Gaza: der Westen und seine Medien als Kriegspartei
Leider ergibt die Berichterstattung und Analyse zu den Vorgängen in Gaza ein trauriges Bild mit Hinblick auf die Fähigkeit der westlichen Medien im Allgemeinen und der deutschen Presse im Besonderen mit aktuellen Themen neutral, journalistisch sauber und konstruktiv umzugehen.
Viele halten sich anscheinend noch heute an die Empfehlung, die Donald Rumsfeld ausgegeben hatte, um die Vormachtstellung des Westens, natürlich insbesondere der USA aufrechtzuerhalten und auszubauen: "24 Stunden Propaganda..".
Dass dies Vorgehen die Chance friedlicher Lösungen bereits im Ansatz unterminiert, scheinen bisher nur wenige zu begreifen: journalistische Einseitigkeit, wie sie anlässlich von Kriegen, bei denen der Westen zugunsten einer Konfliktpartei involviert ist, dominiert, ist ein kriegsunterstützendes Instrument: es geht um die Stabilisierung der Heimatfront gegen den gemeinsam erklärten Feind, der mit allen Mitteln dämonisiert wird.
Diejenigen im eigenen Lager, die für Entspannung plädieren und die Dämonisierung des Feindbilds versuchen zu entschärfen, werden beiseitegeschoben, ignoriert oder als Verräter gebrandmarkt.
Seit Beginn des Bludbads in Gaza galt dies für israelische Kriegsgegner, wie den Träger des alternativen Nobelpreises, Uri Avnery, ebenso, wie für den früheren US-Präsidenten Jimmy Carter oder den Strategen und Berater Obamas, Brzezinsky: beide wurden geschnitten, aus der Debatte geschoben, weil sie das Falsche zu sagen hatten, auf die Alternative von friedlichen Verhandlungslösungen hinwiesen und das aktuelle Blutbad für überflüssig und destruktiv erklärten.
Solche Stimmen will man nicht hören, wenn es darum geht, Gründe für ein Gemetzel zu liefern, das insbesondere bestimmt ist, um die Wahlchancen derer, die es betreiben, zu verbessern, wie es etwa der Leitartikler Lucas Zeise in der Financial Times erkannte. http://www.ftd.de/meinung...
Wer solche Stimmen, die Frieden, Entspannung, ein Ende der Gewalt befürworten, hörbar machen will, wird mit Zensur bestraft. Auch die mehr als 500 israelischen Wissenschaftler und Künstler, die ein Ende der Gewalt fordern, will man nicht hören: das Feld gehört den Kriegern, den Scharfmachern, denen, die die Unausweichlichkeit von Tod, Gewalt, Vergeltung und Vernichtung des Gegners und der kollateralen Opfer erklären und befürworten und die Spirale der Gewalt weiter auf Touren bringen.
Der aktuelle Krieg liegt insbesondere in der Verantwortung der europäischen Politiker, die sich mit großem Eifer ihre Hände in Unschuld waschen: sie sind es, die die Rahmenbedingungen für dies Horrorszenario kooperativ (mit)geschaffen und gestaltet haben und die sich bis heute nicht eines Besseren besonnen haben.
Die EU hat sich massgeblich an der Belagerung Gaza's beteiligt, obwohl dieser Akt gegen die Genfer Konvention verstösst: sie ist eine Kollektivbestrafung der Bevölkerung, die dadurch ausgehungert wird, deren schwerkranke Patienten aus Mangel an Behandlung und medizinischen Hilfsgütern sterben. Die zuständigen Politiker haben uns damit zurückversetzt in die Rationalität und Brutalität der mittelalterlichen Kriegführung, als die Belagerung von Städten zum kriegerischen Alltag gehörte. Und sie haben dies getan, um eine Regierung zu stürzen, die ausnahmsweise nach den Regeln der Demokratie, die man sonst immer gern im mittleren Osten fordert gewählt wurde. Damit erklären sie: "Demokratie: ja - aber nur, wenn uns das Ergebnis passt."
Die Argumentation zur Akzeptanz des israelischen Angriffs erfolgte mit der gewohnten kriegerischen Einseitigkeit, bei Unterdrückung der relevanten Vorgänge und Fakten: Merkel und Steinmeier haben die Tatsache, dass es ein Angebot der Hamas gab, den Waffenstillstand zu verlängern, beiseite geschoben und die Presse hat ihnen dabei geholfen, indem diese Dinge unterdrückt, nicht berichtet wurden.
