Leserartikel-Blog

(Gewalt-)Porno und Vergewaltigung - Gedanken zur Studie von Christopher J. Ferguson und Richard D. Hartley

In Ihrer Studie „The pleasure is momentary…the expense damnable?: The influence of pornography on rape and sexual assault” untersuchen Ferguson und Hartley den Einfluss von Pornografie auf die sexuelle Gewalttätigkeit der Konsumenten. Ganz zu Beginn Ihrer Argumentation stellen die beiden die Behauptung auf
“violent pornography is comparatively rare in the real world.”
Wie und wo die Autoren zu dieser Erkenntnis gelangten bleibt jedoch vorerst unthematisiert. Stattdessen erfahren wir, dass laut Internet World Stats (2009) “by 2006 internet pornography sales had reached $2.5 billion and roughly 12% (4.2 million) of websites on the internet worldwide were pornographic (Family Safe Media, 2008).” Bei der Masse an Seiten und einer völlig fehlenden Definition von gewalttätiger Pornographie ist die These von der Seltenheit kritisch zu betrachten.

Als Pornographie bei uns noch verboten war berichtete ein ZEIT-Reporter aus dem liberalen Dänemark:
„Und für welche pornographischen Delikatessen zeigen unsere Landsleute besondere Vorliebe....? Ich habe in den Läden danach gefragt; die Antwort: Deutsche bevorzugen sadistische und brutal-perverse Themen, die in manchen Porno- Shops, des besseren Überblicks wegen, auf einem Sonderregal ausgestellt sind. Titel wie: Sexuelle Perversitäten in Text und Bild — Erotischer Zwang — Liebe Bizarr — Flagellantische Orgien — Vergewaltigung — Die grausame Herzogin — Frauen unter der Peitsche — Baby- Sex und Kinderliebe sind ausgesprochene Bestseller.“ (Der Autor zeigte sich übrigens auch von anderem begeistert: „Wie schön ist eine Stadt, in der einem nicht an jeder Ecke ein nackter Hintern oder ein dräuender Busen entgegenspringt!“)

Sollte sich so viel verbessert haben inzwischen?

“Good pornofilms are as scarce as diamonds: You have to look for them, because they can’t be found in the middle of mainstream-pornography, more likely they can be found on the fringes, far away from the banal Hardcore-industry. Especially in the wonderful seventies lewd gems were written and produced much more often than today.”

Gern genommenes Beispiel für einen „guten Pornofilm“ ist der 1972er Meilenstein für die Anerkennung der Pornographie “DEEP THROAT”. Die gleichnamige Praktik, die auch unter „gagging“ läuft, wird auch heute in Pornofilmen gern angewandt, teilweise liegen die Frauen auf dem Rücken, der Kopf hängt über die Bettkante oder Armlehne, ihre Körper winden sich weil sie nicht atmen können, sie würgen und Einige kotzen. In härteren Filmen bekommen sie dann Ohrfeigen und/oder man uriniert ihnen in den Mund. Frei zugänglich – kostenlos verfügbar auf Seiten, die ich als Lehrerin von meinen 14/15-jährigen männlichen Schülern aus einer neuen Klasse hintereinander aufgezählt bekomme (ob ich die auch kenne ist die Frage). Auf Internetseiten lese ich wie sich junge Frauen gegenseitig zum trainieren ermuntern. Der einzige „Nachteil“ sei, dass man wenn man es beherrsche eben auch nicht mehr kotzen könne. Wenigstens wird da was gegen die Bullemie unternommen, könnte man denken. Aber – eine Frage die sich scheinbar niemand stellt – was haben die Frauen denn davon?
In dem prominenten Porno wurde damals die Geschichte erzählt, die weibliche Hauptfigur habe ihre Klitoris im Rachen – der Film entstand zu der Zeit, als Frauen endlich eine eigene Sexualität wissenschaftlich zugestanden wurde und man auch begann einzusehen, dass die Klitoris und nicht die Vagina das Gegenstück zum Penis ist. Wenn man sich im heutigen Porno so umsieht scheint es manchmal, als würden Männer das Rachenmärchen nach wie vor gern glauben. Fürchterlich war und ist jedoch der Umgang mit Linda Lovelace, eben jener Hauptdarstellerin. Sie hat in ihrer Autobiographie davon berichtet wie wenig freiwillig sie diesen und weitere Filme (z. B. „Dog Sex“ im gleichen Jahr) gedreht hat, wie sehr sie von ihrem sadistischen Mann misshandelt und bedroht wurde. Antwort der Industrie war ein diffamierender Spottfilm und die Leugnung aller Anschuldigungen – bis heute. Nachdem sie bereits lange verstorben war berichtete ein Ex-Kollege über Lindas Zeit bei Deep Throat: “She was a bit too happy.”
So werden Legenden am Leben erhalten. Wichtige Legenden für die Industrie. Welche Frau würde schon ins Geschäft einsteigen wenn sie wüsste, dass nichtmal die legendären Größen den Job weiterempfehlen oder noch mal wählen würden?

