Leserartikel-Blog

Die Staemme Libyens

Es ist unglaublich mit welcher Naivitaet und komplettem Unwissen westliche Medien ueber den Libyenkonflikt berichten. „Gaddafi toetet sein Volk!“ Deutsche Medien scheint es unvorstellbar, dass in anderen Kulturen, andere, nicht demokratische Strukturen herrschen, die auch nicht demokratisierbar sind, weil alle Voraussetzungen fehlen. In Afrika wird nicht nach persoenlichen Interessen gewaehlt, wie sich das im Westen ueber 200 Jahre entwickelt hat, sondern nach Stammeszugehoerigkeit. Das heisst eine Wahl fuehrt zwangslaeufig dazu, dass der groesste Stamm den Oberbanditen stellt. Nicht ein Arbeiterfuehrer, Konservativer oder Sozialdemokrat kommt an die Macht, der quer durchs ganze Land gewaehlt wird, sondern der Chef des groessten Stammes, der auch die Armee korrumpiert hat. Man kann nicht holterdiepolter kurz einmal 200 Jahre demokratische Entwicklung ueberspringen. Weder in Afghanistan noch in Libyen. „Wir wollen Freiheit“ kann alles heissen. Das ist dem Westen noch nicht aufgegangen Die Freiheit, die ich meine, ist eine andere als die Freiheit, die ein afrikanischer Stammeschef meint.

Jedem, Redakteur, der ein bisschen Bescheid weiss, sollte klar sein, dass Libyien von Staemmen beherrscht wird. Das hat nichts mit Demokratie, sondern mit Feudalstrukturen zu tun. Der Stamm Gaddafis ist der wichtigste und einflussreichste im Lande, deshalb stellt er den Fuehrer, naemlich den irren Gaddafi. Die anderen Staemme werden ueber ein Lehenssystem bei Laune gehalten, wie weiland der deutsche Kaiser seine Fuersten ueber Lehen entlohnte. Gaddafi toetet also nicht das eigene Volk. Nein er bewaffnet sogar sein Volk, seinen Stamm,um die aufstaendischen Staemme zu bekriegen. wie der Kaiser gegen Goetz von Berlichingen zog, als der aufmuckte, und auch der spielte sein ganz eigenes Spiel.
Wenn nun libyische Konkurrenzstaemme zum Aufstand aufrufen, dann hat das mit Demokratie gar nichts zu tun. Wer ist euer Anfuehrer? „Allah!!!“, rufen die Aufstaendischen. Kommen diese Staemme an die Macht, werden sie den Gaddafistamm unterdruecken. Schiessen wir die dann auch weg?
In Libyen bei den Tuareg, einem „Oppositionsstamm“ gibt es heute noch Sklaverei. Toller oppositioneller Ansatz, aber eigentlich ein bisschen aus der Mode gekommen.
Natuerlich ist es lustig, den irren Gaddafi wegzubomben – wenn es denn klappt. Gibt es aber von den Gaddafi-feindlichen Staemmen (mit demokratischer Opposition hat das nix zu tun) irgendein Konzept ausser: Allah ist unser Fuehrer! Da habe ich noch nix gehoert.
Immerhin meint US-Senator Dick Lugar entwaffnend offen: "Wir haben wirklich noch nicht herausgefunden, wer das in Libyen ist, den wir zu unterstützen versuchen", sagt er auf CBS. "Offensichtlich sind diese Leute gegen Gaddafi. Aber wer sind die?" Man greift sich an den Kopf und kann es kaum fassen.
Da koennten die US mit mindestens dem gleichen Recht dreiviertel der afrikanischen und arabischen Regierungschefs wegbomben. Vielleicht sollten wir das auch tun, sich aber vorzustellen, dass dann Demokratie einkehre, ist dermassen naiv, dass es schon weh tut.

Man sollte denken, dass die westliche Presse minimalst aus dem Afghanistankrieg gelernt haette. Aber wie Afghanistan offensichtlich nicht demokratie-, ist ein Grossteil der westlichen Presse eben nicht lernfaehig. Deshalb wird Afghanistan bald wieder von den Taliban beherrscht werden. In Deutschland wird es weiterhin nicht zu Erdbeben aber immer und immer wieder zu Gefuehlsbeben auf der nach oben offenen Richterskala kommen, heissen die Beben nun hysterisch durch & durchgekauter GAUgummi, Islamophobie oder Saddam- und Gaddafihysterie.

Da hilft nur noch
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Beten fuer den Frieden

Wenn die Ex-Bischoeffin Margot Kaessmann fuer den Frieden betet, dann hofft sie ja, dass ihre Wuensche erhoert werden. Das bedeutet, nicht nur dass Gott die Welt lenkt oder beeinflusst, sondern auch, dass sie glaubt durch Beten Gott so beeinflussen zu koennen, dass Gott die Welt in ihrem Sinne lenkt. Sonst braeuchte sie ja nicht zu beten.
Darueberhinaus denkt Kaessmann, ihre Wuensche waeren die richtigen. Gott soll ja sie erhoeren und nicht die Anderen, die vielleicht das Gegenteil erbeten. In einem Interview mit der ZEIT spricht sie ueber die Hybris der Menschen.Vielleicht waere es besser, sie begaenne erst einmal ueber ihre eigene Ueberheblichkeit nachzudenken.
In Libyen beten 2 Stammesverbuende um den Sieg ueber den anderen, Kaessmann betet fuer den Frieden. Wer hat jetzt recht? Welcher Gott wird wen erhoeren, und damit die Welt lenken. Und wenn ein Gott die Welt lenkt, wo lenkt er sie hin? Ich bin gespannt.