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Nachgedanken: IM NACHTZUG

Neulich im Nachtzug saß eine Frau neben mir im Abteil und las in der Zeitung eine Geschichte, die ich erst neulich geschrieben hatte. Natürlich wusste sie nicht, dass ich der Autor war. Ich bin aber nicht mehr in einem Alter, in dem ich mich vor Stolz spreizen müsste. Dabei bin ich durchaus ein eitler Mensch. Aber diese Eitelkeit kultiviere ich schon lange nicht mehr. So bin ich also tagsüber nur noch ein Realist, der Steuern zahlt. Aber auf der anderen Seite bin ich klamm heimlich ein Mensch, der sich weigert, erwachsen zu sein. Früher galt das in der Umgebung, in der ich aufwuchs, als Auswuchs eines Menschen, der Künstler sein wollte und doch nur Dilettant blieb. Verliebte und Dilettanten meinen es immer gut. Und Amateure sind oft schnell beleidigt Aber mit ihrem naiven Optimismus sind sie auch oft nur resistent gegenüber jegliche Realität. Oder vielleicht fehlt es ihnen einfach auch nur an Humor.
Aber mit meiner Art von Humor war es auch nicht besser. Oder vielleicht war ich auch immer nur ein Fatalist, der sich nicht langweilen wollte, weil er auf irgendetwas hoffen wollte. Denn in einem Alter, in dem andere Autoren mit Preisen geehrt wurden, wenn sie nicht schon frühvollendet waren, bekam ich immer noch Absagebriefe für meine Texte. Und irgendwann hörte ich einfach auf meine Arbeiten einzuschicken. Hatte ich das nötig? Immerhin war ich Arzt und man vertraute mir.
Während ich also mein „Ärzteblatt“ einsteckte und dabei zufällig meiner Nachbarin in den Ausschnitt sah, wandte sich diese Frau mir freundlich zu und sagte:
„Darf ich Sie etwas Medizinisches fragen?“

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Leser-Kommentare
    • 12.04.2011 um 23.21 Uhr
    • hardob
    1. Ja, Herr Doktor,

    mir fällt seit längerer Zeit nichts mehr zum Schreiben ein, vielleicht wüsstenS' da ein Mittelchen?

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