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(Gewalt-)Porno und Vergewaltigung - Gedanken zur Studie von Christopher J. Ferguson und Richard D. Hartley

In Ihrer Studie „The pleasure is momentary…the expense damnable?: The influence of pornography on rape and sexual assault” untersuchen Ferguson und Hartley den Einfluss von Pornografie auf die sexuelle Gewalttätigkeit der Konsumenten. Ganz zu Beginn Ihrer Argumentation stellen die beiden die Behauptung auf
“violent pornography is comparatively rare in the real world.”
Wie und wo die Autoren zu dieser Erkenntnis gelangten bleibt jedoch vorerst unthematisiert. Stattdessen erfahren wir, dass laut Internet World Stats (2009) “by 2006 internet pornography sales had reached $2.5 billion and roughly 12% (4.2 million) of websites on the internet worldwide were pornographic (Family Safe Media, 2008).” Bei der Masse an Seiten und einer völlig fehlenden Definition von gewalttätiger Pornographie ist die These von der Seltenheit kritisch zu betrachten.

Als Pornographie bei uns noch verboten war berichtete ein ZEIT-Reporter aus dem liberalen Dänemark:
„Und für welche pornographischen Delikatessen zeigen unsere Landsleute besondere Vorliebe....? Ich habe in den Läden danach gefragt; die Antwort: Deutsche bevorzugen sadistische und brutal-perverse Themen, die in manchen Porno- Shops, des besseren Überblicks wegen, auf einem Sonderregal ausgestellt sind. Titel wie: Sexuelle Perversitäten in Text und Bild — Erotischer Zwang — Liebe Bizarr — Flagellantische Orgien — Vergewaltigung — Die grausame Herzogin — Frauen unter der Peitsche — Baby- Sex und Kinderliebe sind ausgesprochene Bestseller.“ (Der Autor zeigte sich übrigens auch von anderem begeistert: „Wie schön ist eine Stadt, in der einem nicht an jeder Ecke ein nackter Hintern oder ein dräuender Busen entgegenspringt!“)

Sollte sich so viel verbessert haben inzwischen?

“Good pornofilms are as scarce as diamonds: You have to look for them, because they can’t be found in the middle of mainstream-pornography, more likely they can be found on the fringes, far away from the banal Hardcore-industry. Especially in the wonderful seventies lewd gems were written and produced much more often than today.”

Gern genommenes Beispiel für einen „guten Pornofilm“ ist der 1972er Meilenstein für die Anerkennung der Pornographie “DEEP THROAT”. Die gleichnamige Praktik, die auch unter „gagging“ läuft, wird auch heute in Pornofilmen gern angewandt, teilweise liegen die Frauen auf dem Rücken, der Kopf hängt über die Bettkante oder Armlehne, ihre Körper winden sich weil sie nicht atmen können, sie würgen und Einige kotzen. In härteren Filmen bekommen sie dann Ohrfeigen und/oder man uriniert ihnen in den Mund. Frei zugänglich – kostenlos verfügbar auf Seiten, die ich als Lehrerin von meinen 14/15-jährigen männlichen Schülern aus einer neuen Klasse hintereinander aufgezählt bekomme (ob ich die auch kenne ist die Frage). Auf Internetseiten lese ich wie sich junge Frauen gegenseitig zum trainieren ermuntern. Der einzige „Nachteil“ sei, dass man wenn man es beherrsche eben auch nicht mehr kotzen könne. Wenigstens wird da was gegen die Bullemie unternommen, könnte man denken. Aber – eine Frage die sich scheinbar niemand stellt – was haben die Frauen denn davon?
In dem prominenten Porno wurde damals die Geschichte erzählt, die weibliche Hauptfigur habe ihre Klitoris im Rachen – der Film entstand zu der Zeit, als Frauen endlich eine eigene Sexualität wissenschaftlich zugestanden wurde und man auch begann einzusehen, dass die Klitoris und nicht die Vagina das Gegenstück zum Penis ist. Wenn man sich im heutigen Porno so umsieht scheint es manchmal, als würden Männer das Rachenmärchen nach wie vor gern glauben. Fürchterlich war und ist jedoch der Umgang mit Linda Lovelace, eben jener Hauptdarstellerin. Sie hat in ihrer Autobiographie davon berichtet wie wenig freiwillig sie diesen und weitere Filme (z. B. „Dog Sex“ im gleichen Jahr) gedreht hat, wie sehr sie von ihrem sadistischen Mann misshandelt und bedroht wurde. Antwort der Industrie war ein diffamierender Spottfilm und die Leugnung aller Anschuldigungen – bis heute. Nachdem sie bereits lange verstorben war berichtete ein Ex-Kollege über Lindas Zeit bei Deep Throat: “She was a bit too happy.”
So werden Legenden am Leben erhalten. Wichtige Legenden für die Industrie. Welche Frau würde schon ins Geschäft einsteigen wenn sie wüsste, dass nichtmal die legendären Größen den Job weiterempfehlen oder noch mal wählen würden?

