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Vom Menschentum

Ein "Gutmensch" ist einer, der allein durch seine Existenz und seine Meinungsäußerungen dem, der gerne von sich glaubt, er wäre ein guter Mensch, deutlich macht, daß er damit auf dem Holzweg ist. Da der selbsternannte "gute Mensch" so dauerhaft in seiner angenehmen, sich selbst verherrlichenden Selbstwahrnehmung beeinträchtigt wird, bleibt ihm nichts anderes übrig, als den "Gutmenschen" als Dumm-Menschen zu betrachten und zu diffamieren. Der gute Mensch ist immer klug wie er selbst, denkt sich unser "guter Mensch", und der "Gutmensch" kann also, da er ja nun mal mit einer gewissen Dümmlichkeit behaftet ist, nur ein schlechter Mensch sein. So ist alles wieder im Lot, und es kann erneut heißen: "Spieglein, Spieglein an der Wand ..."

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Leser-Kommentare
  1. 1. gutmensch - guter mensch

    na ja, die vermutete selbstwahrnehmung de s"guten menschen" ist meines erachtens nicht zwangsläufig zutreffend. ein diskurs über das thema hat aber was vom gang durch ein minenfeld.

    ich persönlich verwende den begriff gutmensch im sinne des von mir verlinkten artikels. das ist zwar nicht sehr zielgenau, weil sich auch menschen damit angesprochen fühlen die man eigentlich gar nicht gemeint hatte, aber es ist so schön anstachelnd.

  2. 2. Eine Worthülse

    aus zwei bekannten Wörtern jedoch sinnenleert, da sie einer Erklärung bedarf.

  3. 3. Inflationäre Verwendung

    Häufige oder gar inflationäre Verwendung dieses Begriffes zur Diskreditierung Andersdenkender fällt in jedem Falle auf den Urheber zurück. Er diskreditiert sich damit selbst und attestiert sich geringes Differenzierungsvermögen.

  4. 4. Milan Kundera die Langsamkeit

    Ein Traeumer wird den schlechten Menschen immer entlarven. Entweder muss der schlechte Mensch zugeben das er ist was er ist auf eine Frage des Traeumers oder er muss etwas machen wovor er sich immer hueten wollte. In beiden Faellen wird der schlechte Mensch nur fuer sich Selbst als dumm dastehen.

    Der Traeumer ist ein gutmensch und der schlechte Mensch leider alles andere als klug.

    Doch was ich noch lernte ist das man den Menschen von heute morgen nicht mehr boese sein darf. Denn in der Nacht verknupfen sich Synapsen oder werden staerker. Mensch veraendert sich also und hat jede neue Chance verdient.

  5. 5. lyriost

    Das nimmt sich nichts!

  6. 6. Warum so kompliziert?

    Warum aus einem Maulwurfhügel einen Berg machen? Ein Gutmensch ist einfach einer, der auf Kosten und in Mißachtung der Sorgen und Rechte der ihm nahestehenden Menschen dem weiter entfernten Nachbarn, z.B. auf der anderen Seite der Grenze, süße Worte und Versprechungen zuflüstert und sich dabei ach so weltverbessernd vorkommt.

  7. 7. Fragwürdige Darstellung

    Gut und böse, dumm und klug, diese Begriffspaare sehe ich nicht in einem Zusammenhang. Jedenfalls nicht, soweit sie überwiegend zutreffend einen Menschen charakterisieren.

    Ein dummer Mensch kann sehr wohl gut oder böse sein. Das gilt ebenso für einen klugen Menschen.

    Auch ist es möglich, daß ein guter Mensch dumm sein kann oder klug; ein schlechter kann klug sein oder dumm.

    Losgelöst von den, objektiv und neutral betrachtet, tatsächlich vorhandenen Wesenzügen und Verhaltensweisen ist die Verwendung dieser Begriffe in der Rhetorik lediglich dazu angetan, unsachliche Streitereien anzuzetteln und zu verfolgen.

    Dabei werden dann auch gern - absolut unzulässig - die Begriffspaare als zwangsläufig miteinander verwoben. Dies wiederum sind dann allerdings nur Behauptungen, deren Wahrheitsgehalt weder nachgewiesen noch sicher ist.

    Ein wirklich guter Mensch und auch ein sich das nur einbildender Mensch, beide können einen "Gutmenschen" entweder als dumm oder als klug bezeichnen - nicht aber mit Sicherheit nur als dumm.

  8. 8. Perspektive

    Lieber Thomas Ernst, genau das war meine Absicht: dadurch, daß ich versuchsweise in einen Benutzer des Begriffs "Gutmensch" geschlüpft bin, seine Perspektive eingenommen habe, die Fragwürdigkeit dieser Worthülse deutlich zu machen. Die Provokation liegt nicht in meiner Darstellung, sie liegt in der pejorativen Verwendung des Begriffs. Ich selbst habe das Wort "Gutmensch" außerhalb sprachlicher Reflexion noch nie gebraucht und käme nicht im Traum auf die Idee, einem anderen Menschen solch ein häßliches Etikett anzuhängen.

  9. 9. Noch einfacher

    Liebe Frau Behm, es geht noch einfacher. Etwa so: Ein "Gutmensch" ist einer, der sich um andere kümmert, auch wenn sie keine Blutsverwandten sind.

    An Ihrer Definition kann man ablesen, wie sehr der Begriff sich eignet, nach Gutdünken gefüllt zu werden. Der "Weltverbesserer" kommt dem "Gutmenschen" übrigens sehr nahe.
    Beide aus dem Synonymwörterbuch für Möchtegern-Zyniker.

  10. 10. Gutmensch, eine Art reverser Euphemismus

    Das Wort Gutmensch verachte ich leidenschaftlich, weil es für eine der tiefsten Beleidigungen an den Menschen ist. Sein Signifikat tritt all jenes mit Füßen, was mir erstrebenswert im Mensch-Sein an und für sich scheint. Und zwar ausgehend von der langsam sich immer wieder und fortwährend einschleichenden Erkenntnis, dass wir zumeist nur schlechte Menschen sind.

    Gutmensch in Transistion (?) bedeutet eine Bekennung zum Fatalismus, Egoismus und keinesfalls beinhaltet es dem Benutzer den ach so gerühmten Realismus an sich selbst, denn er wird bei Benutzung nach außen getragen und nutzt ganz anderen Motiven als jenen, die dem Realismus eigentlich zu eigen wären. Gutmenschen Bezeichner KÖNNEN für mich also im Augenblick der Benutzung sogar eitel erscheinen und kehren damit dem Realismus doch endgültig und zweifelsfrei den Rücken, oder lieber Lyriost?

    -- nur so dahin überlegt --

    t.

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