OVERKILL
Medialer Overkill
oder
overnewsed but underinformed?
wir haben die ZEIT zum Verkopfen der WELT,
bestaunen uns im SPIEGEL mit selbstgefertigter Sonnenbrille;
im immer gleichen FOCUS beschauen wir unser NEUES DEUTSCHLAND,
haben keine Scheu vor Scheuklappen bei unserer RUNDSCHAU,
von unserem STERN machen wir uns das immer gleiche BILD, das wir dann
in den TAGESTHEMEN der TAGESSCHAU jedes mal aufs Neue ueberrascht begaffen.
Und was dort nicht reinpasst,
wird in vorauseilendem Gehorsam
ganz schnell rausgepisst.
Gutsprech, natuerlich immer fuer den guten Zweck
in Kuburma und in Frankenland.
Zur Not werden politisch inkorrekte Autoren mit sprungbereiter Empoerung
real oder medial
hingerichtet.
Am Westweltbild soll die Welt genesen?
Ob die schwarz gelben da vor Froide weiss werden?
Der Kubaner weiss,
was in den Medien ist, ist Mist.
Ganz ohne Arglist
ihn der Deutsche frisst?
Schreiber auf dem Strich des Mainstreams.
Wo aber ist Platz für den GegenStrich?
Oh TeleSprech:
Wer weiss was Anne Will? Woechentliche
Abziehbilder televisionieren?
Und Beck & Kernermann
rutschen so niedlich der eigenen Schleimspur entlang.
Immerhin, in den UnterschichtsSprechschaun da kracht
und scheppert gelebtes Leben,
keine immer gleichen Sprechblasen
vor verspiegelten Sonnenbrillen.
Nur Sysiphos findet die Nadeln im Heuhaufen bunter Bilder.
Was man schwarz auf weiss besitzt, kann man
ungetrost nach Hause tragen.
Scheinblueten auf Magerwiesen,
unheilige Einfalt in trostloser Vielfalt.
Ach wuerde diese doch nur halten,
was sie so scheinheilig verspricht.
Immer noch ist lechz FAZ und rinks TAZ.
Aber was ist schraeg oben und dort oestlich so gelb?
Wie waers mit:
Die angewaxene Sonnenbrille wegsprengen,
raus in die Welt
und sie auf dem Kopf stehend betrachten,
zum Beispiel bei bruetender Hitze auf chinesischer Mauer.
Oder: Das Hirn mit einem Thai tauschen –
und dann mit den Ohren wackeln.
Uh, das braechte Leben ins Leben.
Dann doch lieber: Herr Ober, ein Bier und ein Klaren.
Bringen Sie mir die WELT.
Bald kommt die Tagesthemenschau, -
Bild unser, der du kommst aus dem Himmel,
in Ewigkeit
alles klar.
Na denn Prost,
denn:
Oh Trauer,
Oh Stolz,
besser als bei uns,
ist es nirgendwo.
Wir haben die ZEIT zum Beschauen der WELT,
bestaunen uns im SPIEGEL;
im FOCUS beaeugen wir unser NEUES DEUTSCHLAND,
machen uns mit FAZ und TAZ vom bunten STERN ein BILD,
haben keine Scheu bei unserer RUNDSCHAU
in den TAGESTHEMEN der TAGESSCHAU,
ODER?
kjg
hat mir mal richtig gefallen.
(kann ja auch 'mal vorkommen ;-)
Ich habe mir erlaubt, das Gedicht in Padina's Hitliste für zeitgenössische Internetgedicht als Neuvorschlag zu verlinken und die ersten drei Verse als Leseanprobe zu zitieren.
Dieter Porth
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