Ein schlichter Spruch?
Gestern, am 30. November 2010 am späten Nachmittag endete (vorläufig) eine mediale Show, die unter dem Begriff "Schlichtung S21" in die (Fernseh) Geschichte eingehen wird. In übertragendem Sinne stellvertretend für Thomas Gottschalk übernahm Heiner Geissler, ein durch sein langjähriges politisches Wirken, u. a. als Generalsekretär in der Ära Kohl, bekannter und zumindest von Seiten der S21 Gegner und Befürworter akzeptierter Mediator, die Moderation. Analog zum Samstagabend Event "Wetten daß ..." hätte hier die Publikumswette lauten können, "... ihr es nicht schafft, auch mit den durchschlagensten Argumenten einen Baustopp zu erzwingen".
Nun werden manche sagen, daß dies durch die von Seiten der Befürworter geschaffenen Tatsachen von vornherein feststand und es somit vergebene Liebesmüh sein musste. Den Vertretern dieser These ist momentan (leider) nicht zu widersprechen. Es sollte sie aber nicht davon abhalten, sich das wie, das zur (bedauernswerten) Vollendung ihrer Annahme führte, anhand der in neun Sitzungen trotz allem nicht vollständig zu Tage beförderten Zahlen, Daten und Fakten einmal näher anzusehen. Bei dieser Betrachtung sind meines Erachtens die agierenden Personen, ihre Rollen und ggf. Präferenzen nicht zu vernachlässigen.
Die Kernfrage dieser Schlichtung lautete, ob der Nutzen die zu investierenden Milliarden rechtfertigt, oder ob es noch eine andere Lösung gibt, die unter vielerlei Gesichtspunkten zu bevorzugen (gewesen) wäre. Dies sei hier noch einmal genannt, um das Ergebnis, bzw. den abschließenden Schlichterspruch entsprechend einzuordnen.
Zu Beginn seiner Ausführung verwies HG (Heiner Geissler) noch einmal auf die Zusammenhänge des Zustandekommens, indem er sagte: "Sie hatte regionale und überregionale Gründe und ist nur zu verstehen auf dem Hintergrund einer massiven Vertrauenskrise der Politik im Allgemeinen und einer speziellen, ebenfalls massiven Kritik an der Art und Weise des Zustandekommens und der Durchführung des Projekts S21."
Wenn man bedenkt, daß den Schwaben ein eher ruhiges Gemüt nachgesagt wird, liegt die Betonung auf dem zweimal vorangestellten Adjektiv "massiv". Dies drückt(e) sich in entsprechenden Demonstrantenzahlen aus. Wer dieses immer noch als bloßes "Protestlertum" abkanzelt, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Diese benannte HG wie folgt: "Die Schlichtung hat ... etwas nachgeholt, was schon vor vier oder fünf Jahren hätte stattfinden sollen. Die Schlichtung konnte jedoch diesen Fehler nur teilweise reparieren."
Das mit dem "nachholen" ändert im Kern nichts und um etwas reparieren zu können, müsste es in Gänze der erneuten Begutachtung, ergebnisoffen, übergeben werden. Aber nett gesagt war es trotzdem, weil sich beide Parteien damit irgendwie bestätigt sehen dürfen. Womit schon die ersten Befürchtungen hinsichtlich eines Trends dieses sogenannten Schlichterspruchs abzusehen waren. Den hatte Winfried Kretschmann in der Landtagssitzung vom 6. Oktober 2010 bereits als eine Ursache der Proteste wie folgt beschrieben: "Glauben Sie mir, die Hauptquelle des Protestes ist, daß Sie den Protest gar nicht ernst nehmen und daß Sie denken, die Gegner hätten noch nicht einmal gute Argumente."
HG bemühte sogar Kant indem er der Schlichtung "moderne Aufklärung" konstatierte, um "die Menschen zu befähigen, sich aus nun verschuldeter Unmündigkeit" zu befreien und dadurch "jederzeit selbständig denken" zu können. So wohlmeinend dieser Ansatz auch ist, allein seine Befolgung kann ob des Schlichtungsergebnisses zur nächsten Sinnkrise führen. Denn von verschuldeter Unmündigkeit kann bei diesem Projektverlauf überhaupt keine Rede sein. Hier ist "verschuldet" durch "gewollt" zu ersetzen und nicht nur mit dem Namen Schuster, dem OB der Stadt, gleichzusetzen.
