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too big to fail - Ausgleich für politischen Zugzwang

Die wichtige Einschränkung vorab: Die große Antwort liefert dieser Artikel nicht. Aber die Frage erscheint mir wichtig - vielleicht entwickeln sich durch Kommentare Ansätze einer Antwort.

Vielfach ist die Risikoasymmetrie der aktuellen Marktwirtschaft kritisiert worden: Manager richten aus egoistischer Risikolust gigantische Schäden an, die der Steuerzahler beseitigen darf. Unternehmen gehen irrationale Wagnisse vielleicht auch deshalb ein, weil die Neigung des Staates, Arbeitsplätze zu "retten" als Netz in den worst case eingerechnet wird. Manche (auch Aktienkurs-)Gewinne sind überhaupt nur deshalb möglich, weil man Unternehmen gestattet, Schäden zu riskieren, für die sie gar nicht geradestehen können.

Für den Aktionär gibt es eine untere Grenze: Schlimmer als wertlos kann es für ihn nicht werden. Mit diesem fatalistischen Gedanken kann man das Risiko dann beliebig ausweiten. Es rechnet sich für ihn. Mal abgesehen davon, dass der Aktionär von heute nicht der von morgen sein muss.

Das geflügelte Wort lautet: "Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert." Dass das unbedingt zu vermeiden ist, ergibt sich nicht nur aus Gerechtigkeitsaspekten, sondern auch - s.o. - der Risikoneigung. Der Staat kann nicht zulassen, dass sich auf seine Kosten für andere größere Risiken lohnen.

Ich denke deshalb, dass man rechtlich irgendwas machen muss, um Unternehmen, die der Staat nicht "einfach mal so" in die Insolvenz gehen lassen kann, aus dieser Asymmetrie herauszuholen (soweit dies praktikabel ist). Das Ziel muss sein, dass der Staat als unsichtbarer, quasi unbegrenzt haftender Mitgesellschafter, rechtzeitig Einfluss bekommt, um solchen Katastrophen vorzubeugen.

Das grundsätzliche Problem springt einen direkt an, lange bevor man sich mit Detailfragen befasst: Der Staat als Manager? Nicht schon wieder. Unternehmen mit Staatsbeteiligung neigen zu politisch opportunen, ökonomisch unsinnigen Entscheidungen. Das macht die Lösung so schwierig.

Ein Randproblem ließe sich vergleichsweise einfach lösen: Um den Aktionären, ebenso wie beiden Managern angedacht, mehr Verantwortungsbewusstsein für ihr Unternehmen einzuimpfen, könnte man die Besitzer ausreichend großer Anteile von Unternehmen oberhalb der "too big to fail"-Grenze verpflichten, mit einem Teil ihrer Verkaufserlöse dafür zu haften, dass der Kurs in der Folgezeit (1-2 Jahre) übermäßig sinkt. Das erzeugte ein großes Interesse an Tranzparenz und Nachhaltigkeit. Luftschlösser wären plötzlich gefährlich.

Der erste Schritt ist offensichtlich: Der Staat muss festlegen, welche Unternehmen too big to fail sind.

Der zweite ebenso: Der Staat bekommt nicht das Mitbestimmungs-, aber das Informationsrecht eines Vorstands oder Aufsichtsrats.

Danach wird es spannend: Natürlich darf dieser Ansatz keine Luftnummer sein. Der Staat müsste deshalb eine Art Risikoprämie festlegen können, falls das Unternehmen unbotsmäßige Risiken eingeht. Dazu zählt auch die Fixierung auf große Modelle bei Mercedes und BMW ohne Plan B. Diese Risikoprämie sollte aber (wegen Missbrauchsgefahr) nicht in den Steuersäckel wandern, sondern dem Unternehmen zugute kommen - sozusagen im Sinne des Risikos korrigierend investiert werden.

Inakzeptable unternehmerische Entscheidungen könnte man untersagen. Wenn jetzt gejammert wird, dass in der Folge der Karstadt-Insolvenz die Innenstädte veröden könnten, dann darf ein Unternehmen eben nicht so präsent werden, dass die Insolvenz zum bundesweiten Problem wird.

Alternative Ideen?

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Leser-Kommentare
  1. 1. Sehr wichtiger Hinweis von Ihnen!

    »Unternehmen gehen irrationale Wagnisse vielleicht auch deshalb ein, weil die Neigung des Staates, Arbeitsplätze zu "retten" als Netz in den worst case eingerechnet wird.«

    Sehr richtig bemerkt!