Die meisten von Ferguson und Hartley betrachteten Studien gehen so vor, dass die männlichen Probanten in drei Gruppen eingeteilt werden: die erste sieht gewalttätige Pornographie (wir wissen nicht was jeweils darunter verstanden wird), die zweite „normale“ Pornographie (vermutlich sowas wie „Deep Throat“) und die dritte nicht-pornographische Inhalte. Anschließend werden die Probanten befragt bezüglich ihrer Aggression auf Frauen, ihrem Wunsch Frauen zu verletzten, eigenen Depressionen und ihrer Einstellung gegenüber der Vergewaltigung von Frauen.
Manche Studien finden eine gesunkene Gewaltbereitschaft gegenüber Frauen nach gewalttätiger Pornographie (Linz, Donnerstein, and Penrod 1988), manche gelangen gar zu der Erkenntnis, dass Pornographie generell Frauen schütze vor negativen Einstellungen (Garos, Beggan, Kluck, and Easton 2004), wieder andere vermelden eine gesteigerte Gewaltbereitschaft gerade nach Softcore-Konsum (Scott 1985).

Diese und mehr gesammelte „mixed results“ überzeugen die Autoren, dass ein Zusammenhang zwischen Pornographie und insbesondere Vergewaltigung unwahrscheinlich sei. Nicht fehlen darf der Hinweis, dass Vergewaltigung kein rein zeitgenössisches Problem sei (Zillmann, 1984) – als hätte es für diese Erkenntnis Studien gebraucht.
Und jetzt endlich kommt auch der „Beweis“ für die Eingangsbehauptung:

“Winick (1985) and Scott and Cuvelier (1987a,b,1993) found through content analysis that sexually violent depictions in adult men's magazines were not only uncommon but were gradually decreasing.”

Sowie:

“Violent pornography is rare, and not routinely viewed by the majority of consumers (Monk-Turner & Purcell, 1999).”

Und? Sind Sie davon überzeugt? Alles ist prima?

Zwei erwähnte Studien behandeln nicht die männlichen Ein- und Selbstdar-stellungen nach Pornographiekonsum, sondern den Zusammenhang von Pornographie und Vergewaltigungszahlen. Ergebnisse: einerseits „a moderate to strong correlation between consumption of pornography and rape rates“ (Baron and Straus 1984) und andererseits „increases in pornography consumption were associated with constant or decreased rape rates in each of the countries except the United States” (Kutchinsky 1991). Die Länder für die dieser Nicht-Zusammenhang gelten solle waren Westdeutschland, Dänemark und Schweden. Schweden hat heute übrigens die höchste Vergewaltigungsrate in der EU (46,5 auf 100 000 Einwohner), Deutschland liegt mit 10 im oberen Mittelfeld, am sichersten ist es der Studie zufolge für europäische Frauen in Ungarn (wers glaubt). Auch bei der Verurteilung von Vergewaltigungen überrascht die aktuelle schwedische Situation: In nur 13 Prozent der angezeigten Fälle kommt es zu einer Anklage. Die EU-Studie stellt fest, dass 22 Prozent der Männer, die sexuelle Übergriffe begangen haben, Ex-Partner der Frauen sind. 17 Prozent sind Kollegen oder der Chef - und in je 16 Prozent aller Fälle sind es der aktuelle Partner oder ein enger Freund. Erstmals wird auch die sexuelle Belästigung von Männern gemessen: hier ist Deutschland auf Platz drei hinter Dänemark und den Niederlanden. „Diese Daten sind noch deutlich schwieriger zu deuten als bei der Erhebung unter Frauen. Um die drastischen Unterschiede zu erklären (in einigen Ländern gibt es Null-Prozent- oder gar keine belastbaren Werte), dürfte erneut die Frage nicht unwichtig sein, wie offen im jeweiligen Land die Betroffenen über Übergriffe reden - und was sie darunter genau verstehen.“