Dies wird bestätigt durch Geisslers Ausführung, daß das Fehlen von Alternativen einer der größten Schwächen im Verfahren von S 21 war. Wörtlich sagte er: "Wäre die Ursprungsplanung von Prof. Heimerl, ähnlich der sogenannten Züricher Lösung, oder andere Pläne wie z. B. K 21 gleichberechtigt zu S21 in den Planfeststellungsverfahren zur Debatte gestellt worden, wäre der Tiefbahnhof möglicherweise auch das Resultat der Prüfungen gewesen, aber andere Konzepte nicht planerisch in nicht mehr revidierbaren zeitlichen Verzug geraten."
Spätestens an dieser Stelle dürften alle S21 Gegner, die den Prozess nun schon viele Jahre begleiten, mehrere leichte Stiche nicht nur in der Herzgegend verspürt haben. Nach diesen letztlich peinigenden Sätzen kam das "Zuckerbrötle". "Eine Bürgerbefragung in Stuttgart ist heute noch möglich unter der Voraussetzung, daß während des Baus von Stuttgart 21 eine Beteiligung der Stadt an Mehrkosten gefordert würde. Das ergibt sich aus dem Beschluß des Gemeinderates vom 29. Juli 2009." Doch es wollte kein Jubel ausbrechen. Denn kaum daß diese Botschaft verklungen war, folgte der endgültige Tritt in den Allerwertesten. "Ein Bürgerentscheid zu der Grundsatzfrage Stuttgart 21 Ja oder Nein ist dagegen rechtlich unzulässig. Bei einer bloßen Bürgerbefragung hätte das Ergebnis keinerlei Auswirkungen auf den Fortgang des Projektes. Die Deutsche Bahn ist nicht verpflichtet, einem solchen Votum zu folgen."
Und allen die jetzt im Zwiespalt verharrten, weiter zuzuhören oder gleich im Terminkalender den nächsten Demonstrationstermin zu notieren, führte diese Aussage den Stift: "Dennoch halte ich die Entscheidung, S 21 fortzuführen, für richtig."
Kennen sie die Videoaufnahmen, in denen jugendliche Täter, nachdem das Opfer bereits niedergeschlagen am Boden liegt, weiter auf dieses eintreten? Verbal entsprechend fühlte es sich an, als HG ausführte: "Die Gegner von Stuttgart 21 haben in den Schlichtungsgesprächen deutlich machen können, daß es mit dem Kopfbahnhof 21 eine durchaus attraktive Alternative gibt, es gibt jedoch ganz konkrete Nachteile. Der am schwersten wiegende Nachteil liegt darin, daß aus heutiger Sicht eine Verwirklichung des Kopfbahnhofs 21 nicht als gesichert angenommen werden kann, da weder ausreichende Planungen und deshalb auch keine Planfeststellungen, also Baugenehmigungen vorliegen. Zudem ist die Finanzierungsgrundlage logischerweise dann auch nicht gegeben, in der Schlichtungsrunde wurden zudem die Kosten für einen Kopfbahnhof 21 sehr unterschiedlich eingeschätzt."
Haben sie das Knallen der innerlichen Sektkorken bei den Grubes, Kefers und Gönners dieser Welt gehört? Der Flaschenverschluss befand sich noch nicht am Ende seiner ballistischen Kurve, als ihm zusätzlicher Schub zuteil wurde. "Das ist viel Geld dafür, daß man am Ende nichts bekommt. Die Plausibilität der Kosten von Stuttgart 21 hat zwar Risiken deutlich aufgezeigt, in der Summe aber keinen wirklich überzeugenden Anhaltspunkt dafür gebracht, das Projekt aus Kostengründen zum jetzigen Zeitpunkt doch noch zu stoppen."
Und HG schüttelte die Flasche weiter als er ergänzend hinzu fügte: "Also kann eine Chance ... nur noch darin gesucht und gefunden werden, wichtige und berechtigte Kritikpunkte der S-21-Gegner aufzugreifen, offensichtliche Schwachstellen zu beseitigen und Stuttgart 21 als Bahnknoten im Interesse der Menschen deutlich leistungsfähiger, baulich attraktiver, umweltfreundlicher, behindertenfreundlicher und sicherer zu machen - zu Stuttgart 21 PLUS."
