Majji-MAjji - Grundeinkommen mal anders rum
Es gab eine Zeit, so vor 120 Jahren, da hiess Tansania noch Tanganjika und war eine deutsche Kolonie. Und wie's in Kolonien so zugeht, trafen deutsche Unternehmer Vorbereitungen, dortselbst tüchtig Geld zu scheffeln. Zu diesem edlen Zwecke begründeten sie Plantagen, für Kaffee und Kakao und was sonst noch zum Schiffstransport taugte. Und als die Plantagen begründet waren, machten sie sich auf die Suche nach Arbeitern.
Es gab aber keine. Die Begründung war so einfach wie niederschmetternd: Die Leute brauchten einfach kein Geld. Sie hatten ihre Hütten, sie hatten Ackerfläche und alles weitere wurde solide subsidarisch getauscht. Wozu also Geld?
Diese Frage beantworteten die Verwaltungsbeamten Allerhöchstdesselben in Berlin und Tanganjika* so:
Es wurde eine Hüttensteuer eingeführt, die mit Geld zu bezahlen war und zwar ausschlieeslich mit Geld. Da waren die freien Menschen von Tanganjika in die Lohnsklaverei gezwungen, denn wer nicht zahlte, wurde verhaftet, gefoltert und am Ende zur Zwangsarbeit verurteilt. Um den Druck noch weiter zu erhöhen, wurde die Hüttensteuer durch eine allgemeine Kopfsteuer ersetzt und wie durch Zauberhand erschienen ausreichend Bewerber für die verhasste, unfreie Plantagenarbeit.
Am Ende kam's zum grossen Majji-Majji-Aufstand,einem tragischen Unterfangen, weil die lokalen Schamanen, von europäischer Physik zur Gänze unbeleckt, einen Zauber aussprachen, der die Kugeln der Kolonialherren in Wassertropfen verwandeln sollte. Als der Rauch sich legte, waren viele Menschen tot, die Kolonialisten sassen fest im Sattel und die Schamanen hatten ein Glaubwürdigkeitsproblem.
So darf man sich das genaue Gegenteil von bedingungslosem Bürgergeld vorstellen: Eine Zwangssteuer, die in Zwangsarbeit mündet. Weil aber die Menschen in Deutschland überwiegend weder eine Hütte noch Ackerland besitzen, reicht zur Enteignung der Rechte an der eigenen Person Hartz 4.
Der Kapitalismus ist keine Marktwirtschaft. Er bedient sich Sklaven, die Geschäfte, die stattfinden, sind keine Geschäfte zwischen Freien und Gleichen sondern Lohnsklaverei statt Leibeigenschaft. Leibeigenschaft ist abgeschafft, denn sie war dem Kapitalisten zu viel Verantwortung. Man konnte sein Eigentum doch nicht einfach verhungern lassen...
Mit einem befingungslosen Grundeinkommen gelangen wir zu einer sozialen und freien Marktwirtschaft ohne Sklaven. Wer in einer solchen Gesellschaft eine Arbeit zu vergeben hat, kann nicht darauf bauen, dass die Menschen gezwungen sind, für jeden Preis ihre Freiheit zu verkaufen. Er muss einen fairen Preis anbieten.
Bedingungsloses Grundeinkommen ist die conditio sine qua non einer modernen, freien Gesellschaft.
*An der inneren enstellung von Staats- und anderen Verwaltungsbeamten scheint sich seitdem nur wenig geändert zu haben...
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Leser-Kommentare
" Der Kapitalismus ist keine Marktwirtschaft. Er bedient sich Sklaven, die Geschäfte, die stattfinden, sind keine Geschäfte zwischen Freien und Gleichen sondern Lohnsklaverei statt Leibeigenschaft. "
Wie oft werden Sie am Arbeitsplatz täglich ausgepeitscht? Werden Sie am Baum angekettet oder dürfen Sie in die Hütte aufs Strohlager?
Irgendwie hat Ihr Berufsleben schlimme Spuren hinterlassen - kündigen Sie doch einfach!
Oder sind Sie Unternehmer und in Ihrer Existenz auf Gedeih oder Verderb eingekerkert?
@Schwarzbart: Stimme Ihnen grundsätzlich zu, was ein BGE angeht. Mein Lieblingsmodell wäre ein Bürgergeld von 500-600 €, für einen Bruttoverdienst bis zum doppelten dieses Betrags ("Nullpunkt") einen Negativen Einkommenssteuersatz von 50%. Ab allem was darüber hinaus verdient wird: die bisherigen Steuersätze.
