Leserartikel-Blog

Rosa Luxemburg und die Freiheit der "Andersdenkenden"?

Wie Mythen entstehen!

Wie schnell doch Fehlinterpretationen entstehen können! Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie Mythen entstehen und verbreitet werden! Dabei bin ich immer wieder überrascht, wie Zitate bekannter Persönlichkeiten in der öffentlich Diskussion falsch dargestellt bzw. interpretiert werden.

Ein Paradebeispiel ist dabei Rosa Luxemburg, die häufig von linken Liberalen mit dem Spruch: "Freiheit, ist immer die Freiheit des Andersdenkenden" zitiert wird. Offensichtlich wollen die ZitiererInnen damit unterstreichen, das diese Frau doch sehr tolerant gewesen sei und man sich doch heute, bitte schön - an Ihrer Toleranz eine Scheibe abschneiden soll. Doch hier irrt die Nachwelt, denn Rosa Luxemburg meine mit diesen "Andersdenkenden", in keinem Fall etwa Menschen, die in nichtkommunistischen Klischees dachten, sondern sie meinte damit primär die "Abweichler von der kommunistischen Linie", die im engen Rahmen einer "kommunistischen Demokratie" wieder auf den "rechten Weg kommunistischer Denkart" geführt werden sollten.

Rosa Luxemburg hatte zwar den Dogmatismus der Bolschewiken unter Lenins Führung erkannt. Sie sah auch, dass er nicht nur andere Parteien, insbesondere bürgerliche, sondern auch die "Demokratie" in der eigenen Partei zu unterdrücken begann. Sie war der Meinung, dass bedrohe die unbedingt nötige Mitwirkung und Führung der Arbeiter beim Aufbau des Sozialismus. Insbesondere nach der Oktoberrevolution kritisierte sie darum die Tendenz der Bolschewiki zur Diktatur mit den berühmten Sätzen:
Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der 'Gerechtigkeit', sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die 'Freiheit' zum Privilegium wird.

Dabei blieb sie unbeugsame Kommunistin und rechtfertigte auch den Einsatz von Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele. Bekannt ist dazu der folgende Ausspruch:
Der Sozialismus … hat … zur Voraussetzung eine Reihe von Gewaltmaßnahmen - gegen Eigentum … Wer sich dem Sturmwagen der sozialistischen Revolution entgegenstellt, wird mit zertrümmerten Gliedern am Boden liegenbleiben.

Das einzige was man der Propagandistin der sozialistischen Revolution in Deutschland zugute halten könnte, war – dass sie noch nicht auf die leninistische Position der Durchsetzung der Macht der Kommunistischen Partei neuen Typs eingeschworen war und noch einen eigenständigen deutschen Weg der KP verfolgte. Ihre und die Ermordung von Karl Liebknecht durch radikale Offiziere der Freikorps eröffneten dann später den Stalinisten in der KPD den Weg, um besonders auch über die Komintern die ideologische und logistische Bolschewisierung Europas vorzubereiten.

Wie „tolerant“ sich der Gulag-Bolschewismus später gab, wurde in den Dreißiger Jahren in der UdSSR sichtbar, als Stalin schonungslos gegen "Abweichler", "Revisionisten", "Trotzkisten" und sogenannte "Volksschädlinge" vorging. Viele ehemalige Mitkämpfer Lenins wurden in Schauprozessen regelrecht vorgeführt, mussten "Selbstkritik" üben und wurden zu überwiegenden Teil zum Tode verurteilt und hingerichtet oder ins Gulag verbannt. Wer sich darüber genauer informieren möchte, dem empfehle ich Soltschenyziens "Archipel Gulag" zu lesen!

Rose Luxemburg, Die russische Revolution (1918)
http://www.marxists.org/d...

Buhad 27/07/2009