Die meisten von Ferguson und Hartley betrachteten Studien gehen so vor, dass die männlichen Probanten in drei Gruppen eingeteilt werden: die erste sieht gewalttätige Pornographie (wir wissen nicht was jeweils darunter verstanden wird), die zweite „normale“ Pornographie (vermutlich sowas wie „Deep Throat“) und die dritte nicht-pornographische Inhalte. Anschließend werden die Probanten befragt bezüglich ihrer Aggression auf Frauen, ihrem Wunsch Frauen zu verletzten, eigenen Depressionen und ihrer Einstellung gegenüber der Vergewaltigung von Frauen.
Manche Studien finden eine gesunkene Gewaltbereitschaft gegenüber Frauen nach gewalttätiger Pornographie (Linz, Donnerstein, and Penrod 1988), manche gelangen gar zu der Erkenntnis, dass Pornographie generell Frauen schütze vor negativen Einstellungen (Garos, Beggan, Kluck, and Easton 2004), wieder andere vermelden eine gesteigerte Gewaltbereitschaft gerade nach Softcore-Konsum (Scott 1985).

Diese und mehr gesammelte „mixed results“ überzeugen die Autoren, dass ein Zusammenhang zwischen Pornographie und insbesondere Vergewaltigung unwahrscheinlich sei. Nicht fehlen darf der Hinweis, dass Vergewaltigung kein rein zeitgenössisches Problem sei (Zillmann, 1984) – als hätte es für diese Erkenntnis Studien gebraucht.
Und jetzt endlich kommt auch der „Beweis“ für die Eingangsbehauptung:

“Winick (1985) and Scott and Cuvelier (1987a,b,1993) found through content analysis that sexually violent depictions in adult men's magazines were not only uncommon but were gradually decreasing.”

Sowie:

“Violent pornography is rare, and not routinely viewed by the majority of consumers (Monk-Turner & Purcell, 1999).”

Und? Sind Sie davon überzeugt? Alles ist prima?

Zwei erwähnte Studien behandeln nicht die männlichen Ein- und Selbstdar-stellungen nach Pornographiekonsum, sondern den Zusammenhang von Pornographie und Vergewaltigungszahlen. Ergebnisse: einerseits „a moderate to strong correlation between consumption of pornography and rape rates“ (Baron and Straus 1984) und andererseits „increases in pornography consumption were associated with constant or decreased rape rates in each of the countries except the United States” (Kutchinsky 1991). Die Länder für die dieser Nicht-Zusammenhang gelten solle waren Westdeutschland, Dänemark und Schweden. Schweden hat heute übrigens die höchste Vergewaltigungsrate in der EU (46,5 auf 100 000 Einwohner), Deutschland liegt mit 10 im oberen Mittelfeld, am sichersten ist es der Studie zufolge für europäische Frauen in Ungarn (wers glaubt). Auch bei der Verurteilung von Vergewaltigungen überrascht die aktuelle schwedische Situation: In nur 13 Prozent der angezeigten Fälle kommt es zu einer Anklage. Die EU-Studie stellt fest, dass 22 Prozent der Männer, die sexuelle Übergriffe begangen haben, Ex-Partner der Frauen sind. 17 Prozent sind Kollegen oder der Chef - und in je 16 Prozent aller Fälle sind es der aktuelle Partner oder ein enger Freund. Erstmals wird auch die sexuelle Belästigung von Männern gemessen: hier ist Deutschland auf Platz drei hinter Dänemark und den Niederlanden. „Diese Daten sind noch deutlich schwieriger zu deuten als bei der Erhebung unter Frauen. Um die drastischen Unterschiede zu erklären (in einigen Ländern gibt es Null-Prozent- oder gar keine belastbaren Werte), dürfte erneut die Frage nicht unwichtig sein, wie offen im jeweiligen Land die Betroffenen über Übergriffe reden - und was sie darunter genau verstehen.“

