Leserartikel-Blog

Chinesisches Fackelmädchen in Paris

Das Mädchen auf dem Foto verlor ihr rechtes Bein wegen eines Tumors, als es erst 9 war. Für jeden Menschen ist ein solches Schicksal hart, geschweige denn für ein junges Mädchen. Aber sie hat dadurch ihre Leidenschaft am Leben nicht verloren. Im Gegenteil lebt sie mit Mut und Optimismus. Jahrelang trainierte sie als Amateur-Fechterin und erwarb schon einige Medaillen bei Wettkämpfen. Im letzten Jahr, als in China Freiwillige für Vorbereitung und Durchführung der olympischen Sommerspiele 2008 in Beijing gesucht wurden, hat sie sich, genau wie Millionen anderer Menschen, gemeldet. Sie überstand mehrere Auswahlrunden, und endlich ergriff sie das Glück. Überglücklich war sie. Auch darüber, dass sie die olympische Fackel durch Paris, eine wunderschöne Stadt, tragen durfte. Vorher war sie noch nie in Europa. Als sie aber dort ankam, noch bevor sie die Schönheit der Stadt mit ihren eigenen Augen genießen konnte, wurde sie schon von der Gewalt begrüßt. Sehen wir uns das Foto genauer an: Dieser kräftige Mann versucht, ihr die Fackel zu entreißen, sie hält sie mit all ihrer Kraft. Später sagte sie, dass mehrere Menschen versuchten, ihr die Fackel zu rauben. Am schlimmsten war es, als es plötzlich 3 bis 4 Männer zusammen versuchten. Sie wurde auch geschlagen.Das passierte in der „zivilisierten Welt“. Obwohl die westlichen Medien zurzeit übertrieben über Proteste gegen China berichten, wurde diese sensationelle Szene den Menschen merkwürdigerweise nicht gezeigt. Diese brutale Aktion – der Angriff auf eine junge, zarte weibliche Behinderte – verschwiegen alle westlichen Medien, die sich selbst immer als unabhängige Vertreter der Gerechtigkeit betrachten. Man fragt sich, warum sie hier mit Doppelmoral handeln? Nur weil die junge Frau eine Chinesin ist? Sind nicht alle Menschen gleich?Angeblich protestierten die Demonstranten für Menschenrechte, für Freiheit und gegen Gewalt. Was das 27-jährige Mädchen anbetraf, stimmt dieser Appell leider nicht mit der Wirklichkeit überein. Sollte man sich nicht schämen, eine junge behinderte Frau, die Mut, Selbstbewusstsein und Sehnsucht mit Optimismus nach Leben präsentiert, zu schikanieren? Ist es nicht abscheulich und verächtlich, eine friedliche Veranstaltung solcher Symbolik zu stören und sensationell offen darzustellen, was den primitiven, scheußlichen menschlichen Instinkt zeigt? Seit März diesen Jahrs berichten die westlichen Medien leidenschaftlich über Tibet und die Proteste gegen die olympischen Sommerspiele 2008 in Beijing. Für alle Kleinigkeiten, die China eventuell schaden können, interessieren sich die westlichen Medien enorm. Anscheinend sind sie nur dafür da, solche negative Sachen zu berichten. Fairerweise muss man sagen, dass die westlichen Journalisten diese ihre Arbeit hervorragend leisteten, weil der Eindruck, dass China ein Dämon ist, der die Menschenrechte im eigenen Land nicht achtet, die Religionen verfolgt, die tibetische Kultur ruiniert usw. usf., auf die Europäer tief und unauslöschlich wirkt. Ich erinnere mich an eine ZDF-Moderatorin, die einfach aus dem Bauch heraus sagte, dass die Menschenrechte in China täglich mit Füßen getreten würden. Meint sie wirklich Menschenrechte? Wenn ja, sollte sie erklären, warum die meisten Chinesen freiwillig hinter der Regierung stehen und ihre Politik unterstützen. Dabei sollte sie auf keinen Fall annehmen, dass diese Menschen genau so leichtsinnig sind wie sie.Ich stamme aus China und bin meinem Mann zuliebe in Deutschland geblieben. Durch 15 Jahre Aufenthalts in Deutschland sowie meine intensive Beobachtung der deutschen Lebensweise kenne ich die deutsche Kultur gut. Mich interessiert der Unterschied zwischen beiden Kulturen ganz besonders, vor allem die dahinter stehenden Ideologien. Deswegen kann ich mit Recht über China und über Deutschland reden.China ist ein Land, in dem der konfuzianische Geist das alltägliche Leben dominiert. Auch die kommunistische Partei ist konfuzianisch geprägt, was sie sicherlich