Leserartikel-Blog

Der Luftkrieg über Deutschland - Moral Bombing!

Die Luftkriegführung richtete sich im Zweiten Weltkrieg erstmalig in großem Umfang gegen Städte und damit auch gegen die Zivilbevölkerung.

Mit dem Angriff der Royal Air Force auf Mönchengladbach am 12. Mai 1940 mit 35 Bombern begann der deutsch-britische Luftkrieg. In der Folgezeit flog die RAF immer wieder kleinere Angriffe auf deutsche Städte. In Großbritannien richtete sich der Luftkrieg der deutschen Luftwaffe in den ersten Monaten des Feldzuges noch gegen militärische Ziele, wie militärische Anlagen, Kasernen, Panzer, Schiffe und Stützpunkte. Aber die Situation radikalisierte sich im Sommer 1940, als die britische Luftwaffe seit Mai 1940 vermehrt deutsche Städte angriff, während die deutsche Luftwaffe sich noch ausschließlich auf militärische Ziele konzentrierte. Hitler hatte z. B. strikten Befehl gegeben, London nicht zu bombardieren – eine deutsche Bomberbesatzung, die aus Versehen ihre Bombenlast auf Londoner Gebiet abgeworfen hatte, wurde bestraft und degradiert! Erst ab Ende August 1940 wurde London angegriffen! Bis Ende 1940 untersagte Adolf Hitler weiter einen militärisch bedeutungslosen Terrorbombenkrieg gegen Wohngegenden zur Demoralisierung der Bevölkerung. Dennoch gab es Luftangriffe auf London (24.08.40) oder Industriestädte wie Coventry (15.11.40), insgesamt wurden in England bis 1945 rund 61.000 britische Zivilisten getötet.

Es entsprach dem ausdrücklichen Entschluss der Churchill-Regierung, den Tod von Zivilisten nicht nur in Kauf zu nehmen, sondern die Bevölkerung gezielt in die Kriegsführung einzubeziehen. Dabei wurden die Luftangriffe von der RAF so gestaltet, dass eine möglichst hohe Anzahl Menschen ums Leben kam. Hintergrund war, die Moral der Bevölkerung zu brechen und das Vertrauen der Bevölkerung in die eigene Regierung zu untergraben. Dieses „de-housing-concept“ des britischen Bomber-Comand unter Arthur Harris wurde als „moral bombing“ bezeichnet, um damit, nach ihren Vorstellungen, die deutsche Bevölkerung gegen Hitler aufzubringen – jedoch wurde damit genau das Gegenteil erreicht. Die Taktik war, in einem Wechsel von Spreng- und Brand- und Sprengbomben, eine verheerende Brandwirkung, den sogenannten „Feuersturm“ in den Wohnvierteln der betroffenen Städte zu erzeugen. Die dabei verwendeten Elektron-Thermitstab-Brandbomben waren in vielen Versuchen bereits lange vor dem Krieg konstruiert und getestet worden.

Das Erzeugen von sogenannten „Feuerstürmen“ über deutschen Städten wurde dabei von englischer Seite als besonderer Erfolg gewertet. Diese „Feuerstürme“ waren nicht ein Produkt des Zufalls, sondern waren Ergebnis intensiver Forschungsarbeit und abgewogener Planungen. Um einen „Feuersturm“ zu entfachen, ging es nicht nur darum, eine möglichst hohe Bombenlast abzuwerfen (beispielsweise entstand über Berlin nie ein Feuersturm), sondern es kam u. a. auf Art, Reihenfolge und Aufprallort der Bomben an. Vereinfacht lässt sich die Technik wie folgt beschreiben: Zunächst wurden durch Sprengbomben die Dächer abgedeckt und die Fensterscheiben zum Bersten gebracht, um brennbares Material in den Wohnräumen freizulegen und eine offene Sauerstoffzufuhr zu ermöglichen. In einer zweiten Welle wurde die Stadt großflächig mit Stabbrandbomben belegt und danach erfolgte ein weiterer Angriff mit Sprengbomben, insbesondere Luftminen mit hoher Sprengkraft (bis zu 1 t), sogenannte „Blockbuster“ - „Wohnblock-Knacker“ und Bomben mit Zeitzündern, um die Löscharbeiten unmöglich zu machen!