Ferguson und Hartley beschäftigen sich nun auch mit den realen Vergewaltigungstaten, wir erfahren: Vergewaltigungen seien vom Ablauf und der Gewaltanwendung unterschiedlich, nur 28% der Opfer kennen ihre Täter nicht vorher (Rand, 2008). Vergleichsstudien finden ähnliche Werte (Bryden & Lengnick, 1997; Palermo & Farkas, 2001). Die Öffentlichkeit glaubt gern, Vergewaltiger seien psychopathische, sexuell frustrierte Individuen, die unfähig zur Kontrolle ihrer Sexualtriebe seien (Allison, Adams, Bunce, Gilkerson, & Nelson, 1992). Diese Annahmen sind nicht haltbar, viele Vergewaltiger seien z. B. verheiratet (Seligmann et al., 1984; Allison & Wrightsman, 1993).
Einige Forschungsarbeiten offenbaren uns: ein Vergewaltiger unterscheidet sich nicht von der normalen männlichen Bevölkerung, er ist weder abnormal noch psychotisch (Allison & Wrightsman, 1993).
Das sind erstmal keine besonders guten Nachrichten.

Die Autoren referieren über drei theoretische Erklärungsversuche für das Phänomen Vergewaltigung (Ellis, 1989):
1. Soziales Lernen. “In other words, rape is the product of socialization and learning; wrongful behaviors are learned in the same way that pro-social behaviors are learned, through a series of rewards and punishments.”
2. Die Feministische Theorie verfolgt diesen Gedanken weiter und stellt ein nahezu globales, kulturelles Dominanzgebaren der Männer fest, die über Frauen verfügen wie Eigentum. Deutschlands bekannteste Feministin Alice Schwarzer nennt Pornographie „die Propaganda des Patriarchats“, da das männliche Überlegenheitsgefühl gestärkt würde durch die Darstellung in Mainstream sowie den meisten Nischen, zu den alten Schlachtrufen aus den 70ern gehört das Statement: „Pornographie ist die Theorie – Vergewaltigung die Praxis.“ Dabei seien die Motive der Vergewaltiger keine sexuellen, sondern der Wunsch zu dominieren, kontrollieren und zu erniedrigen.
3. Die Evolutionäre Theorie wiederum erklärt uns Vergewaltigung als erfolgreiche männliche Taktik zur Samenverteilung und damit einer möglichen Zeugungsstrategie für eine Vielzahl von Nachkommen. Frauen dagegen suchten immer schon Unterstützung bei der Aufzucht ihres Nachwuchses, deshalb wären sie der Promiskuität nicht so zugeneigt. Bei der Vergewaltigung ginge es dem Mann in Wahrheit um die Evolution, auch wenn er selbst meine es ginge um den Sex.

Die – im Verhältnis zur Verbreitung von Pornographie – gesunkenen Vergewaltigungszahlen müssten irgendwie mit den Theorien in Einklang gebracht werden, die Autoren fragen sich ob die steigende ökonomische und politische Macht bzw. der Zugang zum Arbeitsmarkt der Grund für den Rückgang von Vergewaltigungszahlen sein könnten (bestätigt von Blumstein, Rivera, & Rosenfeld, 2000), oder ob sich männliche bzw. weibliche evolutionäre Muster verändert hätten, oder:
„Finally, if most pornography is of a non-violent nature, and some research has actually shown a catharsis effect of exposure to pornography, is it time to rethink the relationship between pornography and sexually assaultive behaviors?”