Ferguson und Hartley beschäftigen sich nun auch mit den realen Vergewaltigungstaten, wir erfahren: Vergewaltigungen seien vom Ablauf und der Gewaltanwendung unterschiedlich, nur 28% der Opfer kennen ihre Täter nicht vorher (Rand, 2008). Vergleichsstudien finden ähnliche Werte (Bryden & Lengnick, 1997; Palermo & Farkas, 2001). Die Öffentlichkeit glaubt gern, Vergewaltiger seien psychopathische, sexuell frustrierte Individuen, die unfähig zur Kontrolle ihrer Sexualtriebe seien (Allison, Adams, Bunce, Gilkerson, & Nelson, 1992). Diese Annahmen sind nicht haltbar, viele Vergewaltiger seien z. B. verheiratet (Seligmann et al., 1984; Allison & Wrightsman, 1993).
Einige Forschungsarbeiten offenbaren uns: ein Vergewaltiger unterscheidet sich nicht von der normalen männlichen Bevölkerung, er ist weder abnormal noch psychotisch (Allison & Wrightsman, 1993).
Das sind erstmal keine besonders guten Nachrichten.

Die Autoren referieren über drei theoretische Erklärungsversuche für das Phänomen Vergewaltigung (Ellis, 1989):
1. Soziales Lernen. “In other words, rape is the product of socialization and learning; wrongful behaviors are learned in the same way that pro-social behaviors are learned, through a series of rewards and punishments.”
2. Die Feministische Theorie verfolgt diesen Gedanken weiter und stellt ein nahezu globales, kulturelles Dominanzgebaren der Männer fest, die über Frauen verfügen wie Eigentum. Deutschlands bekannteste Feministin Alice Schwarzer nennt Pornographie „die Propaganda des Patriarchats“, da das männliche Überlegenheitsgefühl gestärkt würde durch die Darstellung in Mainstream sowie den meisten Nischen, zu den alten Schlachtrufen aus den 70ern gehört das Statement: „Pornographie ist die Theorie – Vergewaltigung die Praxis.“ Dabei seien die Motive der Vergewaltiger keine sexuellen, sondern der Wunsch zu dominieren, kontrollieren und zu erniedrigen.
3. Die Evolutionäre Theorie wiederum erklärt uns Vergewaltigung als erfolgreiche männliche Taktik zur Samenverteilung und damit einer möglichen Zeugungsstrategie für eine Vielzahl von Nachkommen. Frauen dagegen suchten immer schon Unterstützung bei der Aufzucht ihres Nachwuchses, deshalb wären sie der Promiskuität nicht so zugeneigt. Bei der Vergewaltigung ginge es dem Mann in Wahrheit um die Evolution, auch wenn er selbst meine es ginge um den Sex.

Die – im Verhältnis zur Verbreitung von Pornographie – gesunkenen Vergewaltigungszahlen müssten irgendwie mit den Theorien in Einklang gebracht werden, die Autoren fragen sich ob die steigende ökonomische und politische Macht bzw. der Zugang zum Arbeitsmarkt der Grund für den Rückgang von Vergewaltigungszahlen sein könnten (bestätigt von Blumstein, Rivera, & Rosenfeld, 2000), oder ob sich männliche bzw. weibliche evolutionäre Muster verändert hätten, oder:
„Finally, if most pornography is of a non-violent nature, and some research has actually shown a catharsis effect of exposure to pornography, is it time to rethink the relationship between pornography and sexually assaultive behaviors?”

Und das ist dann leider das (vorsichtige) Fazit der Studie: der Katharsis-Effekt ist wieder zurück.
“Whatever the explanation is, the fact remains that crime in general, and rape specifically, has decreased substantially for the last 20 years. Concurrently, availability of pornography has increased steadily in the last 20 years. These data give the impression of a catharsis effect; that exposure to pornography may actually provide a means to alleviate sexual aggression.”

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„Generell kann man sagen, die Zärtlichkeit in der Ehe ist - historisch betrachtet - erst eine Erfindung des 20. Jahrhunderts.“

Viele wichtige Informationen wurden uns in der Studie nicht gegeben. Zum Beispiel das Geschlecht der jeweiligen Interviewer, nachdem Studien zeigten, dass Männer bestimmte Ansichten oder Verhalten wie z. B. Vergewaltigung in der Ehe für weniger schlimm halten, wenn sie von Männern interviewt werden („So sagen zwar rund 70 % der Männer, die von Frauen interviewt werden, das beschriebene Verhalten sehr „sehr schlimm“, aber nur 62,5 % der Männer, die von Männern interviewt werden.“).

