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Viel Lärm um Nichts: Google Street View

Na, da haben einige Politiker ein hervorragendes Thema gefunden, im das Sommerloch zu füllen: das von Google geplante Projekt „Street View“.

Es wird – nicht nur von Politikern – so getan, als ob das ein Verbrechen wäre, was Google da plant. Von Verletzung der Privatsphäre wird da geredet, der Datenschutz sei gefährdet und was weiß ich noch sonst alles. Und diesmal sind sich sogar die Regierung und die Opposition einig in ihrem Widerstand gegen diesen neuen Dienst und einige von ihnen, so die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner und der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Thomas Oppermann sowie Hans-Christian Ströbele verkündeten medienwirksam, dass sie Widerspruch gegen die Abbildung ihres Hauses einlegen werden. Ströbele findet dieses Projekt sogar ungeheuerlich.

Gut, jeder, nicht nur Politiker, kann auf Antrag sein Haus unkenntlich machen lassen - übrigens ein Entgegenkommen von Google, einen rechtlichen Anspruch darauf gibt es nicht.

Diese ganze Aufregung verstehe ich nicht, denn was ist an „Street View“ eigentlich so verwerflich? Was ist bedenklich daran, dass im Internet ältere Aufnahmen - teilweise bis zu zwei Jahren alt - zu sehen sind, auf denen das Haus, in dem ich wohne, abgebildet ist? Das kann auch jeder beim Vorbeigehen- oder fahren fotografieren. Außerdem ist das schon lange in „Google Maps“ zu sehen.

Mich stört es auch nicht, wenn auf einer Aufnahme mein Auto zu sehen sein sollte. Denn was hat jemand davon, wenn sie oder er weiß, dass ich mich vor ein paar Wochen oder Monaten mal in der X-Straße in Dingeskirchen aufgehalten habe?

Und selbst, wenn mein Gesicht zu sehen sein sollte, ja und? Es gibt bestimmt auch Urlaubsfotos mir fremder Leute, die mich beim Fotografieren unabsichtlich mit aufgenommen haben. Dann weiß die Welt halt, falls eines dieser Fotos im Internet auftauchen sollte, dass ich mal auf Amrum war.

Dass sich gerade Politiker so über Street View aufregen, finde ich übrigens reichlich unglaubwürdig. Sie begründen ihren Protest unter anderem damit, dass das Recht auf informationelle Selbstbestimmung gewahrt sein müsse. Merkwürdig, bei der Erfindung der Hartz IV-Regelungen ist dies offensichtlich nicht so wichtig gewesen. Da werden Bürger bis auf die letzte Körperzelle durchleuchtet, müssen alles und jedes offenlegen, Wohnungen werden durchsucht, ob nicht eventuell doch eine Zahnbürste von einer anderen Person zu finden ist – wie sieht es denn hier mit der Verletzung von Persönlichkeitsrechten aus?

Oder die Körper- und Gesichtsscanner, die eingeführt werden sollen, die Fingerabdrücke in den Personalausweisen – das ist angeblich alles in Ordnung. Auch, dass es den USA möglich ist, Auslandsüberweisungen von EU-Bürgern zu überwachen, wird von der Politik geduldet, weil offensichtlich jeder, der Auslandsüberweisungen vornimmt, erst mal bis zum Beweis des Gegenteils ein Terrorist ist. Unter dem Deckmantel der Gefahrenabwehr lassen sich halt prächtig Persönlichkeitsrechte und Datenschutz aushebeln.

Aber auch den Protest der Bürgerinnen und Bürger verstehe ich nicht. Durch die sogenannten Payback- und Kundenkarten sind sie für die Anbieter und die teilnehmenden Geschäfte praktisch gläserne Kunden, es werden in sozialen Netzwerken Fotos gezeigt und persönliche Dinge bekanntgegeben, aber über eine weitere Dienstleistung von Google regen sie sich auf. Obwohl doch bekannt sein müsste, dass diese Anbieter sehr speicherfreudig sind und mit Leidenschaft Daten sammeln.

Glaubt wirklich jemand, dass Einbrecher oder andere obskure Gestalten „Street View“ dazu nutzen werden, um ihre Raubzüge vorzubereiten? Das ist doch Mumpitz.

Ich empfehle den Damen und Herren Politikern, sich mal über die wirklichen Probleme in Deutschland Gedanken zu machen, damit wären sie mehr als ausreichend beschäftigt.