In diesem Moment kollidierte der Sektkorken mit der kinetischen Energie aus einer Fallhöhe von 15 Lichtjahren "Bürgerbeteiligung" mit der einzigen Frage. War dieser ganze Aufwand nötig, um aus K21 den Begriff "S21 PLUS" zu machen? Welches im Zusammenhang mit S21 abgeschlossene Planfeststellungsverfahren hat überhaupt noch eine Daseinsberechtigung, wenn diese Grundsätze wirklich etwas gelten sollen? Bemängelte HG gerade noch, daß K21 wegen anfallender S21 Abbruchkosten schon nicht zu rechtfertigen sei, redet er jetzt weiteren hunderten von Millionen € für sein "S21 PLUS" das Wort indem er sagt: "Ich kann den Bau des Tiefbahnhofs nur befürworten, wenn entscheidende Verbesserungen an dem ursprünglichen Projekt vorgenommen werden." Vollends umgekehrt proportional wird es, wenn man sich noch mal die zuvor genannten Äußerungen HG´s hinsichtlich der Unsicherheit der Finanzierung von K21 und der sich seiner Meinung daraus ergebenden ablehnenden Haltung dazu anschaut. Er sagte: "In der Schlichtung ist auch noch einmal klar geworden, daß der Tiefbahnhof nur dann einen Sinn hat, wenn gleichzeitig die Neubaustrecke zwischen Ulm-Wendlingen verwirklicht wird. Bis 2016 ist die Finanzierung durch die Bahn und das Land Baden-Württemberg sichergestellt. Ab 2016 wird sich der Bund an den Gesamtkosten von 2,9 Milliarden Euro mit 1,8 Milliarden Euro beteiligen. Nach Auskunft des Vorsitzenden des Bundestagsausschusses für Verkehr Winfried Hermann im Schlichtungsverfahren ist jedoch die Finanzierung durch den Bund nicht abschließend gesichert. Diese Aussage basiert allerdings auf einer Prognose für das Jahr 2016 und unterstellt, daß die dann vorhandene Mehrheit im Deutschen Bundestag aus dem Projekt aussteigen würde. Es kann natürlich auch gerade umgekehrt sein."
An dieser Stelle erspare ich mir die Auflistung dieser "Verbesserungen", sind sie doch hier nachlesbar. Und ob der anberaumte Stresstest, seit Anfang an im Grunde überfällig, den Gegnern vielleicht die entscheidenden Karten in die Hände spielt, wird die Zukunft erweisen. Damit zu rechnen, daß dieser letzte aller fundamentalen Basiswerte noch zu K statt S führt, sollte ob der Art und Weise, wie über die bereits nachgewiesenen Fakten zu ersterem hinweg gegangen wurde, nicht zu neuer Hoffnung führen.
Zum Schluß möchte ich noch auf Mappus und Palmer sowie sein (nicht) gehaltenes Pladoyer eingehen.
In politischem Sinne hat sich Mappus mit seinem Verhalten in Sachen S21 in meinen Augen mehr als ein Eigentor geschossen. Durch seine anfängliche Weigerung jeglichen Dialogs hat er viele Bürger, darunter eine erhebliche Zahl CDU-Wähler gegen sich aufgebracht. Anstatt mit einer Bürgerbefragung dieses Thema aus dem kommenden Wahlkampf heraus zu halten, hat er den "Fehdehandschuh aufgenommen" und durch absolutes Ignorieren bis hin zu dem gewalttätigen Polizeieinsatz gegen friedliche Demonstranten (fast) alles unternommen, seine Wahl am 27. März 2011 zum MP von Ba-Wü zu verhindern. Selbst der (angeblich) von ihm erdachte Vorschlag, HG als Schlichter einzusetzen, wird ihn nicht retten. Denn der Ausgang des Verfahrens durfte, wie zu Anfang beschrieben, letztlich nur den Weiterbau, wenn auch mit schönfärberischen Änderungen, bestätigen. Es wäre abzusehen gewesen, daß die gewünschte Beruhigung der Demonstranten ob des gestrigen Schlichtungsergebnisses nur eine begrenzte Halbwertzeit haben kann. Das dies auch zu einer Beschädigung der Bundeskanzlerin führt, hat sie sich selbst zuzuschreiben, koppelte sie doch frühzeitig S21 an den Ausgang der kommenden Landtagswahl.