von europäischen kommunistischen Parteien unterscheidet. Auf der chinesischen Verhaltensebene spielt „der Mittelweg“, der Kern der konfuzianischen Lehren überhaupt, eine große und wichtige Rolle. D.h., dass man sich genauso wenig zu weit „rechts“ wie zu weit „links“ von diesem Mittelweg entfernen sollte. Insofern wird jedes extreme Verhalten in der chinesischen Gesellschaft schlecht angesehen. Dass Chinesen die tibetische Kultur ausrotten wollen, ist daher in der Tat unsinnig. Man nutzt dieses Gerücht nur für politische Erpressung und heizt die Gesellschaftsstimmung auf. Dabei spielen vernünftige Gründe wie Gerechtigkeit oder Wahrheitsliebe keine Rolle mehr.Es gibt 56 Nationalitäten in China. Jedes chinesische Kind lernt von klein auf, dass alle Nationalitäten wie Geschwister in der großen Familie China harmonisch zusammen leben sollten, was ebenfalls dem Konfuzianismus entspricht. Die nationalen Minderheiten sind in China nicht benachteiligt, sondern im Gegenteil in vielen Bereichen sogar privilegiert. Das ist ein Grund dafür, warum Kinder die nationale Identität von dem Elternteil bevorzugen, der einer nationalen Minderheit angehört. Mittlerweile gehören nur noch ca. 90% der Bevölkerung zu den Han-Chinesen, für die 55 nationalen Minderheiten gelten nämlich nicht die Regelungen der Familienplanung. Von allen Nationalitäten sind die Tibeter am meisten privilegiert. Z.B. studieren die tibetischen Studenten kostenlos; das Autonomiegebiet Tibet bezahlt kein Steuern, sondern erhält sogar finanzielle Unterstützung von der Zentralregierung. Von je 10 Yuan, die in Tibet ausgegeben werden, kommen mehr als 9 aus den Steuern der anderen Nationalitäten.China ist kein Land mehr, in dem Redefreiheit nicht existiert. Heut zu Tage können Chinesen sagen, was sie wollen. Allerdings besitzt jedes Land hinsichtlich der eigenen kulturellen, historischen und wirtschaftlichen Situation eigene Gesetze. Beispielweise dürfen Amerikaner Waffen kaufen und tragen, was in Deutschland eher nicht erlaubt wird. Es wäre nicht gerechtfertigt, dass ein Land von den anderen arrogant und grundlos angeprangert wird, nur weil es nach eigenen Gesetzen die eigenen Angelegenheiten behandelt.China ist immer noch ein Land, in dem die Propaganda genau wie im Deutschland „einseitig“ ist. Aber der Unterschied zwischen beiden Ländern ist, dass die chinesischen Medien fast nur über die positiven Seiten eines anderen Landes berichten, während die deutschen mehr die negativen in den Blickpunkt rücken; deswegen steigt bei Chinesen die Sympathie mit dem fremden Land durch die Medien, bei Deutschen sinkt sie eher. Das erklärt den Effekt, warum die Deutschen oft in ihrem Gehirn ein verdrehtes Bild von vielen Ländern haben wie z.B. von China.Weil die Deutschen sehr tief von der einseitigen Propaganda geprägt sind, ist es sehr schwer für sie, die Wahrheit über China zu akzeptieren. Das erlebe ich häufig persönlich. Für die Deutschen bin ich von den chinesischen („kommunistischen“) Medien so zu sagen gehirngewaschen. Dabei bedenkt niemand, dass ich seit 1993 in Europa lebe und täglich durch die deutschen Medien das Geschehen in aller Welt erfahre. Immer bin ich, ausschließlich nur ich, einseitig „falsch“ informiert. Ist das deutsche Logik?Das heilige Prinzip des Journalismus ist doch, unvoreingenommen und objektiv zu berichten. Allerdings verstoßen die westlichen Medien (wirklich pauschal) beim Thema China oft rücksichtlos gegen dieses Prinzip, besonders jetzt bei den Berichten über die Unruhen in Tibet. Nicht nur, dass sie nicht die Wahrheit berichteten, sie bastelten sogar (mindestens schwer fahrlässig) falsche Bilder, um die Gerüchte noch sensationell weiter zu verbreiten, wodurch Hass und Konflikte verstärkt werden. Das ist eine höchst brutale Missachtung ihres Berufs, eventuell sogar ein Verbrechen!Vielleicht werden alle Menschen fragen, warum die westlichen Journalisten beim Thema Tibet die Wahrheit nicht berichten wollen. Es gibt ja genug Videofilme, gedreht von Touristen wie Südkoreanern, Japanern, Europäern, sowie