Da zielgenaue Bomberangriffe, bestehend aus wenigen Maschinen hohe Verlustquoten aufwiesen und ihr Ziel meistens verfehlten, gingen die Alliierten ab 1942 dazu über, größere Bombergeschwader nach Deutschland zu schicken, um die Städte großflächig zu zerstören. Ziel war es, sowohl Militär, Infrastruktur und Industrien zu vernichten als auch die Moral der Bevölkerung zu brechen (siehe auch: Area Bombing Directive). Großstädte wie zum Beispiel Köln und zahlreiche Städte des Ruhrgebiets, aber auch Dresden, Hamburg, Braunschweig, Heilbronn, Kassel, Koblenz, Magdeburg, Pforzheim, Nürnberg, Schweinfurt, Wuppertal und Würzburg wurden großflächig zerstört, wobei Zehntausende Zivilisten verbrannten, erstickten oder unter den Trümmern begraben wurden.

Arthur Harris, in der deutschen Bevölkerung bekannt als „Bomber-Harris“, entwickelte zusätzlich einen Plan zu einem Tausend-Bomber-Angriff mittels eines Bomberstroms, der die Wirkung auf das Ziel maximieren sollte. Gleichzeitig sollte eine Kaltstellung oder Überforderung des deutschen Nachtjäger-Leitsystems die britischen Verluste verringern helfen. Zusätzlich gab es seitens Churchills Überlegungen auf Deutschland Milzbrand-Bomben (Anthrax-Erreger) abzuwerfen. So ist die schottische Insel Guida (Gruinard), auf der die Briten im Zweiten Weltkrieg bereits Versuche mit Anthrax-Bomben ausführten, mit dem Erreger noch heute so verseucht, dass das Betreten der Insel aufgrund von akut bestehender Lebensgefahr strikt verboten ist.

Nur als den Kriegs-Strategen klar wurde, das bei einer Besetzung Deutschlands, eigene Truppen dadurch gefährdet werden würden, ließ man von diesem Vorhaben ab. Die nächste Idee Churchills war, auf Deutschland Giftgas-Bomben abzuwerfen - er hatte die Absicht, die deutsche Bevölkerung "in Giftgas zu ertränken!"

Insgesamt kosteten die Luftangriffe, die gegen Städte geflogen wurden, etwa 60.100 britischen und ca. 600.000 deutschen Zivilisten das Leben. Die von den Amerikanern geflogenen Angriffe gegen Tokio, Yokohama, Kobe and und andere japanische Städte und die Atombombenangriffe töteten ungefähr zwischen 330.000 und 500.000 Japaner. Die RAF und USAF dominierten den Bombenkrieg. Bereits 1941, vier Jahre vor der Kapitulation der nationalsozialistischen Diktatur, war die Zerstörungskraft der Air Forces größer als die der deutschen Luftwaffe .

Die völkerrechtliche Bewertung von Luftangriffen auf Städte zur Zeit des Zweiten Weltkrieges ist umstritten. Artikel 25 der Haager Landkriegsordnung verbietet zwar „das Angreifen von unverteidigten Städten, Wohnräumen und Gebäuden“, nur ist fraglich, ob das Vorhandensein von Flugabwehrbatterien bereits eine Verteidigung in diesem Sinne darstellt. Eine vom US-Militär eingerichtete Kommission stellte fest, dass mit dem Aufbau einer Luftverteidigung keine Stadt mehr „unverteidigt“ sei. Darüber hinaus sei fraglich, ob die Vorschriften der Haager Landkriegsordnunug überhaupt auf den Luftkrieg anwendbar waren.

Quellen:

Luftkrieg
http://de.wikipedia.org/w...

Luftkrieg im 2. Weltkrieg
http://de.wikipedia.org/w...

Jörg Friedrich, Der Brand: Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945

Jörg Friedrich, Brandstätten - Der Anblick des Bombenkrieges