auf...

Kein Wunder, dass sich Nervosität ausbreitet - und Gewalt beginnt:

http://www.youtube.com/wa...

http://www.sueddeutsche.d...

Zur Rechtslage( im Vergleich zum "Atomausstieg"):

http://www.stuttgarter-ze...

Zur Einschätzung im Ländle:

http://www.stuttgarter-ze...

Neues von der Stuttgarter "Filz"-Laus wäre auch zu vermelden.Diesmal bei der LBBW Immobiliengruppe (sic!): "Wir wollen der Platzhirsch sein in Stadt, Region und Land." (Doppel-sic!). Aber es soll wohl lieber nicht so bekannt werden. Deshalb Lektüre nur gegen Bezahlung. Sind ohnehin schon genug schlechte Nachrichten durchgesickert.......:

http://www.stuttgarter-ze...

Kostenlos gibt es dagegen die "Kleine Geschichte schwäbischer Renitenz" von Werner Birkenmaier. Eine Renitenz, die sich vom "Armen Konrad" im Remstal über die Bauernkriege und 1848 bis nach Wyhl erstreckt ( http://www.kopfbahnhof-21... ). Leider fehlt auch dort wieder einmal der Georg Elser, der deshalb hiermit nachgereicht wird: http://de.wikipedia.org/w... .

Weitere Beiträge vom Autor zum Thema:

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Basisinformation:

http://de.wikipedia.org/w...

http://www.das-neue-herz-... (Befürworter)

http://www.kopfbahnhof-21... (Kritik, Alternativ-Gutachten, Alternativprojekt)

http://www.bei-abriss-auf... (Kritik, laufende Information, Pressespiegel)

Eine Videosammlung zum Protest findet sich hier:

http://community.zeit.de/...

Last Updated: 21/09/2010, 16:10