Und das ist dann leider das (vorsichtige) Fazit der Studie: der Katharsis-Effekt ist wieder zurück.
“Whatever the explanation is, the fact remains that crime in general, and rape specifically, has decreased substantially for the last 20 years. Concurrently, availability of pornography has increased steadily in the last 20 years. These data give the impression of a catharsis effect; that exposure to pornography may actually provide a means to alleviate sexual aggression.”

--------
„Generell kann man sagen, die Zärtlichkeit in der Ehe ist - historisch betrachtet - erst eine Erfindung des 20. Jahrhunderts.“

Viele wichtige Informationen wurden uns in der Studie nicht gegeben. Zum Beispiel das Geschlecht der jeweiligen Interviewer, nachdem Studien zeigten, dass Männer bestimmte Ansichten oder Verhalten wie z. B. Vergewaltigung in der Ehe für weniger schlimm halten, wenn sie von Männern interviewt werden („So sagen zwar rund 70 % der Männer, die von Frauen interviewt werden, das beschriebene Verhalten sehr „sehr schlimm“, aber nur 62,5 % der Männer, die von Männern interviewt werden.“).

Vollkommen unbeachtet blieb in dieser Studie auch die rechtliche Entwicklung zum Thema Vergewaltigung. Dass beispielsweise unzüchtige Handlungen an Personen unter 21 Jahren in Deutschland erst 1943 unter Strafe gestellt wurden dürfte die Allgemeinheit überraschen. Aber auch das bis spät in die 90er noch rechtmäßiger Weise in Deutschland argumentiert werden konnte:
„Die Ehe ist Geschlechtsgemeinschaft und verpflichtet zum ehelichen Verkehr in Zuneigung, nicht in Gleichgültigkeit oder wenn Widerwillen zur Schau getragen wird.“
ist nur schwer mit unserem Selbstbild in Einklang zu bringen. Erst 1998 wurde unser Strafrecht dahingehend geändert, dass auch die Vergewaltigung von (Männern und) Ehefrauen als das Verbrechen das es ist verurteilt werden konnte. Bis dahin galt es als Vergehen, und Vergewaltigung war nur außerhalb einer Ehe rechtlich gesehen möglich.
Gab es etwa gar kein Problem? Mitnichten:
Nach einer Studie für das Bundesfamilienministerium wurde die Zahl der vergewaltigten Ehefrauen zwischen 1987 und 1991 in Deutschland auf 350 000 geschätzt, wobei man davon ausging, dass auf eine Anzeige zwischen 20 und 40 nicht gemeldete Delikte kamen.
"Viele Frauen haben Angst vorm Täter, suchen bei sich selbst die Schuld und stehen unter dem Druck von Familie und Gesellschaft".
Bis 2004 blieb Vergewaltigung in der Ehe lediglich ein Antragsdelikt.
„Dies wurde vom CDU-Rechtssprecher Norbert Geis damit begründet, dass dem Schutz der Ehe eine besondere Bedeutung zukäme. Unter der rot-grünen Regierung setzte sich schließlich die These durch, dass eine Rücknahmemöglichkeit der Anzeige die Erpressbarkeit des mutmaßlichen Opfers durch den Ehepartner erhöht. Seitdem ist Vergewaltigung in der Ehe ein Delikt, das von Amts wegen verfolgt wird.“
Der kostenlose Anwalt für Opfer von Sexualstraftaten, meistens Frauen oder Kinder, ist übrigens ebenso wie die gesetzlich verankerte gewaltfreie Erziehung von Kindern ein Verdienst von bewegten Frauen. Nach langwierigen Beratungen konnte dazu Paragraph 1631 Absatz 2 ins Bürgerliche Gesetzbuch aufgenommen werden:
„Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafung, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“

Auch die Ratschläge die Frauen zur Gewaltvermeidung gegeben wurden sollten erwähnt werden. Brownmiller sah in den grassierenden Verhaltens– wie auch Kleidungsregeln für Frauen und Mädchen die Verschiebung eines Problems, das Männer mit sich, ihrer Aggression und ihrer Selbstbeherrschung haben, dargestellt als angebliches Frauenproblem. Nur eins wurde Frauen lange nicht geraten: sich wehren! Bis in die 90er Jahre hinein riet die Polizei den Frauen in der BRD, dass sie besser keine Gegenwehr bei einer Vergewaltigung leisten sollen - aus Sorge um ihr Leben natürlich (Anke/Zeiselberg 1993). Doch dann stellte eine Studie der Kriminalpolizei Hannover fest, dass Gegenwehr in den weitaus meisten Fällen (bei ca. 76 %) zum Abbruch des Angriffs führte (vgl. Paul 1993) – wie wärs also endlich mal mit flächendeckenden Selbstverteidigungskursen bereits für alle GrundschülerInnen?