Die Folgen:
- Wer keine Arbeit hat, hat es erträglich.
- Wer arbeitet, hat es besser.
Leider wurden Ideen im Zusammenhang mit dem BGE vor etwa einem Jahr von einer Handvoll Idioten vorläufig zerschossen, die den Hals nicht voll kriegen konnten (Diejenigen welche die e-Petition mit 1500€ BGE und 1000 € pro Kind verfasst und eifrig gezeichnet haben).
Hallo Schwarzbart
Die Krux an Ihrem Beitrag ist das polare Denken. Das ist heute obsolet. Unser System ist zu komplex um es zwischen Pro und Contra zu zerreiben. Da werden nur Stereotype und Vorurteile perpetuiert. Das führt ins soziale Nichts. Wir sind auf dem Weg dahin wenn wir nicht umsteuern. Die Hartzempfänger stehen schon lange vor den Toren der Hölle - die Reichen sind nur vermeintlich im Paradies auf Erden. Die Reichen sind die die am besten Jammern können - wären sie glücklich würden sie nicht jammern. Früher waren es die adeligen Grossbauern die am meisten jammerten. Das war im Volk sprichwörtlich ("Hast du mal einen Bauern gesehen der nicht jammert?").
Liebe Grüsse
Günter
Hallo Thomas Ernst
Sklaverei heute ist die Folge der überlangen Arbeitszeiten und der ungleich verteilten Löhne. Die haben den Rattenschwanz von Problemen zur Folge die hier mit Recht kritisiert werden. Wir sind alle überfordert. Viele haben zu wenig Freizeit. Arbeitslose haben die wenigste Freizeit weil sie voll beschäftigt sind nicht vorhandene Arbeitsplätze zu suchen. Das ergibt eine weit verbreitete Sklavenmentalität, die von den Unternehmern zu ihrer Gewinnmaximierung und Bequemlichkeit weidlich ausgenutzt wird.
Sklavische Grüsse
Was an dem Modell fehlt ist die Vollbeschäftigung. Es darf einfach niemanden mehr geben der keine Arbeit hat. Alle sollten sich sinnvoll beschäftigen. Die Höhe des Grundeinkommens ist eigentlich irrelevant - es sollte nur die Existenz sichern und ein bequemes Leben ermöglichen - man muss seine Rechnungen bezahlen können. Dazu ist aber unbedingt die Länge der Arbeitspausen zu erhöhen um sich zu erholen - das gilt vor allem für die Arbeitnehmer die oft Überstunden machen müssen - die Pausen bei den Reichen sind eher zu lang und ebenso kasteiend wenn sie nicht mit Hobbys ausgefüllt werden können.
Mein vorläufiges Lieblingsmodell ist der Sechs-Stunden-Tag. Da könnte man bequem in vier Schichten arbeiten und wir hätten über Nacht (idealerweise) Vollbeschäftigung. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wäre gewährleistet. Das Modell ist aber zugegebenermassen noch unausgegoren und wird sicher kritisiert werden. Damit rechne ich fest.
ich finde Moridos Modell grundsätzlich gut. Und ich finde, sie klammern sich zu sehr an die traditionelle Lohnarbeit. Es gibt soviel sinnvolle und gesellschaftlich relevante Arbeit im Bereich des ehrenamtlichen Engagements. Sowas sollte im Rahmen eines solchen Bürgergeldes gefördert werden. Indem sich zum Beispiel der Arbeitslose, der eine Sportmannschaft trainiert durch seine Tätigkeit Rentenansprüche erwirbt.
Dieu me pardonnera, c'est son metier.(Heine)
1. Nimmt das Arbeitsangebot kontinuierlich im Zuge der Rationalisierung ab
2. Gibt es tatsächlich auch Leute die nicht arbeiten wollen
3. Liegt dies nicht im Interesse der Unternehmen, die stets darauf aus sind, sich einen Pool aus verfügbaren Arbeitsreserven aufrechtzuerhalten. Haben Sie schon mal etwas von der Theorie der Effizienzlöhne gehört?
Fazit: Die AL-Quote gilt es zu minimieren. Vollbeschäftigung wird jedoch immer eine Utopie bleiben. Wer sie anstrebt, ignoriert wesentliche Sachverhalte des Arbeitsmarktes (oder er ist ein Beführworter von drastischen Maßnahmen wie etwa Zwangsarbeit). Wer sie verspricht (soll ja so nen Kanzlerkandidaten geben...) tut entweder genau das gleiche oder ist schlicht und ergreifend ein Lügner.
