Kritik der zynischen Unvernunft. Zur Kontroverse Honneth-Sloterdijk (1)
Ist dies nun die Götterdämmerung der 68er? In der ZEIT vom 24. September 2009 (Nr. 40) geht Axel Honneth (Jahrgang 1949) unter der Überschrift "Fataler Tiefsinn aus Karlsruhe" scharf mit Peter Sloterdijk (Jahrgang 1947) ins Gericht ( http://www.zeit.de/2009/4... ). Auslöser scheint Sloterdijks Essay "Die Revolution der gebenden Hand" zu sein, den dieser am 13. Juni 2009 in der FAZ veröffentlicht hat (Link zum Text über den Link in Kommentar # 6!).
Kann man diese beiden Texte noch einigermaßen auf der Sachebene verorten, so greift Sloterdijks Erwiderung, die am 27. September 2009 wiederum in der FAZ erschien, tief in die Schublade der persönlichen Verunglimpfung. Die Debatte wird zur Metadebatte und es ist wohl kein Zufall, wenn Sloterdijk zur Psycho-Waffe greift und von "abgehängte(n) Kollegen bei der Zurschaustellung ihrer Stagnation und Frustration" spricht, und wenn Honneth als "unser unglücklicher Frankfurter Professor" tituliert wird.
Die Regression auf's Persönliche lässt vermuten, dass hier ein erbitterter alter Konflikt innerhalb der 68er-Generation ausgetragen wird, der wohl nicht zufällig exakt mit dem Zeitpunkt zusammenfällt, an dem die linke Volkspartei SPD kollabiert.
Es ist wohl auch kein Zufall, dass sich parallel eine neue neo-bourgeoise Zeitgeistphilosophie zu etablieren beginnt. Auffällig jedenfalls ist die häufige Präsenz von Richard David Precht (Jahrgang 1964) als Neo-Linker in politischen Talkshows und sein Vor-Wahl-Essay in der ZEIT vom 10. September 2009 (Nr. 38), wo er unter dem Titel "Wir wählen uns alle nur selbst" gepflegtes Bla-Bla ausbreitete, das vor veredelten Designer-Clichés nur so strotzt ( http://community.zeit.de/user/seriousguy/beitrag/2009/09/14/das-cliché-als-praliné-eine-antwort-richard-david-precht ).
Während also der neue Zeitgeist in schwarz-gelbem "Neoliberalismus" keine Gefahr mehr zu erkennen vermag und irgendwie alles in einer rosaroten Einheitssoße fließen sieht flammt bei den linken Senioren ein Konflikt auf, der in den 70ern begann, aber nie wirklich ausgetragen wurde. Es ging im Kern um die Frage, wie denn Gesellschaft am besten zu verändern sei, über Politik und gesellschaftliche Strukturen oder über den individuellen Gang in die Innerlichkeit mit dem Ziel, über die Veränderung der vielen einzelnen "Selbste" am Ende eine tiefstmögliche Veränderung der Gesellschaft zu bewirken. Fast schon lächerlich kumulierten solche Forderungen in der Janovschen Anmutung, man möge doch darauf hinwirken, dass das "Primaln" (der Kern der "Urschrei"-Therapie) zum allgemeinen Instrumentarium westlicher Gesellschaften werden möge, um so ein neurosenfreies Interagieren zu gewährleisten (Revolution der Psyche, FfM 1976).
Wenn nun in Axel Honneth ein Vertreter der "Frankfurter Schule" mit heftiger Fundamentalkritik gegen Peter Sloterdijk antritt, der seinen Aufenthalt bei Bhagwan Shree Rajneesh zwischen 1978 und 1980 in Poona als "irreversible" Umstimmungserfahrung (Wikipedia) beschreibt, dann tritt ein Konflikt an die Oberfläche, der wohl sehr viel dazu beigetragen hat, dass die 68er - entgegen dem öffentlich aufrecht erhaltenen Medien-Mythos - einerseits nie einen wirklich prägenden Einfluss auf den Gang der gesellschaftlichen Dinge hatten, andererseits aber wirtschaftliche und gesellschaftliche Entfesselungen möglich machten, die viele von ihnen wohl nie gewollt haben(stellvertretend sei die Überwucherung des Internets mit Kinderpornographie als Resultat der "Freiheit" genannt).