entsprechende Berichte. Wir wissen, dass Ihr Europäer uns Chinesen Berichte aus China nicht glauben wollt, aber warum gilt das auch für Berichte von Nicht-Chinesen? Außerdem waren etliche europäische Journalisten und Diplomaten nach den Unruhen in Tibet. Sie haben mit eigenen Augen die ruinierten und verbrannten Geschäfte, Banken, Schulen und Krankhäuser gesehen, auch persönlich die geschlagenen Menschen in den Krankhäusern besucht. Selbst das wurde hier nicht gezeigt. Wir möchten gerne die Frage stellen: Was ist der wahre Grund, der die Journalisten so scheu und ängstlich macht? Leben sie nicht in einem demokratischen Kontinent, kennen sie keine Redefreiheit?Das unverschämte Verhalten der westlichen Journalisten, ihre Verleumdungen gegenüber China haben die im Ausland lebenden Chinesen äußerst erzürnt (Die Inlandschinesen wissen das noch wenig wegen der Vertuschung der chinesischen Regierung, die ja versucht, Konflikte und Feindseligkeiten zu vermeiden. Das ist wieder die konfuzianische Verhaltensweise!). Generell kann das chinesische Volk wegen der konfuzianischen Erziehung sehr viel ertragen, diesmal aber nicht mehr. Die westliche Welt geht zu weit, viel zu weit, selbst Menschen, die nur ein bisschen Gewissen haben, können nicht mehr ruhig bleiben. Sie gehen auf die Straßen und protestieren gegen diese Ungerechtigkeit. Wieder wurde das nicht in den Medien gezeigt. Aber wenn es Proteste gegen China gibt, berichten die Journalisten sofort. Welche Strategie verfolgen die Medien?Sicherlich wundern sich etliche nette Menschen über ein solches Benehmen. Sie verstehen wahrscheinlich auch nicht, warum der Westen einfach so, unverschleiert und hemmungslos, China diffamieren kann. Darum sollten wir die westlichen Journalisten sowie Politiker bitten: Könnten Sie uns Ihr wahres Motiv verraten?Andere zu verleumden, ist abscheulich und kann nicht von einer zivilisierten Welt akzeptiert werden. Manche Menschen wollten durch die Störung des olympischen Fackellaufes sowie die ungerechte Berichterstattung der westlichen Medien China sein Gesicht verlieren lassen. Sie haben genau das Gegenteil erreicht. Nicht China hat sein Gesicht verloren, sondern die westlichen Länder, allein wegen ihres Verstoßes gegen die Gerechtigkeit und der erniedrigenden Verleumdungen. Dagegen ist China der größte Gewinner: 1.4 Milliarden Chinesen, darunter viele Millionen Auslandschinesen, unabhängig davon, welchen Pass sie besitzen, halten so eng zusammen wie noch nie in der Geschichte; Chinesen, vor allem die jungen Menschen, glauben nicht mehr an eine Gerechtigkeit des Westens, auch nicht mehr an die dort propagierten Menschenrechte. Vorher war der Westen ihr Vorbild. Was für eine brillante Leistung hat der Westen vollbracht! Die chinesische Regierung hätte das nie schaffen können. Hier erinnere ich mich an eine chinesische Redewendung: Der Stein, mit dem Du Andere bewerfen willst, wird Dich selbst verletzen. In Europa heißt es: Wer Wind sät, wird Sturm ernten.Neid macht krank, das ist eine deutsche Redewendung. In der heutigen Zeit ist unsere Welt unter der Führung des Westens globalisiert. Dabei sollte jedes Land – ausnahmslos – Respekt gegenüber Anderen und ein harmonisches Leben mit Anderen lernen. Insbesondere sollten die westlichen Länder die Fakten akzeptieren: Jedes Land hat das Recht, seine Wirtschaft voranzutreiben, seinem Volk ein wohlhabendes Leben zu ermöglichen; auch hat es das Recht, sich für eine Ideologie selbst entscheiden zu können. Die koloniale Zeit ist längst vorbei. Die Welt kann nicht für immer nur vom Westen bestimmt werden. China ist nicht das einzige Land, das weiter voran gehen will. Da gibt es noch Brasilien, Indien, Russland, Vietnam, Indonesien, Südafrika, Türkei, Argentinien, um nur einige zu nennen. Der Westen muss sich daran gewöhnen, mit allen anderen Ländern als gleichberechtigte Partner zu kommunizieren.Zum Ende: Konflikte wollen wir nicht, Frieden, Respekt und Harmonie wünschen wir von Herzen. Lieber Westen, seid Ihr bereit dazu?