Vollkommen unbeachtet blieb in dieser Studie auch die rechtliche Entwicklung zum Thema Vergewaltigung. Dass beispielsweise unzüchtige Handlungen an Personen unter 21 Jahren in Deutschland erst 1943 unter Strafe gestellt wurden dürfte die Allgemeinheit überraschen. Aber auch das bis spät in die 90er noch rechtmäßiger Weise in Deutschland argumentiert werden konnte:
„Die Ehe ist Geschlechtsgemeinschaft und verpflichtet zum ehelichen Verkehr in Zuneigung, nicht in Gleichgültigkeit oder wenn Widerwillen zur Schau getragen wird.“
ist nur schwer mit unserem Selbstbild in Einklang zu bringen. Erst 1998 wurde unser Strafrecht dahingehend geändert, dass auch die Vergewaltigung von (Männern und) Ehefrauen als das Verbrechen das es ist verurteilt werden konnte. Bis dahin galt es als Vergehen, und Vergewaltigung war nur außerhalb einer Ehe rechtlich gesehen möglich.
Gab es etwa gar kein Problem? Mitnichten:
Nach einer Studie für das Bundesfamilienministerium wurde die Zahl der vergewaltigten Ehefrauen zwischen 1987 und 1991 in Deutschland auf 350 000 geschätzt, wobei man davon ausging, dass auf eine Anzeige zwischen 20 und 40 nicht gemeldete Delikte kamen.
"Viele Frauen haben Angst vorm Täter, suchen bei sich selbst die Schuld und stehen unter dem Druck von Familie und Gesellschaft".
Bis 2004 blieb Vergewaltigung in der Ehe lediglich ein Antragsdelikt.
„Dies wurde vom CDU-Rechtssprecher Norbert Geis damit begründet, dass dem Schutz der Ehe eine besondere Bedeutung zukäme. Unter der rot-grünen Regierung setzte sich schließlich die These durch, dass eine Rücknahmemöglichkeit der Anzeige die Erpressbarkeit des mutmaßlichen Opfers durch den Ehepartner erhöht. Seitdem ist Vergewaltigung in der Ehe ein Delikt, das von Amts wegen verfolgt wird.“
Der kostenlose Anwalt für Opfer von Sexualstraftaten, meistens Frauen oder Kinder, ist übrigens ebenso wie die gesetzlich verankerte gewaltfreie Erziehung von Kindern ein Verdienst von bewegten Frauen. Nach langwierigen Beratungen konnte dazu Paragraph 1631 Absatz 2 ins Bürgerliche Gesetzbuch aufgenommen werden:
„Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafung, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“

Auch die Ratschläge die Frauen zur Gewaltvermeidung gegeben wurden sollten erwähnt werden. Brownmiller sah in den grassierenden Verhaltens– wie auch Kleidungsregeln für Frauen und Mädchen die Verschiebung eines Problems, das Männer mit sich, ihrer Aggression und ihrer Selbstbeherrschung haben, dargestellt als angebliches Frauenproblem. Nur eins wurde Frauen lange nicht geraten: sich wehren! Bis in die 90er Jahre hinein riet die Polizei den Frauen in der BRD, dass sie besser keine Gegenwehr bei einer Vergewaltigung leisten sollen - aus Sorge um ihr Leben natürlich (Anke/Zeiselberg 1993). Doch dann stellte eine Studie der Kriminalpolizei Hannover fest, dass Gegenwehr in den weitaus meisten Fällen (bei ca. 76 %) zum Abbruch des Angriffs führte (vgl. Paul 1993) – wie wärs also endlich mal mit flächendeckenden Selbstverteidigungskursen bereits für alle GrundschülerInnen?

Brownmiller (1978) schilderte uns den: „Mythos vom heroischen Vergewaltiger“, der den Jungen eingeimpft würde wenn ihnen bewusst werde, dass ein Mann Zugang zu gewissen mysteriösen Riten und Privilegien hat, „einschließlich des Rechts, sich den Körper einer Frau zu kaufen. Wenn junge Männer erfahren, dass man Frauen für Geld kaufen kann und dass für Sexualakte Preise festgelegt werden, warum sollen sie dann nicht schlussfolgern, dass es auch ohne den höflichen Anstand des Geldaustausches genommen werden kann?“
David Farrington meinte: „Es ist nicht sonderlich überraschend, dass in einer Gesellschaft, die jeden mit den Bildern von Frauenkörpern bombardiert und junge Männer ermutigt, sich selbst zu beweisen, indem sie eine Frau ins Bett kriegen, ein Teil dazu übergeht, Sex zu stehlen, also zu vergewaltigen. Die meisten Untersuchungen zur Vergewaltigung kommen zu diesem Ergebnis.“ Damit meinte er z. B. Donnerstein, der herausfand, dass der Level der Aggression von Männern gegen Frauen stieg, nachdem sie gewalttätige Vergewaltigungsszenen unter zwei Voraussetzungen gesehen hatten – dass die vergewaltigte Frau, die gezeigt wurde, scheinbar diese Vergewaltigung genoss, und dass der männliche Betrachter ohnehin schon ein Wutgefühl gegenüber Frauen hatte (bestätigt von Malamuth und Ceniti) - diese Ergebnisse machen stutzig, da doch jedem fühlenden, denkenden Wesen klar sein müsste, dass eine reale Vergewaltigung eine Folter für die Frau ist, die sie kaum genießen kann. Entweder wird dem Pornokonsumenten von Seiten der Forschung aus also unterstellt, er könne nicht zwischen der Realität und der Vergewaltigungsphantasie unterscheiden, oder die Untersuchungsmethode ist per se fragwürdig, weil sie keinerlei menschliche Interaktion einbezieht, stur im Reiz-Reaktions-Schema verhaftet bleibt und damit keine Rückschlüsse darauf erlaubt wie sich ein Mann verhält wenn die Frau ihre Unwillen ausdrückt.