Es mag also lohnend sein, sich diesen Konflikt näher anzusehen. Das Ganze auch unter dem Aspekt des Unterhaltungswerts ("dieser intellektuelle Unterhaltungsmarkt") zu sehen, scheint mir allerdings doch sehr unangemessen (Hans Ulrich Gumbrecht: "Der Spieler und der Baumeister", DIE ZEIT Nr. 41, 1. Oktober 2009).
Dabei kann man zunächst durchaus dem zustimmen, was Jürgen Kaube am 25. September 2009 wiederum in der FAZ schrieb ("Der Vermögensverwalter"):
"Zwei Philosophen stellen sich Wirtschaft und Gesellschaft vor. Von der Klugheit des John Maynard Keynes und der nachfolgenden Makroökonomik, die Umverteilung unter funktionalen Aspekten zu betrachten....sind beide weit entfernt. Von einer politischen Soziologie des Wohlfahrtstaates auch... Sie forschen nicht, sie bilden sich nicht weiter, doch das Gerücht, man komme auch so zu sinnvoller Kritik, ernährt sie doch."
Die Schlussfolgerung hat Kaube da bereits vorweggenommen: "... weil es Ideen sind und nicht Tatsachen, ja nicht einmal Theorien, sondern nur Werteindrücke, die man sich gegenseitig vorhält, wird der Streit zu nichts führen."
Stimmte man dem zu, so wäre dies der Tod des Essays. Kaube geht da also zu weit. Recht allerdings hat er da, wo er die starke Verengung der Diskussion auf ein vage "Moralisches" kritisiert und eine funktionale (=moderne) Betrachtung vermisst. Nachtragen könnte man, dass diese nicht allein der Verengung zum Opfer fällt. Auch der Begriff der christlichen Nächstenliebe und der daraus entwickelbaren Ethik fällt beispielsweise vollkommen unter den Tisch.
Vor allem aber übersieht Kaube, dass allein schon die Tatsache, dass dieser Konflikt zu Tage tritt bedeutsam ist. Offenbart er doch, dass die 30 Jahre währende Sezession innerhalb der 68er immer noch nicht zu Ende ist und immer neu in einen Stellungskrieg aufzuflammen droht, wenn Müdigkeit und Resignation mal kurz nachlassen. Vielleicht offenbart er auch, dass es immer noch 68er gibt, die die Versöhnung mit der Vorgängergeneration und der Gesellschaft insgesamt mit all ihren Strukturen, die ein Zeichen des Erwachsenseins wäre, immer noch nicht oder doch nicht vollständig geleistet haben.
Und an dieser Stelle kommen nun wieder SPD und Linke insgesamt ins Spiel und die Frage, ob ihre Zersplitterung und ihr Niedergang nicht auch damit zu tun habe, dass sich die 68er im Kern der Realität und der mühsamen alltäglichen Arbeit an und in ihr verweigert haben. Die Grünen mögen dies zum Teil geleistet haben, als sie sich von einer politischen Selbsterfahrungsgruppe zu einer politischen Partei entwickelt haben. Aber sie haben dies nicht innerhalb der Volksparteien zu leisten vermocht und werden deshalb nicht nur selbst bis auf weiteres - neben der ähnlich gemauserten FDP - ein Nischenprodukt im Lifestyle-Bereich bleiben. Sie haben damit auch daran mitgearbeitet, die Volkspartei SPD zu einem Nischenprodukt auf dem sozialistischen Trödlermarkt zu machen.
Viel zu viel ist bei 68ern zu Dogma, Ersatz-Religion und hedonistischer Lust auf Spaßgesellschaft geronnen - sofern sie sich nicht ohnehin von ihren politischen oder psychologischen Ursprüngen verabschiedet haben. Viel zu selten wurde die politische "Kritische Theorie" mit der nach Reife suchenden "Reise nach Innen" kombiniert. Viel zu sehr beanspruchte man Exklusivität für sich, anstatt nach einer Phase der nötigen Distanz bejahend in die Gesellschaft zurückzukehren. Viel zu wenig reihte man sich in die Generationenfolge ein.
Sollten wir also heute über die Finanzkrise hinaus eine Krise des gesellschaftlichen Zusamenlebens haben oder zu erwarten haben, so könnte die Kontroverse zwischen Honneth und Sloterdijk ein paar Ursachen dafür aufzeigen. In eine Debatte darüber wären dann allerdings zwingend auch die Kinder der Spaßgesellschaft - stellvertretend Richad David Precht - einzubeziehen.
