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Volksbelustigung: Eine Bildblog-Lesung mit Charlotte Roche

© Karl A. Bihlmeier; mit freundl. Genehmigung
Kann man über Bild lachen? Am vergangenen Donnerstag wagten drei Menschen auf sowie einige hundert Menschen vor der Bühne das Experiment. Und siehe da: man kann. Und doch bleibt das Lachen oft im Halse stecken.Seit 55 Jahren spaltet Bild nun die Nation – in diejenigen, die sie kaufen, und jene, die sie verachten. Stefan Niggemeier und Christoph Schultheis lesen täglich Bild, und dass sie "Deutschlands größte Boulevardzeitung" verachten, daraus machen sie keinen Hehl.Seit drei Jahren gibt es ihr Bildblog - das bekannteste und meistbesuchte Weblog der Bundesrepublik. Dort prüfen mehrere Autoren unter Mithilfe der Nutzer tagein, tagaus das Axel-Springer-Produkt auf seine Fehler und Merkwürdigkeiten. Und derer gibt es nicht zu knapp.Das Bildblog kennen selbst Menschen, die noch nie in ihrem Leben ein Blog gelesen zu haben glauben. Und so war es nicht sonderlich erstaunlich, dass die Veranstaltung am vergangenen Donnerstag im Berliner Fritzclub restlos ausverkauft war.Wieviele Funktionen kann ein und dieselbe Person erfüllen? Bild handhabt das sehr flexibel, wie das zum großen Spaß der Anwesenden vorgetragene Beispiel Eric Juliens zeigt. Überhaupt, das Lachen kam nicht zu kurz. Mal hämisch, mal verschämt, selten frei heraus. Denn wie kann man über Bild lachen? Wenn man doch eher weinen möchte über die ehrenwerten "Kollegen" und den schier unglaublichen Schwachsinn und die Dreistigkeit, mit der manches Mal dort gearbeitet wird?Indem man in einer vollkommen unnatürlichen Situation der wunderbaren Charlotte Roche zuhört. Wenn das Wort Rampensau nicht schon erfunden wäre, für Roche hätte man es tun müssen. Sie spielt gekonnt galant mit ihrem unschuldig wirkenden Kleinmädchencharme. Sie ist die Garantie dafür, dass trotz der hochnotpeinlichen Gegenstände, die auf der Bühne rezitiert werden, nicht das typische "Verstehen Sie Spaß?"-Gefühl aufkommen will. Flapsig springt sie von der Bühne um mit dem Publikum zu flirten – einem Mann in die Arme: «Das ist mein Papa.»Je später der Abend, umso befreiter das Auflachen des Publikums. Die geballte Ladung Bild übersteigt das Betroffenheitsfassungsvermögen des durchschnittlichen Besuchers bei weitem. Mit Ausnahme von Harald Martenstein natürlich. Der lacht irgendwie nicht so viel, sondern steht an der hintersten Ecke des Saales – um zwischendurch auch mal durch den Vorhang zu verschwinden. Um Bild, Bildblog, Bildbloglesung und Bildbloglesungsbesucher allein zu lassen. Nachdem auf der Bühne in epischer Breite Katzencontent besprochen wird, verlasse auch ich die Szene. Schrecklich nett wars - und doch irgendwie erschreckend.

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