Die Forscher scheiterten häufig an der Frage, welche Frau am ehesten die Wut eines Mannes auslöst. Die naheliegende Antwort: die Frau, mit der er zusammenlebt. Noch genauer: die Frau, die sich von ihm trennen will. Das Internet brachte einfach zu realisierende, neue Möglichkeiten:
"Da draußen gibt es unzählige Frauen, die gar nicht ahnen, dass sie nackt oder halbnackt auf solchen Seiten präsentiert sind", sagte ein LKA-Mann dem Spiegel. Der Rechtsanwalt riet, sich mit der immerwährenden Peepshow im Netz abzufinden:
"Sie kriegen das sowieso nie wieder raus."

Die neuesten Ergebnisse für deutsche Frauen zwischen 16 und 85 Jahren besagen, dass 37 Prozent aller Frauen zwischen 16 und 85 Jahren mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von körperlicher Gewalt oder Übergriffen werden. Interessant ist auch, dass erst jetzt das „Schicksal von Hunderttausenden, wenn nicht sogar von fast zwei Millionen deutscher Frauen, die während des Zweiten Weltkrieges vergewaltigt wurden“ erstmals in einer Studie wissenschaftlich untersucht wird – „aus finanziellen Gründen zunächst“(!) mit Opfern aus Mecklenburg-Vorpommern und Berlin-Brandenburg. Mal sehen wie viele Zeitzeuginnen noch leben wenn die Gelder für die anderen Bundesländer aufgetrieben sind. Jede siebte Frau habe seit ihrem 16. Lebensjahr sexuelle Gewalt in strafrechtlich relevanter Form erlebt. Jede vierte Frau erlebe Gewalt durch ihren Partner, wobei das Risiko in Trennungsphasen besonders hoch sei. Damit unterscheidet sich die Bedrohung für Frauen in Deutschland gar nicht so sehr von der Lage in der Türkei beispielsweise, wenngleich sie – wie mir scheint – anders dargestellt wird. Eine Befragung vom Sommer 2008 mit rund 12.700 Frauen im Alter zwischen 15 und 59 Jahren ergab, dass 39 Prozent der Frauen von ihren Männern "geohrfeigt, herumgestoßen, geschlagen, gewürgt oder mit Waffen wie Messern oder Pistolen bedroht oder angegriffen" werden. Als Opfer sexueller Gewalt bezeichneten sich 15 Prozent der Frauen, 7 Prozent der Frauen gaben an, als Kind sexuell missbraucht worden zu sein. Jede zehnte Frau berichtete von Schlägen während der Schwangerschaft.
„Ein Drittel der misshandelten Frauen hat im Laufe ihres Lebens schon überlegt, wegen der Übergriffe Selbstmord zu begehen. Etwa die Hälfte der Frauen spreche nicht über die häusliche Gewalt. Nur vier Prozent der misshandelten Frauen wenden sich der Studie zufolge an die Polizei, nur ein Prozent suchte Schutz in Notunterkünften.“

Nun sind wir peu a peu bereits hinübergewandert zu den Gefahren für Kinder und Jugendliche. In Katzers Studie (Altersgruppe 10 bis 19 Jahren) „berichtete fast jede Zweite, bereits von einem anderen Chatteilnehmer gegen ihren Willen nach sexuellen Dingen gefragt worden zu sein; bei den Jungen trifft dies auf jeden Vierten zu. Jedes zehnte Mädchen wurde aufgefordert, vor der Webcam sexuelle Handlungen an sich selbst auszuführen. Zwischen 5 und 10 Prozent erhielten pornografisches Material in Form von Fotos oder Filmen. Nur wenige von ihnen sprechen mit ihren Eltern oder anderen Erwachsenen über die unangenehmen sexuellen Erlebnis - aus Scham, Angst vor Unverständnis, aber auch vor einem Internetverbot.“