Es geht um die Metadeutungshoheit im Vaterlande.
Und es geht um die gefühlte Macht des Geistes. Es geht um semantisches Platzhirschtum und das Ehrenamt des Doyen im akademischen Elfenbeinturm. Und es geht um die Nachlassverwaltung der sterblichen Überreste dessen, was in diesem unseren Vaterlande einst "Philosophie" hieß.
Und da gilt Herr Sloterdijk als lästiger Quereinsteiger, der schon durch seine Popularität Unmut unter dem Muff der Talare am Institut für Sozialwissenschaften erzeugt.
Also schickt König Habermas wieder mal Einen aus seiner Tafelrunde aus, um den schwarzen Ritter zu töten. Nachdem das Elmauer Gift zu wirken aufhört.
Die Tafelrunde aus lauter "Tugendterroristen" wachen nämlich über den heiligen Gral unserer Staatsräson. Über ein Wertegebilde also, das dieses Gemeinwesen Deutschland entgegen kreischender weltanschaulicher Widersprüche regierbar macht. Und zwar von außerhalb.
Wenngleich ich zugeben muß, daß ich bei Honneth eine gewisse Denkstagnation feststelle, die wiederum er bei Sloterdijk vermißt: "... schien der Autor alles vergessen zu haben, was er ursprünglich, etwa in einem frühen, glänzenden Aufsatz zu Foucault, selbst einmal geschrieben und gedacht hatte"; welch ein merkwürdiger Vorwurf!, empfinde ich Sloterdijks Erwiderung als in höchstem Maße lächerlich. Eine schwache, geradezu anfängerhafte Abwehrleistung und ein billiger Trick, sich sachlicher Kontoverse zu entziehen ("Zu einer Debatte gehören Kenntnisse ... ausführliche Lektüren in den Schriften des Kontrahenten." Allerdings muß man Sloterdijk zugestehen, damit auf ähnliche Trickserei (etwa den Honnethschen Proseminarvorwurf ("ohne jede Kenntnisnahme der neueren Forschungsliteratur") zu reagieren. Alles in allem ist Sloterdijks Denken zwar weniger statisch als das im Honnethschen Essay zum Ausdruck kommende, aber für mein Empfinden operiert Sloterdijk allzu abhängig vom Zeitgeist, einerlei ob diese Abhängigkeit sich im Mitschwimmen oder in antizyklischer Reaktion äußert.
Eine Münze umdrehen kann jeder, der Hände hat.
Wie auch immer: Sloterdijk kneift. Peinlich.
Kontroverse, meinte ich. nicht Kontoverse. Freudsche Fehlleistung bei knapper Kasse. ;-)
Werter Seriousguy,
vielleicht sollten Sie zunächst einmal auf die Replik von Sloterdijk in der FAZ vom 27. September verweisen, damit man dem Diskurs in voller Länge folgen kann.
Lassen wir einmal die von persönlichen Kränkungen und den umso aggressiveren Erwiderungen darauf motivierten passagen fort (und bei Honneth bleibt dann tatsächlich nicht mehr viel übrig), so stellen wir fest, daß sich der gedankliche Unterbau von Sloterdijks Entgegnung so dekliniert, wie er ihn selbst zusammenfaßt:
»Als unverbesserlicher Verteidiger einer sozialdemokratischen (oder wie ich der Deutlichkeit zuliebe sage: semi-sozialistischen) Logik habe ich nur einen einzigen, allerdings schwerwiegenden Einwand gegen die bestehenden Verhältnisse vorzubringen: Ich nehme daran Anstoß, dass niemand das aktuelle System der Zwangsbesteuerung als solches in Frage stellt - auch wenn man hin und wieder über die „Vereinfachung“ der Besteuerungsverfahren und über deren Reform im Sinne der „sozialen Gerechtigkeit“ diskutiert. Nirgendwo wird auch nur hypothetisch darüber nachgedacht, ob es nicht besser insgesamt durch eine geregelte Praxis der öffentlichen Spenden zu ersetzen wäre.« (op. cit.)