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Leser-Kommentare
  1. 1. Es geht mir ums Prinzip

    Die Sache ist ganz einfach. Wenn ich Fotos bei Facebook einstelle, ist das meine Entscheidung. Wenn Google meine Daten nutzt, um damit Geld zu verdienen (um nichts anderes geht es Google), müssen sie mich vorher fragen und mich gegebenfalls angemessen an ihren Profiten beteiligen. Tun sie es nicht, lege ich Widerspruch ein. Meine Entscheidung. Genau wie es meine Entscheidung ist, welche Daten ich von mir preisgebe. Und nicht eine Entscheidung eines amerikanischen Milliardenkonzerns.

    Ihnen sollte klar sein, dass Google Daten nicht aus Jux und Dollerei sammelt, sondern wirtschaftliche Interessen damit verfolgt. Und dass kann zu Ihren Lasten gehen. Sie sollten also etwas weiter denken. Übrigens ist das Thema in anderen Ländern ähnlich heiß diskutiert worden, nur haben sich die Verbrauchministerien dort nicht so engagiert, wie hier. Sie sollten froh sein, dass das hier passiert und wir nicht kritiklos alles schlucken, was Google uns einschenken will.

    • 12.08.2010 um 20.55 Uhr
    • GEBE
    2. Es kann ja ein jeder ...

    ... Haus- und Grundstücksbesitzer bei "Google" schriftlich Widerspruch einlegen. Selten so gelacht!
    Was wird "Google" wohl mit den Daten machen? Hä?

  2. 3. Ich finde die Aufregung auch übertrieben

    Ich persönlich finde z.B. die Anwendungen "Google Maps" und "Google Earth" sehr erfreulich und habe bei letzterer auch schon fleißig gezoomt, um herauszufinden, was (oder wer?) denn da bei meiner Mutter im Garten oder bei meinem Kumpel auf dem Balkon herumsteht/sitzt/liegt, und mit genauso viel (wenn auch kurzem) Vergnügen würde ich wohl auch durch die "Google Street Views" surfen.

    Die diesbezüglichen Befürchtungen empfinde ich als diffus und vermag sie nicht recht nachzuvollziehen. Es handelt sich ja nicht um eine permanente Videoüberwachung (die bleibt anderen Institutionen exklusiv vorbehalten, was ich viel eher problematisch finde), sondern um Momentaufnahmen - also was sollen Einbruchsplanende oder Stalkende davon haben? (Ganz abgesehen davon, dass es für Gestalkte sicherlich auch angenehmer wäre, wenn die sie Verfolgenden ihr unangemessenes Geschäft vom heimischen Rechner aus betrieben...)

    Gut: dass es dem Einen oder Anderen peinlich sein könnte, z.B. beim Betreten eines Bordells oder einer anderen ihm (von wem und warum auch immer) ankreidbaren Tätigkeit verewigt zu werden, ist verständlich - aber da soll ja angeblich Vorsorge getroffen werden.

    Teilen kann ich allenfalls das Unbehagen, dass solche "Dienste" ohne vorherige öffentliche Debatte und vor allem von privatwirtschaftlichen Organisationen einfach in den virtuellen Raum gestellt werden - aber das ist m.E. ein anderes, grundsätzlicheres Problem.

    http://misanthrope.blogge...

  3. 4. Die verdeckten Häuser werden dann von de

    ... richtig schön fotographiert und natürlich ins Netz gestellt. Dumm wenn das Internet in der Realität ankommt!

  4. 6. ... Kommunen...

    ... ich meinte natürlich, dass die Kommunen und Städte Google noch nicht zur Kasse gebeten haben!!! ;)

  5. 7. Caiman77

    Ich habe es an anderer Stelle schon gesagt und ich wiederhole mich in dem Fall gerne. Sie sollten einfach hellhörig werden, wenn Google derart viel Geld in die Hand nimmt, und so eine Monsteraufgabe aufsich nimmt. Da ist richtig viel Geld drin. Und das wollen Sie ungefragt einfach so über sich ergehen lassen und nichts davon abhaben, nur um am PC ein wenig in den Vorgärten ihrer Nachbarn rumzuschnüffeln? Ich nicht. Wenn da so viel Geld im Spiel ist, will ich meinen Teil davon abhaben für meine Daten, die ich Google zur Verfügung stelle. Wenn nicht, dann bleiben meine Daten mein Eigentum.