Nach dem Jahresbericht der britischen Internet Watch Foundation (IWF) gab es „im Jahr 2008 insgesamt 1536 Websites mit kinderpornografischen Inhalten. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Zahl um fast 10 Prozent, im Vergleich zu 2006 sogar um 21 Prozent ab. 74 Prozent der von der IWF identifizierten Domains dienten dem kommerziellen Handel mit dem Material – im Vorjahr waren es dem Bericht zufolge noch 80 Prozent.“ Allerdings: „58 Prozent der Domains enthielten demnach Abbildungen von Vergewaltigungen von Kindern oder gar Folterungen. 69 Prozent der abgebildeten Kinder sind nach Schätzung der IWF 10 Jahre oder jünger, vier Prozent der Opfer sollen sogar 2 Jahre oder jünger sein.“

Wohlwissend, dass die große Mehrheit der Pornokonsumenten Ekel empfindet angesichts solcher Taten und Tatsachen und sich gegen eine Einreihung von Kindsvergewaltigung in diesen Themenkomplex intuitiv verwehrt, müssen diese und weitere Fakten thematisiert werden.

Das generelle Problem am Porno scheint mir zu sein, dass er Sex in einer völlig entfremdeten, objektivierten Form darstellt. Männer haben keine Köpfe und kein Mitgefühl, Frauen scheinen demütigende Behandlung zu genießen und freuen sich über eine klebrige Ladung in Gesicht oder Haare – dieses Gebilde wird verkauft als Männer-Paradies, was fehlt ist meist menschliche Interaktion.
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In einem 2. Teil möchte ich die positiven Aspekte ansprechen, die ich teilweise in Pornographie erkenne. Ich bitte meine Kritiker dementsprechend darauf zu verzichten, mir per se Lust-, Sex- und Körperfeindlichkeit zu unterstellen, sondern nach Möglichkeit zu argumentieren. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

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Leser-Kommentare
  1. 1. ausgleichende Gerechtigkeit

    Pornographie soll die Reizschwelle erhöhen bzw. toppen. In unsere schnelllebigen Zeit in der die Nackedeis und Möchtegernstars für Rubel alles zeigen ist es schwer wirklich noch Aufregendes zu empfinden. Wir sind durch die Medien überreizt, deshalb muss immer härter Stoff ran. Deshalb verurteile ich Pornographie, sie lässt uns abstumpfen. Dazu gehört auch das hinwenden zu KP, wenn nicht krankhafte Veranlagung vorliegt. Es ist einfach ein Teufelskreis. Eine Übersättigungsgrenze sieht man auch in der Krankheitsstatistik, die erektilen Dysfunktionen bei Männern nehmen eklatant zu und das liegt nicht nur am Fastfood Essen, sondern am Fastfood Porno. Etwas Positives kann ich an Porn nicht finden, außer wenn man kurzfristig die Geilheit fördern will, was aber dann wiederum wie oben beschrieben kontraproduktiv ist auf lange Sicht. Irgendwie ausgleichende Gerechtigkeit.

    Ihrem Vorschlag für Selbstverteidigung für Grundschüler kann ich nur zustimmen. Befürchte aber dass es Typus abhängig ist, wer sich wehren will/kann und wer nicht. Ein Kind das häusliche Gewalt erfährt, wird man dadurch nicht beschützen können. Leider, vielleicht aber hoffentlich auf lange Sicht.

  2. 2. Das mit der Katharsis ist

    Das mit der Katharsis ist meiner Meinung nach Quatsch.

    Sexfilme treffen dort wo die überwiegende Zahl der Männer ihre wesentliche erogene Zone hat: Visuelle Reize. Die Streifen machen einfach geil. Das wird dann mehr, nicht weniger. Deswegen immer schön langsam mit Pornos. Wie beim Alkohol.

    Andererseits wird, meiner Meinung nach, der Aspekt der Demütigung im "Drehbuch" überschätzt.

    Wie gesagt, visuelle Reize! Hauptsache ausgesprochen hübsch und nackt. Was genau die Darstellerin kleiderlos sonst so macht, tut eigentlich nicht viel zur Sache. Sie könnte auch einfach nackt stricken, und es wäre schon interessanter als eine ganze Folge Grey's Anatomy (Obwohl Frau Schwartzer das wahrscheinlich wieder als Herabsetzung durch klischeehafte Rollenbilder interpretieren würde:-)).

  3. 3. Womit erklären Sie sich

    dann die reichlich vielen gewaltverherrlichenden Sexfilme und die völlige Abwesenheit strickender nackter, ausgesprochen hübscher Frauen? Alles am Markt völlig vorbei produziert? Sie erfanden mit dem Strickfilm soeben ein erfolgreiches neues Genre?
    Wobei, wenn ich einen Vorschlag machen darf - vielleicht doch besser häkeln oder klöppeln - durch zarte Spitze würde der Blick auf die Reize nicht so verstellt, hm? Als etwa durch einen Norwegerpullover...;-)...