Brownmiller (1978) schilderte uns den: „Mythos vom heroischen Vergewaltiger“, der den Jungen eingeimpft würde wenn ihnen bewusst werde, dass ein Mann Zugang zu gewissen mysteriösen Riten und Privilegien hat, „einschließlich des Rechts, sich den Körper einer Frau zu kaufen. Wenn junge Männer erfahren, dass man Frauen für Geld kaufen kann und dass für Sexualakte Preise festgelegt werden, warum sollen sie dann nicht schlussfolgern, dass es auch ohne den höflichen Anstand des Geldaustausches genommen werden kann?“
David Farrington meinte: „Es ist nicht sonderlich überraschend, dass in einer Gesellschaft, die jeden mit den Bildern von Frauenkörpern bombardiert und junge Männer ermutigt, sich selbst zu beweisen, indem sie eine Frau ins Bett kriegen, ein Teil dazu übergeht, Sex zu stehlen, also zu vergewaltigen. Die meisten Untersuchungen zur Vergewaltigung kommen zu diesem Ergebnis.“ Damit meinte er z. B. Donnerstein, der herausfand, dass der Level der Aggression von Männern gegen Frauen stieg, nachdem sie gewalttätige Vergewaltigungsszenen unter zwei Voraussetzungen gesehen hatten – dass die vergewaltigte Frau, die gezeigt wurde, scheinbar diese Vergewaltigung genoss, und dass der männliche Betrachter ohnehin schon ein Wutgefühl gegenüber Frauen hatte (bestätigt von Malamuth und Ceniti) - diese Ergebnisse machen stutzig, da doch jedem fühlenden, denkenden Wesen klar sein müsste, dass eine reale Vergewaltigung eine Folter für die Frau ist, die sie kaum genießen kann. Entweder wird dem Pornokonsumenten von Seiten der Forschung aus also unterstellt, er könne nicht zwischen der Realität und der Vergewaltigungsphantasie unterscheiden, oder die Untersuchungsmethode ist per se fragwürdig, weil sie keinerlei menschliche Interaktion einbezieht, stur im Reiz-Reaktions-Schema verhaftet bleibt und damit keine Rückschlüsse darauf erlaubt wie sich ein Mann verhält wenn die Frau ihre Unwillen ausdrückt.

Die Forscher scheiterten häufig an der Frage, welche Frau am ehesten die Wut eines Mannes auslöst. Die naheliegende Antwort: die Frau, mit der er zusammenlebt. Noch genauer: die Frau, die sich von ihm trennen will. Das Internet brachte einfach zu realisierende, neue Möglichkeiten:
"Da draußen gibt es unzählige Frauen, die gar nicht ahnen, dass sie nackt oder halbnackt auf solchen Seiten präsentiert sind", sagte ein LKA-Mann dem Spiegel. Der Rechtsanwalt riet, sich mit der immerwährenden Peepshow im Netz abzufinden:
"Sie kriegen das sowieso nie wieder raus."