Von der Hamas wurde (wie gleichzeitig von der israelischen Friedensbewegung gefordert), dass die - völkerrechtswidrige - Belagerung beendet wird.
Dies war / ist eine mehr als legitime Forderung, der sich die EU-Politiker offenbar widersetzten und deshalb selbst zur Kriegspartei gemacht, die die Tausende Opfer mitzuverantworten haben.
Hinzukommt: der Waffenstillstand war nicht von der Hamas, sondern von Israel gebrochen worden: die Waffenruhe war bis Anfang November eingehalten worden: seit Juni gab es in dieser Zeit nur 13 Raketenanschläge von (möglicherweise unkontrollierten) militanten Gruppen, im Unterschied zu mehr als 1000 Raketen im ersten Halbjahr.
Am 4. November startete die israelische Armee eine Kommandooperation, bei der 6 Palästinenser getötet wurden. Außerdem wurde ab November die Versorgung Gaza's stranguliert: man ließ in knapp 2 Monaten nur etwa 140 LKW durch zur Versorgung von 1,5 Millionen Einwohnern.
Es ging offensichtlich um Provokation der Palästinenser, ein Anheizen der Stimmung, um die Voraussetzung zu schaffen für die seit Sommer 2008 geplante Militäroperation, die wir nun beobachten.
All dies verschweigt man uns in den westlichen Medien fast durchweg, damit wir willig der Angreiferpartei folgen.
Die folgenden Berichte, Analysen und Dokumente belegen den Hintergrund, den uns die westlichen Medien vorenthalten und damit dem Blutbad ihren Segen geben:
Ex-US-Präsident Jimmy Carter: "Ein überflüssiger Krieg" http://media.washingtonpo... / http://www.truthout.org/0...
Hintergrundkommentar des UN-Sonderberichterstatters Richard Falk:
http://www.huffingtonpost...
Der aussenpolitische Berater Obama's und Stratege Jimmy Carters Brzezinsky: http://www.huffingtonpost... und http://airamerica.com/con...
Der frühere israelische Parlamentarier, Träger des alternativen Nobelpreises und Friedensaktivist Uri Avnery zu Gaza: http://www.uri-avnery.de/...
http://www.uri-avnery.de/...
Robert Fisk, ausgezeichnet als herausragendster britischer Auslandskorrespondent (Schwerpunkt Naher Osten) u.a. durch die New York Times:
"Warum sie den Westen so sehr hassen" http://www.independent.co...
http://www.independent.ie...
http://www.independent.co...
Nancy Kanwisher, Professorin am MIT, zum Verlauf der Waffenruhe in Gaza http://www.huffingtonpost...
Der Meinungsforscher James Zogby: warum die Verantwortung bei der westlichen Politik liegt http://www.huffingtonpost...
Aufruf / offener Brief von mehr als 500 israelischen Künstlern und Wissenschaftlern gegen die israelische Politik http://www.freegaza.org/e...
Naomi Klein zum Umgang mit der israelischen Politik www.meta-info.de?lid=32895 http://www.thenation.com/...
..ist doch wohl eher so, dass die Hamas auf die westlichen Medien zählen kann wenn es darum geht tote Zivilisten zu zeigen.
Natürlich ist diese Art der Berichterstattung legitim und notwendig, gleichzeitig ist sie aber für den technisch unterlegenen Gegner wertvoller als eine ganze Zugladung Panzer und ein Ansporn Zivilisten zu opfern.
Das gleicht eine Neigung der westlichen Berichterstattung bzgl. der Israelis, wenn tatsächlich vorhanden, doch locker aus.
So:
"Am 4. November startete die israelische Armee eine Kommandooperation, bei der 6 Palästinenser getötet wurden [...]"
oder so:
"On the basis of intelligence information, on the night of November 4 an IDF force entered the Gaza Strip to prevent an abduction planned by Hamas to be carried out through a tunnel under the security fence, about 250 meters inside Gazan territory. When the operation was over the IDF forces left the Gaza Strip. Six IDF soldiers were wounded, two of them seriously. During the action seven Hamas terrorist operatives were killed and number of operatives were wounded."
Fehlinterpretation:
"[...] der Waffenstillstand war nicht von der Hamas, sondern von Israel gebrochen worden [...]"