In dieser Hinsicht sind die Grünen und Boris Palmer eventuell wesentlich weitsichtiger. Sie nahmen ihn gestern aus dem Ring, liessen ihn kein Schlußpladoyer halten. Auf Nachfrage des Phoenix-Reporters begründete er dies damit, daß er in der Sache schon alle Argumente vorgetragen habe. Meine Behauptung mag für manche gewagt klingen. Daß sie in meinen Augen die Folge einer vorgeschobenen Begründung ist, sagt mir mein Instinkt. Wer jemals für etwas so intensiv gekämpft hat, zumal an vorderster Front bei der Faktenschlichtung, lässt sich den Endkampf nicht nehmen. Es sei denn, parteipolitische Interessen treten in den Vordergrund. Und hier prophezeihe ich (wiedermal) folgendes Szenario. Die Grünen wollten nicht, daß der rethorisch weit über seine Konkurrenten und Mitstreiter heraus ragende Palmer vielleicht doch noch eine Bürgerbefragung vor der Wahl erstreitet. Mit S21 hoffen die Grünen zusammen mit der SPD auf ein entsprechendes Ergebnis zur Regierungsbildung. Nach der Landtagswahl wird Palmer Verkehrsminister, vielleicht schon vor dieser als Kandidat benannt. Diese "Karriereaussicht" hat ihn meines Erachtens gestern zurück gehalten.
Es lohnt sich also mit allen Sinnen "oben zu bleiben". Die Partie ist noch nicht beendet. Wir befinden uns in der Nachspielzeit. Noch vier Monate, dann erst wird endgültig, im wahrsten Sinne des Wortes, abgerechnet. Den letzten Schuß hat der (wahlberechtigte) Bürger von Baden-Württemberg. Er sollte nicht nur deshalb nicht auf der Bank sitzen bleiben. Es gibt auch noch andere Themen, über die es sich abzustimmen lohnt, die momentan jedoch ein wenig aus dem Fokus geraten sind. Wenn S21 dazu dient, daß sich mehr Bürger als sonst den Ball, bzw. Stift in der Wahlkabine schnappen, ist dies ein begrüßenswertes Ergebnis. Man könnte dies als kleinen Sieg dieser Demokratie werten.
Die größte Niederlage wird dadurch jedoch nicht aufgewogen. Es ist der noch nicht aufgearbeitete, brutale Polizeieinsatz am 30. September gegen friedliche Demonstranten. Keiner der Verantwortlichen hat sich gestern bei den Abschlussplädoyers dafür entschuldigt, geschweige denn Bedauern ausgesprochen. Auch Pfarrer Bräuchle, einer der Befürworter von S21 fand keine tröstenden Worte. Rech als verantwortlicher Innenminister hat sich während der ganzen Zeit überhaupt nicht gezeigt. So muß man hoffen daß der Untersuchungsausschuß die Wahrheit ans Tageslicht befördert. Womit wir wieder bei der Sinnhaftigkeit von Verfahren sind, die in irgendeiner Weise das Versagen von Regierenden aufdecken sollen.
wissen wir es und können belegen: Geißler hat sein TINA zu gründlich auswendig gelernt und kennt seine Rolle als demokratisches Feigenblatt aus seiner Parteikarriere so dermaßen aus dem ff, als daß die, denen er hier seine Stimme leiht nicht schon vorher gewußt hätten: Il est la voix de son maître.
Gelernt ist eben gekonnt!
Danke für den Artikel!
Ganz tolle Analyse! Gehört in den redaktionellen Teil - sofern nicht unerwünscht, weil wir doch jetzt alle brav "Demokratie!" jubeln sollen.....