Hallo Outis
Ich finde Ihr Beispiel etwas kompliziert. Das Modell der traditionellen Lohn- oder Erwerbsarbeit hat sich zwar bewährt aber nicht alle beziehen Einkommen aus abhängiger Beschäftigung - es gibt auch noch Scheinselbständige die meinen sie seien selbständig. Daneben besteht immer noch das Problem der Lohnspreizung, der sozialen Ungleichheit und der sozialen Gerechtigkeit. Über die alleinige Möglichkeit des Modells des Ehrenamts müsste man genauer diskutieren. Wie sollen die Ehrenamtlichen ihre Existenz sichern? Ich glaube dass gerade im Niedriglohnsektor viele quasi Ehrenamtliche arbeiten - einige sind auch bei uns in der Kunsthalle beschäftigt. Das Modell ist aber noch unausgegoren.
Mein Wunschmodell wäre dass der Arbeitslose im Sportverein fest angestellt wird und daraus Rentenansprüche erwirbt. Ausserdem sollte er zum Trainer qualifiziert werden. Möglich wäre auch dass er in eine Teilzeitarbeit auf dem Arbeitsmarkt integriert wird und die Trainertätigkeit als Hobby in der Freizeit betreibt. Das wäre dann ein sinnvolles Ehrenamt und würde zu einem erfüllten Leben führen. Wahrhaft paradiesisch.
Grüsse aus dem Paradies.
ad 1
Wir haben Arbeit genug. Sie ist nur nicht finanzierbar wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise, wegen Managementfehlern und sonstigen insbesondere psychisch bedingten Unzulänglichkeiten der ökonomischen Theorie und Praxis. Die Arbeit ist falsch verteilt. Der Markt in der alltäglichen Praxis funktioniert suboptimal. Der ökonomische Lernprozess der Gesellschaft ist noch nicht ausreichend organisiert. Für Arbeitslose ist es schwierig Arbeit zu finden - für Arbeitgeber ist es schwierig passende Arbeiter zu finden. In der Arbeitsvermittlung liegt ein wesentliches Problem. Ausserdem sind für viele die Arbeitszeiten zu lang.
ad 2
Es ist fraglich ob fehlender Arbeitswille ein angemessenes Lebenskonzept ist.
ad 3
Die Theorie der Effizienzlöhne kenne ich im Moment nicht. Löhne müssen die Existenz sichern und sie müssen gerecht sein. Jeder Arbeiter ist effizient.
Fazit: Vollbeschäftigung ist ein utopisches Ziel, ein Wert und ein Ideal. Wir sollten sie als solche immer im Auge behalten und die Realität daran messen. Vollbeschäftigung ist ein Element des Magischen Vierecks der Wirtschaftspolitik neben Preisstabilität und finanziellem und aussenwirtschaftlichen Gleichgewicht. Es benötigt wohl die Fähigkeiten eines Magiers da Klarheit zu schaffen.
Zwangsarbeit ist selbstverständlich abzulehnen - alle sollten freiwillig und gerne arbeiten. Auch um der Langeweile zu entgehen, für die Gesellschaft und in Gesellschaft aktiv zu werden und ihr Leben mit sinnvollen Inhalten zu füllen. Ich rede darum lieber von Beschäftigung statt Arbeit. Arbeit ist pure Mühsal und die Arbeitszeit meistens zu lang.
Viele Grüsse
Hallo Thomas Ernst
1. Viele arbeiten ein Leben lang bei demselben Arbeitgeber. Das nenne ich Leibeigenschaft im positiven Sinn. Wenn sie dann noch jeden Tag in der Hütte aufs Strohlager dürfen nenne ich das paradiesisch - wenn sie das möchten, wenn die Ehefrau einverstanden ist und sie nicht gegen ihren Willen vergewaltigt werden.
2. Selbst zu kündigen ist riskant. Ich habe das zweimal gemacht. Vielleicht war es gut oder schlecht - ich musste mir einen neuen Job suchen. Heute arbeite ich im Niedriglohnbereich. Ich könnte mir Besseres vorstellen. Trotzdem bin ich glücklich und zufrieden.
3. Sicher fühlen sich auch einige Unternehmer eingekettet. Da kann eine Konsultation bei einem Psychologen helfen, die Pflege von Hobbys, ein gutes Familienleben oder der Verzicht auf Teile von Einkommen.
Gruss