Die neuesten Ergebnisse für deutsche Frauen zwischen 16 und 85 Jahren besagen, dass 37 Prozent aller Frauen zwischen 16 und 85 Jahren mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von körperlicher Gewalt oder Übergriffen werden. Interessant ist auch, dass erst jetzt das „Schicksal von Hunderttausenden, wenn nicht sogar von fast zwei Millionen deutscher Frauen, die während des Zweiten Weltkrieges vergewaltigt wurden“ erstmals in einer Studie wissenschaftlich untersucht wird – „aus finanziellen Gründen zunächst“(!) mit Opfern aus Mecklenburg-Vorpommern und Berlin-Brandenburg. Mal sehen wie viele Zeitzeuginnen noch leben wenn die Gelder für die anderen Bundesländer aufgetrieben sind. Jede siebte Frau habe seit ihrem 16. Lebensjahr sexuelle Gewalt in strafrechtlich relevanter Form erlebt. Jede vierte Frau erlebe Gewalt durch ihren Partner, wobei das Risiko in Trennungsphasen besonders hoch sei. Damit unterscheidet sich die Bedrohung für Frauen in Deutschland gar nicht so sehr von der Lage in der Türkei beispielsweise, wenngleich sie – wie mir scheint – anders dargestellt wird. Eine Befragung vom Sommer 2008 mit rund 12.700 Frauen im Alter zwischen 15 und 59 Jahren ergab, dass 39 Prozent der Frauen von ihren Männern "geohrfeigt, herumgestoßen, geschlagen, gewürgt oder mit Waffen wie Messern oder Pistolen bedroht oder angegriffen" werden. Als Opfer sexueller Gewalt bezeichneten sich 15 Prozent der Frauen, 7 Prozent der Frauen gaben an, als Kind sexuell missbraucht worden zu sein. Jede zehnte Frau berichtete von Schlägen während der Schwangerschaft.
„Ein Drittel der misshandelten Frauen hat im Laufe ihres Lebens schon überlegt, wegen der Übergriffe Selbstmord zu begehen. Etwa die Hälfte der Frauen spreche nicht über die häusliche Gewalt. Nur vier Prozent der misshandelten Frauen wenden sich der Studie zufolge an die Polizei, nur ein Prozent suchte Schutz in Notunterkünften.“

Nun sind wir peu a peu bereits hinübergewandert zu den Gefahren für Kinder und Jugendliche. In Katzers Studie (Altersgruppe 10 bis 19 Jahren) „berichtete fast jede Zweite, bereits von einem anderen Chatteilnehmer gegen ihren Willen nach sexuellen Dingen gefragt worden zu sein; bei den Jungen trifft dies auf jeden Vierten zu. Jedes zehnte Mädchen wurde aufgefordert, vor der Webcam sexuelle Handlungen an sich selbst auszuführen. Zwischen 5 und 10 Prozent erhielten pornografisches Material in Form von Fotos oder Filmen. Nur wenige von ihnen sprechen mit ihren Eltern oder anderen Erwachsenen über die unangenehmen sexuellen Erlebnis - aus Scham, Angst vor Unverständnis, aber auch vor einem Internetverbot.“

Nach dem Jahresbericht der britischen Internet Watch Foundation (IWF) gab es „im Jahr 2008 insgesamt 1536 Websites mit kinderpornografischen Inhalten. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Zahl um fast 10 Prozent, im Vergleich zu 2006 sogar um 21 Prozent ab. 74 Prozent der von der IWF identifizierten Domains dienten dem kommerziellen Handel mit dem Material – im Vorjahr waren es dem Bericht zufolge noch 80 Prozent.“ Allerdings: „58 Prozent der Domains enthielten demnach Abbildungen von Vergewaltigungen von Kindern oder gar Folterungen. 69 Prozent der abgebildeten Kinder sind nach Schätzung der IWF 10 Jahre oder jünger, vier Prozent der Opfer sollen sogar 2 Jahre oder jünger sein.“

Wohlwissend, dass die große Mehrheit der Pornokonsumenten Ekel empfindet angesichts solcher Taten und Tatsachen und sich gegen eine Einreihung von Kindsvergewaltigung in diesen Themenkomplex intuitiv verwehrt, müssen diese und weitere Fakten thematisiert werden.

Das generelle Problem am Porno scheint mir zu sein, dass er Sex in einer völlig entfremdeten, objektivierten Form darstellt. Männer haben keine Köpfe und kein Mitgefühl, Frauen scheinen demütigende Behandlung zu genießen und freuen sich über eine klebrige Ladung in Gesicht oder Haare – dieses Gebilde wird verkauft als Männer-Paradies, was fehlt ist meist menschliche Interaktion.
--------
In einem 2. Teil möchte ich die positiven Aspekte ansprechen, die ich teilweise in Pornographie erkenne. Ich bitte meine Kritiker dementsprechend darauf zu verzichten, mir per se Lust-, Sex- und Körperfeindlichkeit zu unterstellen, sondern nach Möglichkeit zu argumentieren. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.