Ich habe Geißler schon immer für den perfidesten Politiker Deutschlands gehalten, mich aber auch etwas blenden lassen, als er, nachdem er dafür gesorgt hatte, dass alle systemkritischen Geister in Politik und Medien an Helmut Kohl erstickt waren, im Alleingang deren Rolle einnahm und als Pseudo-Kritiker des Neoliberalismus sich bei Attac und in den Talkshows eine zweite Bühne eroberte, auf der er sein Ego in Zustimmung baden konnte, als er für Helmut Kohl seine Schuldigkeit getan hatte.
Die "jesuitische Schulung" kann ja, wie wir auch von anderen Beispielen wissen, für gute und für perfide Zwecke genutzt werden. Insofern ist es schon tragisch, wie ausgerechnet der Grüne Hermann mit seinem peinlichen "Du" seinen späteren Schlächter als "Freund" adelte und völlig vergass, dass man in Politik und Wirtschaft keine Feinde braucht, wenn man Freunde hat.
Andererseits ist es im Nachhinein auch verständlich, weshalb Geißler auf seinen Seelenverwandten Kefer so abfuhr. Grinsen und Heimtücke teilen sich die beiden ja im Übermaß. Da war wohl blindes Verständnis, und Kefer hat möglicherweise mit dem Instinkt eines ganz bestimmten Persönlichkeitstypus schnell gewußt, wie er den Geißler packen kann. Die Krönung war die Dreisatz-Milchmädchen-Rechnung, die man ab jetzt eigentlich Geißler-Rechnung nennen müsste.
Es zeugt schon von ziemlicher Unbedarftheit, wenn man darauf hereinfällt. Oder von instinktiver Erkenntnis, dass man damit die Zuschauer verarschen kann. Dann noch ein bisschen Vorurteile gegen Wissenschaft und Statistiken hervorkitzeln und Viereggs fundierte Zahlen und überlegene Kenntnisse der Fakten zählen nichts mehr. (Bei Holzhey brauchte er nicht einmal Kefer-Hilfe, den konnte er ohnehin nicht ausstehen und ließ ihn erst gar nicht richtig zu Wort kommen. Und schon waren zwei Säulen der Kritiker demontiert.)
Die Sache mit Palmer sehe ich ähnlich. Mit einem Unterschied: der steht wohl schon in der Kartei sämtlicher Headhunter. Für nach-politische Verwendung. Sein Vater war authentisch. Er ist smart. Ein wichtiger Unterschied.
Ihre Hoffnungen auf Untersuchungsausschuss und Wahl in Gottes Ohr - wo bereits der Geißler sitzt - , aber ich pflege da lieber meine Skepsis. So wie ich auch während der Schlichtung weiter beim Protest mitmachte.
Ich hatte die Schlichtung auch nur mit der Aussicht auf Fakten verfolgt und meine, mich zu erinnern, dass Geißler eigentlich einen Schlichterspruch von vornherein ausgeschlossen hatte. Und auch keine Empfehlung geben wollte. Sollte mich meine Erinnerung da nicht trügen, dann war der Schlichterspruch ein doppelter Betrug.
Aber eigentlich hätte man schon von Anfang an den Ausgang kennen können. Denn die Sache mit dem Baustopp und dem umgehenden Dementi zeigt schon ganz klar, was Geißlers Rolle sein würde: falsche Erwartungen wecken und dann "April, April!" rufen.
Die Bahn allerdings scheint Ihre Einschätzung der politischen Entwicklung für nicht unplausibel zu halten. Zwei Dinge nämlich kamen schon in den Nachrichten: 1. Wird der Stresstest erst Mitte kommenden Jahres beendet sein. Und 2. will man bis dahin weiterbauen. Im Klartext: bis das Ergebnis des Stresstests vorliegt, gibt es finanziell kein Zurück mehr.
Dann wird sich auch herausstellen, dass es für "Verbesserungen" kein Geld und keine Planfeststellungen gibt. Und Geißler tourt derweil mit seinem neuesten Buch durch die Talklande....
Hallo "montaigne".
Danke daß sie sich die Zeit fürs Lesen und auch noch Kommentieren genommen haben.
Einen Wunsch habe ich noch. Wofür steht TINA?
Hallo "seriousguy".
Auch ihnen danke für die Zeit, die sie sich zum Lesen genommen haben. Ich hatte mir zuerst überlegt, diesen Artikel als Kommentar auf ihren neuesten Beitrag einzustellen.