    Das Grundübel liegt darin, daß der Wohlfahrsstaat sich durch die von ihm geschaffene Anspruchsstruktur (mit der er ja regelmäßig auch wirbt, Devise: 'Wir lassen niemanden im Stich' etc.) dauerhaft selbst erpreßt und eigentlich, im Falle einer Unternehmensinsolvenz größeren Ausmaßes, realistisch nur zwei Optionen hat:

    Er kann durch Subventionen das Unternehmen vor der Pleite bewahren oder nachher die Arbeitslosigkeit der entlassenen Arbeitnehmer finanzieren.

    Die Auswahl besteht also zwischen a) viel zahlen und b) noch mehr bezahlen. Und schon haben wir den Grund für den vielfach beklagten moral hazard gefunden.

  2. 2. Oder?

    Ist zumindest nicht immer "oder". Sodern oft erst a) und dann b)

  3. 3. Es gibt...

    ... mehrere Ansätze dafür ein "To big to fail" zu vermeiden, deinen Vorschlag halte ich allerdings für nicht praktikabel. Staatsdiener als Risikoabschätzer, da gruselt mir. Eigentlich ist es imho auch Aufgabe des Aufsichtsrats solche Risiken zu vermeiden, offenbar ist dieser aber auch schon überfordert damit.

    Das beste wäre ein gepfeffertes Kartellrecht. Das jetzige ist imho ziemlich zahnlos. Leider ist es da wie mit allen gesetzlichen Vorschriften: sie lassen sich nicht umsetzen, solange wir bedingungslosen Freihandel und Kapitalfreizügigkeit haben und man per Ministerbescheid Beschlüsse des Kartellamts wieder aushebeln kann. Angeblich mit dem Ziel nationale "Global Player" zu züchten. Nationale "Global Player" haben nämlich immer automatisch den Nachteil, dass sie eigentlich zu groß sind, für den Nationalstaat der sie beherbergt.

    Dieser Weg ist also vorerst nicht gangbar, bleibt noch die Möglichkeit die großen Unternehmen einfach pleite gehen zu lassen und die Reste zu verscherbeln. Dazu braucht man aber eine soziale Absicherung die den Namen verdient, wenn plötzlich zig-tausende AN ihre Darlehen nicht mehr bedienen können und ihren Konsum auf nahe Null zurückfahren, dann kann sich jeder Fail sofort zu einer Staatskrise auswachsen. Darüberhinaus riskiert man die Vernichtung von Struktur, KnowHow und Marktanteilen des entsprechenden Unternehmens. Auch und gerade das wirkt sich auf globalisierten Freihandelsmärkten besonders hart aus, die Konkurrenz wartet nicht und wenn die Konkurrenz ausländisch ist, dann sind und bleiben die Arbeitsplätze für Deutschland verschwunden.

    Oder mit anderen Worten: solange wir nicht auch bereit sind Märkte und Kapitalbewegungen einzugrenzen, bleiben wir im Zugzwang und von den großen Unternehmen erpressbar. Und die werden einfach so weiter machen wie bisher. Leider kann ich weit und breit keinen Politiker erkennen, der diese Zusammenhänge verinnerlicht hätte. Auch die machen weiter wie bisher, wir zahlen ja ohne zu murren...

    • 13.07.2009 um 19.00 Uhr
    • hardob
    4. Da fällt mir doch gleich

    die Atommeilerindustrie ein. (Manche (auch Aktienkurs-)Gewinne sind überhaupt nur deshalb möglich, weil man Unternehmen gestattet, Schäden zu riskieren, für die sie gar nicht geradestehen können.) Deren Schäden und Endlagerprobleme sind in jedem Fall Allgemein(Staats)risiko, die Gewinne aber höchst privat.

    • 13.07.2009 um 21.29 Uhr
    • iDog
    5. unternehmerische verantwortung

    ist bei personenbezogenen firmen oder konzernen im familen- bzw. privatbesitz traditionell gesehen nicht nur eine ehrensache ( gewesen?), sondern auch in bezug auf eine haftung bei zu grossen risiken recht einfach zu beurteilen und daher wird sie im allgemeinen auch entsprchend wahrgenommen.