Ich finde es ganz und gar bereichernd (sic), daß ein bekennender Semi-Sozialist auf diesen Gedanken kommen kann, ja sogar im weiteren Verlauf der Debatte mit darauf hinweist, daß die explizit linke Programmatik nach wie vor ein offenkundiger Fall für die epistemologische Geriatrie ist: Da wird nach wie vor mit den Transformationsgrammatiken des 19. Jahrhunderts argumentiert, derzufolge Eigentum schon Diebstahl sein soll, auf die dann nur der gerechte Rücksendebeschluß durch die staatliche Exekutive zu erfolgen habe, nämlicherweise in Gestalt eines All-Expropriateurs, dem man in ganz sublimer Weise zutraut, das zu tun, was Menschen ihrem Naturell nach nicht zu tun in der Lage sein sollen: Gerecht neu zu verteilen, was vorher ungerecht vorverteilt wurde.
Im weiteren Verlauf deutet er die von ihm in Aussicht gestellte Ethik der Gabe nur kurz an und stellt ihre Erforderlichkeit fest, zweifelsohne wird dazu das nächste Opus von ihm zu erwarten sein—und ebenso ohne jede Frage wird man ihm wieder mit dem unpassenden Vokabular antworten: Da will einer wohl vom Beutemacht gegen die »Ausbeuter« nichts wissen, das ist unerhört! Man kennt diese Rituale, und in ihrer Unvermeidlichkeit gerade bei Linken sind sie meistens nicht nur aus der Zeit gefallen, sondern nur mehr nervig wegen ihrer ausdrücklichen und anhaltenden Theorieresistenz, die wohl daher rührt, daß die Titanen, die früher vom Gesellschaftsumbau phatnasierten, heute auf gut besoldeten Kathedern weilen oder gleich zum Klassenfeind überliefen, um sich prämienwirksam als »Ratspensionäre« zu verdingen.
Bliebe nur noch zu fragen, woher eigentlich die sozialdemokratische Denktradition ihre abgrundtiefe Überheblichkeit nimmt, zu behaupten, daß über diese Zusammenhänge noch niemand nachgedacht habe.
Erinnern Sie sich? Worüber haben wir beide uns denn früher schon unterhalten? Worüber schreibe ich, seit ich hier Gast in diesem Forum bin? Täuscht es mich oder habe ich bis an den Rand des gerade noch Erträglichen darüber geschrieben, daß es eine Ethik der Gabe niemals geben könne, sofern sie auf zwangsmäßiger Abgabenlast durch einen exklusiven Monopolisten der Gewalt erfolgt? Wieoft habe allein ich darauf hingewiesen, daß die Moral des Materiellen niemals im Wege der Zwangsanwendung hergestellt werden könne, ja daß Moral, die erzwungen wird, gar keine sein kann?
Ich bin damit nicht allein, es gibt eine breite intellektuelle Tradition zu diesem Feld, und auch wenn sie in Deutschland bis heute unbeachtet vor sich hindämmert, so werte ich Sloterdijks Einwände—die ja von einem selbst sich so bezeichnenden Linken stammen—als willkommenen Startschuß, um sie in wechselnder Perspektive ins Bewußtsein zu heben.
Genau das zu tun ist die Aufgabe eines klaren und folgerichtigen Liberalismus, der jenseits von beliebigen Kosten/Nutzen-Analysen, wie man sie heute im politischen Diskurs so überwiegend betrifft, ein ethisches Argument für die Bedingungen und die Umstände dessen entwickelt, was Sloterdijk die »gebende Hand« nennt.
Es bleibt zu hoffen, daß dieser wertvolle Impuls nicht wieder unter dem sozialpolizeilichen Diktat zusammenbricht.
"... Sloterdijks Erwiderung, die am 27. September 2009 wiederum in der FAZ erschien". Der "Verweis" steht doch im zweiten Absatz, lieber Josef. Ein Link muß nicht sein. Googeln gehört doch mittlerweile zu den Kulturtechniken.
Lieber j-ap. Ist es nicht so, daß die "Ethik der Gabe" bereits durch die Möglichkeit unterstützt wird, vielerlei Gaben von der Steuer abzusetzen?
"@viscount
Richtig so, Steuern abschaffen, alles nur noch freiwillig,
langsam wird es spannend, dann darf ich ja doch noch eine Revolution in meinem Leben erleben, Sloterdijk und viscount sei dank,
wer überleben wird, ist offen, bekanntlich frisst die Revolution ja ihre Kinder,
möglicherweise geht es danach sogar unfreier zu als heute, könnte sein.