    Es ist alles eine Frage des Preises. An meiner Häuserwand kann man gerne Werbeplakate aufhängen, aber eben nicht umsonst. Und so verhält es sich mit Google-Street-View. Fotografiert meine Haus, nutzt meine Daten und bezahlt mich anständig dafür. Plain & Simple. Um nichts anderes geht es mir.

  6. 8. ...na gut...

    ...Ihre Ansichten muss ich nicht teilen, aber respektieren. Deshalb haben Sie ja die Möglichkeit, Einspruch einzulegen und ich komme hoffentlich in den Genuss, mir viele andere Orte in Deutschland und dem Rest der Welt anzuschaun. Es sei denn, die Hürden und die Forderungen mancher in Deutschland werden so hoch gestellt, dass es sich für Google nicht mehr rentiert (denn darum geht es allen Wirtschaftsunternehmen hier und im Rest der Welt, da sie sonst den Laden dicht machen können). Immerhin kann ich mir die Ecke in Spanien dann noch anschauen, wohin ich in Urlaub fahre... ein großteil der Menschen ist nämlich interessiert an fortschrittlichen Technologien und Möglichkeiten... es gibt soviele wichtigere Dinge, für die man auf die Barrikaden gehen sollte... das Beispiel der Rüstungskonzerne ist nur eines von vielen. Da haben aber anscheinend einige Wichtige kein Interesse dran

    • 13.08.2010 um 22.00 Uhr
    • GEBE
    9. Wie wär' es damit?

    Am Gartenzaun mit Bandenwerbung noch ein paar Euros nebenbei generieren!
    Macht keine Arbeit und mindestens die Kosten für die Grillfeten und den neuen Rhododendron sind übers Jahr wieder drin.

    So geht Kapitalismus!

  7. 10. Street-View viel Lärm am falschen Ort

    Was wird gegen Google Street View vorgebracht?
    - Verstoß gegen das Recht am eigenen Bild: Unfug, die Fassade von Häusern ist öffentlich, ja, sie hat den Zweck, sich öffentlich zu präsentieren. Google hilft dabei - why not?
    - Google zahlt nichts dafür: Stimmt, aber welchen Nutzen zieht Google aus dem Bild eines einzigen Hauses? Selbst ohne Berücksichtigung der Verwaltungskosten wären es höchstens einstellige Cent-Beträge - auf solche Zahlungen verzichte ich gerne.
    - Einbrecher planen damit Raubzüge: Unfug, fast alle Einbrecher sind Spontantäter und die wenigen die planen, nutzen eine effektivere Methode als sich grobpixelige Fassadenbilder anzugucken: Sie horchen Versicherungsmitarbeiter aus. (Das Einbrecherargument liesse sich eher noch gegen Google Earth bzw. Maps/Satellitenbilder verwenden: Hier sind Einblicke in den Hof möglich, also sichtgeschützte Terrassen, Fluchtwege etc.)
    Warum also die Aufregung? Ich vermute Unsicherheit durch ein grundsätzliches Unverständnis der Möglichkeiten und Gefahren in Computernetzen. Das führt mal zu übertriebener Ablehnung, mal zu unbegreilichem Leichtsinn. Einige Beispiele:
    - Soziale Netzwerke: Wer möglichst genau 'passende' Partner sucht, muss entsprechend detaillierte Informationen über sich selbst veröffentlichen. Stellen wir uns vor, dies geschähe auf eines Anschlagbrett auf dem Marktplatz - würde man dort das selbe hinschreiben? Wohl kaum - der Computer zuhause gaukelt eine Intimität vor, die nicht existiert - nicht existieren kann, denn sonst würden diese Netzwerke gar nicht funktionieren. Trotzdem heisst es, das wäre ja nicht schlimm, denn die Leute tippen ihre Geheimnisse ja völlig freiwillig ein.
    - Kinderpornos: Wer die im Internet bestellt, vertraut so sehr auf die vorgegaukelte Intimität, dass er sogar strafbare Handlungen riskiert.
    Nach zwei Beispielen für Leichtsinn nun das Gegenteil: Die Street-View-Hysterie. Leute, entspannt euch. Wegen der Fassade eures Hauses wird euch kein Personalchef aus der Bewerberliste streichen, eher wegen der Fotos von alkoholgetränkten Partys auf Facebook.

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