    bei nicht personenbezogen firmenkonstrukten von der gmbh (geldverschiebung mit bankrottaerem hintersinn) bis zur corporation ist die verantwortung soweit anonymisiert und durch einen meist unrealistischen oekonomischen glauben beeinflusst sowie einer rein profitmaximierender, arithmetischen wachstumslogik unterworfen, dass die risiken eigentlich fast immer zu hoch ausfallen muessen. die verantwortung der akteure bezieht sich hierbei aussschlieslich auf den zu erwirtschaftenenden gewinn- also auf genau diese hohe risiko. ist also auf der absichtsseite rein materieller natur und in bezug auf das systematische eine angestrebte globale marktherrschaft - also eine machtposition-, die uneingeschraenkte kontrolle des oder der maerkte verspricht. was daran nun wirklich und tatsaechlich so irrsinnig unrealistisch und unlogisch ist, moege der interessierte hier nachlesen.

    der selbstaendige unternehmer oder privatbesitzer einer firma ist vielicht im extremfall nicht besser, handelt aber in erster linie unweigerlich als mensch, der er nun mal ist, in dem bestreben seine existenz eben nicht mitsamt der firma im risiko zu verbrennen. zudem ist er auch juristisch voll haftender. vergegenwaertigen sie sich die abwicklung eines privatunternehmens gegenueber der einer corporation. vergleichen sie die feindliche uebernahme am aktienmarkt oder die fusion zweier corporations mit den aquisitionen bzw der investition eines privatunternehmens. das sind ganz klar zwei paar schuhe.

    corporationsind demgegenueber zwar juristische personen, haben somit die gleichen rechte wie ein lebender mensch, aber bei weitem nicht die selben pflichten. hier ist die verantwortung schon juristisch komplett ausgehebelt. dieses fuehrt dazu, dass die anonymisierte shareholdershaft sich bei vielen ihrer placements gar nicht rechenschaft darueber ablegt bzw ablegen muss, was ihr vermoegen eigentlich fuer katastrophen anrichtet. ein realistisches vorausschauen wird systgematisch einem haszardspiel geopfert.

    die ganze thematik der natur als selbstbedienungsladen kommt in diesem zusammenhang noch erschwerend hinzu. erst diese mit der corporate structure etablierte und legalisierte verantwortungslosigkeit laesst es wiederum dann in der folge noetig werden, dass recourcennutzung, unmweltschutz etc. ueberhaupt thematisiert werden muessen und letzlich natuerlich auch die lebensqualitaet selber als ganzes inklusive der moeglichkeit fuer den einzelnen ueberhaupt zu arbeiten in dieser systematisch sich monopolisierenden wirtschaftsstruktur unter dem diktat des verantwortungslosen wachstums unter einer "nach mir die sintflut" gesinnung und legislatur.

    im logischen schluss ist eine corporate structure mit ihren folgen die lizenz zum toeten, eine erlaubniss, welche sich einflussreiche kreise selber gegeben haben , ohne ruecksicht auf verluste reicher und dadurch noch maechtiger zu werden. selbstbeherrschung derselben mal aussen vor gelassen ....

    der staat als besicherungssystem des eigentums, aus dessen machtgefuege die so geartete wirtschaftsstruktur genannt kapitalismus als bastard geboren wurde, haftet mit oder gegen den willen seinen buerger und fuer die angerichteten schaeden, egal ob es sich dabei nun um eine monarchie klassischer auspraegung , eine faschistische diktatur oder eine sogenannte paralamentarische demokratie handelt, denn er, der staat, ist historisch allein dafuer verantwortlich, dass es diese wirtschaftsstruktur ueberhaupt gibt, dass sie juristisch legalisiert sich aller verantwortung komplett entziehen kann.

    in sofern ist die frage stellung im artikel leicht schraeg , wenn auch nicht falsch. aber die ursaechlichen zusammenhaenge in bezug auf was durch wen denn nun ermoeglicht wird ist vielleicht noch nicht ganz zu ende gedacht worden - oder will man es nur nicht zu ende denken?... natuerlich nicht nur hier in diesem thread freilich.

    die fragestellung an sich aber ermoeglicht uns eine allgemeine ernuechterung in hinblick auf unser wirtschaftssystem, dessen absicherung und rechtfertigung durch die staatsmacht und unsere ach so verschiedenen ideologischen illusionen, die wir uns landauf landab so dazu machen, welche aber insgesamt an diesem problem natuergemaess scheitern muessen, denn die basis liegt in fast allen faellen jenseits des denkbaren, kritisierbaren, und das waere eben besagte legalisierung der verantwortumngslosigkeit durch den staat, welche auch in einer "demokratie" nichts andere ist als der ueberkommene, sozialdarwinistische umverteilungs- und ausbeuterplan der herrschaft gegenueber seiner dienerschaft.

    die aufklaerung hat uns allen zwar beigebracht diese alles zu denken, aber aendern konnten wir es bislang noch nicht!

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