Wieviel würden Sie denn so freiwillig zahlen, lieber viscount, 10 Cent, pro Jahr??"
Lassen Sie ihn reden. Er meint wohl mit der gebenden Hand das lebendige Band (dazu auch Toqueville) zwischen den Menschen, schön gedacht, doch nur im Paradise, wo Männlein und Weiblein sich ohne Scham noch nackt über den Weg, wäre/ist dies möglich;-)
Mein Anliegen in diesem ersten Teil war es zunächst einmal, die Vermutung zu äußern, dass es sich hier - jenseits der Eitelkeiten - auch um einen Inner-68er-Konflikt handeln könnte, um eine gegenseitige Blockade, die zu Stagnation auf beiden Seiten bei den Senioren und lachende Zeitgeist-Oberflächlichkeiten bei einigen Junioren führt - und auch den Zeitgeist beförderte, der zur aktuellen politischen Landschaft führte.
Auf Sloterdijks inhaltliche Position in seinen FAZ-Beiträgen möchte ich später in einem zweiten Teil eingehen. Sie scheint auch mir wichtig genug, um eine eigene Diskussion darüber zu führen.
Mit den Links habe ich, auch das sei gesagt, mittlerweile Probleme. Entweder funktionieren sie nicht oder sie sind so endlos (FAZ), dass ich sie nicht abtippen möchte. Ich bitte um Verständnis und Befolgung des Rates von Lyriost: die Texte sind wirklich leicht zu ergooglen.
Zwischengruß von Seriousguy
Selbstverständlich wird hier ein Konflikt verhandelt, dessen Protagonisten zu ein und derselben Denkrichtung gehören, denn nur unter nahen intellektuellen Angehörigen ist soviel Erbitterung und auch ab und an aufschimmernde persönliche Hinterhältigkeit möglich. Unter Leuten, die sich von vornherein in Distanz wissen und wenig oder gar keine Kontaktflächen offenbaren ist derlei quasi unmöglich.
Nun gut, Sie haben einen weiteren Teil dazu annonciert, stellen wir also die Erörterung in der Sache bis dahin zurück, klären aber vielleicht im Rahmen dieses Threads, was Sie mit dem »Zeitgeist« meinen könnten, dem in den Bahnen dieses Konflikts zwischen zwei Hähnen aufgeholfen worden sei, die noch einmal in den Ring steigen, um den Nachlaß nicht vollends den Erbschleichern überlassen zu müssen:
Von welchem Zeitgeist reden wir also?
Irre ich mich, oder ist der Geist der Zeit durchwegs anderer Ansicht als Sloterdijk? Ist es nicht vielmehr gang und gäbe, der Zivilreligion den Kotau zu machen vom umfassend umverteilenden, »soziale Gerechtigkeit« schaffenden, Rechte gewährenden, alle beschützenden und das Ideal der Gleichheit verwirklichenden Wohlfahrtsstaat? Ist es nicht so, daß man in diesen Tagen die Kapitalhalter pauschal (und ohne Anfangsverdacht der Volksverhetzung) dem Verdacht aussetzen kann, gemeine Betrüger und Nehmer zu sein, die etwas für sich behalten wollen, was ihnen doch gar nicht gehören dürfe? Ja sind die rasenden Tobsuchtsanfälle der Zukurzgekommenen in der öffentlichen Meinung gegen alles und jeden, der mehr hat als andere, nur mir aufgefallen?
Wenn also Sloterdijk stellvertretend für gewiße Einsichten einen Zeitgeist befördert haben soll, dann ja wohl nicht den, den wir gerade vor uns haben, meinen Sie nicht?
Mir isses eigentlich rille, wenn sich zwei Typen beharken und ob sie sich gegenseitig verraten fühlen in ihrer angeblich gleichen Denkrichtuung.
Verstehen auf Anhieb dud die eh so ca. wenig bis keine/r, also wen juckts?
Die "normalen" Leute machen eh immer ihr Zeugs, nur waren sie (und wir) in dem, was so großkotzig "Zivilisation" genannt wird, eher selten "frei".
Eigentlich wollt ich aber nur draufhinweisen, daß der Sloterdijk quasi einen "neuen Menschentyp" voraussetzt in seinem Aufsatz, welcher Stein des Anstoßes ist. ;)
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