Die Atomwaffen nieder!
Die fortdauernde Existenz von Atomwaffen ist durch Nichts zu rechtfertigen! Wann erkennen wir das endlich?
Ein Beitrag anlässlich der Überprüfungskonferenz des Nichtverbreitungsvertrags (3.-28.5.2010) und des neuen globalen Abrüstungstages "Nuclear Abolition Day" (5.6.2010)
Ich wurde im Kalten Krieg geboren, 1985. Die Welt war voller Atomwaffen. Schon im Kindergartenalter erfuhr ich, dass solche Waffen die ganze Welt vernichten könnten – theoretisch tausendfach. Doch irgendwie geriet für mich diese doch eigentlich nicht hinnehmbare Vorstellung über Jahre in Vergessenheit. Und heute? In mir ist eine Einsicht gereift: Die fortdauernde Existenz von Atomwaffen ist unverzeihlich. Ich bin Student und beschäftige mich, so oft es geht, mit Möglichkeiten zur atomaren Abrüstung. Noch heute gibt es auf der Welt über 22.000 Atomwaffen; die ungefähren 2.000 auf jeweils US- und russischer Seite, von denen in den letzten Monaten berichtet worden ist, sind allein die Stationierten mit interkontinentaler Reichweite. Oft wird übersehen, dass es darüber hinaus Tausende gibt, die eingelagert, aber noch längst nicht verschrottet sind. Was auch oft übersehen wird, ist, dass die Stationierten sich zum Großteil noch im Zustand der höchsten Alarmbereitschaft befinden, binnen Minuten einsetzbar. Wer garantiert, dass Russland nicht eines Tages – wie schon oft geschehen – einen Wettersatelliten oder eine Mondspiegelung in einer Wolke für eine anfliegende US-Interkontinentalrakete hält? Und dann in der Überprüfungs- und Befehlskette durch Stress Fehler gemacht werden und Russland atomar zurückschießt? US-Amerikaner und Europäer sind aus der Angst vor Terroristen teilweise so weit gegangen, dass sie die Ideale, welche sie glauben zu verteidigen, verraten haben – in Guantanamo, beim Waterboarding, in ungezählten Fällen im Irak, in Afghanistan und anderswo. Doch was sie, was wir verdrängen, ist, dass unsere fundamentale Sicherheit auch von der Funktionstüchtigkeit etwa russischer Technik abhängt. Schon 2005 fragte der Berliner Kulturwissenschaftler Thomas Macho in der ZEIT, warum es in der Bevölkerung keine Angst mehr vor Atomwaffen gebe!? Er gab zu, keine Antwort darauf zu haben.
Auch ich, der ich selbst jahrelang keine solche Angst gespürt habe, maße mir nicht an, die Antwort zu kennen. Zu sagen ist aber:
1) Atomwaffen tauchen nicht oder kaum in schulischen Lehrplänen auf, höchstens als historischer Stoff.
2) Die Berichterstattung in den Medien ist zwar durch den neuen START-Vertrag zwischen USA und Russland und durch den Sicherheitsgipfel im April wieder intensiviert worden, doch in ihrem Umfang längst nicht vergleichbar mit derjenigen über ein anderes globales Problem, den Klimawandel. Der Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember 2009 war – vollkommen zu Recht – tagelang präsent in Fernsehen, Zeitungen, Radio und Internet. Erfahren wir dagegen aus den Medien, dass momentan – vom 3. bis zum 28. Mai – die Überprüfungskonferenz des Nichtverbreitungsvertrages in New York abgehalten wird? Diese Konferenz ist für die Zukunft der atomaren Abrüstung so existentiell, wie Kopenhagen für das Klima war – doch sie findet nahezu unbemerkt statt.
3) In den USA ist der militärisch-industrielle Komplex so groß, dass der Bevölkerung immernoch eingebläut wird, auch von allerhöchster Stelle, Atomwaffen würden sie verteidigen. Doch gegen die erklärten Hauptfeinde des Westens, die staatenlosen Terroristen, helfen Atomwaffen rein gar nichts.
Wir lullen uns also selbst ein, indem wir uns nicht richtig informieren, indem wir Atomwaffen in die Zeiten des Kalten Krieges und in James-Bond-Filme verbannen, indem wir nicht-gefundene Atomwaffen im Irak mystifizieren, indem wir uns von sogenannten Sicherheitsexperten einflößen lassen, Atomwaffen aufzugeben sei nicht möglich, solange es die jeweils anderen auch nicht täten; indem wir uns schlichtweg nicht mehr für das Thema interessieren.