Das habe ich dann aber aus egoistischen Interessen nicht getan. Umso mehr freut es mich, daß sie ihn trotzdem "gefunden" haben und bedanke mich für die Aufwertung durch ihren Kommentar. Wie immer fundiert, die Sache bereichernd und lesenswert.
ist die berühmte Formel des Versagens"there is no alternative" - die Kanzlerin nennt es schlicht, wie immer, "alternativlos".
Hallo maculatur,
stellen Sie Ihre Beiträge bloß nicht als Kommentare bei mir ein! Ehre, wem Ehre gebührt. Und die Redaktion scheint ja mittlerweile mächtig Respekt vor Stuttgartern zu haben - und hat meinem Wunsch prompt entsprochen, bevor ich eine Sitzblockade beginne .... :)
dabei war das gar keine.
Nach einer Schlichtung gehört des Ergebnis zur Urabstimmung vorgelegt. Und? Findet die Urabstimmung statt? Ach, sie ist vom Schlichter schon abgelehnt worden. Ja, was ist denn das für ein Schlichter? Der denkt wohl, sein Spruch soll das weitere Denken erübrigen und jeder soll sagen, jetzt ist aber gut. Pfeifendeckel, nix ist gut.
Jetzt frage ich mich, wenn das keine Schlichtung war, was war das dann?War das eine postmoderne Inszenierung des Kleist'schen "Zerbrochenen Krug" mit tragisch-defaitistischen Ausgang, in dem der Dorfrichter als H -öherer G -erichtsrat Adam gewinnt?
Sehr guter Artikel!! Warum fühle ich mich hier im Leserartikel-Bereich nur sehr viel besser informiert!? Liegt sicher auch an seriousguy und ihnen!
Ich teile im wesentlichen ihre Einschätzungen. Die Schuld für die misslungene Schlichtung sehe ich aber weniger bei Geissler sondern bei den Projektbefürwortern, insbesondere bei der Landesregierung. Für diese war die Schlichtung niemals ein ergebnisoffenner Prozess, sondern er diente der Ruhigstellung der Bürger, der Spaltung der Gegner, letztlich der Machterhaltung. Diesem Ziel wurde alles andere untergeordnet.
Das von Geissler genannte "Stuttgarter Modell", ist schon wieder ein Auslaufmodell. Ich denke, dass es sich in Zukunft bei ähnlichen Projekten die relevanten Gruppen zwei- und dreimal überlegen werden sich auf solch einen Prozess einzulassen. Wie an anderer Stelle schon bemerkt wurde, ist ein Schlichterspruch ohne eine darauf folgende Urabstimmung sinnlos! Nur so kann er legitimiert werden. Es kann nicht sein, dass über solch ein wichtiges Projekt in hastigen Gesprächen ein scheinbarer Kompromiss gefunden wird.
Ich kann den Projektgegnern dennoch keinen großen Vorwurf machen. Sie wussten im die Risiken, sahen aber auch Chancen ihre Position darzustellen. Dies gelang.
Die Wirkung des "Schlichterspruches" bei der Bevölkerung dürfte momentan nur schwer abzuschätzen sein. Die Befürworter dürften sich bestätigt fühlen. Ich schätze mal ihren Anteil zu 20 %. Die engagierten Gegner dürften sich verhöhnt fühlen. Ihnen gebe ich mal 30%. Bleibt noch die Hälfte übrig. Dort dürfte der scheinbare Kompromiss seine Wirkung nicht verfehlen. Ein Überdruss am Thema dürfte ein übriges tun. Das ist die Dividende auf die Mappus spekuliert haben dürfte. Seine Rechnung könnte aufgehen.
Auf die "simulierten" Ergebnisse braucht man dann fast gar nicht mehr zu warten.
Wohl ehr als Schlichtung im juristischen Sinn zu verstehen:
Sind eine oder beide Seiten mit dem Ergebnis nicht zufrieden, wird wie vor dem Schlichtungsversuch weitergemacht. Urabstimmungen kann es getrennt auf beiden Seiten geben, um festzulegen, wie jede Seite nun weiter zu verfahren gedenkt, was vom Schlichter wohl kaum abgelehnt werden kann.
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