    Ich verstehe Vergewaltigung nicht als 'sexuelle Spielart', sondern als Gewalt - mit besonders perfiden Mitteln. Aufgrund der nämlich Scham und Schande nicht bei den Tätern, sondern bei den Opfern liegt.

    • 01.06.2009 um 12.00 Uhr
    • Quint
    4. Dass Pornografie

    einen Markt hat, zeigt, dass man (w/m) anscheinend in den 'Keimzellen' der Gesellschaft immer noch nicht gelernt hat, sich sexuell zu be-friedigen.

  4. 5. "Vergewaltigung",

    "Vergewaltigung", "gewaltverherrlichend" , .... stop mal, langsam.

    Zunächst einmal: Wo fängt für Sie Gewalt in Sexfilmen an? Oder verurteilen Sie alle Streifen? Bitte um Klärung.

    Alles am Markt völlig vorbei produziert?

    Wie Sie durch schnelles Googlen selbst herausfinden können, wird der Markt für Pornos von einigen wenigen High-Budget Produktionsfirmen beherrscht, die hauptsächlich normalen Sex auf die Leinwand bringen.

    Dummerweise kann aber heutzutage jeder Idiot mit einer Kamera sein Glück in diesem Geschäft versuchen. Und die einfachste Art mit Low-Budget Filmen aufzufallen besteht darin mit Gewalt zu provozieren. Kennt man ja vom Privatfernsehen. Und gerade diese Filmchen sind dann am ehesten kostenlos zu haben und deswegen weit verbreitet. Die "richtigen" Filme kosten ja Geld.

    völlige Abwesenheit strickender nackter, ausgesprochen hübscher Frauen?

    Ich könnte ja jetzt einen Link posten, aber den würde die Redaktion wohl wieder löschen. Obwohl, versuchen wir es mal mit Wikipedia:

    http://de.wikipedia.org/w...

  5. 6. Normaler Sex?

    Darunter verstehe ich weder zwingend epilierte Schamhaare, Silikon allerorten, gleichmäßige Solariumsbräune noch die stereotypen Nondialoge. Ich kenne zugegebenermaßen nicht sehr viele Filme, mir wurde jedoch 'Deep Throat', der einzige, der mir nachhaltig im Gedächtnis blieb, als anspruchsvoller Film empfohlen. Und mich würgt es heute noch. Das fand ich sehr gewaltsam - bei mir führt das eher zu saharaartiger Trockenheit benötigter Regionen.

    Mein Eindruck ist eher, daß 'normaler' Sex erst durch die allgemeine Verfügbarkeit von webcams Einzug hielt. Wenn nämlich Vati mit Mutti ein Filmchen macht und den ins Internet stellen.

    Beim lustvollem Sex sieht ja nun niemand gut und gestylt aus, die Frisur leidet einfach, man transpiriert auch und hat einen roten Kopf, was die professionelle Branche sicherlich vor ein paar Probleme bzgl der Verkäuflichkeit stellen würde. Vielen Dank für den link - ich bin dem ein wenig gefolgt und, tut mir leid, ich finde die Schauspielerinnen wenig erotisch. Sex findet ja nun auch im Gehirn statt und all das Plastik ruft bei mir keinerlei lustvolle Fantasie hervor. Womöglich ist für mich persönlich Film oder Bild auch das falsche Medium - ich bin hier eher ein Freund des Buchs, somit meiner eigenen Fantasie.

    Meine Anmerkung zu Vergewaltigung/Gewalt war nicht auf Ihren Kommentar, sondern auf redfox Artikel bezogen. Tut mir leid, wenn Sie mich mißverstanden haben.

  6. 7. Ich befürchte das es

    Ich befürchte das es heutzutage ohne epilierten Schambereich, zumindestens and der Uni und jünger, nicht mehr für eine Freundin/Freund reicht...:-)

    Normal ist natürlich ein weites Feld, da haben Sie recht. Der Spass hört definitiv auf, wenn z.B. eine Darstellerin zu etwas gezwungen wird, was ja angeblich bei dem Streifen "Deep Throat" der Fall war.

    Ich persönlich stehe weder auf Silikon, noch auf Solariumsbräune, aber was ich äußerst lustig finde sind Porno-Parodien von allseits bekannten Spielfilmen und Serien. Abgesehen davon ist Andrew Blake ein Meister darin Modelle in Zeitlupe Zigaretten rauchen zu lassen.

