Leserartikel-Blog

Aufklärung statt öffentlichkeitswirksamer Worte und Gesten

Der Papst spricht in seiner Predigt vom 11.06.10 in der Wir-Form. Für wen? Spricht er für die Täter? Spricht er für die Institution Kirche und deren Umgang mit Tätern und Opfern? Oder etwa auch für sich als den Mann, der früh schon Einblick und Gewalt über alle kirchlichen Verfahren sexuell motivierte Gewalt betreffend hatte? Wohl kaum. Und auch von Aufklärung ist nicht die Rede. Eine gründliche Aufarbeitung aller "Fälle", auch wenn sie strafrechtlich und kirchenrechtlich oft verjährt sind, bleibt aber vordringlich. Seele und Ethos kennen solche Fristen nicht. Auch Geldforderungen und Zahlungen können und dürfen von dieser Aufgabe nicht entbinden. Dass Opfer bei ihrem Bemühen um Wahrheit und Gerechtigkeit vielfach wiederum Opfer wurden, mit Gegenklagen bedroht und krimineller Taten bezichtigt wurden, wird nur wenigen bekannt sein. Ein einzelner hatte in diesem System keine Chance, solange Täter leugneten, Schutz der Täter und Schutz des Ansehens der Institution dem Schutz der Opfer übergeordnet waren. Wir ahnen die Abgründe erst, in die wir blicken müssen. Der Papst sprach aber auch von der mit dem zu Ende gehenden Priesterjahr verbundenen großen Hoffnung und fügte hinzu: "Es war zu erwarten, dass dem bösen Feind dieses neue Leuchten des Priestertums nicht gefallen würde, das er lieber aussterben sehen möchte, damit letztlich Gott aus der Welt hinausgedrängt wird. So ist es geschehen, dass gerade in diesem Jahr der Freude über das Sakrament des Priestertums die Sünden von Priestern bekannt wurden." - Das Ende der maßgeblich von Josef Ratzinger selbst betriebenen Vertuschung, das von zahlreichen Opfern als Heilsgeschehen erfahren wird, als Tat, Geschehen des Bösen, nicht der Wahrheit und des Lichts? Hat, wer so denkt und erklärt, was Jahrzehnte zurück reicht, nicht jeden gesunden, vernünftigen, menschlichen und verantwortungsbewussten Bezug zur Realität längst verloren und den Anspruch auf geistige und spirituelle Führung verwirkt?