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Wüstenstrom für Europa ist eine Fata Morgana

Betreff: EUROSOLAR-Pressemitteilung: Wüstenstrom für Europa ist eine Fata Morgana

Bonn, 13. Juli 2009

Zur heutigen Präsentation der Münchner DESERTEC-Runde erklärt Prof. Dr. Hermann Scheer, MdB, Präsident von EUROSOLAR und Vorsitzender des Weltrats für Erneuerbare Energien:

Das Desertec-Projekt "Saharastrom für Nordeuropa" ist eine Fata Morgana. Die Initiatoren selbst wissen: Daraus wird nie und nimmer etwas. Dabei könnte Desertec wirklich eine gute Idee sein. Wenn es darum ginge, den Sahara-Staaten zu helfen, ihre eigene Energieerzeugung vollständig auf Erneuerbare Energien umzustellen, würde ich den Desertec-Plan uneingeschränkt begrüßen. Dies wäre ein zentraler Beitrag der EU für eine stabile wirtschaftliche und soziale Perspektive der südlichen Mittelmeerländer und zugleich ein enormer Beitrag zum Klimaschutz. Aufgrund des dortigen Solar- und Windpotenzials wäre es sogar in weniger als 20 Jahren möglich, die Stromversorgung dieser Länder vollständig auf Erneuerbare Energien umzustellen. Daraus können sie erheblich höheren wirtschaftlichen Nutzen ziehen als durch Stromexporte nach Europa.

Aus mehreren substanziellen Gründen ist das jetzt präsentierte Desertec-Konzept eines großangelegten Solarstromexports nach Europa höchst fragwürdig. Die erwarteten Kosten werden künstlich heruntergerechnet. Und die praktischen Reduzierungsmöglichkeiten des Baus der Stromtrassen werden grob überschätzt. Selbst wenn der Plan, 15 Prozent des EU-Strombedarfs zu Investitionskosten von angeblich 400 Milliarden Euro realisierbar wäre, so wäre das keineswegs kostengünstiger als eine Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien innerhalb der EU selbst. Allein in Deutschland wurde seit 2000 – also innerhalb von neun Jahren – der Stromerzeugungsanteil aus Erneuerbaren Energien um 15 Prozent gesteigert, mit einem Investitionsvolumen von rund 80 Milliarden Euro. Die Kosten pro erzeugter Kilowattstunde sinken laufend.

Unbeachtet vom Desertec-Konzept bleiben auch die neuen technologischen Möglichkeiten zur Speicherung von Sonnen- und Windstrom innerhalb Europas. Mit dem zügigen Ausbau der Erneuerbaren Energien innerhalb Europas ergibt sich die Notwendigkeit schnell zuschaltbarer dezentraler Regelkraftwerke statt des Baus von Grundlastkraftwerken in der Wüste.

Die dezentrale Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien hierzulande mit zahlreichen Produzenten wird in absehbarer Zeit zu 100 Prozent kostengünstig und flexibel möglich sein. Kürzlich fand in Kassel eine Konferenz statt, bei der 90 deutsche Kommunen und Landkreise ihre konkreten Konzepte vorstellten, wie sie bis spätestens 2030 zu hundertprozentiger Stromversorgung aus lokalen und regionalen Quellen kommen. Darin steckt die Dynamik Erneuerbarer Energien. Ein wahres Großprojekt, nämlich das Gegenkonzept zu Desertec, ist schon seit 2000 in vollem Gang: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das schon hundertausende Investoren hervorgebracht hat.

Wer Desertec befürwortet, muss außerdem eine andere Kernfrage beantworten: wo künftig die Wertschöpfung aus Erneuerbaren Energien stattfindet. Es ist ein fundamentaler volkswirtschaftlicher Unterschied, ob sie dezentral produziert werden, die Wertschöpfung also dezentral erfolgt, oder durch Großkraftwerke mit konzentrierter monopolisierter Wertschöpfung.

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Leser-Kommentare
    • 14.07.2009 um 02.27 Uhr
    • mexi42
    1. Scheer ist ...

    durch seine Interessen gesteuert.
    Neben technischen und finanziellen
    Problemen gibt es viel schwerer wie-
    gende: politische Unruhen, Terrorismus,
    Zerstörung der Anlagen. Wieder ein
    Einsatzgebiet für unsere Bürger in Uniform.

  1. 2. Zu pessimistisch...

    ... die Sahara ist Sonnen- und Windreich. Das sollte man nutzen, wenn auch nicht ausschliesslich und sei es nur um Entwicklungshilfe zu leisten.

    Mein Vorschlag für Deutschland, Investitionen zu: 1/3 in Deutschland, 1/3 EU-weit, 1/3 außerhalb. Es gibt keinen Grund solche Projekte schlechtzureden. Erstens werden sie sowieso IMMER teurer als vorher geplant (das war auch bei allen AKW's schon so), zweitens sind die ganzen Kalkulationen und Gewinnrechnungen Kaffeesatzleserei, nicht mehr. Wir wissen noch nichtmal die Rohstoff- und Währungspreise vom nächsten halben Jahr vorherzusagen und glauben aber ein internationales Großprojekt auf Jahrzehnte im Voraus kalkulieren zu können. Totaler Blödsinn.

    Die einzigen Fragen die sich mir stellen: wollen wir es? ist es technisch machbar? kann man einen groben Kostenrahmen angeben?

    Ich persönlich würde alle drei Fragen mit ja beantworten.

    Um Kollegen wie den Herrn Scheer zu überzeugen, würde ich das Projekt offen planen, so dass auch kleinen Leute reininvestieren können. Oder private Gesellschaften das in Afrika gepachtete Land ebenfalls vollbauen können und Leitungskapazität mieten. Ich mag die großen Konzerne ja auch nicht, aber daran sollte eine solche Zukunftsvision nicht scheitern.

    • 14.07.2009 um 10.51 Uhr
    • Gafra
    3. Also, ich bin

    auch nicht begeistert, wenn das altbekannte Oligopol wieder den größten Teil der Stromerzeugung zur eigenen Bereicherung nutzt.
    Wenn die südlichen Mittelmeerländer ihren Energiebedarf damit decken und zur eigene Weiterentwicklung nutzen können, wunderbar. Aber auch das funktioniert letztlich nur, wenn das nicht in quasi-kolonialistischer Manier geschieht.
    Dezentrale Stromerzeugung hierzulande finde ich aus ökologischen und ökonomischen Gründen besser, ökonomisch natürlich vorwiegend für die Verbraucher.

  2. 4. Ausgerechnet

    Scheer, der Lobbyist aus Ypsilantis Schattenkabinett. Eine ebenso zwielichtige wie unangenehme Figur.

    http://www.welt.de/welt_p...

    Es ist natürlich klar, daß er ein Projekt, das seinen eigenen Pfründen
    zuwiderläuft natürlich nicht gutheißen kann. Das investierte Geld sähe er natürlich lieber bei seiner EURO-SOLAR., schließlich ist seine Frau dort Geschäftsführerin.

  3. 5. Ohne wenn und aber:

    Sie bringen es auf den Punkt!

    Bin mal gespannt, welches Gegenmodell die mächtigen Stromkonzerne auf die Dezentralisierung haben. Vielleicht sind irgendwann die Stromkosten kleiner, als die zu entrichtenden Gebühren für dezentral erzeugten Strom...

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