  7. 10. Überzeugen Sie mich bitte

    Überzeugen Sie mich bitte bitte vom Gegenteil! Ich fände es nämlich bedenklich wenn Dem tatsächlich so wäre.

  8. 11. Konsequenzen

    Was fordern Sie denn nun als Konsequenz Ihrer Darstellung? Nichts?

    Selbstverteidigungskurse in der Grundschule - geschenkt. Das befürworte ich unabhängig von Pornografie.

    Und sonst?

    Ich fände es wichtig, bereits Grundschüler über die dunkle Seite der Gesellschaft aufzuklären, also sexuellen und sonstigen Missbrauch, vor allem in der Familie, damit schon die Kinder wissen, wie sie damit umgehen sollten.

    Und noch etwas möchte ich anmerken, allerdings nicht als Vorwurf an die Frauen. Die Situation wäre sicherlich für alle Beteiligten besser, wenn die (Hetero-)Frauen in der Masse eine weniger beziehungsfixierte Sexualität hätten und sie zur Steuerung erwünschten Verhaltens der Männer einsetzten. Wie kommt es denn, dass Machogehabe das Image hat, sich sexuell zu rentieren? Das liegt sicher nicht daran, dass die Frauen Sex für die sich (vergleichsweise) vorbildlich benehmenden Männer zu einem leicht verfügbaren Gut machen. Wäre es das, gäbe es nur eine minimale Pornonachfrage.

    Wenn es denn so wäre, dass Frauen "von Natur aus", also biologisch disponiert, Hemmungen hätten, ihre Sexualität auszuleben, sie sich also umstellen, anstrengen müssten, um die gesellschaftliche Situation in diesem Sinne zu ändern, dann sähe ich mein Wunschdenken selber kritisch. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass es nicht die Biologie, sondern die Sozialisierung ist, der wir den Mist zu verdanken haben. Das naheliegende Argument, dass außerpartnerschaftlicher Sex für Frauen weniger erfüllend ist, verfliegt beim zweiten Hinsehen: Nehmt die Männer, die es drauf haben. Die anderen werden sich lieber fortbilden, als zum Pornokonsum auszuweichen (und sich dafür von den "Frauenverstehern" auslachen zu lassen). Außerdem könnte das für die Frauen auch ganz nett sein. :-)

    Fazit: Zuckerbrot und Peitsche. Repression gegen Gewalttäter und diese fördernden Mechanismen auf der einen Seite, Vorteile für die Männer mit positivem Sozialverhalten.

    • 01.06.2009 um 20.12 Uhr
    • redfox
    12. Reizschwelle und Männergründe

    Das mit der Erhöhung der Reizschwelle müsste eigentlich jeder Pornokonsument bestätigen können. Ich kann es zumindest. Und ich warte auf ehrliche Männerantworten darüber was sie erschreckt und ankotzt - obwohl sie dazu onanieren. Denn das ist aus meiner Sicht die Wahrheit: wir sehen Dinge, die wir uns so nicht unter Sex vorgestellt haben, sie erregen uns einerseits, aber andererseits werden wir die Bilder nicht mehr los. Und wir wollen wissen, auf was für kranke Ideen andere noch so gekommen sind. Vielleicht ist das für mich als Frau problematischer/einfacher, weil ich mich nunmal mit der Frau identifizieren muss und mich angesichts der Teile, des Presslufthammerstyles und der weiblichen Reaktionen das Gefühl beschleicht: MIR täte das weh SO.

    Die bisher beste Ansammlung von Männerbegründungen hab ich hier gefunden: "Warum brauchen Männer Pornos". Die Frage ging zwar noch weiter: und Frauen Dildos?
    - aber um den Teil hat sich bisher noch niemand gekümmert.

    Ich glaube übrigens nicht das es Typus-abhängig ist. Es ist nur wichtig, dass den Mädchen von klein auf beigebracht wird, dass sie a) das Recht haben sich zu wehren, b) sich wehren können und eben c) wie sie sich wehren können. Selbstbewusstsein und Körper müssen trainiert werden. Und dann brauchen wir viele offene Gespräche über Sexualität und Porno quer durch die Alters- und Geschlechtsgruppen. Und ich denke: das geht alles zumindest mittelfristig, wenn wir es angehen. Natürlich nicht in einem Klima wie dem jetztigen, indem Datenräuber in den Knast wandern und sich die Öffentlichkeit lieber darüber empört, dass der Zugang zu Kindsvergewaltigungen begrenzt werden soll.
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    Eine Bank ist eine Einrichtung, von der sie Geld leihen können. Vorrausgesetzt, sie können nachweisen, dass sie es nicht brauchen
    Mark Twain

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