Leserartikel-Blog

Goethe im Urwald!

Das Martius-Staden Institut in Brasilien veranstaltet ein Symposium zur Literatur deutschsprachiger Einwanderer in Brasilien.

Auf dem Plakat steht ein Gedicht von Hilda Siri (1918 - 2007)

Ihr lieben Bras-Teutonen
habt ihr schon überdacht,
was wohl ein Wolfgang Goethe
im Urwald hätt verbracht?
Wer spräche heute von dem Genie
wär er geboren in Ijuí.

Eine umso reizvollere Frage, wenn man weiß, dass Goethe davon träumte, nach Brasilien zu reisen - und sich dort angesichts seiner Brasilienbücher, gar anwesend fühlte.
Ijuí selbst war mit dem Serra-Post Kalender und vielen anderen Publikationen ein Zentrum der deutsch-brasilianischen Literatur. Hier veröffentlichte auch Ernst Feder "Goethes Liebe zu Brasilien"
Ernst Feder nennt Goethe ja gar "Goethe den Brasilianer"

Und in der Rezension von Silvia Bittencourt des neu erst erschienenen Buches Goethes Reise nach Brasilien in der der größten lateinamerikanischen Zeitung (Die Wochenendausgabe ist mit der Zeit vergleichbar, jedoch ca 1.500.000 Auflage) heißt es in der Überschrift gar Goethe, um brasileiro - Goethe - ein Brasilianer!

Goethe - wie hätte der Faust II ausgesehen, wenn er nicht in Weimar sondern in Rio de Janeiro geschrieben worden wäre? Nun der brasilianische Universitätsproffessor Mazzari hat nun gar im Faust II brasilianische Stellen inspiriert bei Martius nachgewiesen.

Das Symposium "Die Literatur deutschsprachiger Einwanderer in Brasilien:
Totes Archiv oder vergessener Fundus?" findet am in der Fakultutä Letras der USP in Brasilien statt. Wir dürfen schon gespannt sein.

Das Forschungsprojekt Literatura Brasileira de Expressão Alemã verfolgt, in einem ersten Schritt, die unfassende Erhebung (und zentralen Erfassung) der Autoren und literarisch-fiktionalen Werke, Dichtungen, Theaterstücke und Essais, die von Einwanderern deutscher Sprache und deren Nachkommen in Brasilien verfasst wurden. Darin einbeschlossen werden auch Exilierte und Reisende. Dieses Korpus soll als Grundlage dienen für die Erarbeitung einer „Geschichte der Literatur deutschsprachiger Immigranten“ oder einer „Geschichte der brasilianischen Literatur deutscher Sprache“, wie sie bisher noch nicht mit der notwendigen Ausführlichkeit und Vollständigkeit geschrieben wurde. Dabei handelt es sich meistens um Texte, die verstreut in Zeitungen, Zeitschriften und Kalendern publiziert wurden oder auch unveröffentlicht blieben. Diese Texte dem Forschungspublikum zugänglich zu machen, eröffnet zweifellos neue Fronten zur Diskussion des kulturellen Selbstverständnisses und, im weiteren Sinn, zur Selbsterkenntnis der brasilianischen Nation.

Das Projekt wird von der Forschungsgruppe RELLIBRA (www.rellibra.com.br) durchgeführt, geleitet von Frau Prof. Dr. Celeste Ribeiro de Sousa und anerkannt von der USP sowie vom CNPq. Seit 2007 wird es vom Martius-Staden-Institut unterstützt, auf dessen Internetsite das Korpus des Projekts beherbergt ist.

Dieser Runde Tisch ist eine erste Veranstaltung im Rahmen dieser Partnerschaft, um das Projekt bekannt zu machen, erste Ergebnisse zu präsentieren und eine Debatte zum Thema in Gang zu setzen. Das Programm sieht folgende Beiträge vor:

Das Archiv zur deutschsprachigen Einwanderung in São Paulo
Rainer Domschke (Instituto Martius-Staden)
Das Projekt “Literatura brasileira de expressão alemã”
Celeste Ribeiro de Sousa (USP)
Das Werk Wilhelm Rotermunds
Gerson Roberto Neumann (PUC-RGS)
Das Werk Elly Herkenhoffs
Valburga Huber (UFJR)

Und Goethe - wäre er nach Brasilien ausgewandert- was hätte er wohl geschrieben? Was meinen Sie?