Es gab nie einen Waffenstillstand zwischen der Hamas und Israel. Der korrekte arabische Begriff dafür wäre "Hudna", eine (nach Gelehrtenmeinung) auf max. 10 Jahre begrenzte, verlängerbare, aber bindende Waffenruhe. Die Vorbedingung der Hamas für eine solche Vereinbarung ist ein Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967, genaueres siehe Agenda der Hamas.
Das tatsächlich auf Vermittlung der Ägypter ausgehandelte Abkommen war eine "Tahadiyah", eine "Zeit der Beruhigung". Diese ist zeitlich unbestimmt und kann, wenn die "Gläubigen" sich einen Vorteil davon versprechen, jederzeit gebrochen werden.
Einen Frieden zwischen "Gläubigen" und "Ungläubigen" sieht der Islam nicht vor.
Bin gespannt wie lange es noch dauert, bis auch die Taliban in diesem Forum als "Freiheitskämpfer" wieder salonfähig werden.
Im Machtkampf zwischen Fatah und Hamas sind übrigens nach Schätzungen über 600 Palästinenser getötet worden. Wie es scheint sollen aber derlei "Familienstreitigkeiten" nicht in aller Öffentlichkeit breitgetreten werden.
MfG
Von dem, der annahm, dass er einfach etwas behaupten muss, damit andere diese Behauptung als bare Münze nehmen...
Denn:
"Einen Frieden zwischen "Gläubigen" und "Ungläubigen" sieht der Islam nicht vor."
ist schlichtweg eine Lüge!
Wie fühlen Sie sich nun in Anbetracht der Tatsache, dass sie durch eine dumme Lüge einen Frieden zwischen Menschen verhindern?
Nach klassischem islamischen Recht ist ein Friede zwischen Muslimen und nichtunterworfenen Nichtmuslimen jedoch nicht möglich, sondern lediglich ein hudna genannter, maximal zehnjähriger Waffenstillstand. (Quelle: Wikipedia)
Liege ich da falsch?
MfG
danke für ihren Kommentar. Er ist sozusagen wie ein Licht in der Finsternis. Jeder, der will, kann es sehen - aber er kann auch weiter in seiner Finsternis leben...
Das gilt in erster Linie für die Zunft der Journalisten, aber auch für einige hier im Forum (siehe u.a. hier die Kommentare 1 und 2), die alles unbesehen nachplappern, was ihnen gepredigt wird.
Man verblödet sich selbst
wenn man meint über Dritte und Bilder
ein realistisches Bild von einer komplexen,
und multikausalen Konfliktlage zu erhalten.
Wir brauchen weniger Wertungen,
und mehr offene Gespräche.
Wir brauchen endlich eine Friedenskultur
die Konflikte nicht deckelt, sondern von der Wurzel anfasst.
Und Krieg ist NIE Ursache,
sondern eines der letzten Mittel
geistiger Konflikte.
Hut ab gw-hh.
freiverlag
Ein ehemaliger Kapiän der Israelischen Luftwaffe spricht sich gegen die Kriegsverbrechen seiner Regierung aus.
Yonatan Schapira, a former Captain in the Israeli Air Force, speaks out against the Israeli invasion of Gaza.
http://www.youtube.com/watch?v=MA3QzmWTp20
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Im Zeitalter der “Demokratie” ist die Meinung der Menschen von entscheidender Bedeutung.
Edward Bernays (Neffe von Sigmund Freud) schrieb 1928 in “Propaganda. Die Kunst der Public Relations”:
“Die bewußte und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land. Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir noch nie gehört haben. Sie beeinflussen unsere Meinungen, unseren Geschmack, unsere Gedanken. Doch das ist nicht überraschend, dieser Zustand ist eine logische Folge der Demokratie: Wenn viele Menschen möglichst reibungslos zusammenleben sollen, sind Steuerungsprozesse dieser Art unumgänglich.”
hier eine aufschlussreiches interview bzw ein ausschnitt aus einer tv sendung zur israelischen kriegsbegruendung - mit ganz deutlichem inhalt - als ergaenzung zu meinem diesbezueglichen artikel hier und den darin gezeigten statistischen werten des israelischen aussenministeriums: waerend des waffenstillstandes wurden keine raketen durch die hamas abgeschossen.... die israelische regierung macht sich zu buetteln der kriegstreiber und waffenschmieden? warum brachen die israelis am 04.11.2008 vorsaetzlich den waffenstillstand?
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