Wir jungen Menschen von heute brauchen keine Atomwaffen, denn wir sind nicht mehr die Feinde der Russen oder der Chinesen. Doch indem wir diese alten Waffen erben, werden wir – ob wir wollen oder nicht – in die alten Konfliktbahnen gepresst. Wir müssen die jungen Menschen in Russland, China, Indien, Pakistan und anderswo fürchten – denn auch sie erben Atomwaffen. Es ist Zeit, dass unsere Generation staatenübergreifend aufsteht und dieses ewige Belauern und Misstrauen und die Angst vor der Verletzung des nationalen Stolzes überwindet und gegen Interesse, Verständnis und Vertrauen tauscht. Das ist der Nährboden für die Einsicht, dass Atomwaffen niemandem nützen, aber allen schaden können. Diese Waffen haben nach wie vor das Potential, das ultimative Verbrechen an Menschheit, Natur und Zukunft zu verüben – die Vernichtung unserer Welt. So etwas ist durch keine "Sicherheitsdoktrin" der Welt zu rechtfertigen. Auch wir Deutschen sind zur Verantwortung gerufen – immerhin sind die ersten Atomwaffen gegen Nazi-Deutschland entwickelt worden. Wir können als zukünftige Politiker und Wissenschaftler an völkerrechtlichen Verträgen zur Abrüstung mitwirken, wir können Methoden zur unwiderrufbaren Abrüstung von Sprengköpfen und Trägerraketen entwickeln. Als Zivilgesellschaft können wir die Politik staatenübergreifend zur alleinigen Option 'Abrüstung' drängen. Es gibt überall auf der Welt Politiker, Wissenschaftler und zivilgesellschaftlich Organisierte, welche dankbar auf unserer Seite stehen werden. Eine letzte Bemerkung: Vielleicht glauben Sie, eine Erfindung wie Atomwaffen könne nicht mehr rückgängig gemacht werden!? Das ist nicht von der Hand zu weisen – doch bedenken Sie, dass wir Deutschen auch einmal den millionenfachen industrialisierten Mord in Gaskammern erfunden und betrieben haben. Das ist heute, 65 Jahre später, undenkbar. Greifen wir also nicht zur Denksperre, Atomwaffen könnten nicht abgeschafft werden. Sondern fühlen wir uns selbst dafür verantwortlich!
Informationen zur Überprüfungskonferenz des Nichtverbreitungsvertrags gibt es unter http://www.un.org/en/conf... (Zugriff: 13.5.2010).
Die Website des "Nuclear Abolition Day" ist unter http://www.nuclearaboliti... erreichbar (Zugriff: 13.5.2010).
Dienstagnacht war der Film von Henry Chancellor auf arte zu sehen, leider keine Wiederholung geplant und bei YouTube nur in 7 Teile gehackt, trotzdem unbedingt sehenswert!
http://www.arte.tv/de/woc...
http://www.youtube.com/wa...
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Lesenswert!
Und: Danke an dame.von.welt für die links!
Hier passt sich die Schlamperei der Atommächte - allen voran die USA - beim Umgang mit der tödlichen Fracht nahtlos ein:
Auf der Suche nach den verlorenen Bomben
hoffen und versuchen wir zu verhindern, dass niemals auch nur eine von diesen dingern auf menschen losgelassen wird.
von der gegenwärtigen "westlichen" außenpolitik sowie der vermeidung wirkungsvoller einflussnahme auf menschenrechtsverletzende diktatorische staaten bin ich enttäuscht und irritiert. wir leben anscheinend in einer zeit, in der die regierungsvertreter weltweit einer anachronistischen kaste angehören, vieleicht, weil sie einschließlich ihrer selbst einem veralteten machtgefüge angehören, welche echten fortschritt, dazu zähle ich auch die sinnvolle militärische abrüstung, zu verhindern weiss.
Nicht 'reduzieren'.
Abschaffen!
Alle!
Ohne Ausnahme!
Nicht morgen. — Jetzt!
Die fortdauernde Existenz von Atomwaffen ist durch Nichts zu rechtfertigen!
Sicherlich, das ist eine Tatsache - aber sie sind da und: Das ist die Realität!
Welche von den ehemaligen großen Kernwaffenmächten USA, Russland, Großbrittanien und Fankreich wird sein Kernwaffen wohl verschrotten, wenn Staaten wie Nordkorea, Pakistan, China, Indien, Israel und vielleicht auch noch einige andere Kernwaffen besitzen?
Wer DAS nicht akzeptieren will, ist ein hoffnungsloser Träumer!
Das ist heute, 65 Jahre später, undenkbar. Greifen wir also nicht zur Denksperre, Atomwaffen könnten nicht abgeschafft werden. Sondern fühlen wir uns selbst dafür verantwortlich!
Ich denke, da können Sie sich verantwortlich fühlen, wie Sie wollen - DAS wird z. B. die Nordkoreaner, Chinesen und Pakistani völig kalt lassen!
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